Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-03-28 · 13 (28.3.1902) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
13 (28.3.1902)
Date
1902-03-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021439-3021453--11650-3036199
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 216 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 13 Bemerkung abstrahirte er den Rabbiner von dem Bereinsmitgliede in sich. In klarer, offener, nicht mißzuverftehender Weise sprach er den Gedanken aus, der zur Gründung des Vereines führte, schonte jede freie Auffassung, berührte die Purimsidee als solche, Arm und Reich, Jung und Alt, Chef und Angestellte, alle, alle sollten sich miteinander freuen und erfreuen. Wie der Verein am besten verstanden sein will, ging am besten aus dem Schlußwort hervor. Wir wollen mit jüdischer Bildung unser modernes Menschenthum ergänzen. Auf diese Begrüßungsworte folgten prächtige von der 92. Regimentscapelle gespielte Orchesterpiecen. Bei der nun folgenden von Frl. Fischer, den Herren Adler, Freund, Löwenthal, Werfel und Wantoch gespielten Poffe gab es anhaltende Lachstürme. Tiefgehend ins Gemüth wirkte etwas, was für Teplitz ganz neuartig war, nämlich eine allegorische Darstellung sämmtlicher jüdischer Feste mit Declamation und. Orgelbegleitung. Die Ausführung dieser echt jüdischen und künstlerischen Idee wirkte nachhaltig, wie selten eine Aufführung. Sowohl Melodram, wie lebende Bilder mit herrlichen Frauengestalten dargestellt, wirkten weihevoll Poetisch auf's Gemüth. Alle Mitwirkenden erfüllten in glänzender Weise ihre Aufgabe. Herr Obercantor Eugen D a w i s o n, der die Idee hiezu entwarf, ausführte und die Orgel, in den Registern stimmungsvoll abgetönt, spielte, wurde wie alle Mitwirkenden beglückwünscht. Das Gründungscomits mit den Herren Doctor Hahn und Ungerleider (Letzterer der Spiritus reetor des Vereins) an der Spitze, dem trefflichen Schriftführer S. Steiner und seinem finanzkräftigen Cassier Ludwig Adler holte sich mit dieser Erst-Veranstaltung einen ungeahnt großen Erfolg. Möge er für die Zukunft des Volksbildungs- Vereins von glücklicher Vorbedeutung sein. Mährisch-jüdischer Waisenhilfsverein. Die diesjährige Generalversammlung dieses Vereines fand Sonntag den 16. d. M. unter Vorsitz des Vice-Präsidenten kais. Rathes Mandl statt. Der Rechenschafts- und Thätigkeitsbericht des Vorstandes für das abgelaufene Jahr beklagt die geringe Theilnahme der Glaubensgenossen an der Wirksamkeit dieses überaus segensreichen Humanitätsvereines, die sich in der niedrigen Ziffer der Jahresbeiträge per 2119 Kronen und der im Vergleiche mit anderen Wohlthätigkeitsvereinen gleichfalls unbedeutenden Ziffer der Spenden und Legate per 701 Kronen ausdrückt. Man sollte erwarten, ein Verein, der seine menschenfreundliche Thätigkeit auf ein ganzes Kronland erstreckt, der arme, verlaffene Waisen vor Roth und Elend schützt und sie den Quellen der sittlich-religiösen Erziehung und bürgerlichen Ausbildung zuführt, müsse ohne den Aufwand äußerlicher Mittel und ohne große Anstrengung durch die bloße Thatsache seines Bestandes und seiner Wirksamkeit so viel werbende Kraft besitzen, um zahlreiche Mitglieder und namhafte Jahresbeträge heranzuziehen und so die sich als unzulänglich herausstellenden eigenen Mittel des Vereines wesentlich zu vermehren. So ansehnlich diese besonders seit dem großen Legate des seligen Baron Moriz v. Hirsch-Gereuth sind, so reichen sie dennoch lange nicht hin, um den von Jahr zu Jahr steigenden Ansprüchen der Unterstützungswerber gerecht zu werden. Der Vorstand wiederholt daher immer wieder seinen dringlichen Appell an die Wohlthäter und Menschenfreunde in Stadt und Land, diesem Vereine beizutreten, seiner in Freud und Leib zu gedenken und die Verwaltung vor der peinlichen Lage zu bewahren, verlaffene Waisen, die um Hilfe bitten, abweisen oder auf einen späteren Zeitpunkt vertrösten zu müssen. Für die Waisenpflege wurden verausgabt 24.055 Kronen, um 1120 Kronen mehr, als im Vorjahre. In der Obsorge des Vereines standen im Sommercurse 31 hiesige und 131 auswärtige, im Wintercurse 28 hiesige und 128 auswärtige, zusammen 156 Waisen, daneben noch 6 aus Stiftungen betheilte Kinder. Die Erziehungsbeiträge betragen in der Regel 160 Kronen jährlich, bei mehreren Geschwistern 120 Kronen. Ueberdies erhalten mehrere, bereits aus der Obsorge entlaffene oder bisher noch nicht aufgenommene Waisen Unterstützungen von je 80 Kronen jährlich. Die Waisen stehen auf dem Lande unter Aufsicht von Waisenvätern, welche die Cultusvorstände bestellen, besuchen sämmtlich die Volks-, Bürger- oder Mittelschulen und werden anch weiter unterstützt, wenn sie sich einem Handwerk widmen, bezw. die Mädchen, wenn sie eine Fertigkeit erlernen, so daß die Unterstützungsdauer immer weiter über das 14. Lebensjahr hinausrückt. Der Bericht schließt mit warmen Dankesworten für alle Gönner des Vereines. Nach Genehmigung des Berichtes trug Cassier Leopold Löw Beer den von den Revisoren geprüften Rechnungsabschluß vor, der gleichfalls einstimmig genehmigt wurde, ebenso den Voranschlag für das Jahr 1902, der die Einnahmen und Ausgaben des Vereines auf 24.600 Kronen veranschlagt. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Leopold Löw Beer und Sal. Perlhefter und die Revisoren Ignaz Schulz und Gustav Tandler wurden einstimmig wiedergewählt. Auf Antrag der Herren Bauer und Perlhefter wird beschlossen, an.den mährisch-jüdischen Landesmassafond mit der Bitte heranzutreten, die dem Vereine gewährte jährliche Subvention namhaft zu erhöhen. Endlich beantragte.Herr Subak, den langjährigen Ehren - Secretär des Vereines, Herrn Dr. Oppenheim, in Anerkennung seiner Verdienste um den Verein zum Ehrenmitgliede zu ernennen, was mit dem Beisatze beschlossen wurde, daß diese Ernennung nach der bezüglichen Ergänzung des Statutes, welches bisher Ehrenmitglieder nicht kennt, ins Leben treten soll. Für letzteren Fall behält sich Herr Subak vor, auch die hohen Verdienste der Herren Löw Beer und Mandl um den Verein durch Verleihung der Ehrenmitgliedschaft ehren zu wollen, was mit Zustimmung und Beifall ausgenommen wird. Krakau. (Pflegerinnenschule.) Am 12. d. M hielt Frau Dr. S. A. W e i ß in Krakau einen Vortrag, um auch außerhalb Wiens stehende Kreise der Frage der Errichtung einer jüdischen Pflegerinnenschule in Wien zugänglich zu machen. Sie begann mit einem Rückblick auf die Socialhygiene der Juden, die zum Unterschiede von den heidnischen Naturvölkern die Socialhygiene auf streng wissenschaftlicher Grundlage aufbauten,. kam dann auf die Wohlfahrtseinrichtungen der Juden und auf die moderne Krankenpflege zu sprechen, an die heutzutage viel höhere Ansprüche gestellt werden und die durch die Heranziehung intelligenter Kräfte eine ungeahnte Vertiefung erfahren würde. Aus eigener praktischer Erfahrung schilderte sie den echt weiblichen vornehmen Beruf der Krankenschwester, mit dem überzeugenden Tone der Wahrheit erzählte sie Erlebtes und überließ es den Zuhörern, sich selbst ein Urtheil darüber zu bilden, wie wichtig die Errichtung einer Pflegerinnenschule für jüdische Mädchen wäre, denen bei der heutigen Strömung so wenige Berufe offen stehen. Frau Dr. Weiß wies nach, daß die Errichtung der ersten jüdischen Pflegerinnenschule in Oesterreich nicht nur für Wien, sondern für das ganze Land, insbesondere aber für Galizien von Bedeutung wäre, denn Hunderte von Mädchen, deren Kräfte jetzt brach liegen, könnten in der Krankenpflege Verwendung finden, die Gesundheitsverhältnisse Galiziens durch die Entsendung von Armenpflegerinnen verbessert, überdies Filialen gegründet weiden. Mit warmen Worten suchte die Vortragende das Vorurtheil, als ob Jüdinnen sich zur Krankenpflege nicht eignen, sich dieser Art praktischer Thätigkeit nicht gern widmen würden, zu entkräften, indem sie darauf hinwies, daß sich bereits eine hübsche Anzahl feiner jüdischer Mädchen gemeldet habe, die mit Begeisterung an die Sache gehen und sich glücklich fühlen, einen so schönen, ihren Fähigkeiten und ihrem Bildungsgrade angemessenen Wirkungskreis finden zu können. Mit einem warmen Appell an die Anwesenden. ihren Worten aufopfernde Thaten folgen zu lassen und die erste jüdische Pflegerinnenschule in Oesterreich nach Kräften unterstützen zu wollen, schloß Frau Dr. Weiß ihren Vortrag, dem ein distinguirtes Auditorium anwohnte. Wir bemerkten den Präsidenten der jüdischen Gemeinde Dr. Horowitz, die Herren Hirsch Landau, Dr. Leo Ader und andere Cultusvorstände, den Präsidenten der Bnai Brith-Loge Dr. Rothwein, Universitätsprofessor Rosenblatt, die Aerzte des hiesigen Spitals, viele andere Persönlichkeiten und vornehme Damen der jüdischen Gesellschaft, die sich überdies um die Veranstaltung dieses schönen Vortragsabends sehr verdient gemacht haben. Agram. (Purim-Unterhaltung.) Die diesjährige, am Donnerstag den 20. d. M. stattgefundene Purim-Unterhaltung nahm einen glänzenden Verlauf. Die Localitäten der Schießstätte waren über und über gefüllt von einem den besten Kreisen angehörigen Publicum, unter dem wir die Herren: Bürgermeister A. v. Mosinsky, Präses der Cultusgemeinde Gemeinderath Josef Siebenschein, Oberrabbiner Dr. Hvsea Jacobi, Bice- Präses der Cultusgemeinde Advocat Dr. Goldmynn, Baurath Hermann Bolle. Handelskammersecretär Milan Kresio u. A. bemerkten. Das Concert, welches die Musik des Jnf.-Reg. Nr. 16 unter Capellmeister Pichl mit Schubert's »Rosamunde"-Ouverture einleitete, eröffuete Frl. Elsa Weiß, welche mit ihrer lieblichen Sopranstimme eine Arie aus dem »Glöckchen des Eremiten" in vortrefflicher Weise vortrug und verdienten reichlichen Beifall erntete. An Gesangsnummern brachte das Concert noch Vorträge

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.