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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-03-07 · 10 (7.3.1902) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
10 (7.3.1902)
Date
1902-03-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 10 Dr. Bloch's Wochrnschrifi. Sette 151 Nach der Rückkehr Gama's nahm der König von Portugal den Titel .Herr der Schifffahrt, der Eroberungen und des Handels in Aethiopien, Arabien, Persien und Indien"' an, mit welchem Recht weiß ich nicht, vielleicht weil der Papst ihm diese Länder geschenkt hatte. In Goa, der Hauptstadt seiner indischen Besitzungen, errichtete er ein Jnquisitionstribunal, das bis 1815, Heiden und Ketzer verbrennend, fungirte. Der 1505 zum Vicekönig von Indien ernannte Lorenzo Almeida erhielt die Instruction, überall Festungen zu erbauen und falls irgend ein eingeborener Herrscher dagegen Einwendungen erheben sollte, ihn zu bekriegen und zu unterwerfen. Als der Sohn dieses Almeida im offenen Kampfe gegen die Araber gefallen war, ließ der Vater, um seinen Tod zu rächen, dreitausend gefangene Araber tödten, dann fuhr er längs der Küste, hielt vor jedem von Mohammedanern bewohnten Orte an und schoß die Gliedmaßen der Getödteten hinein. Die Spanier und Portugiesen haben ihre Besitzungen in Asien verloren. Als Erben der Elfteren sehen wir die in der Mehrheit protestantischen Nordamerikaner auf den Philippinen. Um sich die Unterstützung der aufständlschen Erngeborenen gegen die Spanier zu sichern, haben sie deren Anführern allerlei Versprechungen gemacht, die sie dann nicht gehalten haben, unter dem Vorgeben, sie seien von den Aufständischen mißverstanden worden. »Zu welchem Zweck hat sich die menschliche Sprache so sein ausgebildet und so reichlich mit Doppelseitigkeiten und Spitzfindigkeiten versehen, wenn nicht um der Pfiffigkeit und Verschmitztheit einen Dienst zu leisten und es möglich zu machen, aufrichtige und arglose Personen hinter das Licht zu führen, ohne für einen Lügner erklärt zu werden", sagte in Bezug darauf ein unparteiischer deutscher Berichterstatter.*) Die Amerikaner ließen sich die Philippinen von Spanien abtreten und die Eingeborenen sind nun amerikanische statt spanische Unterthanen; wollen sie das nicht einsehen, so werden sie für Rebellen erklärt und von den Soldaten der großen freien nordamerikanischen Republik todtgeschoffen. Natürlich nur zur Ausbreitung der Civilisation und des reinen Glaubens. Es ist schon fast erfreulich, bei der herrschenden europäischchristlichen Heuchelei einmal ein ehrliches, offenes Geständniß zu hören, wie es der Pastor Naumann aus Berlin beim evangelischen Congreß in Karlsruhe im Juni 1900 ablegte: »Daß die Engländer (in Südafrika) erobern und schießen, nehmen wir ihnen nicht übel, wir haben es ja auch in Kiau tschou gethan und werden es noch weiter thun. Auch wir dürfen nicht sagen, daß' wir den Weg, den wir zur Selbsterhaltung beschreiten, thun, um das Reich Gottes zu errichten. Protestantisch ehrlich ist es. diesen Schritt nicht zu verbrämen, sondern offen anzuerkennen: es sind Machtkämpfe." Ich bin nur neugierig, was der fromme Pastor sagen würde, wenn ihm ein Rabbiner erklären möchte: »Wir Juden müssen zu unserer Selbsterhaltung die Christen bewuchern und ausbeuten und werden es noch weiter thun." Vielleicht würde er antworten: »Wir sind die Stärkeren und die Mehrzahl, wir werden euch das Handwerk legen; es sind ja Machtkämpfe." — Dann steht der fromme Pastor moralisch auf keinem andern Standpunkte als der Atheist Nietzsche: Der Stärkere hat recht! Noch offener hat sich auf demselben Congreffe Professor Adolf Wagner, gewiß kein Judensreund, ausgesprochen: »Wir Deutschen haben gegenüber den Juden, Nordamerikanern und Angelsachsen stets hervorgehobeu, daß wir solche Börsengründer, Grundstückipeculanten und Bodenwucherer nicht aufzuweisen haben. Was wir in den letzten Jahrzehnten bei uns auf diesem Gebiete erlebt haben, läßt uns sagen: wir sind mindestens gelehrige Schüler gewesen." Und das ist noch vor dem Zusammenbruch der rein germanischen Trebergesellschasten und sächsischen Schwindelbanken gesagt worden! Wagner gibt auch zu, daß die germanischen Protestanten mit den außereuropäischen Völkern nicht minder grausam verfahren sind, als die katholischen Spanier und Portugiesen. »Und ob die Deutschen die anderen Völker besser behandeln werden, steht noch dahin." Wieviel die als Colonienbesitzer noch so jungen Deutschen in dieser Beziehung schon geleistet haben, ist in diesen Blättern (17. August 1900) schon zum Theil gesagt worden. Weiteres ließe sich hinzufügen, wenn der Raum es gestattete. Wir kehren aber von den servilen Deutschen lieber zu dem großen freien *) „Allgem. Ztg." München, Beilage vom 31. Februar 1900. Volk der Angloamerikaner zurück. Durch eine jahrhundertelang fortgesetzte Gewalt- und Betrugspolitik haben sie die Ureinwohner des Lanves, die Indianer, aus ihrem Besitzthum verdrängt, die Herren des Landes direct durch die Waffen, indirect durch Branntwein, Blattern und andere ansteckende Krankheiten fast gänzlich ausgerottet, die wenigen Uebriggebliebenen zu Bettlern gemacht. Gewiß, die große christliche Republik hat den Resten der Ureinwohner einige Gebiete, die Reservationen, eingeräumt, mit anderen Worten, ihnen einen kleinen, immer kleiner werdenden Theil — vor wenigen Jahren wurde ihnen wieder ein großer Landstrich abgenommen, dessen sich die laudgierigen Arier in unlauterem Wettbewerb bemächtigten — ihres Eigenthums gelassen nnd unterstützt sie sogar durch ihre Agenten mit Lebensmitteln. Aber der Staatssecretär des Innern gestand selbst im Jahre 1851, daß die Gewaltthaten der Ansiedler an den Grenzen von keiner Unthat in den Annalen der Verbrechen übertroffen werden. »Die Unterschleife der Agenten sind immer offenkundig gewesen und die Eingeborenen haben selten mehr als 20 bis 30 Percent der von der Regierung für sie ausgeworsenen Gaben erhalten." Von allen Judianerstämmen des Ostens haben sich nur die Irokesen einigermaßen erhalten und einen kleinen Theil ihres Grundbesitzes, nachdem sie entsetzlich viel gelitten hatten, gerettet. Sie sind einer Gesellschaft von Landspeculanten ausgeliefert worden »und diese hat, um ihnen die letzten paar Acker Land abzupressen, sie vierzehn Jahre lang mit einem Grad von Gemeinheit gejagt und verfolgt, der kaum seinesgleichen in der Geschichte der menschlichen Habgier finden dürfte. Nicht nur sind alle Grundsätze der Ehrenhaftigkeit, alle Vorschriften der Menschlichkeit verletzt worden, nein, der schwärzeste Betrug, die niedrigste Bestechung, die gemeinsten Schiebungen und Ränke, welche seelenlose Habgier nur ersinnen kann, sind offenkundig gegen dieses schutzlose Volk in Bewegung gesetzt worden." Dafür brachte, man ihnen die »Segnungen des Christenthums". Dem betrügerischen Agenten, dem Landräuber mit der Doppelflinte, dem Händler mit der Branntweinflasche folgte der Missionär mit der als Vorwand gebrauchten Brbel. Aber die Heiden antworteten diesen: »Wir sind beffer als ihr; wir wollen euch nicht, nicht euren Gott und nicht eure Sitten; bessert erst eure Landsleute und dann kommt zu uns."*) Aber die arisch-christlichen europäischen Einwanderer begnügten sich nicht mit Beraubung der Eingeborenen. Sie, die Reichgewordenen, welche jetzt den Chinesen und armen Europäern die Betretung ihres Bodens verwehren, raubten noch Neger in Afrika, schleppten sie nach Amerika, wo sie, als Sclaven verkauft, die schwersten Arbeiten für die sich dadurch bereichernden Weißen verrichten mußten, wie Vieh behandelt und mißhandelt wurden. Die Bande der Familie wurden nicht geachtet und die Behandlung der Negerinnen durch ihre weißen Herren trug nicht wenig zu ihrer Demoralisirung bei. Dies wirkte wieder auf das Herrenvolk zurück. Gewohnt, Andere für sich arbeiten zu lassen, haben die Weißen der Südstaaten, wo die Sklaverei vorzüglich bestand, das Arbeiten verlernt. Wie den alten Griechen und Römern, galt diesen amerikanischen Großgrundbesitzern die Arbeit als eines freien Mannes unwürdig. Jetzt, vierzig Jahre nach Befreiung der Negersklaven, werden die Weißen sich wohl schon an das Arbeiten gewöhnt haben. Ja sie klagen schon über die Concurrenz der Schwarzen. Deren Bedürfnißlosigkeit ermöglicht es ihnen, um geringen Lohn zu arbeiten und dadurch wird der Lohn auch für die weißen Arbeiter herabgedrückt. Daß die Neger die Weißen beherrschen und ausbeuten wollen, wie man von den Juden behauptet, kann man freilich nicht sagen, ohne sich lächerlich zu machen. Ebensowenig kann man sagen, daß sie als Eroberer oder als Flüchtlinge, denen man Gastfreundschaft gewährte, ins Land gekommen sind; man hat ja die armen Neger, sehr gegen ihren Willen, nach Amerika geschleppt, zu Sclaven und anstandshalber zu Christen gemacht. In Amerika haben sie sich als kräftige und fruchtbare Race erhalten und vermehrt, ja sind förmlich gezüchtet worden. Nach dem Verbot der Sclaveneinfuhr ist die Zucht von Negern so lohnend geworden wie später die von Schweinen. Jetzt sind die Neger lästig geworden und man möchte sie gern los werden. Wie unsere Antisemiten den Juden zurufen: Zurück nach Jerusalem! so ruft man den Negern zu: Zurück nach Afrika! Ja es sind sogar schon Versuche gemacht worden, *) „Berliner Tageblatt" vom 6. Juli 1901, nach Friederici, Indianer und Angloamerikaner. Braunschweig 1901.

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