Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 10 (7.3.1902)
- Date
- 1902-03-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 10 Dr. Bloch's Wochvnfchrifk. Seite 16! Abends brachten den lebhaftesten Dank des Vereines und der Zuhörerschaft für Herrn Dr. Biach in äußerst schmeichelhaften, aber wohlverdienten Worten zum Ausdrucke. Prag. (Bo r t r a g.) Der Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag hatte an seinem am 25. Februar l. I. abgehaltenen Bereinsabende die erwünschte Veranlassung, den Vertreter der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" in Wien, Herrn Secretär Siegfried Fleischer in seiner Mitte zu begrüßen. Als Verfechter der Abwehrbestrebungen des letztgenannten Vereines hielt er einer im großen Saale des „Hotel Bristol" aufmerksam lauschenden Gemeinde einen Vortrag „Ueber die Rechtsschutzorganisation der österreichischen Judenschaft". In lichtvoller Weise wußte er den Entwicklungsgang, Zweck und Ziel dieser schon bewährten und achtunggebietenden Institution darzulegen, die, aus stürmischen Zeitverhältnissen geboren, nun schon durch mehrere Jahre wirksame Proben ihrer heilbringenden Thätigkeit abgelegt hat. An interessanten Beispielen wurde' vor Augen geführt, wie nothwendig sich in vielen Fällen ein rasches und zielbewußtes Eingreifen bei den höchsten staatlichen Behörden erwiesen, und wie, vereinzelte Fälle ausgenommen, auch wirklich Erfolge erzielt und Abhilfe geschaffen wurde. Eben weil die „Union" nur auf dem Boden des Rechtes fußt, das Heil lediglich in der ungescheuten Anwendung der vom Gesetze selbst allen Staatsbürgern an die Hand gegebenen Rechtsmittel sucht, aber auch dadurch, daß dieselbe nur wirklich Unschuldigen und blos ihrer Confession wegen Bedrängten wirksame Unterstützung leiht, Unrecht aber bekämpft, auch wenn es von jüdischer Seite ausgeht, ist es ihr gelungen, sich eine achtungheischende Stellung vor den competenten Factoren zu erwerben und im concreten Falle auch geneigtes Gehör und Gerechtigkeit zu finden. Nicht minder glücklich war jedoch auch die Rechtsschutzthätigkeit in der Bekämpfung der verleumderischen Umtriebe der antisemitischen Hetzpresse, denen durch einfache aber consequente Anwendung der legalen Mittel ein wirksamer Riegel vorgeschoben wurde. Der Vortragende kommt sodann auf die auch von der „Union" unterstützte galizische Hilfsaction zu sprechen, die, abgesehen von der humanitären Tendenz, insoferne in das Gebiet der Schutzmaßnahmen einschlägt, als durch zweckmäßige Arbeitserschließung in Galizien der der westeuropäischen Judenschaft wenig zuträgliche Zustrom derzeit noch minderwerthiger und rückständiger Elemente hintangehalten wird. Redner bespricht auch noch, unter Würdigung der hervorragenden Leistungen anderer Vereine, die Gründe, warum gerade der „Union" die führende Rolle in dieser Richtung zufallen müsse, erwähnt der mehrjährigen gedeihlichen Wechselbeziehungen, die dieselbe mit dem „Centralvereine" in Prag verknüpfen, und fordert schließlich in einem eindringlichen Appell zur Unterstützung der allen Glaubensgenossen Oesterreichs zu Gute kommenden Abwehrbestrebungen und zum Beitritt zur „Union" auf. Der mit geradezu hinreißender Beredsamkeit gehaltene Vortrag wußte auch das scheinbar trockene und spröde Material durch Aussetzung humoristischer Schlaglichter und witziger Pointen auf das Glücklichste zu beleben und entfesselte langwährenden stürmischen Beifall, wie denn auch der Beitrittsausforderung seitens der meisten Anwesenden sofortige Rechnung getragen wurde. Dem Bortrage, dem u. A. auch seitens der Cultusgenieinde - Repräsentanz der Präses Herr Arn. Rosenbacher, kaiserl. Rath H a u r o w i tz, Schriftsteller S. K o h n, B u n z l-F e d e r n und Dr. M. Fischer, ferner zahlreiche Vertreter des B'n a i B r i t h mit dem Präsidenten Herrn Jerusalem, Herr Profissor Dr. Kisch, sowie Delegirte der Prager jüdischen Vereine, Angehörige aller Berufsstände und viele Damen angewohnt hatten, folgte noch ein zwangloses Beisammensein der Vereinsmitglieder und Gäste. In Vertretung des verhinderten Obmannes Herrn kaiserl. Rath Falkow cz dankte dessen I. Stellvertreter Herr Dr. Ludwig P i ck dem Herrn Vortragenden, begrüßte in einer die Eindrücke des Abends zusammenfasienden Rede vornehmster Diction zugleich die anwesenden Ehrengäste und brachte zum Schluffe einen stürmisch acclamirten Toast auf die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" in Wien aus. Herr Professor Dr. Kisch erinnerte in seiner ausdrucksvollen Ansprache, auf seinen Beruf als Jugendbildner bezugnehmend, an die seelische Pein so vieler israelitischer Hochschüler, denen heute noch die Carriöre ihres Glaubens willen verschlossen ist und verweist auf dieses Feld, auf dem der „Union" noch reiche Arbeit winkt. Der Präsident des „B'nai Brith", Herr Jerusalem, spricht sür ein ersprießliches Zusammengehen aller gleichgefinnteu Vereinigungen und gedenkt der eben eingeleiteten, uuterstützungswerthen Action zu Gunsten der nothleidenden Bevölkerung in Galizien. Der Vereinsgeschäftsleiter Herr Dr. W e l t s ch kniipft an die letzteren Ausführungen an, indem er darauf hinweist, daß durch die erwähnte Hilfsaction so manche noch im Banne des Dunkels schlummernde Geisteskraft, wie viele Beispiele zeigen, zum Heile der Gesammtheit entfeffelt werden könnte, und hebt des Weiteren die zwar verschiedenen aber doch auf ein gemeinsames Ziel hinsteuernden Ideale und positiven Leistungen der hier versammelten gemeinnützigen und Humanitären „Unionen" hin, als deren oberste für Prag die israelitische Cultusgemeinderepräsentanz anerkannt werden muß, und bringt aus den anwesenden Vertreter derselben, Herrn Bunzl- Federn, seinen Trinkspruch aus, worauf der Letztgenannte in herzlichen Worten dankend erwidert. Auf all' diese Reden, sowie eine dem zionistischen Standpunkte Rechnung tragende des Herrn Lebenhart entgegnet zum Schluffe Herr Secretär Fleischer in überaus wirksamer und eingehender, äußerst tactvoller Weise und weckt neuerlich nicht nur als glänzender Redner, sondern auch als gewandter und schlagfertiger Debatter den lauten Beifall aller Anwesenden. Die vorherrschende, äußerst animirte Stimmung brachte es denn auch zu Wege, daß die Theilnehmer an dem Vereinsabende bis weit über Mitternacht im angeregtesten Gedankenaustausche beisamm.n blieben, und so darf denn Herr Fl-ischer mit vollem Rechte für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, im Schoße des „Centralvereines" nicht nur die Ziele der „Union" propagirt. sondern auch zum Gelingen des schönen Abends reichlich das Seine beigetragen zu haben. Pilsen. Herr Simon H o f m a n n. einer der edelsten und besten Männer der hiesigen Stadt- und Cultusgemeinde, ist nach langem, schweren und schmerzvollen Krankenlager am Morgen des 1. März verschieden. Ich möchte gerne diesem verdienstvollen Manne, dessen Leben eine ununterbrochene Kette von Werken des Wohlthuns ausmacht, einen Nachruf widmen, welcher seinem thatenreichen Leben auf Erden entspricht; doch ist dies schon aus dem Grunde nicht möglich, weil der weitaus größere Theil seines segensreichen Wirkens ganz unbekannt geblieben ist und selbst für seine besten Freunde für immer ein Geheimniß bleiben wird. Wenu daher in der Regel bei derartigen Gelegenheiten des Guten weit mehr geschildert wird, als es der Wahrheit und Wirklichkeit entspricht, so muß man in diesem traurigen Falle hinter der Wahrheit weit Zurückbleiben. Er kam vor vierzig Jahren als junger Mann nach Pilsen und errichtete hier ein Eisengeschäft, welches er nach soliden Grundsätzen der Rechtschaffenheit, Rechtlichkeit und Redlichkeit führte und leitete, das nun bis auf den heutigen Tag unter Leitung seines Sohnes in derselben Weise fortbesteht U'd prosperirt. Seine Geschäftsgebahrung war stets die eines Biedermannes, voll Wahrhaftigkeit. Treue, Pünktlichkeit, Aufrichtigkeit, Verläßlichkeit; seinem Worte, seinem Ausspruche, seiner Aussage oder Zusage war das Gottessiegel der Wahrheit eingeprägt. War er nun in seinem Lebensberufe ein guter, nachahmenswerther Charakter, dem kein Mensch jemals irgend ein Unrecht vorwerfen konnte, so manifestirte er sich als Mensch in des Wortes erhabenster Bedeutung seinem Nebenmenschen gegenüber als ein Muster und Beispiel der Güte, Sanftmuth, Milde, des Wohlwollens und des Wohlthuns. Er wartete nicht etwa, bis man an ihn heraükam, um von ihm einen Beitrag für Arme, Bedürftige oder Leidende zu verlang-n; er suchte das Unglück, das Elend, die Armuth, den Jammer ans und half, wo und so weit er es vermochte. Sein humanes Denken und Fühlen, sein theilnehmendes Herz, seine menschenfreundliche, wohlwollende Gesinnung gegen Jedermann kannte keine Grenzen; dabei war er stets bestrebt, sich, wenn man so sagen dürfte, unsichtbar zu machen, um ungekannt und ungesehen Gutes zu thun, nur um des Guten willen. Bei allen wohlthätigen Anstalten war er mit seinen Beiträgen obenan. In seinem Streben nach humanen Einrichtungen war sein Ziel hauptsächlich darauf gerichtet, der Armuth und Dürftigkeit derart unter die Arme zu greifen, daß die Noth ganz und gar aufhöre und das Elend verschwinde, und diesem Streben entsprechend gründete er vor drei Jahren in hiesiger Stadt einen Freitischverein für unbemittelte Schüler der hiesigen Bürger- und Mittelschulen, der Gewerbeschule und der Handelsakademie, wodurch diese Jugend zu selbstständigen Menschen für eine Lebensstellung in der Gesellschaft herangebildet werden soll und für die ganze Zeit des Studiums der Nahrungs sorgen enthoben wird. Der Verblichene war Mitglied des Curatoriums der Pilsner Handelsakademie, Cassier des Bolksküchenvereines, Mitglied des deutschen Lese- und Unterhaltungsvereines, des Turnvereines „Aar", des Vereines deutscher Kaufleute und Industriellen, Obmann des