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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-03-14 · 11 (14.3.1902) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
11 (14.3.1902)
Date
1902-03-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 172 Dr. Bloch's Wochenschrift. gegen die Verfolgung der Juden gesprochen und geschrieben. Was find sie Alle gegen Bielohlawek und Hawranek, gegen Mittermayer und die »Deutsche Zeitung"'! * * * Ze zügelloser die Sprache der Antisemitenpresse wird, je unverschämter die Aufreizung zum Haß gegen die Juden und zu ihrer Verfolgung betrieben wird, um so energischer sollten die Juden für ihre bürgerliche Gleichberechtigung und gegen die Antisemiten kämpfen. Statt dessen finden sich noch immer Juden, die der irrigen Meinung find, daß ihre Lage durch das beliebte .Zurückstellen"' von Principien sich günstiger gestalten könne. Mit dem Antisemitismus, darüber müssen wir uns ein für alle Mal klar sein, gibt es kein Compromiß. Aus diesem Grunde hat es allgemeine Entrüstung hervorgerufen, daß anläßlich der Handelskammer- Wahlen Juden es waren, welche der sogenannten Objectivität wegen sich herbeiließen, Mische Mitglieder der Handelskammer wie Herrn Leopold Trebitsch und kaiserl. Rath Schefftel, die eine Reihe von Jahren hindurch verdienstvoll wirkten, sowie andere tüchtige, wohlverdiente Männer, wie Paul Lemberger und Jfidor Popper, deren Wahl im allgemeinen wohlverstandenen Interesse lag, einfach fallen zu lassen und sich mit der Aufstellung arischer, sogar antisemitischer Candidaten einverstanden zu erklären. Glauben die betreffenden Juden, daß durch eine solche übel angebrachte Bescheidenheit, die noch dazu als eine Undankbarkeit gegenüber den früheren Mandataren erscheint, die anttsemitische Verfolgung auch nur um die kleinste. Nuance gemildert wird? Welche verhängnißvollen Folgen es haben muß, wenn dieWienerHandelskammer den Antisemiten ausgeliefert werde, ist auf den ersten Blick klar. Beschämend ist es, daß Juden selber alle Mittel anwendeten, dieses letzte Bollwerk des Liberalismus zu untergaben, daß Juden aus Liebedienerei oder nichtiger Eitelkeit wegen, sich dazu erniedrigten, jüdische Mandatsinhaber und jüdische Mandatswerber von zweifelloser Tüchtigkeit zu beseitigen, um gewissen arischen Ansprüchen zu genügen. Zuschriften, die uns aus den verschiedensten Leserkreisen zukamen, zeigten uns erfreulicher Weise, daß in der jüdischen Bevölkerung Wiens das Urtheil über solches Vorgehen kein schwankendes, sondern ein einhelliges ist. * * * Bei einem Carnevalsfeste des Gesangsvereins der österreichischen Eisenbahnbeamten gefiel, wie wir einem Berichte des .Deutschen Bolksblattes" entnehmen, ein Leichenbegängniß außerordentlich. Die .Elektrische"' hat einen Menschen gerädert und bei der .Leicht bläst eine Musikcap.lle einen ^sehr hetter wirkenden Trauermarsch"'. Die große Heiterkeit dieser so überaus geschmackvollen und witzigen Scene wird erklärlich, wenn wir erfahren, daß has fingirte Unglück einen polnischen Juden betraf. Eine Anzahl polnischer Juden, »sämmtlich mit langen, schmierigen Kaftans und Stirnlocken"', gingen bei dem Leichenbegängnisse des »Judenjüngels" mit, der in dem Kinderwagen der .Elektrischen" geführt wurde. Da wurde auch ein Chor gesungen mtt dem Refrain: Oi doi, oi doi, oi doi, rititidi doi di di doi rc. »Natürlich", sagt der entzückte Berichterstatter .erweckte dieser Chor mit Trompetenbegleitung, bei dessen Refrain die Juden komisch tänzelten, wahre Lachsalven bei dem Spalier bildenden Publicum"'. . Die Herren Eisenbahnsänger mögen mir eine ganz bescheidene Bemerkung gestatten. Es sind ja erst wenige Tage her, .seitdem die Elektrische nicht im Scherz, sondern im wirklichen blutigen Ernst Menschenleiber zerdrückte und die Augenzeugen dieser furchtbaren Unglücksfälle und die Angehörigen der Todesopfer mag eS sehr sonderbar berühren, daß die elektrischen Unfälle gerade von Eisenbahnbeamten zum Gegenstand einer Parodie gemacht werden. Diese heitere Auffassung schrecklicher Unfälle, bei denen Menschen ihr Leben einbüßten, scheint mir persönlich, und ich sage das nicht als Jude, sondern als Wimer, weder geistreich noch taktvoll, es wäre denn, daß ein wirkliches und nicht blos ein carnevalistisches Eisenbahnunglück, bei welchem man die zuckenden Glieder eines zerquetschten Menschenleibes unter der Schutzvorrichtung hervorzieht, dann als ein ergötzliches und erheiterndes Ereigniß erscheint, wenn der Gelödbete ein »Judenjüngel" ist. Ich beabsichtige, darüber ein paar chrfflliche Wiener zu befragen, um zu erfahren, ob die chriWch-soylcke Pädagogik einen Theil der Bevölkerung wirklich Bretts zu einer solchen Auffassung erzogen hat. Isegrimm. Ar. 11 Preisausschreibungen der israelitischen nngarischen Literaturgesellschaft zu Budapest ' Nachdem die von obiger literarischer Gesellschaft noch im Jahre 1900 ausgeschriebenen zwei Preisfragen bisher noch keine annehmbare Lösung gefunden, wurde der Termin für dieselben verlängert. I. Verlangt wird eine Geschichte der jüdischen Literatur vom Beginne der griechischen Periode bis zur Gegenwart. Das Werk muß auf wissenschaftlicher Basis in volksthümlicher, dem großen Publicum zur Orientirung dienenden Weise geschrieben werden. Der ausführliche Plan des ganzen Werkes hat sich auf ungefähr fünf Druckbogen zu erstrecken und ist in Begleitung von auf verschiedene Perioden sich beziehenden ausgearbeiteten Theilen bis zum 15. September 1902 einzusenoen. Der Preis wird auf Grund dieses Planes und der Probearbeiten zuerkannt, der Termin für die gänzliche Fertigstellung des Werkes in Uebereinstimmung mit dem Verfasser festgesetzt. Der Umfang des ganzen Werkes darf sich höchstens auf 35, dem Format der Gesellschaftseditionen entsprechende Druckbogen erstrecken. Der Preis von 2500 Kronen darf nur einem absoluten Werth besitzenden Werke zuerkannt und blos für die fertiggestellte Arbeit ausgefolgt werden. Das preisgekrönte Werk geht in das Eigenthum der Gesellschaft über und wird von ihr als Bezugsgebühr der Mitglieder der Reihenfolge nach veröffentlicht werden. Die mit einem Mottobrief versehene, von fremder Hand geschriebene Arbeit ist an den Präsidenten der Gesellschaft, Anärassy-ut Nr. 9, einzusenden. II. Verlangt wird eine Geschichte der Juden von der Zerstörung des zweiten Tempels bis zur Gegenwart auf Grund der neuesten Forschungen. Darzustellen ist die Geschichte der Schicksalsentwicklung, der Rechtsverhältnisse, der socialen Stellung und der Culturverhältnisse der Juden in den einzelnen Ländern und Perioden mit Hinweglaffung der Literaturgeschichte. Der ausführliche Plan des Werkes hat sich auf ungefähr fünf Druckbogen zu erstrecken und ist in Begleitung von zwei auf verschiedene Perioden sich beziehenden ausgearbeiteten Theilen bis zum 15. September 1902 einzusenden. Der Preis wird auf Grund dieses Planes zuerkannt, der Termin für die gänzliche Fertigstellung des Werkes in Uebereinstimmung mit dem Verfasser festgesetzt. Der Umfang des ganzen Werkes darf sich höchstens auf 30 bis 35, dem Format der Gesellschaftseditionen entsprechende Druckbogen zu erstrecken. Die Preissumme, eine Sammlung Paul Tenczer's, beträgt 2500 Kronen, welche nur einem absoluten Werth besitzenden Werke zuerkannt und blos für die fertiggestellte Arbeit ausgefolgt werden darf. Das Eigenthumsrecht des preisgekrönten Werkes gehört der Gesellschaft, welche es als Bezugsgebühr ihrer Mitglieder der Reihenfolge nach veröffentlichen wird. Die mit einem Mottobrief versehene, von fremder Hand geschriebene Arbeit ist an den Präsidenten der Gesellschaft, Andrassy-ut Nr. 9, einzusenden.*) Preisausschreibung. Eine neugegründete »Jüdisch-literarische Gesellschaft"' in Frankfurt a. M., welche sich großer Förderung erfreut, tritt mit folgendem Preisausschreiben in die Oeffentlichkeit: Die Jüdisch-literarische Gesellschaft setzt hiermit einen Preis von 1000 Mark aus für eine populär gehaltene, in den dargestellten Resultaten streng wissenschaftliche Arbeit über die Geschichte des jüdischen Volkes während der Epoche der Amoräer und Saboräer. Der Umfang des Werkes muß mindestens 20 Bogen Text betragen, in den Noten muß Quellenangabe enthalten sein, die neuesten Forschungen müssen berücksichtigt werden, Das mit dem Preise gekrönte Werk bleibt Eigenthum des Autors, welcher es binnen Jahresfrist.nach Zuerkennung des Preises der Gesellschaft zum Druck übergeben muß; über diejenige Anzahl von Exemplaren, die sich die »Jüdischliterarische Gesellschaft"' vorbehält, und über die Festsetzung des Ladenpreises wird besondere Vereinbarung mit dem Autor getroffen werden. Die »Jüdisch-literarische Gesellschaft" behält es sich vor, auch einer zweiten Arbeit einen Preis zuzuerkennen. *) Die eoneurrirenden Arbeiten 'sind in ungarischer Sprache einzugeben. Der Korrespondent.

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