Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 11 (14.3.1902)
- Date
- 1902-03-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 178 Dr. Vloch's Wochrnschrifl. Vir. 11 wählten Revisoren Herren Heinrich Nußbaum und Ignatz Schmitz erfolgten Prüfung der Jahresrechnung wird dem Caffier Md der Bereinsleitung das Absolutorium ertheilt. Lebhaftes Interesse bringt die Versammlung dem nunmehr folgenden Programmpunkte .Anschluß des .Mährischen Cantorenvereines" an den neu zu gründenden .Allgemeinen Cantorenbund" entgegen. Als Erster ergreift Herr Obercantor Steiner das Wort. Er sagt, die Anwesenheit der beiden Gäste aus Wien sei in gleicher Weise ehrend und erfreulich für unseren Verein, denn jede Anregung, die auf die Hebung unseres Standes abzielt, findet in unseren Herzen ein freudiges Echo. Wie ich selbst gerne bereit bin, unter dieser Voraussetzung dem Bunde beizutreten, so zweifle ich nicht im Geringsten, daß auch meine geehrten College» von der gleichen Gefinnung beseelt find. Um jedoch diese Angelegenheit einer gHeihlichen Lösung zuzuführen, sei vor Allem nothwendig. Licht und Klarheit in die Sache zu bringen und ich möchte demgemäß an den Herrn Obercantor Singer die höfliche Bitte richten, über Tendenz, Ziel und Zweck des neuen Bundes uns gefälligst Aufschlüffe geben zu wollen. Nachdem hierauf Herr Obercantor Singer in ausführlicher Darstellung Zweck und Ziel des neuen Bundes in einer die Zuhörer befriedigenden Weise auseinander gesetzt und auch Herr Obercantor Bauer diese Ausführungen erweitert und ergänzt hatte, wurde die hieran sich knüpfende lebhafte Debatte, in welcher Herr Obercantor Türk, Mahr.-Ostrau, in einzelnen Punkten den Ansichten der Vorredner eutgegentrat, beendet und der Anschluß an den neuen Bund jedoch unter Aufrechthaltung und Fortbestand unseres bisherigen Vereines zum Beschlüsse erhoben, gleichzeitig aber ein dreigliedriges ComitS damit bettaut, den Modus, unter welchem der Anschluß zu erfolgen habe, festzusetzen. Bon den weiteren Beschlüssen find hervorzuheben, Bestimmungen über den Modus der Einzahlung von Mitgliedsbeittägen. dann die Zuwendung einer Unterstützung an die Cantorswitwe Tiger, Karlsbad. Abends fand eine gesellige Zusammenkunft im Restaurant Donath statt, woselbst auch Gesangsproductionen stattsanden. an denen sich in hervorragender, künstlerischer Weise Herr Obercantor Heller, Frl. Dora Feldern, Opernsängerin am Brünner Stadttheater, sowie Herr M. Gruschka, Schüler des Herrn Obercantor Heller, betheiligten. Die Clavierbegleitung besorgte in ausgezeichneter Weise Frl. Elsa Heller, Tochter des Herrn Obercantor Heller. Auch die humoristischen Vorträge des Herrn B. König fanden allgemeinen Beifall. Die animirte Unterhaltung endete mit einer höchst beifällig aufgenommenen Ansprache des Herrn Religions- Professors Dr. M. Grünfeld, worin er seiner Sympathie für den Cantorenstand beredten Ausdruck gab. 8t. Cultusbeamte und Landesmassafond. Soeben habe ich den Rechenschaftsbericht des mährischen jüdischen Landesmassafondes pro 1901 zur Hand bekommen. Bei der Lectüre desselben fiel mir ein Passus auf, der Stoff zum Nachdenken gibt und verdient, öffentlich besprochen zu werden. Die Generalversammlung des genannten Fondes hat nämlich seinerzeit beschlossen, um den Mangel an geeigneten Cantoren und Lchreru zu beheben, Lehramtszöglingen oder Cantoratseleven Stipendien zu ertheilen, in der Voraussetzung, daß dies für Manche ein Ansporn sein wird, fich dem Lehramts- oder auch mit diesem in Verbuchung dem Cantorenberufe zu widmen. Der diesjährige Rechenschaftsbericht des Fondes hat aber leider gezeigt, daß diese Voraussetzung eine irrige war, daß trotz der verlockenden Aussicht eines Stipendiums sich sehr wenige dem beanspruchten Berufe zuwandten; trotz der bezüglichen Ausschreibungen in den Zeitungen bewarben sich ttine Lehramtscandidaten um solche Stipendien. Ja noch mehr, die Fondsleitung hat sich veranlaßt gesehen, die dem Proseminar-Vereine in Brünn, welcher den Zweck haben soll, qualificirte Religionslehrer heranzubilden, bis nun gewährte Subvention zu verkürzen. Als Ursache wird der Umstand angeführt, daß das Proseminar bei seiner gegenwärtigen Organisation nicht in der Lage ist, vollkommen qualificirte Religionslehrer auszubilden. Abgesehen davon, daß das Proseminar nicht lediglich zum'Zwecke der Heranbildung von Religiouslehrern da ist und vielmehr den lückenhaften Religionsunterricht der Schüler höherer Lehranstalten zu ergänzen hat und schon für diesen löblichen Zweck allein eine hinlängliche Subvention verdient, bezweifle ich immerhin, daß es an der mangelhaften Organisatton der Proseminars allein gelegen ist, daß aus demselben äußerst wenige Lehramtscandidaten hervorgehen; ich kenne aber so manche Religionslehrer, die neben einer Mittelschule das Proseminar in Brünn besuchten, zufolge einer Nothlage genöthigt waren, den Beruf eines Religiouslehrers zu ergreifen, dem sie, ttast der im Proseminar erworbenen Kenntnisse, sich widmen konnten. Ich sage mit Vorbedacht, daß der wettauS größte Theil der heute im Amte befindlichen Religionslehrer namentlich der Provinzgemeinden nur zufolge einer Nothlage gezwungen, diesen Beruf ergriffen. Denn bei der traurigen Lage des Cultusbeamten, sei er Religionslehrer, Cantor oder wie so oft. beides in einer Person, werden sich Eltern schwerlich entschließen, ihre Kinder diesem Berufe zuzuführen. Abhängig von jedem einzelnen Gemeindemitgliede, gleichviel, ob dasselbe etwas zur Bestreitung der Cultusbedürfnisse beiträgt oder nicht, zu jeder Zeit befürchtend, daß ihm der Sessel vor die Thüre gestellt wird und sei er auch Rabbiner, dessen Lage scheinbar eine bessere ist. Dies ist aber auch nur in Mähren, wo zufolge der Landes-Rabbinats-Jnstitution die behördlichen Autorisationsborschristen strenger gehandhabt werden, das Eindringen nicht geeigneter Elemente hintangehalten und das Ansehen des Rabbinats nicht untergraben wird; aber dieses Ansehen ist auch nur ein scheinbares, denn in Wirklichkeit ist die Lage und die Stellung auch des Rabbiners in vielen Provinzgemeinden, auch Mährens, keine rosige und steht außer Verhältniß zum Studiengange. Ist es da ein Wunder, wenn sich äußerst Wenige dem Berufe , eines Cultusbeamten widmen und Stipendien für Cantorats- oder Lehramtszöglinge, keine Bewerber finden? Am 25. d. M. tritt die Delegirtenversammlung des mährischen jüdischen Landesmassafondes in Brünn zusammen. Zu derselben wird die Elite der Cultusgemeinden entsendet. Was die Gemeinden an Intelligenz und Bildung aufzuweisen haben, gibt sich da ein Rendezvous. Wäre es nicht an der Zeit, die Frage, die doch actuell ist, von dieser Seite zu beleuchten? Mit der Ertheilung von Stipendien an solche, die sich dem dornenvollen Berufe eines Cultusbeamten widmen, wird der Mangel an geeigneten Kräften nicht behoben; man schaffe in allererster Linie Gemeinden, echte, von jüdischem Geiste beseelte Gemeinden, in deren Mitte die Stellung des Beamten eine geachtete, die Existenz eine gesicherte, hinsichtlich seiner Intelligenz eine würdige ist und wo für Alters-, Witwen- und Waisenversorgung Gewähr geleistet wird. Dann wird auch der Mangel an Kräften behoben sein, was doch zufolge der heute in allen Berufen herrschenden Concurrenz füglich außer Frage steht. Die am 25. d. M. tagende Delegirtenversammlung dürste sich auch mit einer vom Curatorium angestrebten Statutenänderung befassen, und es wäre für so manche Herren die Gelegenheit, ihre beamtenfreundliche Gesinnung zu bethätigen, und'erlaube ich mir, nur auf eine Kleinigkeit die Aufmerksamkeit hinzulenken. So z. B. wird im neuen Statutenentwurfe an Stellen, wo von der Vorsorge für die Cultusbeamten die Rede ist. nur von „ständig" angestellten Beamten und Dienern der Cultusgemeinde gesprochen. Wäre es da nicht besser, wenn das Wort „ständig" gestrichen würde? Die Cultusgemeinden, die ihre Beamte ständig, d, h. nicht provisorisch, anstellen, haben zumeist für ihre Beamten neben einer anständigen Dotirung auch in Bezug auf Invalidität, wie Witwen- und Waisenversorgung Vorsorge getroffen. Es wäre auch wünschenswerth. wen», der Kaiser-Jubiläums- Pensionsfond stärker dotirt werden würde, damit er früher seine Thätigkeit beginne, denn bei den bis heute gepflogenen spärlichen Zuweisungen dürfte, bei der großen Inanspruchnahme, die dem Pensionsfonde prognosticirt werden muß, derselbe kaum nach fünfzig Jahren in Action treten können. Es könnte so Manches hinsichtlich des besprochenen Themas angeführt werden, dies würde jedoch den Rahmen dieser. Betrachtung überschreiten, welche nur den Zweck hat, die Ursachen des Mangels an geeigneten Cultusbeamten zu-besprechen. Josef Schön. Budapest. Die Pester „Chewra-Kadischa" beging vorige Woche in der Synagoge in. der Rombachgaffe in solenner Weise ihr Stiftungsfest. Das Gotteshaus war von zahlreichen Gläubigen gefüllt. Der Feier wohnten an: Vorsteher Samuel Münz, der Präsident der „Chewra-Kadischa" Jakob B o s ch a n, die Vorsteher Julius Adler, Emanuel Weiß, die Rabbiner Dr. Samuel K o h n und Dr. M. Kayserling u. v. A. Nach . der Abfingung des „Mq Towu"-Gebetes, das Obercantor Bachmann mit verstärktem Chor vorgetragen, bestieg Rabbiner Moriz F e l d m a n n die Kanzel, um in eloquenter Rede die Thätigkeit des „Heiligen Vereines * auf dem Gebiete der Humanität zu schildern, und den Segen Gottes auf die Leiter dieses humanen Instituts herabzuflehen. Es folgte hierauf das rituelle Gebet, womit die würdig; Feier zu Ende war. — Auch die Ofner „Chewra-Kadischa" beging im Ofner Cultustempel in würdiger Weise ihr Stiftungsfest. Es waren u. A. anwesend : Der Präsident der Ofner israelitischen Cultusgemeinde Doctor Isidor Szabolcsi, Vorsteher Dr. Joseph Bänü, der Präsident des „Heiligen Vereines" Moriz Steiner. Nach Absingung eines Psalms durch Obercantor W e i ß bestieg Rabbiner Dr. K i s die Kanzel, um in schwungvoller Rede die humane Thätigkeit dieses wohlthätigen Instituts zu würdigen. Er gedachte zum Schluffe der verstorbenen Mitglieder in pietätvoller Weise. Olmütz. Zur Verbreitung jüdischen Wissens, zur Hebung jüdischen Bewußtseins hat unsere rührige, vom besten Geiste beseelte Gemeindevertretung den rühmlichen Beschluß gefaßt, eine Mische Bibliothek zu gründen. Dieselbe soll neben HebraiciS (Bibel Talmud rc.) Werke jüdischer Geschichte ausführlichen und