Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 11 (14.3.1902)
- Date
- 1902-03-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 182 dr. Vloch's WoüMlürrM Nr. 11 Wien. Die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler veranstaltet Dienstag den 18. März l. I. im Cursalon, l., Stadtpark, eine Eröfsnungsfeier des XVI. Bereinssemesters. An den solennen Eröffnungstheil schließt sich eine Akademie unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte, sowie ein Tanzkränzchen an. Beginn präcise 6 Uhr. Wien. (Verein für jüdische Geschichte und Literatur.) Sonntag den 9. März sprach Herr cand. med. Abraham Feuerring über „Cultur und Judenthum". Er begann seine fesselnden Auseinandersetzungen mit der lebendigen Schilderung der ältesten, besonders der Pharaonischen Zeiten, überging dann auf das Mittelalter, aus welchem er die spanische und arabische Blüthezeit eingehend besprach und kam schließlich auch auf die culturellen Zustände der Jetztzeit zu sprechen. Die Beziehungen, die viue versa zwischen Cultur und Judenthum während dieser verschiedenen Zeitepochen obwalteten, legte der Referent in solch' leichtfaßlicher und anregender Weise dar, daß er sich den ungetheilten Beifall der gesammten Hörerschaft erwarb, der nach Schluß des Vortrages kräftigen Ausdruck fand. Wie«. Der Cantor des israel. Blindeninstituts, Herr Hermann Klein, feierte am 11. d. M. seinen 70. Geburtstag. Durch volle 20 Jahre versieht derselbe in der genannten Anstalt sein Amt in der würdigsten Weise; sein andächtiger Vortrag, sein oft ergreifender Gesang erhebt nicht allein die blinden Kinder, sondern alle, welche dem Gottesdienste im Blindeninstitute beiwohnen. Herrn Klein wurden zu seinem 70. Geburtsfeste die herzlichsten und ehrendsten Ovationen bereitet. Die Zöglinge beglückwünschten ihn in einer in Blindenschrift ausgeführten Adresse, Director Heller anerkannte die Verdienste des Jubilars in einer Rede, und das Curatorium zeichnete ihn durch ein Ehrengeschenk aus. Möge es dem würdigen Greise gegönnt sein, seinen doppelt geheiligten Beruf in voller Kraft und Freudigkeit noch lange auszuüben! Wie«. Am 5. d. M. fand hier das Leichenbegängniß der verstorbenen Frau Rosa Popper. Rabbinerswitwe, statt. An der überaus zahlreichen Betheiligung an demselben war zu ersehen, welch' großer Sympathie sich die Verblichene erfreute und welch' große Werthschätzung und Liebe sie bei Allen genoß, die die Verewigte kannten. An dem Grabe trauert eine Tochter, die au den hiesigen Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Alexander Kohn verheiratet ist, und drei Söhne, von denen zwei die bekannten Prager Advocaten Dr. Julius Popper und Dr. Arnold Popper sind. Unter den erschienenen Trauergästen sah man den Präsidenten der Prager Bohemia B'nai Brith, Herrn Leopold Jerusalem mit dem Obmanne des Unterstützungscomites Herrn Siegfried Liebers, ebenso Vertreter der hiesigen Bohemia B'nai Brith, mehrere Landesgerichtsräthe, zahlreiche Advocaten und Koufleute. Wien. Am vorigen Samstag, Sabbath-Schekalim, fand im Seitenstetten-Tempel die Confirmations-Feier des Knaben Robert Weil, Sohnes des allgemein bekannten Bicepräsidenten der Wiener Frucht- und Productenbörse, Herrn Jonas Weil, statt. Bei dieser Gelegenheit hatte der Confirmand, ein Gymnasialschüler der III. Classe, sowohl die H a f t o r a h als auch die vor und nach derselben recitirten Liturgie-Stücke mit schöner, deutlicher und laut vernehmbarer Stimme und mit anerkennenswerthem Berständniß zum Bortrage gebracht. Nach erfolgter Einsegnung durch Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann und Obercantor Singer wurde der Vater des Bar-mizwah, sowie dieser selbst und'dessen Religionslehrer Herr Leopold B u x b a u m vielfach beglückwünscht. B. Wie«. (Erstes öffentliches Auftreten einer blinden Zitherspielerin aus dem Institut Hohe Warte.) Am 5. März veranstaltete Frau Professor Pruckner ein Concert im Frauen-Club. Sehr gute musikalische Vorträge und die vortrefflichen Declamationen von Frau Prosessor Pruckner fanden großen Beifall. Von großem Interesse aber war das Zitherspiel eines blinden Mädchens Sali Rosenbaum aus Jerusalem, Schülerin des Blinden-Jnstitutes „Hohe Warte", welche drei Concertstücke ausgezeichnet vorttug und wiederholt applaudirt wurde. Da nun Frl. Rosenbaum als Beruf den Zitherunterricht wählt, sei sie als Lehrerin auf's Wärmste empfohlen. Wien. (Aus der Genossenschaft der Sodawasser-Erzeuger.) Bei der am 19. v. M. abgehaltenen Generalversammlung der Sodawasser-Erzeuger wurde ein jüngeres Mttglied Herr Samuel Jaulus, der erst seit kurzer Zeit der Genossenschaft angehört, einstimmig zum Rechnungsrevisor gewähll. Bei der heutigen Zeitströmung in Wien ist es besonders bemerkenswerth, daß es einem Juden, gelingt, in kurzer Zeit die allgemeinen Sympathien und das allgemeine Vertrauen der Genossenschaftsmitglieder sich zu erwerben. Wien. Der humanitäre Frauenverein „Krankenpflege" veranstaltete am 8. März d. I. in G u t h's Restauration, II., Stefaniestraße, einen Vortragsabend mit daranschließendem Tanzkränzchen, der einen außerordentlichen animirten Verlauf nahm. Unter den reichen künstlerischen Genüssen, die der Abend bot. verdienen besonders hervorgehoben zu werden die Declamationen des Fräulein Elsa K a tz, das treffliche Männerquartett bestehend aus den Herren Striks, Mente, E d e l m a u n, K ä st e n b a ü m, die ganz Vorzügliches leisteten; die humoristischen Vorträge des Herrn Hugo Etlinger, die ausgezeichneten Gesangsleistungen der Damen Lettner und B e v 6 und des Herrn Pofessor Herz, die allgemeinen Beifall errangen. Den Höhepunkt des Abends bildete jedoch die Solo-Nummer des Herrn Striks, der durch seine prachtvolle, schöne Tenorstimme und sein großes musikalisches Können mit seinen Vorträgen ungetheilte lebhafte Anerkennung fand. In besonders trefflicher Weise brachte er die Arien aus den Opern „Die Jüdin" und „Bajazzo" zu Gehör und wurde von dem beifallslustigen Publicum zu mehreren Zugaben stürmisch genöthigt. Um das Gelingen des Abends haben sich besonders die rührige Präsidentin Frau Dr. Blech, sowie die Vorstandsdamen Dr. Lifczis, Liebling, Siederer, Schächter, Rosenberg verdient gemacht, die für die Unterhaltung der zahlreichen Gäste nach Möglichkeit sorgten. Die artistische Leitung lag in den Händen des Herrn Striks, der Reingewinn fließt wohlthätigen Zwecken zu. Floridsdorf. Der israelitische Frauen-Wohlthätigkeitsverein veranstaltet am 22. März l. I. in den Gisela-Sälen, Pragerstraße Nr. 11 ein Wohlthätigkeits-Kränzchen. Musik des k. u. k. Jnf.-Reg. Nr. 60, Freiherr von Appel. Beginn 9 Uhr. Soiree-Toilette. Karten im Vorverkauf ä L 2 40 sind erhältlich bei den Comitömitgliedern Herren Em. Grünwald, Jg. Wodicka, sowie in den Cafes Wald, Spann und Steinschneider. An der Abendcassa 3 Kronen. Wiener-Neustadt. Sonntag den 16. d. M., Nachmittags 3 Uhr, findet hier die feierliche Grundsteinlegung zum neuen Tempel, welchen der k. k. Baurath, der Cultusvorsteher Herr Wilhelm Stiaßny, aufgeführt hat. statt. Zwittau in Mähren. Der hiesige Obercantor Adolph L e b o v i t s ch, früher Obercantor der Großen Hofsynagoge in Prag, wurde nach einem Probcvortrag in Meran zum Obercantor und Secretär der Meraner Cultusgemeinde gewählt. Holitz. Anläßlich des 60. Geburtstages des Herrn Josef Müller, Fabrikanten in Horitz, wurde demselben von der dortigen israelitischen Cultusgemeinde eine künstlerisch durchgeführte Adresse überreicht. Sowohl die kalligraphische als auch die Malarbeit führte der vortheilhast bekannte Director O. Grünfeld in Prag aus. Jglau. (Musikalischer Vortragsabend des Tempel-Gesangvereines.) Im Zeichen ftohester Geselligkeit versammelte sich am 1. März d. I. im großen Saale des „Hotel Czap" ein überaus große Zahl von ausübenden und beitragenden Mitgliedern und deren Angehörigen zu e nem gemüthlichen Familienabende. Die Freunde dieses Vereines haben sich diesmal in besonders starker Anzahl eingefunden, ein Beweis, daß die Veranstaltungen desselben stets gern aufgesucht werden, der in einer Reihe von gelungenen Piecen Zeugmß ablegte von dem regen Streben, das den Verein beseelte. Nachdem die letzten Töne des Vereinssprnches verklungen waren, trat das Vereinsorchefter, bestehend aus 25 jüdischen Studierenden der hiesigen Mittelschulen, in Action, welches unter der anerkannt tüchtigen Leitung des Vereinschormeisters Herrn Josef Kohn die Ouvertüre zur Oper „81 j'etals roi“ von A. Adam mit Schwung und Feuer zu Gehör brachte. Stürmischer Beifall lohnte die Vortragenden während dem Dirigenten prachtvolle Kränze als Zeichen der Anerkennung überreicht wurden. Ein Mitglied des Orchesters, Abiturient Breitenfeld, dankte demselben für dessen Bemühung im Namen seiner Spielgenossen und überreichte ihm ein sinnreiches Geschenk. Im weiteren Verlauf der Aufführung hatte das Orchester noch etliche Tonstücke zugegeben und gefiel besonders die Piece „Es war ein Traum", Ballerinnerung von Richard Eibenberg für Streichinstrumente, welche fein nuancirt zum Ausdrucke gelangte. Für Musikkenner bot ein von den Mitgliedern Fräulein Anna Hellmann (Clavier), Herrn Gustav Hobotka (Violin) und dem Chormeister Herrn Josef Kohn (Cello) vorgetragenes „Trio D-Moll“, 1. Satz von Felix Mendelssohn-Bartholdy, einen künstlerischen Hochgenuß. Fräulein Hellmann ist uns schon von frühex durch ihr virtuoses nnd temperamentvolles Spiel bekannt, desgleichen auch Herr Sobotka, welcher eine seltene Fertigkeit in der Handhabung seines Instrumentes besitzt. Dasselbe Lob gebührt dem Cellisten, welcher durch Reinheit und Feinheit der Ausführung, sowie durch sein künstlerisches Berständniß seine Aufgabe löste; reichlicher Beifall wurde demselben zu Theil. Fräulein Hellmann. wurde durch eine Blumenspende ausgezeichnet. Die Männerchöre „Wilde Ros' und erste Liebe" von Debois und „Grüß Dich Gott" von Abt wurden wirkungsvoll vorgetragen. Ein heiteres Tanzpoem von Max v. Weinzierl, „Winterfreuden" (Eisbahn, Ball, Schlittenfahrt), ergötzte durch seine heiteren Weisen und versetzte die Zuhörerschaft in die ftöhlichste Stimmung. Nahezu alle Einsätze wurden richtig gebracht, die dynamischen Abstufungen richtig angewandt und mit großem