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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-03-07 · 10 (7.3.1902) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
10 (7.3.1902)
Date
1902-03-07
Page
– (sequence 17)
Language
German
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4tr. 10 Dr. Bloch's WochrnfchrM Seite 165 Böhm.-Kamnitz K 5; Gustav Lederer. Jamnitz X 5; Heinrich Weißenstein, Jglau K 5; Brüder Pokoruy, Neuhaus X 3; Gustav Hellmann, Jglau X 4; Josef Singer. Gr.-Bittesch X10, Bernhard Trebitsch, Mrstelbach X 10; A. Landsberger, Friede? X 20; Fr. Tobias Löwit, Gewitsch X 20; A. Hitschmann, HUmpolktz X 4; Rudolfine Spitz, Gilgenberg X 5; M. und T. Rieß, Proßnitz X 5; Leopold Fuchs. Jrritz X 2; Siegfried Löbl, Karlsbad X 5; Cultusgemeinde Graz X 20; Cultusgemeinde Wal.-Meseritsch X 20. Neweklau, 27. Februar. Am letzten Montag ist der hiesige Cultusvorsteher Herr David R o u b i c e k nach langem und schwerem Leiden verschieden. Ein reger Geschäftsgeist und ausgerüstet mit persönlicher Ehrenhaftigkeit und Tüchtigkeit, hat es der Verblichene verstanden, sich in der Kaufmannswelt einen geachteten Namen und die Sympathien seiner Mitbürger ohne Unterschied der Confession in hohem Maße zu erwerben. Sein Hinscheiden erweckte daher allgemeine Theilnahme und gestaltete sich deffeu gestriges Leichenbegängniß zu einer imposanten Trauerkundgebung. Von der Synagoge und dem Gemeindehause wehten Trauerfahnen und die Ortsvereine erschienen in feierlichem Auszuge. Seine Bahre, die vor den Eingang der schwarz drapirten Synagogenvorhalle gebracht wurde, umstanden seine Gattin und Kinder; sein Schwiegersohn, Herr Dr. Bonn, praktischer Arzt, aus Prag; seine Schwäger, die Herren k. k. Gerichtssecretär Eduard Schütz sammt Frau, aus Brüx; Landesadvocat Doctor Siegfried Wertheimer sammt Frau aus Pilgram, Isidor Wertheimer, Privatier aus Prag; Wilhelm Stein, Kaufmann aus Ober-Jeleny; die Cultusrepräsentanz und zahlreiche Trauergäste aus Nah und Fern. Der Herr Gemeinderabbiner widmete dem Dahingeschiedenen Worte der wärmsten Anerkennung und Würdigung. Ung.-Brod. Die an die ehemaligen Schüler der hiesigen Volksschule gesendeten Aufrufe um Spenden zum projectirten Baue einer neuen vierclassigen Volksschule haben leider bis nun den bescheidenen Erwartungen nicht entsprochen und mußte der Beginn des Baues auf das Jahr 1903 verschoben werden. Der gefertigte Vorstand sieht sich daher veranlaßt, auf diesem Wege die Bitte um Zusendung beliebiger Spenden zu erneuern. Der Bürgermeister : Leopold I. Schön. Feuilleton. „Kidd«fch Haschem." Von Emanuel Reiß. Ich wäre vielleicht in Verlegenheit, wenn ich die hier Vorgesetzten Worte genau definiren müßte. Ihr Sinn ist ein so ganz anderer, als der, den die todten Worte anzudeuten scheinen. — »Kiddusch Haschem!" wörtlich, zu deutsch: »die Heiligung des Namens" — des Namens Gottes wohl — allein die richtige Verdolmetschung dessen, was wir im Allgemeinen darunter verstehen, müßte lauten: »Die Heilighaltung des Namens »Jude!" Worte und Handlungen, die dem Namen Jude Ehre machen: die sind der eigentliche Kiddusch Haschem. Zum Glücke ist mir einer unserer beliebtesten Schriftsteller (L. Kompert) mit einer köstlichen Definition dieser Worte schon längst zuvorgekommen und ich hätte mir füglich die ganze Einleitung ersparen können. Auch dürfte es männiglich bekannt sein, daß es zu allen Zeiten Juden gegeben hat, die für die »Heilighaltung des Namens" Hab und Gut und oft genug auch ihr Leben hinzugeben bereit waren. — Allein daß man zur Bethätigung eines Kiddusch Haschem nicht immer geradezu Märtyrer sein müsse, dies dürfte aus dem nachfolgenden amüsanten Reiseabenteuer eines armen »Bochers" mit Leichtigkeit erhellen. * * * Josef Lindner war im Grunde genommen kein armer Bocher im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Als einziger Sohn eines gut angestellteu Lehrers in einer größeren Gemeinde Oberungarns hatte er die Noth nie von jener Seite kennen gelernt, ^wie sie sonst jeden Schritt und Tritt eines wirklichen armen Bochers zu begleiten pflegt. Auch war er noch gar kein richtiger Bocher, wenn unter dieser Bezeichnung nicht nur Jüngling, sondern Talmudjünger, Auserkorener für die rabbinische Carriere, vulgo jüdisch-theologischer Bettelstudent gemeint sein soll, denn er hatte noch gar keine Jeschiwah besucht, bisnun nur zu Hause bei seinem Vater »gelernt". Auch schien weder sein Aeußeres, noch sein nicht unbescheidenes, aber selbstbewußtes Auftreten diesen Titel rechtfertigen zu wollen. Allein er selbst setzte einen gewissen Stolz in diesen Titel, ihm war er ein Ehrentitel, den er sich erworben. Sein talmudisches Wiffen war allerdings für sein Alter — er zählte zur Zeit unserer Erzählung 17 Jahre — nicht unbedeutend; er konnte es getrost mit Manchem aufnehmen, der für einen »guten Bocher" galt. Was aber die Wenigsten in ihm vermuthet hätten, war, daß er auch, wie selten ein Bocher, in weltlichen Wissenschaften seinen Mann stellen konnte. Die Weltgeschichte war ihm eine zweite Bibel und das Sprachenstudium betrieb er als anregenden Sport, so daß er in einem Alter, wo Andere noch Conjugationen »ochsen", sich schon an Meisterwerken der Weltliteratur ergötzen konnte. Diese Vielseitigkeit hatte Josef seinem Vater zu verdanken, der eiqes jener merkwürdigen Exemplare war, wie sie früher unter den jüdischen Lehrern nicht selten anzutreffen waren, die aber, seitdem auch in Ungarn die jüdischen Schulen geregelt wurden, daß jeder Lehrer sein Diplom haben muß, .darüber hinaus aber jedes Wiffen überflüssig erscheint, im Aussterben begriffen sind. Dieser Mann, der nie eine andere Schule als das Cheder und später die Jeschiwah besucht hatte, hatte sich durch unermüdlichen Fleiß und heiße Wißbegierde einen solchen Reichthum an theologische» und profanen Kenntnissen erworben, daß er manchen Rabbiner und manchen — Univerfitätsprofeffor weitaus übertraf. Und ihm galt die Wissenschaft nicht als Mittel zum Zweck, sie selbst war »das Element seines Lebens und der Verlängerung seiner Tage, in dem er geathmet Tag und Nacht." Sein Sohn Josef sollte Rabbiner werden. Nicht einer von denen, die nur in der Vergangenheit leben, auch keiner von jenen, die nur für das Actuelle Augen haben — die Ideale der Vergangenheit, die Anforderungen der Gegenwart und die Hoffnungen der Zukunft sollten in ihm ihren berufenen Anwalt finden, er sollte, wie sein großer Namensvetter, auserkoren sein, seine hungernden Brüder an der Tafel des Königs zu erquicken. In diesem Sinne war Josefs Erziehung bisher geleitet worden. Allein der weise Vater fühlte, daß, wenn sein Sohn wirklich diesem Berufe zugeführt werden sollte, der Kreis seiner Umgebung ein viel zu enger war. Er mochte es an sich selbst erprobt haben, daß die Theorie allein flügellahm mache, und er beschloß daher, ihn in die weite Welt hinauszuschicken. Er sollte vorerst , die berühmtesten Jeschiwahs besuchen, sich überall längere Zeit aufhalten und dabei unverdrossen seine weltlichen Studien fortsetzen und dann einige Jahre an einem berühmten ausländischen Rabbiner-Seminare verweilen. — In P., weit unten im B—er Comitate, leitete ein Jugendfreund des Vaters eine große Jeschiwah. Diese wurde als erste Station für die einzuschlagende Laufbahn erwählt. * * * Wie schön ist eine Dampfschifffahrt auf der Donau von Budapest bis Mohäcs an einem herrlichen Sommertage! Wie schöner noch, wenn man Josef Lindner heißt, 17 Jahre alt ist, die Welt nur aus Büchern und dem engen Horizonte einer kleinen Provinzstadt kennt und die Brust voller Sehnsucht hat, über die man sich gar keine Rechnung zu geben weiß! — Unser Josef ließ sich von dieser Herrlichkeit gar viel entgehen. Als echter Provinzler hatte er sich schon drei Stunden lang im Wartesaale zu Budapest gelangweilt, um ja um Gotteswillen die Abfahrt nicht zu versäumen und seit einer Stunde saß er wie angenagelt in der Unterabtheilung des Schiffes, weil er eine Karte zweiter Claffe gelöst hatte, die er nun wahrscheinlich sitzend absolviren zu müssen glaubte. Ec war höchst verstimmt. Etwas Heimweh, etwas Bangigkeit vor der ungewissen Zukunft, vielleicht auch etwas Angst ob der Unverläßlichkeit des ihn befördernden Vehikels, das schon in den ältesten Zeiten als gefährlich anerkannt wurde, sicher aber das Bewußtsein, unter all den vielen Menschen, die er gestern und heute gesehen, keinen einzigen Bekannten getroffen zu haben. Niemanden, der ihn auch nur eines freundlichen Wortes gewürdigt hätte — alle diese Gefühle vereinigten sich, um seine beim Abschiede aus dem Elternhause zuversichtlich zur Schau getragene ftohe Stimmung zu verderben. Unzufrieden mit sich und mit seiner Umgebung, deren gleichgiltige Gespräche ihn nur irritirten, griff er in seine Handtasche und nahm ein Buch heraus,

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