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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-03-14 · 11 (14.3.1902) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
11 (14.3.1902)
Date
1902-03-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11 Dr. Bloch's WochrnfchrM Sette 17S Die Arbeiten müssen bis zum 1. October 1903 an Herrn Direktor Dr. Lange in Frankfurt a. M. eingesandt werden. Jede Arbeit ist mit einem Motto zu versehen; in einem verschlossenen Couvert, auf dem dasselbe Motto verzeichnet ist, soll der Name des Autors enthalten sein. Die Namen der Preisrichter werden später veröffentlicht werden. Frankfurt a. M.. im Jänner 1902. Die Jüdisch-literarische Gesellschaft. Zu Max Lieberurann's Schrift über Jozef Israels schreibt Dr. Paul Kraemer in der „Allgemeinen deutschen Universitäts-Zeitung* (Nr. 5): „Etwa im zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts lebten in dem altehrwürdigen Amsterdam zu gleicher Zeit zwei Menschen, deren gefeierte Namen alle künftigen Jahrtausende überdauern werden: Spinoza und Rembrandt. Sie lebten hier, wohl kaum von einander wissend, dicht bei einander mitten unter den patriarchalischen Gestalten jüdischen Glaubens. 200 Jahre später lebte an gleicher Stätte, in gleicher Umgebung selbst dem auserwählten Volk zugehörend, Maler Israels Jahre gewaltiger Entwicklung, um dann seine spätere Lebenszeit ganz wie Spinoza im Haag zu verbringen. So also befähigten Heimat und Abstammung den heute 73jährigen Meister, das gewaltige Erbe der beiden Größen in der geistig-künstlerischen Geschichte Hollands anzutreten. Keines anderen Malers Kunst erinnert so sehr an die Eigenart Rembrandt's, ohne diese irgend nachzuahmen, als die Israels, und in den Werken keines anderen Malers liegt so viel von dem pantheistischen Weltgefühl, von jenem Mitleid mit dem Daseinsschmerz. des Nächsten, das aus der spinozistischen Erkenntniß in die bittere Nothwendigkeit des Geschehens geboren ist, als in den seinigen. In das tiefste Wesen dieses Mannes einzudringen, es ganz zu erfassen, dürfte kaum jemandem besser gelingen als Max Liebermann, den Abstammung und überragendes Künstlerthum gleichermaßen dazu prädestiniren. Die eigene Einsicht in diese Thatsache mag Liebermann wohl mehr als die zufällige Aufforderung des befreundeten Israels zu seiner Schrift über diesen bestimmt haben. Das Temperament, das Liebermann als Maser in. jedem Pinselstrich verräth, verräth er auch als Schriftsteller in jedem Satz. Das zeigte schon der Aufjatz über Degas, und der Aufsatz über Israels zeigt's von Neuem. Wo er uns die künstlerische Persönlichkeit des anderen näher bringen will, bringt er unbeabsichtigt sich selbst uns an erster Stelle näher. Jede intuitive Erkenntniß in die Art des anderen ist eine jedesmal neu eingekleidete Erkenntniß in das absolute Wesen der Kunst im Allgemeinen. Daß dieses absolute Wesen der Kunst ein überzeitliches, ein ewig unveränderliches ist und nur individuell verschieden in die Erscheinung gebracht wird, wird der Meister nicht müde, immer wieder zu betonen. Und alle, die über Kunst schreiben, sollten es ebenso thun. Diese Wahrheit zu lehren und zu verbreiten, ist schließlich Anfang und Ende aller Kunstschreiberei. Aber so einfach das klingt, es vermögen doch nur ganz wenige den substantiellen Gehalt der Kunst adäquat zu erkennen, geschweige denn ihn anderen in adäquater Form zu übermitteln. Intelligenz und wieder Intelligenz und dazu Cultur, wahre Persönlichkeitscultur muß zuvor gegeben sein. Wie selten aber ist's in einem beisammen. Liebermann ist so ein Culturmensch von Gottes Gnaden, und seine Intelligenz erlaubt ihm, die Gedanken, die ihn beschäftigen, klar zu Ende zu denken. — Nur so kommt der Bildner zur Kunst und der Denker zur Wahrheit/ _ Alte Bibliotheken. Vortrag vom Architekten Max Fleischer. Nicht blos der ist ein Schatzgräber, der Gold und Edelsteine aus dem Boden schafft, sondern in erhöhtem Maße Derjenige, der uns die unvergänglichen Geistesgüter vor Augen führt, welche Jahrtausende vor uns aufgespeichert haben und aus deren Zusammenwirken das entstanden ist und entsteht, was das moderne Wffsen ausmacht. Es muß uns mit Bescheidenheit erfüllen, wenn wir zurückblicken, was Jahrtausende vor uns schon geleistet haben, und es darf uns auch mit Stolz erfüllen, wenn wir die Geistesarbeit wahrnehmeu, die unablässig thätig ist, nimmer rastet, immer weiter schreitet, um nicht bei einem bestimmten Ziel stehen zu bleiben, sondern der unendlichen Vervollkommnung zuzustreben. Im Kampfe der Gegenwart vergessen wir so leicht der Vergangenheit. Dieser undankbaren Gesinnung entreißen uns Museen und Bibliotheken, in denen mit verständnißvoller Hand zusammengetragen wird, was vor uns gearbeitet worden ist. Man ersieht hieraus, welchen Dank die Sammler verdienen, wie große Anerkennung wir Denjenigen schulden, die uns mit den aufgespeicherten Schätzen bekannt machen: In diesem Sinne vollführt das Museum für jüdische Kunst- und literarische Denkmäler in Wien eine wahre Schatzgräberarbeit, in diesem Sinne hat auch der Architekt Max Fleischer eine Schatzgräberarbeit ausgesührt, als er in einer vom Museum veranstalteten Versammlung Donnerstag Abends im Saale des österreichischen Ingenieur- und Architekten- Vereines über „Wiedergefundene Schätze" sprach. Es war nur ein Ausdruck der idealen Gedankenrichtung Fleischers, daß er den Inhalt der Bibliotheken als „Schätze" bezeichnete, und unter den „wiedergesundenen" hob er jene hervor, die durch die Ausgrabungen an den Stätten, die man als die Wiege der Menschheit betrachtet, aus uns gekommen sind und den Beweis erbracht haben, daß schon in den ältesten Zeiten der Werth des Wissens hochgeachtet worden ist. An den „wiedergefundenen Schätzen" sollte ein zahlreiches Auditorium sich erquicken. Es waren besonders viele Damen erschienen; der Vorstand der israelitischen Gemeinde war fast vollzählig anwesend, zudem waren viele Mitglieder der israelitischen Humanitätsvereine und zahlreiche Gäste erschienen, unter ihnen Gemeinderath Helbig, Oberinspektor Engel, Superintendent Seberinyi u A. Die Stirnseite des Saales war mit eigenartigen Bildern geschmückt, man sah altegyptische und altassyrische Figuren und Architekturen, sonderbare Pflanzengruppeu, interessante Abbildungen. Der Vortragende gab die Erläuterung, und wir werden in Nachstehendem Einiges davon mittheilen: Er führte uns gleich in msäins res ein, indem er mittheilte, daß er den Inhalt der alten Bibliotheken als den wiedergefundenen Schatz bezeichne. Unter dem Worte „alt" aber inuß man sich eine Zeit vorstellen, die fünftausend . Jahre hinter unserer Zeitrechnung liegt. Bevor aber Fleischer die „Schätze" enthüllte, gab er aus seinem eigenen Innern kostbare Gedanken über Bücher preis. „Die Individuen einer Bibliothek sind nicht stumm und leblos, sondern im höchsten Grade mittheilsam." „Sie sind gute Freunde, die bereitwillig Rath und Lehr' ertheilen, man kann aus ihnen entlehnen und behält das Entlehnte (nicht das Buch!). Man ist auch frei in der Wahl und sie sind die freigebigsten Helfer. Länder und Völker lernen wir kennen, ohne zu ihnen zu gehen. Vergangenheit und Gegenwart liegen offen vor unseren Augen, man kann sich bis zu den Sternen erheben, ohne einen Schritt zu thun" u. s. w. Das Bemühen, derartige Schätze zu sammeln, war schon in den ältesten Zeiten vorhanden. Fleischer erwähnt der Auffindung der Mumie eines „Verwalters des Bücherhauses", der ca. 4400 Jahre vor der gegenwärtigen Zeitrechnung gelebt hat, und berichtet von den Papyrusrollen, die aus der Zeit von 3500 v d. Z. stammen und älterer Schriften erwähnen, die 4800 v. u. Z. abgefaßt worden sind. Fleischer zeigt das Porträt Ptah hoteps, eines Königssohnes, der eines dieser Bücher schrieb und eine philosophische Anschauungsweise besaß, von der er einige Proben mittheilt, so z. B.: „Sei nicht übermüthigen Sinnes auf Grund Deiües Wissens; kein Meister ist vollkommen in seiner Herrlichkeit; die Enthaltsamkeit an sich ist ein Reichthum; auch Dein thörichter Sohn ist noch immer Dein Kind; mache dem Bittenden Muth Dir vorzutragen, weswegen er zu Dir gekommen ist; eigenes Verdienst ist würdiger, als ererbter Reichthum; die Nächstenliebe ist höher zu achten als Opferkuchen u. s w." Fleischer zeigt uns ferner die Abbildung eines Gelehrtenhauses und einer Bücherei, welche die Inschrift trägt: „Heilanstalt der Seele" — 1500 Jahre v. u. Z.

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