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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-03-14 · 11 (14.3.1902) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
11 (14.3.1902)
Date
1902-03-14
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 186 Dr. Blmtz's Wochenschrift. Nr. 11 in orthodoxen Kreisen als Talmudgelehrter ersten Ranges gefeiert wurde. Dabei ist zu bemerken, daß Brill durch seine eigene Bildung und besonders durch seinen klaren gesunden Geist stets ein Anhänger des Fortschrittes und in seinen religiösen Ansichten durchaus liberal war. Mehr aber als die Fähigkeiten des Verstandes waren es die herrlichen Tugenden des Herzens, die Brill bei allen Menschen beliebt machten; er war die Gemüthlichkeit selbst; seine Thaten und Worte waren von feinem Humor begleitet und seine „Bonmots" cursirten auch nach seinem Tode in Jedermanns Munde. Und bei seinen hervorragenden Eigenschaften war Brill dennoch von der erstaunlichsten Bescheidenheit, so sehr, daß er selbst auf Aufforderung die Kanzel seiner Gemeinde kein einziges Mal bestieg, wie er denn von seinen großen Geistesschätzen zeitlebens nichts veröffentlichte: gewiß eine Erhabenheit des Charakters, wie sie selten anzutreffen. Als ein Mann von moderner Bildung, die er aber nie hervorkehrte, und ein durchaus liberal gesinnter Mann hatte sich Brill eifrig um das Zustandekommen des ungarischen Rabbiner-Seminars bemüht, und als dieses 1877 eröffnet wurde, wurde Brill als einer der Taluiudlehrer dorthin berufen. Hatte Brill schon früher zahlreiche Schüler ausgestellt, so war es erst sein Beruf als Seminar-Professor, wodurch er gewiffermaßen der Lehrer einer neuen Generation von Rabbinern wurde und die hervorragenden geistigen und seelischen Tugenden Brill's kamen auch da zur vollen GeÜung. Sein hohes Alter nöthigte ihn, 1887 seinem Lehramt zu entsagen, doch bewahrte er für die Stätte seines Wirkens und für seine ehemaligen Schüler bis an sein Ende das wärmste Interesse. Brill schloß sein segensreiches unvergeßliches Leben den 8. April 1897. So weit skizzire ich den Lebenslauf Brill's an der Hand der vortrefflichen Biographie, die Blau seinem Andenken gewidmet hat. Blau war es auch, der schon 1897 in der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums" etwas von den talmudischen Randglossen Brill's veröffentlichte. Brill schrieb nämlich seine Bemerkungen nach guter Vätersitte „beim Lernen" auf den Rand seiner Lehrbücher, deren er eine große Menge gesammelt hatte und die nun der Bibliothek der Rabbinerschule gehören. Vom Rande dieser Bücher wird noch so manche helle Bemerkung Brill's in die jüdische Wissenschaft hinübergeleitet werden; der Schreiber der behandelten Biographie, Prof. Blau, hat die volle Eignung und auch die erforderliche Pietät dafür. Schon in der gegenwärtigen Biographie, in welcher 15 Original-Documente abgebildet sind, hat Blau Sorge getragen, fünf Casual-Reden Brill's abdrucken zu lassen, damit für die Nachwelt aufbewahrt bleibe, was von Brill's Geisteserzeugnissen gerettet werden kann. In diesen Casual-Reden macht sich nur die herzinnige Sprache Brill's und seine tiefe religiöse Gesinnung recht vortheilhast bemerkbar; oratorische Leistungen oder gar Muster von Beredtsamkeit sind sie nicht. Darum geht meine unmaßgebliche Meinung dahin, daß für die Erkenntniß der wissenschaftlichen Bedeutung Brill's die Veröffentlichung seiner Randbemerkungen ist erster Reihe nothwendig ist. Budapest. Dr. Samuel Krauß. Mein Bek-nntniß Eine Antwort auf die katholische Glaubenslehre in den Zeiten des wüsten Judenhasses von Franz von Borgias- Schmid. (Verlagsanstalt „Brand", Inhaber Hugo Lau L Co. in Stuttgart. (Preis 50 Pfg. --- 66 b.) Der Verfasser dieser Zeitschrift schildert in knapper Form die Gefühle und Empfindungen, welche ihn zum Austritt aus der katholischen Religion veranlaßten, und verficht im Gegensätze zur christlichen Weltanschauung das Motto seiner Broschüre: „Die Erlösung und Einigung der großen Menschheit ist dem Judenthum Vorbehalten; das ist seine cutturelle Mission — darum kann es von den Völkern der Erde auch nicht aufgezehrt werden." Daß Borgias S ch m i d bei der Durchführung seiner Aufgabe in Widerspruch mü dem Christenthum, insbesondere aber mit der römisch-katholischen Kirche und ihrer Geistlichkeit geräth, ist selbstverständlich. Strenger, wissenschaftlicher Monotheismus verträgt sich eben nicht mtt der katholischen Dreieinigkeitslehre. Neue Vücher. Dr. Salomon Stein, Districtsrabbiner, Schulverhältnisse, Erziehungslehre und Unterrichtsmethoden im Talmud. Zwei Vorträge, gehalten im Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Schweinfurt. Berlin, 1901. H. Jtzkowski, Gipsstraße «. Martin Schreiner: „Die jüngsten Urtheile über das Judenthum". Kritisch untersucht. Berlin, Verlag Siegfried Cronbach 1902. Revue des äcoles de l'AlUance Israelite. Pubiication Tximestrieiie Nr. 4 Janvier-Mars 1902. Paris Librairie A. Durlacher. Briefkasten. Professor Wohrmund in Innsbruck. Es entspricht nicht den historischen Thatsachen, daß die katholische Kirche die Intoleranz als Erbstück vom Judenthum übernommen hat. So lange das Christenthum noch semitisch war und unter jüdischem Einflüsse stand, verkündeten die katholischen Kirchenväter die ewigen Rechte der Gewissensfreiheit mit flammender Beredtsamkeit. Erst mit der Austilgung des jüdischen Einflusses begann die Periode der Intoleranz innerhalb der Kirche. L. in Karlsbad. Der streng radicale deutschnationale Antisemit, Goldwaarenhändler Krisch in Karlsbad, stand vor Gericht wegen Diebstahl und Ebrenbeleidignng angeklagt, weil er einem Straßenkehrer das Christbäumcheu, welches er sich gekauft hatte, entwendete. Der Richter hat ihn vom Diebstahl freigesprochen mit der Begründung, das Bäumchen hätte keinen Werth!! Der staatsanwaltschaftliche Functionär meldete die Berufung an. Krisch ist ein begeisterter Jünger Schönerer's, ein Hauptmacher bei den Karlsbader Antisemiten. Er dürste aber fürderhin über die „Verjudung" des Richterstandes nicht mehr schimpfen, nachdem der Richter, der den deutschen Necken Krisch vom Diebstahl freisprach, „weil das Bäumchen keinen Werth hatte", nämlich „minderwerthiger", d. h. jüdischer Abstamniung ist und Glaeßner heißt. M. in Eger. Daß die „Egerer Nachrichten" jetzt über Verrohung klagen, ist eine Ironie des Geschickes. B. E. Viele unserer Leser dürfte es interessiren, zu erfahren, daß die in unserem vorwöchentlichen Bericht über die vierzigjährige literarische Thätigkeit des gelehrten Schriftstellers Sr. M. H. Friedländer angeführten von ihm herausgegebenen Werke zumeist im Verlage von Bernhard Ep st e in & Cie. in Brünn erschienen sind und nicht minder, wie die im Selbstverläge des Autors edirten Schriften, insoferne. sie noch nicht vergriffen sind, von derselben Buchhandlung zu den billigsten Original-Preisen geliefert werden. W. 10. In die Kategorie der jüdischen Erfinder gehören auch folgende: Der Chemiker Dr. Adolf Frank in Charlottenburg hat vor 50 Jahren zuerst auf die Brauchbarkeit der Staßfurtcr Salze zu Düngerzwecken hingewiesen; er erhielt zum 50jährigen Jubiläum des Staßfurtcr Kalibergbaues den Rothen Adlerorden. — In London starb am 26. December 1901 Henry Lumley, der Erfinder der in der italienischen und, britischen Marine angewendeten Patentsteuerruder. UotiM. Wiener Bank-Verein. Die zweiunddreißigste ordentliche General-Versammlung findet am 7. April 1902 um 1 i Uhr Vormittags, in Wien, L., Herrengasse 8. statt. Verhandlungsgegenstände: 1. Jahresbericht des Administrationsrathes. 2. Bericht der Censoren über den Rechnungsabschluß pro 1901 und Beschlußfassung über denselben. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reinerträgnisses des Jahres 1901 (§. 58, lit. c. der Statuten). 4. Wahlen in den Administrationsrath. 5. Wahlen in das Censoren-Collegium und den Aufsichtsrath für die Filialen. Nach § 46 der Statuten sind zur Stimmführung in der General-Versammlung nur jene Aktionäre berechtigt, welche seit wenigstens 14 Tagen vor dem Zusammentreten 'derselben mindestens fünfundzwanzig Aktien nebst Coupons bei der Gesellschaftscasse oder den sonst hiezu vom Administrationsrathe bestimmten Stellen erlegt haben. Je 25 Aktien geben das Recht auf 1 Stimme (§ 47 der Statuten). Die stimmberechtigten Herren Aktionäre werden daher eingeladen, ihre Aktien sammt Coupons bis s p ä t e st e n s a m 24. M ä r z d. I. in W i e n bei der Liquidator der Centrale (I. Herrengasse 8), in P r a g, B r ü n n, G r a z und Aussig a. E. bei den Filialen in Wr. - Neustadt, St. Pölten und P r o ß n i tz bei den Exposituren des Wiener Bank-Verein, in Berlin bei der Deutschen Bank, in F r a n k f u r t a. M. bei der Deutschen Vereinsbank, in Stuttgart bei der Württembergischen Vereinsbank, in München bei der Bayerischen Filiale der Deutschen Bank zu deponiren. Die Aktien sind, von arithmetisch geordneten und vom Einreicher eigenhändig Unterzeichneten Consignationen bei der Liguidatur in Wien von zwei, bei den sonstigen Deponirungsstellen jedoch von drei Exemplaren begleitet, einzureichen. Ein Exemplar der Consignationen erhält der Deponent mit der Empfangsbestätigung versehen zurück, und gleichzeitig wird gemäß § 54 der Statuten die Legitimationskarte für die Theilnahme an der General-Versammlung erfolgt, welche auf den Namen des Deponenten lautet und nur für die bezeichnete Person oder deren gehörig legitimirten Bevollmächtigten Geltung hat. Oesterreichische Landerbank. Die einundzwanzigste ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der kaiserl. königl. priv. Oesterreichischen Länderbank findet Dienstag den 8. April d. I., 6 Uhr Abends, im Anstaltsgebäude (I. Hohenstaufengaffe 3) statt. Gegenstände der Verhandlung sind: 1. Bericht des Gouverneurs über das abgelaufene Geschäftsjahr. 2. Bericht der Censoren über die Geschäftsgebahrung im Jahre 1901. 3. Beschlußfassung über die Verwendung detz Reingewinnes des Jahres 1901. 4. Statutenänderung (§§ 7 und 9). 5. Bestimmung des Werthes der Anwesenheitsmarken für die Verwaltungsräthe (§ 35 der Statuten). 6. Wahlen in den Verwaltungsrath (§§ 21, 22 und 24). 7. Wahl der Censoren und deren Ersatzmänner für das Jahr 1902 (§ 38), sowie Werthbestimmung der Anwesenheitsmarken für dieselben (§ 40). Die stimmberechtigten Aktionäre (§§ 42, 43), welche an der Generalversammlung theilzunehmen wünschen, werden hiemit eingeladen, ihre Aktien spätestens am

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