Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-03-28 · 13 (28.3.1902) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
13 (28.3.1902)
Date
1902-03-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021439-3021453--11647-3036196
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 13 Dr. Bt'txJj’ö Wvrhenfchrifk. Sette 213 mir gesprochen und mir sogar eine ansehnliche Wette angeboten hat, daß dieser an sich zwar unerheblich erscheinende Artikel dennoch in den Vergleichs-Unterhandlungen nicht durchgehen würde. Vor 20 Jahren, mein Verehrtester Herr Agent, antwortete ich ihm, habe ich auch nicht geglaubt, daß am Jomkipur Tage rechtgläubige Juden mit einem geräucherten Schweinsschinken zum Mittagsessen beschäftigt gefunden werden könnten und das ist doch im abgewichenen Jahre zwischen Kopenhagen und Friedrichsberg an diesem Tage gefunden worden." Gemeint ist natürlich Henriques' Sohn. Correspond enzen. Aus der Plenarsitzung des Borstandes der israelitischen Cultusgemeinde in Wien vom 23. März 1902, unter dem Borsitze des Präsidenten kaiserl. Rath Klinger. Beginn halb 11 Uhr Bormittags. Der Präsident eröffnet die Sitzung und gibt der Befriedigung Ausdruck, daß, von seinem Urlaube zurückgekehrt, es ihm wieder gegönnt ist, eine zahlreich besuchte Plenarversammlung zu leiten. Im Einlaufe werden bekanntgegeben, an Spenden: Bon Herrn Ignaz Eisler Edler von Terramare.Legat von K 1000.— zur Bertheilung an Arme israelitischer Confession. Bon Frau Rosalie Goldschmidt, zur Bertheilung in Beträgen von je K100'—: An die israelitische Kinderbewahranstalt, das israelitische Taubstummen-Jnstitut, dem Verein „Ferienheim", dem Theresien- Kreuzerverein.„ 400'— Bon Herrn Dr. Alfred Stern, an die israelitische Allianz für unsere verfolgten Glaubensbrüder in Rumänien; zufolge der vom Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann am Freitag den 21. d. M. beim Abendgottesdienste gehaltenen Predigt", . . . „ 400‘— Bon Herrn kais. Rath Jonas Weil, aus Anlaß der Bar- Mizwah seines Sohnes, und zwar: für den Theresien-Kreuzerverein K 100'—, für den Studenten- Unterstützungsverein K 50 —, für das Blindeninstitut K 25*—, für den Wöchnerinnen-Berband X 25'—.„ 200'— Bon Herrn Michael Wieländer, zur Bertheilung an 10 würdige arme Realschüler mosaischer Confession der VI. Realschulclasse.„ 200*— Bon Herrn Adolf Pichler, zur Bertheilung in Beträgen von je K 20'— an nachbenannte Wohlthätigkeits- Jnstitute: Blindeninstitut, Taubstummeninstitut, Handwerkerverein, Bolksküchenverein, Speiseanstalt, Armenanstalt, Chewra-Kadischa, Studenten-Unterstützungsverein, Israelitische Allianz, Ferienheim „ 200'— Bon Herrn S. Kohnberger, zur Verköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau . . „ 100'— Von Herrn Dr. Alfred Stern für Arme . . . . „ 80'— Bon Herrn Dr. Ignaz Altschul für den Erhaltungsfond der israelitischen Bersorgungsanstalt . . . „ 50 — Bon Herrn Rudolf Herrmann für Arme, zur Bertheilung durch das Präsidium.„ 50'— Bon Herrn Max Stern für Insassen des israelitischen Versorgungshauses.„ 20'— Bon Erni Brandl, Schüler der II. Volksschulclaffe, für Waisenkinder.„ 20'— (Die Zuschrift dieses Kindes, welches die von seinen Eltern zur Belohnung für ein gutes Zeugniß empfangenen L 20'— für Waisenkinder einsendete, wird beifällig ausgenommen.) Von Herrn Nathan Pisk für den Erhaltungsfond der israelitischen Versorgungsanstalt.„ 6'12 Von Jenny Weiß und Fritzi Blumenkranz für arme Kinder.„ 5*— Bon N N. zur Verköstigung von armen Schulkindern in der Brigittenau.„ 2'— Der Präsident bezeichnet den ersten Gegenstand der Tagesordnung : „Anträge betreffend die Berufung von zwei Predigern" im Hinblick auf die obwaltenden Verhältnisse als ebenso wichtig wie dringend; denn wenn auch nicht daran gedacht wird, bei den in glänzender und gediegener Weise besetzten Kanzeln der Gemeinde eine Veränderung vorzunehmen, so stelle sich doch eine Vermehrung der als Prediger wirkenden Rabbiner angesichts der Ausdehnung der Gemeinde und zur Hebung des culturellen Interesses in derselben gebieterisch als eine Nothwendigkeit dar. Er habe darum sofort nach seiner Rückkehr vom Urlaube diesen Gegenstand zur Berathung und Antragstellung im Vertreter- Collegium gebracht. Referent Vertreter Dr. Steiner begründet sodann in eingehender Weise die Nothwendigkeit dieser Neubestellungen und führt die Bedingungen und Voraussetzungen an, welchen die Candidaten seiner Ansicht nach entsprechen müßten. Der Antrag des Vertreter-Collegiums geht dahin: das Plenum beschließe die Berufung zweier Rabbiner, deren Wirkungskreis jeweilig nach dem Bedürfnisse der Gemeinde festzusetzen sein wird, und ermächtige das Vertreter-Collegium» die Abhaltung von Probepredigten zu veranlaffen, zu deren Anhörung im Sinne des Statutes selbstverständlich die Vertrauensmänner einzuladen sein werden. Herr Dr. Spitzer tritt in erster Linie dafür ein, daß die neu zu berufenden Männer Prediger ersten Ranges seien, nachdem für Wien das Allerbeste erst gut genug sei. Das finanzielle Moment sei in dieser Richtung von untergeordneter Bedeutung, nachdem der Cultusvorstand berufen ist, für die Verherrlichung des Gottesdienstes Sorge zu tragen, und ein erhebender Gottesdienst ohne eine auf der Höhe der Zeit stehende Kanzelrede in der Jetztzeit undenkbar wäre. Herr Vorsteher Theodor Ritter von T a u s s i g hält die Berufung der Persönlichkeit, welche die Aufgabe hat, zur Gemeinde zu sprechen, für eitle der allerwichtigsten Angelegenheiten, mit denen sich der Vorstand zu beschäftigen hat. Hier handle es sich um ein eminentes Jntereffe der Gemeinde, welches, unabhängig von allen anderen Rückfichten, gewahrt werden müsse. Er stimme insbesondere dem Vorredner zu, daß die zu berufenden Rabbiner auch in erster Reihe als Redner besonders qualifieirt sein müßten. Es handle sich darum, Rabbiner zu bekommen, welche der Gemeinde in jeder Beziehung zur Ehre gereichen. Noch wichtiger als die Erbauung eines neuen schönen Tempels sei die richtige Auswahl der Männer, welche in dem Tempel zur Gemeinde sprechen sollen. Wünschenswerth sei es, daß die Vorstandsmitglieder möglichst allen Probepredigten beiwohnen, um auf Grund eigener Wahrnehmung später Beschluß faffen zu können. Kais. Rath Wilhelm Pollak schließt sich den Ausführungen des Herrn v. Taussig an und bespricht den Modus bei der Auswahl der zu Probepredigten zu Berufenden. Kais. Rath Weil tritt dafür ein, daß die zu Berufenden durch Rednergabe und Charakter gleich ausgezeichnet seien. Nach dem Schlußworte des Referenten faßt der Vorstand einhellig folgende Beschlüffe: 1. Der im Juli 1900 -gefaßte Borstandsbeschluß betreffend die Bestellung eines Hilfspredigers wird aufgehoben; 2. die Anträge des Vertreter-Collegiums auf Berufung zweier Rabbiner zur Disposition des Vorstandes nach den Bedürfnissen der Gemeinde werden angenommen; 3. die Plenarversammlung ertheilt dem Vertreter-Collegium die Vollmacht, eine Anzahl von geeigneten Persönlichkeiten zur Abhaltung von Probepredigten zu berufen. Das Vertreter Collegium wird sich bei der Berathung über die Auswahl der zu Berufenden durch Zuziehung der Herren Oberrabbiner Dr. G üd em a n n, Rabbiner Dr. Schmied! und des Rectors der theologischen Lehranstalt in Wien, Dr. Schwarz, sowie einiger Mitglieder der Commission für Cultus- und rituelle Angelegenheiten verstärken. Der Präsident erklärt, daß er diese Berathung bereits für einen der nächsten Tage anberaumen werde. Des Weiteren werden nachfolgende Stiftungsangelegenheiten erledigt: Entsprechend dem Anträge des Vertreter-Collegiums wird über das Referat des Herrn Baurathes S t i a ß n y nach einer längeren Debatte, an welcher sich die Herren Commercialrath Leopold Pollack, Oberfinanzrath Dr. Rappaport und Dr. Grünfeld betheiligen, beschlossen, unbeschadet der Erfüllung des ursprünglichen Stiftungszweckes die Permutirung der Ignaz Ritter v. Liebenberg'schen Grabstiftung der Statthalterei dahin zu beantragen, daß die nach Erfüllung des Stiftungszweckes erübrigten Erträgnisse zur Instandhaltung des Währinger israelitischen Friedhofes unter besonderer Berücksichtigung der Denkmäler hervorragender Männer, sowie zur Berasung und Anpflanzung auf den Gratisgräber - Gruppen der israelitischen Abtheilung des Centralfriedhofes zu verwenden seien.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.