Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 11 (14.3.1902)
- Date
- 1902-03-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Dr. Vlvch's Wochsnfchrifi. Sette 177 seinem Standpunkte die Stellungnahme des Architekten auf, der nach jeder Richtung hin sowohl dem Bauherrn als auch den Professionisten gegenüber unparteiisch bleiben muß. Herr Baurath Stiaßny, aufgefordert, seine Ansicht in dieser Frage zu präcisiren. erklärte, er kenne nur den einen Standpunkt eines Architekten: Sowohl dem Bauherrn, als auch den Profeffioniffen zu ihren Rechten rücksichtslos zu verhelfen. Herr Architekt Modern sprach sich ferner sehr anerkennend der Vereinsleitung, besonders aber dem unermüdlich thätigen Präsidenten gegenüber aus, bedauert nur; daß die Mitgliederzahl nicht nach Tausenden gehe, es wäre doch Pflicht jedes Kaufmannes und Industriellen, diesem wirtschaftlichen Vereine beizutreten. Auch ein angemeffenes Local und eine Bibliothek seien unumgängliche Bedürfnisse eines Gewerbevereines. (Großer Beifall.) Herr Friedmann bespricht einige empfindliche Uebelstände, hofft auch auf Besserung in dieser Richtung. Nach eindringlichem Hinweis aus unsere unausgesetzte Arbeitsvermittlung II. Taborstraße, schließt 11- Uhr Nachts der Vorsitzende den sehr animirten Discussionsabend. Wien. Hochgeehrter Herr Redacteur! Durch die Aufnahme dieser Zeilen würden Sie nicht nur mir einen dankenswerthen Dienst erweisen, sondern auch der Wahrheit zu ihrem Rechte verhelfen. In Nr. 8 der von Ihnen so vortrefflich geleiteten „Wochenschrift" findet sich unter dem Titel „Wiener Zustände" die Mittheilung, daß an der Volksschule, in der Werderthorgasse die Mädchen israelitischer Confession das Vaterunser mitbeten muffen. Der Einsender dieser Notiz fügt dem Berichte die Frage hinzu, „ob es statthaft sei, daß in der Schule solche directe Proselytenmacherei getrieben wird." Die Geschichte ist, um die Worte des Einsenders mit geringer, aber sehr wesentlicher Variante zu gebrauchen, — „unglaublich und unwahr"; mit dieser Behauptung werden Alle übereinstimmen, welche die Verhältniffe dieser Schule, welche den Leiter und den Lehrkörper an dieser Anstalt kennen. Wenn das Töchterchen des Herrn Freund das Vaterunser zum Abendgebet sprach, so kann die Lehrerin nichts dafür;denn würde dem Kinde zu Hanse rechtzeitig sein A b e n d g c b e tl e i n gelehrt worden sein, so ist kaum anzunehmen, daß es das fremde Gebet dafür gesprochen hätte. Das Vaterunser hört das Kind in der Schule und behält es im Gedächtniffe, dafür kann aber die Lehrerin nicht verantwortlich gemacht werden. Sie thut ihre Pflicht, indem sie einer für alle Wiener Schulen gleichmäßig geltenden Weisung der Schulbehörden folgt. Ich weiß nicht, in welcher Classe das Kind ist, und will dem nicht nachforschen, um nicht eine Verstimmung zwischen Lehrerin und Kind herbeizusühren. Aber es ist ganz gut möglich, daß der Vorwurf der Proselytenmacherei eine Lehrkraft trifft, die selbst Jüdin ist oder eine solche Lehrerin, welche die Kinder aller Confeffionen mit gleichem Wohlwollen behandelt. Denn ich habe wirklich einige Lehrerinnen an der Anstalt, denen der Beruf zu hoch steht, als daß sie es sich beifallen ließen, ein Kind in seinem Glauben irreführen zu wollen. Ueberdies ist es allen Lehrkräften bekannt, daß der k. k. Bezirksschulinspector, dem die Schule untersteht, nach keiner Richtung hin in solchen Dingen einen Spaß versteht, und über die stricte Durchführung der Gesetze, wie über einwandfreies pädagogisches Vorgehen wacht. Daß ich selbst Jude bin, und, getreu meinem Diensteide, keine wie immer geartete Vergewaltigung an Kindern, — und Kinder können gar zu leicht vergewaltigt werden mit den anscheinend gleichgiltigsten Dingen, — dulden würde, brauche ich Diejenigen nicht zu versichern, die mich kennen. Leider bin ich gegenwärtig schwer krank und beurlaubt, so daß ich von dieser Notiz nur durch Zufall Kenntniß erhielt, da mir meine Umgebung alles fern zu halten sucht, was mich irgendwie aüfregen könnte. Indem ich meine Bitte um Aufnahme dieser Zeilen in Ihrer „Wochenschrift" wiederhole, zeichne ich in vorzüglicher Hochachtung Philipp Brunner Oberlehrer der Mädchenschule, I., Werderthorgaffe 6. Floridsdorf. (Silberne Hochzeitsfeier des Bicepräses Herrn Em. Grünwald und seiner Frau Gemalin H e n r i e t t e G r ü n w a l d.) Freitag Abends hatte sich ein distinguirtes Publicum im hellerstrahlenden Gotteshauseeingefunden. Das vom Jubilar gespendete Sefer Thora Wurde aus der Wohnung Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirks- Rabbiners Dr. R o s en m a n n vom Cultusausfchuffe in den Tempel abgeholt, an deffen Eingänge vom Herrn Präses der Gemeinde Dr. I. König und dem Herrn Rabbiner übernommen und unter Begleitung des Cultusrathes Herrn I. Buchwald, des Herrn Obmannes der „Chewra-Kadifcha" M. Reumann, des Herrn Obmannes der Talmud-Thora Dr. L. Grünwald, sowie der anderen Ausschußmitglieder in di; Bundeslade gebracht; währenddeffen trug Herr Obercautor M. L ö w y unter Chorbegleitung den 24. Psalm feierlichst und stimmungsvoll vor und sprach sodann Herr Bezirks-Rabbiner Dr. M. Rofenmann vor offener Bundeslade ein diesem Anlässe entsprechendes inniges Gebet. Hierauf folgte die eigentliche Festpredigt, in welcher unser Herr Rabbiner diese spontan von der Gemeinde veranstaltete und in vollster Eintracht durchgesührte Feier als frohes Zeichen der bereits erfolgten Gesundung unserer Verhältniffe begrüßte, die großen Verdienste, die sich das Jubelpaar auf mannigfachen Gebieten erworben, rühmend hervorhob und zum Schluffe den göttlichen Segen auf dasselbe herabflehte. Montag Abends fand die Ueberreichung einer Adreffe seitens des hiesigen fortschrittlichen Turnvereines an den Jubilar statt. Dienstag, am Hochzeitstage, begann die Gratulation. Dieselbe wurde eingeleitet durch eine Deputation, bestehend aus dem Präses Herrn Dr. I. König, Sr. Ehrwürden Herrn Bezirks-Rabbiner Dr. R o s e n m a n n, Herrn Cultusrath M. Mandl (Groß-Enzersdors), dem Obmann der „Chewra-Kadischa" Herrn Max Neumann, und dem Beirath der Talmud-Thora Herrn Oberlehrer I. L ö w. Unter Ueberreichung einer herrlich ausgestatteten Adreffe begrüßten und beglückwünschten der Herr Präses und der Herr Rabbiner, sowie die Obmänner der Vereine das Jubelpaar. Hieraus folgte die Deputation des Israelitischen Frauen-Wohlthätigkeitsvereines, bestehend aus der Bicepräfidentin Frau Dr. Babette Rosenmann, Frau Dr. Julie König, Frau Eugenik Seidl und Frau Fanny Markus. Dieselbe überreichte ihrer verdienstvoll n Präsidentin Frau Henriette Grünwald, sowie ihrem Gemahl das Ernennungs- Diplom zu Ehrenmitgliedern. Sowohl das Diplom, als auch die Adreffe der Gemeinde sind Kunstwerke der Kalligraphie und Miniature-Malerei, von Herrn M. Kundstadt in Wien angeferttgt. Den Abschluß der officiellen Deputationen bildete der Beamtenkörper der Cultusgemeinde und der Bethausvereine im Sprengel derselben. Sprecher war Herr Religionslehrer Ignaz L ö w. der sowohl für sich, als auch für die mitanwesenden Herren: Obercantor M. Löwy, Religionslehrer A. Ehrenfest, L. Hahn, A. Donath, Zehicka (Korneuburg) und Werdisheim (Stockerau) ihrem Vorsteher die Huldigung darbrachte. Brünn. (Cantorenversammlung.) Am 2. März l. I. hielt der mährische Cantorenverein im Sitzungssaale der israelitischen Cultusgemeinde statutengemäß seine diesjährige ordentliche Generalversammlung in Anwesenheit von 24 Mitgliedern ab. Die diesjährige Generalversammlung bot ein erhöhtes Jntereffe in Folge der Anwesenheit zweier höchst ehrenwerther Gäste u. zw. in Vertretung des österreichisch-ungarischen Cantorenvereines der Präsident Herr Obercantor Singer und der Bicepräfident Herr Obercantor Bauer aus Wien, welche eigens za dem Zwecke nach Brünn kamen, um den Anschluß unseres Vereines an den neu zu errichtenden allgemeinen Cantorenbund herbeizuführen. Nachdem den beiden Gästen Ehrensitze an der Seite des Präsidiums angewiesen worden waren, wurde die Generalversammlung seitens des Bereinspräfidenten Herrn Obercantors Heller mit einer herzlichen Begrüßungsansprache eröffnet, worin besonders der Freude und Befriedigung über die Anwesenheit der beiden sehr geehrten Gäste Ausdruck verliehen ward. Die Versammlung nahm sodann ihren programmgemäßen Verlauf. Schriftführer Herr Josef Steiner verliest das Protokoll über die vorige Generalversammlung, worauf der Vorsitzende einen ausführlichen Bericht über die Thätigkeit des Vereins- Vorstandes im abgelaufenen Jahre erstattet, aus dem besonders hervorzuheben ist, daß im Sinne eines diesbezüglichen Beschlusses Sr. Ehrwürden Herrn Landesrabbiner Dr. B. Plaezek aus Anlaß seines 40jährigen Amtsjubiläums durch den Bereinsvorständ deputativ ein künstlerisch ausgestattetes Ehrendiplom überreicht wurde. Dem wetteren Berichte ist zu entnehmen, daß es der Vereinsleitung, insbesondere dem Obmanne Herrn Obercantor Heller gelungen ist, fsir einzelne in ihrer Existenz bedrohte Collegen mit Erfolg einzutreten, und daß die Bereinsleitung auch anderweitig im Jntereffe der Collegen intervenirt habe, und schließt mit der Erklärung seiner sttten Bereitwilligkett, die Vereins- und Stand esintereffen nach besten Kräften fördern zu helfen. Nach erstattetem Caffagebahrungsbericht durch den AereinSeafsier Herrn D. Kvhn, Lundrnburg, und der durch die ge-