Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 12 (21.3.1902)
- Date
- 1902-03-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite J90 Nr 12 Vr. Vloch's Workrettschrifr. das allerheiligste Sacrament gereicht wird/ Bon dem complicirten Taufact selbst sei nur erwähnt ein dreimaliger Exoreismus, das heißt dreimaliges Austreiben des Teufels, als von welchem bes ffen jeder Ungetanste gilt; zum Schluffe desselben „muß der Täufling selbst feierlich absagen diesem Reiche (i. e. des Teufels), seinem Fürsten und seinen Werken und muß lebenslänglich einen Kampf dagegen geloben". (S. 631.) Das wichtigste Moment des Taufactes ist das laute Sprechen d.'s oben erwähnten Glaubensbekenntnisses, welches am 20. Juli 1859 von der S. Congr. f. Off. approbirt worden ist. Darüber heißt es a. a. O. Seite 907 : „Der Priester, angethan mit Chorrock und violetter Stola, sitzt und vor ihm kniet der Convertit, der, mit der Rechten das Buch des Evangeliums berührend, folgendes Glaubensbekenntniß spricht: . „Angesichts der heiligen Evangelien, die ich mit meiner Hand berühren werde und in der Ueberzeugung daß Niemand ohne den Glauben selig werden kann, welchen die heilige, k a t h o li s ch e,^ a p o st o l i s ch e, römische Kirche bewahrt glaubt und ehrt, und gegen welchen ich — was ich jetzt bereue — sehr gefehlt habe . . . bekenne ich N. N. jetzt mit Schmerz und Reue über meine früheren Jrrthümer, daß ich glaube, die Heilige, katholische, apostolische, römische Kirche sei die einzige und wahre Kirche, die Christus auf Erden gestiftet hat; und ihr unterwerfe ich mich mit ganzem Herzen. Ich glaube alle Artikel, welche sie zu glauben vorstellt, und verwerfe undverdamme alles das, was sie verwirft und verdammt, und ich bin bereit, alles zu halten, was sie mir befiehlt. Ich glaube an einen einzigen Gott in drei göttlichen Personen, die von einander unterschieden und doch eines Wesens sind, nämlich: an den Vater, den Sobu und den heiligen Geist. Ferner glaube ich die katholische Lehre von der Menschwerdung, den Leiden, Sterben und derAuferstehung unseres Herrn Jesu Chri st i;... die göttliche Mutte rlchaft der heiligenJungfrauMaria sowie ihre makellose Jungfräulichkeit. Die wahre wirkliche und wesentliche Gegenwart des Leibes und Blutes unseres Herrn Jesu Christi sammt seiner Seele und Gottheit im allerheilig st en Sacramente des Altars. . . . Ich glaube an das Fegefeuer... an den Primat (Borrang) des römischen Papstes... endlich glaube ich alles, was durch die heil-geu Canones, durch die allgemeinen Kirchenversammlungen ... namentlich über den Primat und das unfehlbare Lehramt des römischen Papstes gelehrt, entschieden und erklärt Worten ist. Mit aufrichtigem Herzen und ungeheucheltem Glauben verabscheue ich daher und schwöre ab jeglichem Jrrthum, jeglicher Ketzerei und Secte, welche der besagten, heiligen, katholischen und apostolisch-römischen Kirche entgegen sind. Das verspreche, gelobe und schwöre ich N. N. So wahr mir Gott helfe und dieses hellrge Evangelium Gottes." Nach diesem Bekennnuß empfängt der Bekehrte die Absolution und wird in die Kirch. ausgenommen. S o also sieht „die leere Form" aus, als welche man die ohne U.eb rzeugung genommene Taufe so gern hinstellen möchte, um sich zu entschuldigen. In Wahrheit ist die Taufe ohne eine Ueberzeugung vom ersten bis zum letzten Sch-itt eine ungeheuere Lüge. Zuerst wird der Geistliche über die Beweggründe dtlogen und getäuscht;, dann wird diese Lüge Monate hindurch beim Unterrichte wiederholt; sie wird dann protokollarisch dem bischöflichen Ordinariat vorgelegt; und endlich ist im Munde eines (vom katholischen Standpunkt aus) Ungläubigen jedes Wort des Glaubensbekenntnisses eine erbärmliche L ü g e, die sich zum Schluß zu Gotteslästerung und Meineid steigert! Und diese Lüge, diese Gotteslästerung, diesen Meineid schleppt man durchs ganze Leben! — Und nun frage ich: Gehören getaufte Juden, die sich nachweislich aus materiellen Gründen und eingestandenermaßen ohueSpur von innerer Ueberzeugung taufen ließen, in eine auf Ehre und Charakter haltende Gesellschaft? Würde man in einer solchen Gesellschaft Jemanden dulden, der um eines nochso großen Bortheils willen nachweislich einen Meineid geleistet hat? Es ist eine nicht ernst zu nehmende Einwendung, wenn man sagt, der Getaufte habe sich bei diesem eidlichen Bekenntniß gar nichts gedacht und es sei für ihn nicht verbindlich,- weil er an gar nichts glaube. Mim könnte mit demselben Recht einen sogenannten Atheisten entschuldigen, der vor Gericht zu seinem Vortheil einen falschen Eid ablegt. Es kommt eben beim Schwur nicht darauf an, was der Schwörende glaubt oder nicht glaubt, sondern lediglich darauf, welchen Glauben er mit seinem Schwur b e i d e m zu erwecken sucht, der den Schwur abnimmt. Sonst müßte Treu und Glauben überhaupt aufhören. ' Und ich frage weiter: Gehören getaufte Juden in eine jüdische Gesellschaft, deren Glauben sie „vor zwei selbstgewählten Zeugen und vor versammelter Gemeinde mit Schmerz und Reue als frühere Jrrthümer" bekennen' und „mit aufrichtigem Herzen und ungeheucheltem Glauben" als „Jrrthum und Ketzerei verabscheuen und abschwören!?" Ich sage nein! und tausendmal nem!/Getaufte Juden gehören nicht in jüdische Gesellschaft, e i nftn a l weil sie ihr Volk und ihren Glauben um schnöden Vortheil verrathen, öffentlich geschmäht und geschändet haben und zweitens weil die gegen bessere Ueberzeugung Getauften sich mit Lüge und M e i n e i d befl-ckt haben, und zwar nicht im momentanen Affect, sondern nach gründlicher Vorbereitung, planmäßig und mit voller Ueberlegung." Ueberdieseun leugbare nThatsachenhilftkei ne Täuschung hinweg; auch nicht die w-itestgehende Toleranz; auch nicht die täglich sich aufdrängende Erkenntniß. dcß zahlreiche Berufe, welche aus Neigung und im guten Glauben an Gerechtigkeit von Juden gewählt wurden, ihnen oft genug zu einem furchtbaren Martyrium gemacht werden, indem auch bei der tadellosesten Qualification und bei der gewissenhaftesten Pflichterfüllung die normale Beförderung von der Taufe abhängig gemacht wird. Zur Ehre und zun, Ruhm des Judenthums muß constatirt werden, daß Tausende charaktervoller und unb ugsamer Männer dieses unter Umständen fast unerträgliche Martyrium standhaft, ja man kann sagen, heldenmüthig ertragen. Die Erfahrung lehrt, daß gerade nicht solche sich am leichtesten zur Taufe entschließen, welche die Noth des Lebens förmlich dazu drängt, sondern Menschen, denen kraft ihrer Vorbildung und ihrer Mittel die verschiedensten Berufe und innerhalb derselben die mannigfachste Art der unabhängigen Bethätigung offen steht; aber eine Caprice, eine momentane Laune, ein einziger Mißerfolg reicht für sie oft hin, um jene große Lebenslüge aus sich zu nehmen und einen kleinen Meineid zu leisten. Es kann für das Judenthum nur heilsam sein, wenn sittlich so schwach: Individuen aus sein n Reihen scheiden, nur muß auch wirklich eine reinliche Scheidung eir>- treten. Getaufte dieser Art haben ihren Befähigungsnachweis für die Zugehörigkeit zur antisemitischen Liga erbracht. Dorthin haben si: oder ihre Kinder sich auch früher oder später immer gewendet, um ihre giftigen Pfeile gegen ihre einstige Glaubensgemeinschaft abzudrücken, von dem getauften Juden Petrus Alfonso am Anfang des 12. Jahrhunderts bis auf die getauften Fälscher und Verleumder Dr. Justus (Aron Bümann), Paulus Meyer und Consorteu unserer Gegenwart. Die ärgsten heidnischen, christlichen und mohammedanischen Feinde des Judenthums haben dieses nicht so herabgewürdigt, haben ihm nicht so tiefe Wunden geschlagen und so viel Vergießen unschuldigen Blutes verschuldet, als die getauften Juden aller Zeiten. Es waren eben naturgemäß meistens die s i t t l i ch faulen Früchte, welche vom lebenskräftigen Baume des Judenthums abfielen, und das ist im Allgemeinen wohl auch heute nicht anders, wie die obigen Ausführungen beweisen. Mögen also auch heute wie früher die getauften Juden getrost die Reihen der antisemitischen Liga vermehren : Das Judenthum und die jüdische Gesellschaft weise jede Gemeinschaft mit ihnen weit von sich, da diese Gemeinschaft ihnen nur zu Schmach und Unehre gereichen könnte. Wir sind überzeugt, daß bisher nur die Täuschung durch das ungeprüft hing, nommene Schlagwort von der „leeren Form" die wünscheuswerthe reinliche Scheidung theilweife verhindert hat; wir hielten es d.shalb für eine ernste Pflicht diese „leere Form' in ihrer wahren Gestalt zu zeigen. Mögen diese Worte der Aufklärung in diesen Dingen bessernd und reinigend wirken!