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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-03-28 · 13 (28.3.1902) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
13 (28.3.1902)
Date
1902-03-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 214 Dr. Bloch's Wochensrirrrst. Nr. 13 Zur Annahme gelangen unter den vom Vertreter-Collegium beantragten Modifikationen: Die Leopold und Betti K ö n i g st e i n'fche Seelengedächtniß-Widmung; die Fanny G l a s s ch e i b'sche Wohlthätigkeits - Stiftung für arme Frauen und die Architekt Max Fleische r'sche Wohlthätigkeits - Stiftung für mittellose, würdige Handel- oder gewerbetreibende Bewohner der Gemeindebezirke Mariahilf und Neubau; diese Stiftung wurde von Mitgliedern des israelitischen Tempelverein's für die Bezirke Mariahilf und Neubau aus Anlaß des 60. Geburtstages des Herrn Architekten Max Fleischer errichtet. Bice-Präsident Dr. K o h n referirt namens des Vertreter- Collegiums über Subventionsangelegenheiten: Der Talmud-Thora-Vereinsschule im VI. Bez., Stumpergafse 42, wird für das. Jahr 1902, mit Rücksicht auf die bedeutenden Leistungen der Schule, eine Erhöhung der Subvention auf den Betrag von Kronen 800.—; der israelitischen „Toynbee-Halle," deren ersprießliches Wirken von mehreren Rednern, wie insbesondere vom Präsidenten, von den Vorstehern G e w i t s ch, Dr. G r ü n f e l d, Ellbogen und Direktor Simon in besonders warmer Weise betont wird, eine Subvention im Betrage von K 500.—, und dem von der israelitischen Cultusgemeinde in Karlsbad neu errichteten Hospitale für arme Israeliten pro 1902 eine Subvention von K 200.— bewilligt. Ueber Ansuchen des israelitischen Bethausvereines „Beth Haclmeteth" im dritten Bezirke wird auf Antrag der Commission I. und des Vertreter-Collegiums der Rabbiner dieser Vereins-Synagoge Herr Dr. Armin A b e l e s, welcher vor einigen Jahren seine Studien an der Wiener israel.-theolog. Lehranstalt beendet hat, zum Gemeinde-Rabbiner im Sinne der §§ 44 und 50 des Cultusgemeinde-Statuts bestellt. Zu Verificatoren des Protokolles werden über Vorschlag des Präsidenten die Herren Vorsteher Oberbaurath T a u s s i g und G e w i t s ch berufen. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um halb 2 Uhr Nachmittags geschloffen. Wien. (Dr. Adolf Hofmann's achtzig st er Geburtstag.) Nennt man die Besten unserer Stadt und insbesondere unserer vornehmen jüdischen Gesellschaftskreise, so wird der Name Dr. Adolf Hofmann alle Zeit im unvergänglichen Glanze menschenfreundlichen, gemeinnützigen Wirkens und erfolgreichen Schaffens erstrahlen. Es muthet uns wie ein wohlthuender Anachronismus an. daß dieser Mann mit seiner stolzen, aufrechten Haltung, mit seinem von der Last der Jahre und vergangener Mühsal nicht gebeugten Rücken, mit dem hellen und erquickenden Blick seines keineswegs vom Alter umschleierten blauen Auges, am heutigen Tage in jenes Alter tritt, von dem der königliche Sänger spricht, daß höchste Kraft dazu gehöre, um es zu erreichen. Als ob ein gütiges Geschick die Zeitenuhr für ihn stillehalten geheißen hätte, so läßt es ihn, der am heutigen Tage seinen achtzigsten Geburtstag feiert, nicht etwa in abendlichem mildem Sonnenschein, sondern noch fast auf der Mittagshöhe seines Lebens vor uns treten. Es ist ein Jugendgreis, den wir zu seinem heutigen Geburtstage aus vollem Herzen beglückwünschen. Er, der die Ideale seiner Jugend sich bis zum heutigen Tage treu bewahrte, der wie ein guter Mensch in seinem dunkeln Drange sich des rechten Weges stets bewußt war, er hat nicht erst auf der so selten gegönnten Lebenshöhe von achtzig Jahren sein Ziel erkannt und dje hohe sittliche Auffassung von Welt und Menschen gewonnen. Kaum daß er in jugendlicher Schaffenskraft sich eine hochangesehene Stellung in der Gesellschaft errungen, hat er auch schon in edlem Triebe, sich den Anderen nützlich zu machen, jene weise contemplative Betrachtung über den Werth der Dinge, der menschlichen Verhältnisse und Lebensbedingungen gewonnen, die ihn befähigte, stets das Rechte zu suchen und zu finden. Er war in Wahrheit, was Horaz so hoch gepriesen, im Erkennen des Lebensweges in seiner Jugend alt, und so ist er im Alter jung geblieben. Humanität ist und war allezeit die Devise seines Lebens und der Glaube an die Menschheit, wie der an Gott die Religion seines Herzens. Wir machen uns keiner Uebertreibung schuldig, wenn wir ihn einen Fanatiker der Menschenfreundlichkeit nennen. Seine Werke und Thaten werden dauernd die beredtesten Zeugen seines edlen Schaffens bleiben. Im Directorium des Seehospizes von San Pelagio hat er zur Errichtung desselben, neben Prof. Monti, wie kein Zweiter mehr beigetragen. Er hat unermüdlich für „fein" Hospiz gesammelt, sowohl Geld als auch Materialien, er nahm Alles. Von der Estrichbekleidung bis zur letzten Schiefertafel auf dem Dache, schaffte er allein Alles herbei, und in dem Ehrenbuche dieser großartigen humanitären Institution wird sein Name immer leuchten. Als dieses Werk vollendet war, da rief er, der längst die Siebzig schon überschritten hatte, ein neues, speciell seinen unglücklichen Glaubensbrüdern gewidmetes Werk ins Leben, es ist der „Verein zur Unterstützung armer Brustkranker auf dem Lande" — Wölflerheim genannt. Er legte wegen seines vorgeschrittenen Alters alle die Ehrenämter noch vieler anderer von ihm theils gegründeten, theils geförderten philanthropischer Unternehmungen nieder, um sich ausschließlich derendgiltigen Ausgestaltung des „Wölflerheims" zuzuwenden. Er, der selbst die Nvth des armen Studenten durchgekostet hatte, ward später dann „Studentenvater" und freut sich, wenn es ihm gelingt, strebsame junge Leute in ihren Studien zu fördern und zum Ziele zu führen. So theilte er immer sein Leben und seine Arbeit zwischen Berusserfüllung und Menfchenbeglückung, und in diesem erträumten Ideale seiner Jugend findet er sein Lebensglück. Das Enttäuschtsein, dieser Charakterzug des höheren Alters, blieb ihm fremd, weil er nur die Menschenliebe kennt und weil er mit der kleinsten Spende, die ihm, dem unermüdlichen „Sammler" — Schnorrer nennt man es drastisch, — gegeben ward, zufrieden war. Auch kleine Steinchen braucht man zum Baue, denkt er bei sich. So hatte er, wenn er von einem schweren Schnorrgange nach Hause kam, das Glück, die Tiefe und Süße des schönen Psalmenwortes zu empfinden: „Er gehet hin und weinet, indem er die Last der Aussaat trägt, doch jubelnd kehrt er mit vollen Garben heim." — Der grämliche Ausruf des Kohelet: „Alles ist eitel," konnte ihn niemals entmuthigen. Er, der Liebling Gottes und der Menschen, wirft alle die gewöhnlichen Altersregeln über den Haufen. Während sonst das Los des Alters die Langeweile ist, kennt er dieselbe nur vom Hörensagen. Seine jugendfrische Empfänglichkeit für alles Schöne und Gute, für Alles, was die Welt bewegt, für die großen politischen und socialen Tagesfrazen, seine geradezu bewundernswerthe Elasticität des Geistes, seine ungemiuderte Arbeitskraft, seine Vorliebe sür botanische und numismatische Studien, die sind der unerschöpfliche Quell, aus dem er heute noch die süßesten Freuden seiner Erholung schöpft. So hat er bis heute sich jene Heiterkeit des Gemüthes bewahrt, die nur dem Weisen innewohnt und glücklich macht, dies umsomehr, als ihm auch das höchste Glück beschieden blieb, seine Lebensfreude mit seiner ebenso klugen und gemüthsreichen Frau zu theilen, die an Edelsinn und Wohlthun mit ihm wetteifert. Möge noch lange diese sorgsame, treue Baukis ihrem Philemon jeden seiner Athemzüge mit Angst und Freude bewachen. Das ist das Bild Dr. Adolf Hofmann's, eines edlen guten Menschen! Möge ihn Gott bis au die äußerste Grenze menschlichen Daseins zur Freude und zum Stolze seiner Familie und unserer Glaubensgemeinde, der er als treu überzeugter Jude immer mit Liebe anhängt, in gleicher ungetrübter Lebenskraft erhalten! Wien. (Ein warmer Appell.) Bei dem im Tempel der Seitenstettengaffe stattgefundenen Gottesdienste am vergangenen Freitag Abend richtete Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann im Verlaufe seiner eindrucksvollen Predigt die warme Aufforderung an seine Zuhörer, die bekannte Opferwilligkeit der Juden zu Gunsten der rumänischen Glaubensbrüder neuerlich zu bethätigen und im Kreise der Familie und unter Freunden Sammlungen einzuleiten, deren Ergebniß der Israelitischen Allianz, 1., Weihburgqasse 10, zugeführt werden möge. Die Worte des allverehrten Predigers werden sicher nicht verfehlen, das Mitgefühl sür jene Unglücklichen zu erwecken, die in schwerster Bedränguiß, von neuer Verfolgung bedroht, auf die Theilnahme und Hilfe ihrer westlichen Glaubensbrüder angewiesen sind. E. J. Wien. (Zehnjähriges Vereins-Jubiläu m.) Der Verein „Ferienheim", welcher zu den segensreichsten Institutionen gehört, die der jüdische Wohlthätigkeitssinn geschaffen, versendet soeben den Bericht über das abgelaufene zehnte Vereinsjahr. Wie bekannt, stellt sich dieser Verein die Aufgabe, arme kranke Kinder in Heilbäder, Curorte und Feriencolonien zu entsenden. Welch edle, bedeutsame Aufgabe für die Heranwachsende Generation dies ist, bedarf wohl keiner Erläuterung. Wir ersehen aus dem Jahresberichte, daß der Verein „Ferienheim" im Jahre 1892 seine Thätigkeit mit der Entsendung von 42 Kindern begonnen und im Jahre 1901 bereits 546 Schützlinge in seine Colonien untergebracht hatte. Jnsgesammt fanden in den ersten zehn Jahren 3457 Kinder in den Colonien des „Ferienheim"

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