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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-03-14 · 11 (14.3.1902) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
11 (14.3.1902)
Date
1902-03-14
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Seite 183 Dr. Blockes Wochenfthrifk. Flerße herausgearbeitet, die Tempi waren gut gewählt, und das ist das Verdienst des Chormeisters Herrn Josef Kohn, der sich in der musikalischen Leitung aller Gesang- und Tonstücke als ein tüchtiger und energischer Musiker erwies. Die Clavierbegleitung der Chöre besorgte der sehr verdienstvolle Vereinsobmann Herr Gustav Hellmann in wirksamster Weise, was volle Würdigung verdient. Das schätzenswerte Mitglied Frau Rosa Epstein sang die „Arie der Elisabeth aus Tannhäuser" von Richard Wagner. Die reine Intonation dieser trefflich geschulten und stimmbegabten Sängerin erregte, so wie immer, Wohlgefallen aller Freunde des Gesanges, und war es selbstverständlich, daß derselben nebst einem Kranze stürmischer Beifall gezollt wurde. Chormeister I. Kohn, ein gediegener Cellist, trug eine Sonate für Violoncello von Eduard Grieg und eine Gavotte von George Goltermann mit einer ihm eigenen Meisterschaft vor und errang für dessen rühmliche Leistungen den wohlverdienten Beifall. Einen Hauptanziehungspunkt des Abends bildete die Aufführung der Posse mit Gesang „Ein Stündchen in der Haushaltungsschule" von Louis Krön. Die Hauptdarsteller in diesem Spiele waren die Fräulein Olga Engel, Elsa Weiner und Hedwig Wohryzek; in die Nebenrollen theilten sich die Fräulein Sophie Beran, Walli Bergmann, Emma Engel, Olga Kohn, Mella Pollak, Walli Weißberger und Grete Wohryzek. Die Absolvirung der Rollen machte den günstigsten Eindruck und ging weit über das Maß jener Leistungen hinaus, die man sonst von Dilettanten zu sehen und zu hören gewohnt ist. Die vorzügliche Darstellung gab Zeugniß davon, mit welcher Hingebung die einzelnen Darsteller an die Durchführung ihrer nicht leichten Aufgabe schritten, und die gespendeten Beifallsbezeugungen des vollbesetzten Saales gaben deutlich zu erkennen, daß die Gäste mit den schönen Leistungen vollauf zufrieden waren. Die Stimmung war den ganzen Abend hindurch die ungezwungenste und erreichte ihren Höhenpunkt, als die Stadtcapelle um 11 Uhr die ersten Zeichen zum fröhlichen Tanze gegeben hatte. Das rührige Vergnügungs-Counts des Vereines, an dessen Spitze die beiden Obmänner Herren Gustav Hellmann und Albert Pokorny, sowie die unermüdlichen Herren Fritz Kohn und Karl Pollak standen, kann mit Befriedigung zurückblicken auf den Vergnügungsabend, dessen durchaus gediegener Verlauf für alle Beteiligten den schönsten Lohn für ihren einmüthigen Fleiß und für die aufgewendete große Mühe in sich schließt. A. B. Schelletau. Den 6. März d. I. starb daselbst der Herrschafts¬ und Districtsarzt Herr Philipp Reiß im 60. Lebensjahre. In Raußnitz (Mähren) geboren, widmete er seine Lehrzeit der Chirurgie, wo er durch 12 Jahre in den Garnisonsspitälern von Linz, Salzburg, Innsbruck wirkte. Im Kriegsjahre 1866 brachte ihn das Schicksal nach Verona (Italien), wo er im Feldspitale Nr. 32 erfolgreich tätig war. Durch Empfehlung seiner Vorgesetzten gelang es ihm, von weiland Ihrer Majestät der Kaiserin Karolina Augusta die Mittel zum Rigoroslim zu erlangen. Nach Aufgabe der militärärztlichen Praxis ließ er sich in Tamboritz (Mähren) als praktischer Arzt nieder, welche Stelle er nach lOjährigem Aufenthalt mit jener eines Herrschasts- und Gemeindearztes in Schelletau vertauschte, wo er dann im Jahre 1'85 zum Districtsarzt ernannt wurde. Obzwar sich von diesem Zeitpunkte an die Situation besser gestaltete, mußte er wieder für die mittlerweile auf 5 Kinder angewachsene Familie Sorge tragen, und so war sein ganzes Leben im Kampf ums Dasein,-was er in zahlreichen Manuscripten niederschrieb. In Ausübung seines. Berufes war Dr. Reiß gewissenhaft, verläßlich und vertrauenerweckend, so daß er bei den Behörden, wie bei den Patienten sehr beliebt war, was die zahlreiche Beteiligung am Leichenbegängniß bewies, dem sich auch die Gemeindevertretung, die Herrschaftsbeamten, sowie der Veteranenverein anschlossen, um ihn bis an die Gemeindegrenze das Ehrengeleite zu geben, wo der Schwiegersohn dem Verblichenen einen kurzen Nachruf hielt und den Anwesenden den Dank für die Theilnahme ansdrückte. Von hier erfolgte die Ueberführung auf dem Friedhofe in Teltsch, wo der Rabbiner aus Triesch eine ergreifende Rede hielt und besonders sein uneigennütziges Wirken, seine Bescheidenheit und Frömmigkeit hervorhob. Erwähnenswert ist die bereitwillige Beistellung des Leichenwagens der Cultusgemeinde Datschitz, sowie die zahlreiche Betheiligung der Teltscher Glaubensgenossen. Troppau. Am 9. d. M. trugen wir einen der Besten aus unserer Mitte, das langjährige Mitglied unseres Cultusvorstandes, den Gasthofbesitzer Josef H o f f m a n n aus Grätz-Podoli bei Troppau zur ützten Ruhestätte. Wie selten Einer erfreute er sich der Liebe und Verehrung seiner Mitbürger, und zwar in solchem Maße, daß sein Leichenbegängniß sich zu einer imposanten Kundgebung des außerordentlichen Ansehens gestaltete, das er sowohl in seinem Wohnorte, als in unserer nahegelegenen Landeshauptstadt bei Juden und Christen gleichmäßig genoß. Vor 33 Jahren siedelte er sich in der genannten Doppelortschaft, einem beliebten Ausflugsort der Troppauer, an, wo außer der seinen bis heute noch nicht mehr als 2 jüdische Familien wohnen. Doch rasch wußte dieser allezeit fromme und glaubenstreue Jude sich das Vertrauen seiner christlichen Mitbürger zu erwerben. Er ward von ihnen in die vorderste Reihe gestellt, sie wählten ihn in den Gemeinderath dem er durch nahezu dreißig Jahre angehörte, und schaffend und wirkend trat er allezeit hervor. Er gab vor Allem der Gemeinde eine F e^u e r w e h r, deren Schöpfer und Gründer er war, er verhalf dem deutschen Schulverein zur Errichtung einer Schule und mutig und unerschrocken wußte er stets die Interessen seiner Gemeinde auch den Behörden gegenüber zu vertreten. So war es natürlich, daß die Leichenfeier sich zu einer großartigen Trauerkundgebung gestaltete, an welcher der Gemeindeausschuß P o d o l i mit dem Bürgermeister an der Spitze, dann die Feuerwehrund der Veteranenverein in Paradeadjustirung sich betheiligten und die Tete des schier unübersehbaren Zuges bildeten, und so hatte dieser Jude, der sich im Leben durch Einfachheit und Schlichtheit, sowie dmch stete Uebung edler Bürgertugend auszeichnete, noch im Tode mekadesch haschem gewesen. Selbstredend hatte auch die Troppauer israelitische Cultusrepräsentanz, der der Verstorbene angehörte, ihre Vertreter entsendet. An der Bahre sprach nach dem Troppauer Rabbiner Dr. Blüh auch der Bruder des Verstorbenen. der Wiener Advocat Dr. Marcell H o f f m a n n, der in ergreifenden Worten den Lebensgang dieses seltenen und edlen Mannes schilderte, dem im Tode die letzte Ehrung in so auszeichnender Weise zu Theil wurde. Mögen seine Hinterbliebenen Trost und Linderung ihres Schmerzes in dem ehrenden Andenken finden, das dem Todten immerdar im Gedächtniß seiner Mitbürger, wie in den Wohlfahrtseinrichtungen, die er ihnen hinterließ, erhalten bleiben wird. Brody. Am 12. Februar Abends, dem Sterbetage des in der hiesigen Gemeinde sehr geachteten Dawid Leib Lewin sel. A.. spendete die Familie zu seinem Andenken eine prachtvoll ausgeführte Thorarolle. Aus diesem Anlasse fand eine erhebende Feier statt, die jedem Theilnehmer noch lange im Gedächtnisse Zurückbleiben wird. Eine große Anzahl den besten Kreisen angehöriger Gemeindemitglieder versammelte sich zu diesem Zwecke im Hause der Frau Lewin, von wo aus die Thorarolle in die hiesige große Synagoge von einer an Tausende zählende Menge getragen wurde. Daselbst bestieg der älteste Sohn des Hauses, der rühmlichst bekannte Rabbiner Nathan Lewin aus Rohatyn, die Kanzel und schilderte mit der ihm eigenen Beredsamkeit den Werth der Feier und deren hohe Bedeutung. Das zahlreiche Publikum folgte mit gespannter Aufmerksamkeit den geistreichen, in Form und Inhalt glänzenden und ausgezeichneten Ausführungen des Redners. Die Anwesenden erfüllte mit Stolz der Umstand, daß der geistreiche Redner ein Kind unserer Stadt ist._Dr. M. Feuilleton . „Kiddusch Haschem." Von Emanuel Reiß. (Fortsetzung) Er erwartete wohl, daß Josef fragen würde, wann dies sei, und dann würde er schmunzelnd gesagt haben: „Wann immer Sie mich aufwecken, bin ich immer bereit, zu essen und zu trinken — meinetwegen gleich!" Allein Josef faßte diese Bemerkung als Verhöhnung seiner Gutmüthigkeit auf und schwieg. Der Cantor schien sich weiter darüber nicht zu kränken, legte eine Hauskappe über sein Gesicht und schlief bald so fest wie Vater Adam als Junggeselle, wobei sein Schnarchen das Rauschen der Schiffsräder und der Donauwellen übertönte. Jetzt näherten sich Josef auch andere Reisegefährten, befragten ihn über Herkunft und Reiseziel, unb Manche machten ihm ernstlich Vorwürfe, daß er sich von einem Schmarotzer habe anführen lassen. Er fühlte sich auch selbst dupirt unb mit Widerwillen blickte er in den großen, offen gebliebenen Allund, der seine Gänsekeulen, seine Pogatschen und sein Bier verschlungen und sich auch noch erdreistet hatte, ihn zu verhöhnen. Inzwischen kam der Schiffscontrolor herunter, um auch hier die Revision der Fahrkarten vorzunehmen. Nachdem er schon alle anderen geprüft und für richtig befunden hatte, wendete er sich auch an den schlafenden Cantor: „Sie, hören Sie, Ihre Karte!" Der Cantor rührte sich nicht. Der Controlor zerrte ihn am Rocke, rüttelte ihn, puffte ihn, schrie ihm ins Ohr — Alles umsonst. Halb ärgerlich und halb belustigt nahm er sodann ein Glas Wasser vom Tische und bespritzte ihn mit den Fingerspitzen und diese harmlose Taufe that ihre Wirkung — der Cantor erwachte. Ec wischte sich die Feuchtigkeit vom Antlitze. „Püh, Hab' ich geschwitzt!" sagte er zu Josef. — „Schon hungrig? — Sie haben mich aber da von einem wunderschönen Traum geweckt! Ich träumte . . . „Sie werden Zeit haben, Ihre Träume später zu erzählen, jetzt bitte vor Allem um die Karte!" unterbrach ihn der Controlor-.

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