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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-04-04 · 14 (4.4.1902) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
14 (4.4.1902)
Date
1902-04-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14 Dr Bloch's WochVNfchrifk. Sette 325 der einen Augustin Thierry zum Secretär und Auguste Comte zum Schüler gehabt. Die Zeitschrift „Le Producteur“, welche sogleich nach Saint-Simons Tod erschien, wurde der Mittelpunkt. um den Rodrigues Männer versammelte, welche die Lehre mit Talent und Redegabe verbreiten sollten. Zu ihnen zählten Olindes Bruder, Eugene, der Verfasser der »Briefe über die Religion und die Politik", seine Vettern Emile, von dem die »Vorlesungen über die Industrie und die Finanzen" herrühren, und Jsaac Pereire, der Dichter Leon Halövy. Moise Retouret, Gustav d'Eichthal, der Sohn eines jüdischen Bankiers, welcher die neue Bewegung auch finanziell unterstützte. Denn schon die unentgeltliche Vertheilung des täglichen Vereinsorgans, des »Globe", erforderte große Opfer. Olinde Rodrigues erkannte die Ueberlegenheit seines einstigen Schülers Enfantin an und trat ihm sowie Bazard die Führerschaft der Schule ab. Rach dem von ihm in seinen beredten Briefen gegebenen Impulse erhielt der Saint-Simonismus neben seiner weltlichen eine religiöse Bedeutung. Neben Enfantin, als Haupt der Religion, Bazard, dem Haupt des Dogma, wurde Rodrigues zum Haupt des Cultes ernannt. Seine Schwärmerei steigerte sich zeitweise bis zur Extase. In einer der aufregenden, stürmischen Sitzungen dieser modernen »Wiedertäufer", wie man sie genannt hat, richtete er an die einzelnen Mitglieder die Frage, ob es nicht wahr sei, daß der heilige Geist in ihm wohne. Als ihm einer eine ungläubige Antwort ertheilte, stürzte Rodrigues wie vom Schlage gerührt nieder. Die Sachlage wurde so kritisch, daß der anwesende Arzt jenen Ungläubigen zum Widerruf veranlassen mußte, um den Kranken zu retten. Solche Macht hatte der Glaube über sonst so klare, gebildete Geister gewonnen. In der Versammlung am 27. November 1831, einige Tage nach dem Ausbruch des Lyoner Aufstandes, erzählte Rodrigues, wie er aus einem Juden Saint-Simonist geworden sei. »Ich bin", erklärte er, »in jenem Glauben geboren, der die Menschen, die Macht der sittlichen und staatlichen Einheit gelehrt hat, dessen Hohepriester alle Völker der Erde in sein Gebet einschloß, dessen großer Prophet die Zeit verkündete, da man aus dem Eisen der Lanzen Pflugscharen schmieden wird, defien über die ganze Erde verstreuten und verfolgten Glieder mit der Befreiung des Arbeiters begonnen, in dem sie den »Wechsel" erfanden". Nun müsse der Saint-Simonismus von der Theorie zur Praxis übergeben, er schlage die Emission einer Anleihe vor. Er fährt mit erhobener Stimme fort: v. Rothschild, Laffitte, Aguado haben nichts so Großes unternommen, als ich zu unternehmen im Begriffe stehe. Sie sind alle nach dem Kriege gekommen, um dem Besiegten zur Befriedigung des Siegers nothwendigen Credit zu geben. Sie haben etwas Großes geleistet und ich war, Dank sei es Saint-Simon, vor 7 Jahren der Erste, der es einsah und veröffentlichte. Aber sie haben die Zukunft der politischen Restaurationen discontirt und für sie hat diese Zukunft bereits Grenzen. Ihre Sendung geht zu Ende, die meine beginnt." Es folgten Spaltungen innerhalb der Schule, Rodrigues fügte sich nicht Enfantin's Dogma von der Ehe. Er verwarf als unvereinbar mit ihrem Wesen jede Formel, welche zu irgend einer Entweihung des innigsten Bundes der Gatten führen könnte. Rodrigues trennte sich von Enfantin und deffen Anhang, darunter d'Eichthal und Simon, ein junger jüdischer Arzt. Sie finden sich erst auf der Anklagebank, an jenem 27. August, wieder zusammen. 1840 gründete Rodrigues den »Patriote", eine Zeitschrift, bestimmt die gesellschaftlichen Gegensätze zu mildern. Darin erschienen poetische Versuche von Arbeitern, die als sociale Erscheinungen der Zeit Beachtung verdienen. 1844 wurde auf seine Anregung eine Denkschrift über die Gründung einer Arbeiterpensionscasse ausgearbeitet, doch ohne Erfolg. 1848, beim Ausbruch der Revolution, glaubt Rodrigues seine Zeit gekommen. Er verbreitet ein Plakat, welches sein Programm der Theilnahme des Arbeiters am Gewinn verkündet. Mit einer in der Stadt Boltaire's unverständlichen Schwärmerei warb er an der Börse für seine neue Idee der Einigung zwischen Bourgeoisie und dem Volke. Auch dies mißlang. Nun ging Rodrigues an die Herausgabe der Schriften und einer Biographie des Meisters, deffen Lehre er sein ganzes Leben geweiht hatte. Mitten in den Vorbereitungen überraschte ihn der Tod. Kurze Zeit darauf verwirklichten die Brüder Pereire durch Gründung des Credit Mobilier einen seiner Lieblingsgedanken: den Bau von Eisenbahnen, ein wichtiges Mittel im Dienste der Völkerverbrüderung. Diese Gründung von Banken und Eisenbahnen war die nächste praktische Frucht an dem Baume der, wie wir sehen, von Juden wesentlich mit genährten Lehre Saint-Simon's, einer Lehre, welche im Laufe des Jahrhunderts noch eine andere, reifere, theuere Frucht zeitigen sollte: die beginnende Lösung der socialen Frage. Ein Laffalle sprach anders als ein Rodrigues! Heine hat Recht, wenn er noch 1843 den Saint-Simonismus mit der Ecclesia pressa des ersten Jahrhunderts vergleicht. Seine Prophezeiung „l’avenir est ä nous“ will zur Wahrheit werden. Wiederum aber lehrt die Geschichte dieser bedeutenden Geistesbewegung, welch innigen Antheil die Juden stets allen fortschrittlichen und freiheitlichen Strömungen entgegenbrachten, wie sie — getreu ihren Traditionen — freudig einer Lehre beistimmten, die allgemeine Gleichstellung predigte, und wie sie ihre geschäftliche Tüchtigkeit uud ihre Gewandtheit in finanziellen Unternehmungen dazu verwendeten, um den wirthschastlichen Fortschritt zu heben, den Bortheil des Arbeiters zu vergrößern und nach Möglichkeit jenes höchste Glück zu fördern, welches die Arbeit zur Voraussetzung hat und deffen Blüthe, Wohlstand und Cultur. _ Iuderrverbrennnngrn in Spanien int 17. Jahrhundert. Von I. Rivas Puigcerver. Aus dem Englischen übersetzt von E. S u ß m a n n. Auto—de—fe, (Glaubenshandlung) oder, wie es bei Fremden zu heißen pflegt, Auto—da—fS, nannte man die feierliche öffentliche Verlesung der Untersuchungsacten und des Urtheilsspruches. den die Richter des Jnquifitionstribunals gefällt hatten. Diesem Vorgang wohnten die Verbrecher in Person bei, im Falle ihres Todes oder sonstiger unvermeidlicher Abwesenheit traten ihre Gebeine oder ihr Bild an ihre Stelle; gleichfalls anwesend waren die Civilbehörden und Körperschaften der Stadt, wo das Urtheil vollstreckt wurde; insbesondere aber der Strafrichter, dem die Schuldigen zum Vollzug der gesetzlich zudictirten Strafe übergeben wurden. Feuer, Galgen und Henker waren auf Befehl der Jnquifitoren schon vorher bereit gestellt. — Wurde diese Exeeution mit großem Pomp vollzogen, so nannte man fie „auto publieo general" »allgemeinen und öffentlichen Act"; es gab auch ein „auto partieular", Privatact, zu dem nur die Jnquifitoren und Strafrichter Zutritt hatten; dann das „autillo", das in den Räumen des Jnquifitionsgebäudes stattfand und wobei nur geladene Gäste und die Mitglieder des Tribunals selbst zugegen sein dursten; und endlich das „auto siugolar", das in der Kirche oder auf einem öffentlichen Platz gegen eine einzige Person abgehalten wurde. — Folgende Beschreibung macht Don Jose del Olmo von dem „auto publieo general", das im Jahre 1680 zu Madrid gefeiert wurde: Als König Karl II. den Wunsch äußerte, ein solches Schauspiel zu sehen und deffen Feierlichkeit durch seine Anwesenheit zu erhöhen, bestimmte der derzeitige Generalinquifitor, Don Diego Sarmiento de Balladares, Bischof von Oviedo, welcher wußte, daß die Gefängniffe Madrids und anderer Plätze mit Verbrechern überfüllt waren, Sonntag den 30. Juni zur Feier eines allgemeinen auto da fe. Der König gab Befehl, die nöthigen Gelder zur Beförderung der Gefangenen in die Hauptstadt und zur Errichtung des Amphitheaters aufzubringen. Nachdem die Behörden und Körperschaften der Stadt wie auch die »Familares" und Officiere des Tribunals zur Betheiligung aufgefordert waren, hielten 150 Beamte des Tribunals auf reichgeschmückten Pferden einen feierlichen Umzug durch die Stadt. Mit solchem Gepränge wurde das »Auto" am 30. Mai zuerst an der Thür des Generalinquifitors, darauf vor dem Palast des Königs und dann auf sämmtlichen öffentlichen Plätzen der Hauptstadt folgendermaßen bekannt gemacht: »Den Einwohnern der Stadt Madrid wird hierdurch bekannt gegeben, daß das heilige Amt der Jnquifitton Sonntag den 30. Juni dieses Jahres ein allgemeines Auto—de—U feierwird, und sollen alle diejenigen, die dabei anwesend find oder in irgend einer Weise beitragen zur Beschleunigung besagten Autos, theilhaben an den Gnaden der heiligen römischen Kirche." Infolge dieser Aufmunterung ergriff ein solcher Eifer die Mafien, daß das am 23. Mai begonnene Amphitheater schon am 28. ferttggestellt war. Nicht weniger als 50 Baumeister mit

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