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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-03-07 · 10 (7.3.1902) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
10 (7.3.1902)
Date
1902-03-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 158 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 10 lerische Ausstattung unser College Fleischer, der sich auch bei dieser Gelegenheit in gewohnt selbstloser Weise zur Bersügung stellte, uns seine höchst werthvolle Mitwirkung angedeihen ließ. (Bravo!) Der Vorsitzende bringt hieraus den Ausweis der Monate Jänner und Februar 1902 über die Eingänge der Cultusgemeinde aus den verschiedenen Budget-Titeln zur Verlesung. Im Einlaufe werden zur Kenntniß gebracht: an Spenden: Von Herrn Wilhelm Jeiteles in Braila. aus Anlaß des Ablebens seiner Mutter Frau Mina Jeiteles K 207.80 und zwar je zur Hälfte für die Chewra-Kadischa und dem israelitischen Waisenvereine. „ „Anonymus" für das israelitische Mädchen-Waisenhaus . 200.— „ den Herren Brüder Goldmann: für die Beköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau.„20.— für den „Verein zur unentgeltlichen Verpflegung armer Brustleidender auf dem Lande" . . . „ 10.— „ Herrn Dr. S., zur Beköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau.„10.— „ Frau Bertha Weißhut, zur Beköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau und in Ottakring.„10.— Anonym durch das „Neue Wiener Tagblatt", für israelitische Waisenkinder ......... 10.— Bon Herrn Albert Heßky, zur Beköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau . . . „ 10.— „ Frau Regine Arnstein, zur Beköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau . . „ 10.— Den Spendern wird der Dank votirt. Weiters gelangt ein Schreiben des Herrn Dr. Adolf Stein als Testaments-Executor nach dem kürzlich verstorbenen Herrn Carl Goldschmidt zur Verlesung, wonach derselbe der israelitischen Cultusgemeinde in Wien ein ihm gehöriges Haus als Substitutionslegat zur Errichtung einer Carl und Rosalre Goldschmidt-Stiftung vermachte, deren Erträgnisse zu je einem Drittel für Zwecke der Israelitischen Bersorgungsanstalt, für Waisen-Unterstützung und Armenbetheilung verwendet werden solle. Im Präsidialberichte macht der Vorsitzende Mittheilung, daß über Bekanntgabe des Herrn Oberrabbiners Dr. Güdemann, wonach der Beginn der diesjährigen schriftlichen Maturitäts- Prüfungen auf den letzten Tag des Passahfestes angesetzt sei, die geeignete Verschiebung des Prüfungsbegiums durch die Jnterventton des Herrn Bicepräsidenten Landesschulrath Dr. Gustav Kohn bei der Schulbehörde erwirkt worden sei. Herr Cultusvorsteher Dr. Grünfeld reserirt in Spitalsangelegenheiten und beanttagt, im Sinne der von der Leitung des israelitischen Spitales erstatteten Vorschläge für die neu errichtete chirurgische und gynäkologische Abtheilung des israelitischen Spitales die Stellen zweier Secundarärzte und eines Hilfsarztes im Concurswege auszuschreiben und mit Rücksicht auf die mit 1. Mai 1902 intendirte Eröffnung des neuen Pavillons den Dienstantritt mit diesem Tage festzusetzen. Referent beantragt weiters, zur nothwendig gewordenen Vergrößerung des seit Eröffnung des israelitischen Spitales dortselbst bestehenden chemischen Laboratoriums die bisherige Dotatton für Zwecke desselben von K 300.— auf K 1000.— zu erhöhen und als Laboratoriums-Chef den k. k. Universitäts- Docenten Herrn Dr. Arthur Katz, Assistent des Herrn Professors Doctor Julius Mauthner am chemischen Laboratorium der Allgemeinen Poliklinik, zu berufen. Die Referenten-Anträge werden ohne Debatte einstimmig angenommen. Der Präsident bringt zur Kenntniß, daß laut Vertreter- Beschluß den Secundarärzte« und dem Hilfsarzte im Sinne eines früheren Plenarbeschluffes und auf Grund des Umstandes, daß ab 1. Jänner 1902 solche Aerzte an den öffentlichen Krankenanstalten erhöhte Bezüge erhalten, die gleichen erhöhten Bezüge vom selben Zeitpunkte ab zugewiesen werden. Herr Cultusvorsteher Direktor Simon ergreift hierauf das Wort zum Referate über den neuen Lehrplan für 7-classige Mädchen-Gymnasien. Referent führt aus, daß die Aenderung des früheren Lehrplanes für Mädchen-Gymnasien mit Rücksicht auf die von VI auf VH erhöhte Anzahl der Claffen erfolgt sei, und daß der neue Lehrplan im Sinne der Principien ausgearbeitet sei, welche in den vom Cultusvorstande in den Jahren 1900 und 1901 diesfalls gefaßten Beschlüssen zum Ausdrucke kommen. Der Lehrplan für den Religionsunterricht an Mädchen- Gymnasien, die — wie es scheint — einer bedeutenden Zukunft entgegengehen, mußte sich an die für Knaben-Mittelschulen geltenden Lehrpläne anlehnen; es hat sich nur darum gehandelt, im Interesse eines leichtfaßlicheren und anziehenderen Unterrichtes aus diesen Lehrplänen all das, was nicht ganz unerläßlich schien, zu eliminiren. Referent empfiehlt seine in der Unterrichts-Commission und im Vertreter-Collegrum einstimmig genehmigten Anträge dem Plenum zur Annahme. Ueber den vorgelegten Lehrplan entwickelt sich sohin eine lebhafte Debatte. Ober-Finanzrath Dr. Rappaport hegt Bedenken dagegen, daß Mädchen mit dem Unterrichte in hebräischer Sprache, insbesondere mit dem Auswendiglernen einzelner Stellen des hebräischen Schriftihums zu belasten seien. Cultusvorsteher Dr. Spitzer ist der Ansicht, daß der Religionsunterricht von 2 Stunden in der Woche, wie er gegenwärtig gepflegt werde, keinesfalls ausreichend sei, mit diesem werde nur die Befolgung der gesetzlichen Vorschrift, nicht aber die Erlangung der unerläßlich nothwendigen ' Kenntnisse aus dem jüdischen Schriftthum oder auch aus der Erreichung des ohnehin innerhalb der engsten Grenzen sich bewegenden Lehrzieles bewirkt. Redner wendet sich mit aller Entschiedenheit gegen die nicht zu verkennende Tendenz, den Unterricht in den hebräischen Fächern zu restringiren und den diesbezüglichen Lehrstoff in den allerkleinsten Dosen zuzuführen. Der Unterricht in der hebräischen Sprache, der nationalen Muttersprache des jüdischen Volkes, in welcher die erhabenen, unsterblichen Gedanken des jüdischen Genius ihre Verkörperung fanden, müßte die unverrückbare Grundlage des jüdischen Religionsunterrichtes bleiben und deren Eliminirung oder Reducirung würde ein kosmopolitisches, verschwommenes, verflachtes Judenthum zeitigen, ohne Rückgrat, ohne Kern und Inhalt. Der Cultusvorstand hat auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes große Aufgaben zu erfüllen und wäre eine radikale Reform desselben und insbesondere die Errichtung zahlreicher Bibelschulen, soll die sichtbare Decadence des Judenthums auf religiösem Gebiete nicht unaufhaltsam weiterschreiten, wärmstens zu empfehlen. Redner erklärt für den vorgelegten Lehrplan zu stimmen, da derselbe einem tüchtigen gewissenhaften Lehrer die Möglichkeit bietet, den religiösen Sinn und die Begeisterung für den angestammten Glauben zu wecken. Herr Vertreter Baurath S t i a ß n y hebt anerkennend hervor, daß der neue Lehrplan dafür gesorgt habe, den Mädchen die Kenntniß der wichtigsten Capitel der Bibel zu vermitteln. Er sei der Ansicht, daß nicht die Menge des Stoffes die Schüler belaste, sondern die Methode des Unterrichtes, welche eben der Reform bedürfe. Wiewohl ein großer Freund der hebräischen Grammatik, welche sich an Geist und Witz mit der lateinischen und griechischen gewiß messen kann, würde es Redner dennoch vorziehen, daß der Schwerpunkt des Religionsunterrichtes weniger auf das Studium der hebräischen Grammatik als vielmehr auf das richtige Verständniß der Bibelstellen gelegt würde. Er würde wünschen, daß auch das erste Capitel Ezechiel in den Lehrplan aufzunehmen sei, und er müsse auch die von ihm bei ähnlichen Anlässen wiederholt gegebene Anregung erneuern, dem Unterrichte in der Geographie des Heiligen Landes im Lehrplan den Platz einzuräumen, der ihm bei der Wichtigkeit dieser Materie gebühre. Denn es sei unerläßlich, den Kindern den richtigen Begriff von der Topographie des Heiligen Landes beizubringen, seinen Schönheiten, Schätzen und Wundern. Cultus-Borsteher Dr. Grünfeld führt aus, er habe die Ueberzeugung gewonnen, daß die Mädchen am Gymnasium mit dem hebräischen Unterricht durchaus nicht belastet werden; Grammatik werde dortselbst weder verlangt noch classificirt. Cultus-Borsteher Dr. Berger sieht sich veranlaßt, gegenüber den Ausführungen eines Vorredners zu constatiren, daß das Ausmaß der in den Lehrplänen zum Memoriren vorgesehenen hebräischen Stellen ein ganz geringes sei. — Das Auswendiglernen einiger Benedictionen, wie es in der I. Classe verlangt werde, sei nicht schwierig. Redner bemerkt, daß nicht blos der Lehrplan für Gymnasien im Allgemeinen eine bedeutende Reduction gegen früher, insbesondere im hebräischen Theile gefunden habe, sondern daß speciell

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