Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 12 (21.3.1902)
- Date
- 1902-03-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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MKgCTpMUf11 Seite 1«6 Dr Vloch's Wochenschrift. Nr. 12 schied, die zu dem gemeiusamen Vater im Himmel beten wollen, auf daß Alle seines Segens theilhastig werden, ein jedes Herz sein Theil daran habe. Das walte Gott! (Lebhafter Beifall!) Nach dieser mit lebhaftem Beifalle aufgenommenen Rede verlas der Architekt k. k. Baurath S t i a ß n y die Grundsteinurkunde und hielt sodann nachfolgende Ansprache an die Versammlung : Hochgeehrte Fe st genossen! Nach althergebrachter Weise haben wir soeben den ersten Stein;n die Grundmauern dieses Baues versenkt.' Der ehrwürdigen Sitte entsprechend, empfehlen wir, Werkmeister und Werkleute, am Beginne unseres Schaffens den neu entstehenden Bau in den Schutz des allmächtigen Baumeisters aller Wetten. Er möge ihn schirmen und behüten, auf daß unser Werk ohne Fehl' und Unbill zu gedeihlichem Ende gebracht werde und das Gebäude nach den Regeln der Kunst sich gestalte! Wir rufen aber auch den Schutz der staatlichen und der städtischen Behörden an und gewärtigen ihn mit aller Zuversicht. Wir leben ja unter dem-Scepter des weisesten und gütigsten Monarchen, der alle Bürger seines Staates, ohne Unterschied der Nation und des Glaubensbekenntniffes, mit gleicher Liebe umfaßt. Wir befinden uns ja hier auf dem historischen Boden der uralten allezeit kaiser- und reichstreuen Stadt Wiener- Neustadt, an deren Spitze ein allverehrter Bürgermeister steht, deffen männlich edles Antlitz das Wiederspiel seiner vornehmen Gesinnungen ist, der mit Milde, mit Einsicht und Weisheit die Geschäfte dieser Stadt zum Wohle der gesammten Bürgerschaft fühtt und leitet. Möge es uns Men, die wir heute hier versammelt sind, vergönnt sein, die Beendigung dieses Baues mit Befriedigung und in Freuden zu erleben. Möge Einttacht und Friede zwischen den wackeren, gebildeten Bewohnern dieser Stadt immer mehr gefestigt werden, der Geist der Duldung und das Gefühl gegenseitiger Werthschätzung die Herzen aller Bürger dieser Stadt erfüllen. Möge diese Stadt wachsen, blühen und gedeihen für und für! Und nun richte ich an Sie, hochverehrter Herr Bürgermeister, verehrter Herr Baron als Vertreter der niederösterreichischen Statthatterei, an Sie verehtter Herr Cultuspräses und an die übrigen verehrlichen Festgenoffen die Bitte, das Werk der drei Hammerschläge zu vollbringen. Sie werden durch diese Handlung den Beginn unseres Baues feierlich verkünden. Indem Sie die Arbeit der drei Hammerschläge leisten, werden Sie aber auch, hochverehrte Herren, der Arbeit jene Achtung erweisen, welche ihr Jedermann zollen muß. Mich aber laffen Sie mit dem Meisterspruche schließen, welchen ich zu dem meinigen erwählt habe: »Wer den wahren Sinn der Dinge will erschauen, Muß den Stein mit eig'ner Hand behauen". (Lebhafter Beifall). Nach dieser von lautem Beifall begleiteten Rede nahmen die sämmtlichen Honoratioren die üblichen Hammerschläge vor. Bürgermeister K a m a n n begleitete diesen Act mit den Worten: »Zur Ehre Gottes, zum Tröste Hilfsbedürftiger und zur Erbauung Andächtiger^. In einer hierauf folgenden kurzen, aber herzlichen und markigen Ansprache beglückwünschte Bürgermeister Kamann den Cultusvörstand zu dem Unternehmen und wünschte der Gemeinde Blühen und Gedeihen. Dem Architekten gegenüber sagte der Bürgermeister sein sicheres Erscheinen bei der einstigen Schlußsteinlegung zu. Es gewährte einen erhebenden Anblick, als man die lange Reihe von angesehenen Persönlichkeiten aller drei Confefsionen wahrnahm, welche sich zum Grundstein begaben, um daselbst die Hammerschläge zu vollziehen. Am Schluffe gedachte Präses-Stellvertreter Dr. Keßler des Monarchen, der die Verfassung gegeben und mit ihr die Gleichberechttgung aller Confeffionen gewährt hatte, und brachte ein dreifaches Hoch auf den Kaiser aus, in welches die Versammlung begeistert einstimmte. Mit der Abspielung der Bolkshymne durch die Civilcapelle schloß die schöne und erhebende Feier. Cuttusbeamte und Landesmaffafond. Unter diesem Tüel brachte die »Oesterreichische Wochenschrift^ jüngst eine sehr bemerkenswerthe Notiz. Die hohe Wichtigkeit der in jeder Beziehung bedeutenden Institution des »Mährischen Landesmaflafonds" macht jede Veröffentlichung über deren Thätigkeit und Wirken zum Gegenstand des Nachdenkens und der Discuffion bei allen Interessenten, deren es naturgemäß viele gibt. Der geschätzte Einsender des erwähnten Artikels hat mit richtigem Taete die Religionslehrersrage und die Lehranstalten zur Heranbildung geeigneter Kräfte in den Vordergrund gestellt. Die Jüngsten Verhandlungen im Wiener Cultusvorstande zeigen, daß dieser Gegenstand überall als gleich wichtig erachtet wird. Nun ist es außer Frage, daß die Schaffung einer öffentlichen Lehranstalt zur Heranbildung von Religionslehrern namentlich für Volks- und Bürgerschulen noch immer ein frommer Wunsch ist. Das Wiener Seminar und das Brünner Proseminar, beide vom Landesmaffafond subventionirt, beschäftigen sich zum Theile mit der Ausbildung von Religionslehrern. Daß die Resultate bisnun nicht den gehegten Hoffnungen entsprechen, ist gewiß nicht alleinige Schuld jener Anstalten. Das Curatorium und die Delegirten des »Mährischen Landesmaffafonds^ waren sicher wohlberathen, als sie den Entschluß faßten, Lehramtscandidaten, die ihrer Ausbildung zu Religionslehrern besonderen Fleiß und Eifer zuwenden und das Proseminar in Brünn besuchen, Stipendien zu verleihen. Sie gingen dabei von der berechtigten Voraussetzung aus, daß einige Wenige, die auch sonst die nöthigen Qualitäten dazu besitzen, durch die Aussicht auf Stipendien veranlaßt werden würden, sich dem Religionslehrfache mit um so größerer Lust und Liebe zu widmen. Und diese sind unbedingte Erfordernisse, wenn dieser edle Beruf ganz und mit Hingebung an die Pflicht erfüllt werden soll. Die Unterstützung solcher Candidaten ist also keinesfalls unangebracht; ebenso wie die möglichst kräftige Subventionirung der Anstalten, welche gleiche Zwecke fördern, ein Gebot ist. Diese An st alten aber müssen dann den an sie mit Recht gestellten Anforderungen entsprechen. Einen zweiten, wichtigen Punkt hat der erwähnte Berichterstatter berührt; nämlich den Pensionsfond. Es ist vollkommen richtig, wenn gesagt wird, daß der Kaiser-Jubiläumsfond nach der jetzt usuellen Art seiner Erweiterung kaum in 50 Jahren in Action treten können werde. Aber auch der Modus selbst, wie diese gewiß mit Zustimmung und Freude begrüßte Gründung derzeit vergrößert wird, erscheint dem objektiven Beurtheiler nicht ganz gerechtfertigt. Der derzeit übliche dreipercentige Abzug von den durch den Landesmaffafond gewährten Gemeindmnterstützungen verursacht, daß die minder bemittelten Gemeinden zu Gunsten der wohlhabenden Gemeinden belastet werden. Eine arme, altersschwache Landgemeinde trägt auf diese Weise weit mehr zum Pensionsfond bei, als notorisch reiche, aufstrebende Großgemeinden. Diese Ungleichmäßigkeit wird aber zum Unrecht, sobald der Fond in Action tritt, denn von den reichen Großgemeinden wird der Fond seinerzeit naturgemäß weit mehr in Anspruch genommen werden müssen, da sie einen größeren Beamtenkörper haben, als die alten, leistungsschwachen Landgemeinden. Der bisherige Modus der Beitragsleistung zum Pensionsfond ist daher in keiner Beziehung billigenswerlh. Bei reiflicher Prüfung der Verhältnisse muß man auf den Gedanken verfallen, daß nicht der Modus der Abzüge von den gewährten Subventionen, sondern eine andere, gerechtere und zweckmäßigere Art der Beitragsleistung zum gewünschten Ziele führen kann. Cultusgemeinden, welche seinerzeit den Pensionsfond für ihre Functionäre in Anspruch zu nehmen gedenken, sollen alljährlich etwa ein Percent ihrer repartirten Cultussteuer demPensionsfond zuführen. Es leuchtet sofort ein, daß dieser Modus praktisch, gerecht, einfach und leicht durchführbar ist. Die B elastung wird eine der Leistungskraft der Gemeinden vollkommen entsprechende und dem Fond ein weitaus kräftigerer Zufluß zutheil, w i e b i s h e r. Der Landesmaffafond selbst dotirt den Pensionsfond alljährlich durch bestimmte Beträge und wird dieselben gewiß nach Möglichkeit erhöhen. Als dritte Quelle der Fonds-Vergrößerung denken wir uns die Beitragsleistung der Cultusbeamten selbst.Diese sollen einPercent ihres fixen Jahreseinkommens dem Fonde zuführen. Keiner wird sich weigern, auf diese Weise für seine eigene und die Zukunft seiner Familie Sorge zu tragen. Diese drei Einnahmequellen: 1. Die angeführten Beitragsleistungen der Cultusgemeinden; 2. Die Dotation seitens des Landesmaffafonds; 3. Die Beiträge der Cultusbeamten — werden den Fond in absehbarer Zeit actionsfähig machen, ohne daß irgend einer der drei beitragenden Faktoren Schaden leiden würde. Die Segnungen dieser schönen, menschenfreundlichen