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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-02-28 · 9 (28.2.1902) · page 14

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Sette 142 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 9 schuß wurden die Herren Filip Lebenhart, S. Liffau, Wilhelm Schick wieder-, Herr Ottomar Rosenbaum, Kaufmann in Prag, n-ugewählt. Als Rechnungs-Revisoren gingen die Herren Ernst Polak, Ignatz Porges und JUDr. Eduard Kraus aus der Urne hervor. Prag. (Vortrag.) Am 13. Februar d. I. hielt hier im Vereine „Äfike Jehuda" Herr Rabbiner Dr. Groß aus L rndenburg einen sehr gediegenen 1'/„ ständigen Vortrag über „Das geistige Leben der Juden im Mittelalter". Der Vortragende besprach die Sammlung der Mischnah, die talmudische Zeit, die Epoche der Gaonim. die spanisch-jüdische oder neub-bräische Literatur, Raschi, Maimonides, Nachmanides, Levi b. Gerion. Chasdai Crescas und die Commentatoren bis Abrabanel. Der Vortrag barg eine Fülle von Belehrung und die zahlreichen Zuhörer folgten dem Redner mit gespannter Aufmerksamkeit. Der gewaltige Stoff war nach den verschiedenen Disciplinen getheilt: Sprachforschung, Philosophie. Medici», Uebersttzungsthätigkeit rc. Hin und wieder war rein Actuellcs eingestreut und, wie bei Medicin, auf die Gegenwart verwiesen und bei der Ethik Bachjahs und Jehuda des Fromu en der Hinweis auf die Moraltheorie der Patres Gusy und Liguori. Reicher Beifall folgte den trefflichen Ausführungen. (»Jüdische Toyubeehalle".) Am 13. d. M. fand hier in einem großen Parterresaale im Hotel „Bristol" die erste Veranstaltung dieses Volksbildungsvereines statt, der hier rasch beliebt wurde und schon über 300 Mitglieder zahlt. Der Saal war überfüllt. Herr Dr. Ludwig Ben diener hielt einen sehr intereffauten und belehrenden Vortrag: „Juristische Plaudereien", in der er mancherlei spannende und verwickelte Rechtsfälle aus seiner Praxis zum Besten gab. Hierauf sang Fräulein Melanie W r b a mit schöner und wohlgeschulter Stimme einige Lieder, denen Violinvorträge des Violinvirtuosen Herrn Wilhelm Ganz folgten, die sehr gefielen. Den Schluß des gelungenen Abends bildeten die Vorträge von Schubertliedern und der Romanze des Kühleborn aus Undine, in feinsinniger Weise von Herrn Cantor Leo Mirskh executirt. Die Clavierbegleitung besorgten Fräulein Adele Kraus, Herr I. 11. C. Buchbinder und Herr Oscar Z e m p l i n e r in bester Weise. — Der Beifall des dankbaren Auditoriums war überaus lebhaft. An diesem Abend wurden 300 Tassen Thee mit Gebäck verabreicht. Herr Zahnarzt Dr. M. K o h n machte den Anwesenden im Namen des Ausschuffes die Mittheilung, daß der Bauunternehmer Herr Ph. Dub dem Vereine eine Spende von 100 Kronen übermittelt habe. Die Veranstaltungen finden zweimal wöchentlich statt, uitd zwar jeden Samstag und Mittwoch Abends. Böhmisch-Leipa. Sehr geehrter Herr Redacteur! Sie brachten in der Nummer 6 vom 7. Februar 1902 Ihrer geschätzten Zeitschrift eine Notiz über eine von mir gegen Dr. Langstein eingebrachte Ehrenbeleidigungsklage nebst Verhandlung. Der Wortlaut dieser Notiz läßt nicht ohne Absicht die Deutung zu, daß der R'chter den vom V rtheidiger angebotenen Wahrheitsbeweis als erbracht annahm und aus diesem Grunde den Beschuldigten freigesprocheu hat. Das ist nun durchaus nicht der Fall. Die Freisprechung begründet der R chter vielmehr damit, daß der Beschuldigte sich in einem entschuldbarem Jrrthum befunden habe, sich der Fälschlichkeit seines Vorwurfes nicht bewußt war und nicht die Absicht hatte, mich zu beleidigen. Ich ersuche von dieser Richtigstellung gefälligst Notiz zu nehmen, weil ich Gewicht darauf lege, daß in Ihrer werthen Zeitschrift Unrichtiges nicht verbreitet werde. Die tendenziösen Notizen der Tagesblätter über diesen Proceß ließ ich unbeachtet. Dr. Wiesen, Rabbiner. Lemberg. Ueber Anregung des bekannten hervorragenden Gelehrten Herrn Solomon Bub er wurde hier eine jüdische Gemeindebibliothek gegründet, welche alle Fächer der jüdischen Wiffenschaft umfaßt und Studenten und Gelehrten jederzeit zugänglich ist. Herr Salomon Buber wendet sich neuerdings mit einem Aufruf an jüdische Schriftsteller und Gelehrte, sowie an die Freunde jüdischer W ssenschaft mit der Bttte, diese Bibliothek durch Zuw ndung von Schenkungen und Zusendung von Freiexemplaren zu unterstützen. Diejenigen, welche der Lemberger jüdischen Gemeindebibliothek eine besondere Zuwendung machen, werden in einem Ehrenbuche d?r B.bliothek verewigt. In vielen Familien liegen alte jüdische Schriften unbenützt und unverwendet, und es wäre ein gutes Werk, solche der Bibliothek zuzuführen. Adresse: Jüdische Gemeinde - Bibliothek, Lemberg, Stanislawagaffe 5. Tettsch. Für den Tempelbau sind dem israel. Cultusvorstande weitere Spenden zugekommen von: Sr. Excellenz Grafen Podstatzky- Llchtenstein K 100, Albert Bauer, Wien X 20, Lazar Stern, Bleistadt X 4, Wacht! & Neumann, Bielitz K 10, S. Schnabl, Brünn X 10, Moriz Löw, Hussowitz X 10. Ab. Gräczer, Holleschau X 6, Sigm. Goldberger, Jägerndorf X 5, L. Herzberg-Fränkl, Meran K 5, Jg. Klinger, Wien X 10, Lazar Tauber, Leipnik X 5, Markus Hoffmann, Lundenburg X 10, Jgn. & Wilh. Brieß, Olmütz X 20, Friedrich Hochner, Saar X 10, Karl Kraus, Olmütz X 10, Blau & Heilig, Olmütz X 10, Brüder Tauber, Mistek X 10, B. Perutz, Olmütz X 10, S. Cz., Olmütz X 10, Bernhard Abeles, Hohenbruck X 5, Leop. Mandl, Schaffa X 5, S. Stein's Söhne, Zwittau X 6. — Cultusgemeinden: Carlsbad X 20, Deutschbrod X 20, Neuhaus X 20, Beraun X 10, Lundenburg X 50, Kremsier 30. Hohenems. Beim jüngsten Besuche des Statthalters für Tirol und Vorarlberg in Feldkirch empfing dieser auch eine Depuation der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, die aus den Herren Vorstehern Michael Menz und Anton Rosenthal und dem Landrabbiner Dr. A. Tänzer bestand. Vom Statthalter in leutseligster Weise empfangen, hielt Herr Rabbiner Dr. Tänzer folgende Ansprache: „Geruhen Ew. Excellenz zu gestatten, daß ich als Rabbiner im Vereine mit den beiden hier mitanwesenden Vorstehern als Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde in Hohenems unseren tiefgefühlten Dank für den uns zutheil werdenden Empfang ausspreche und hieran die Bitte knüpfe, Ew. Excellenz wolle geruhen, den Ausdruck unserer tiefsten Ergebenheit zugleich mit der aufrichtigen Versicherung entgegenzunehmen. daß die Israeliten in Hohenems ebenso wie jene in ganz Tirol und Vorarlberg, ja allenthalben im Vaterlande, wie bisher so auch in Zukunft, treu und gewissenhaft ihre Bürgerpflicht erfüllen und jederzeit freudigen Herzens mit Gut und Blut für Kaiser und Vaterland einstehen werden. Möge Ew. Excellenz geruhen, die israelitische Cultusgemeinde in Hohenems, der sämmtliche in Tirol und Vorarlberg lebenden Israeliten zugetheilt sind, auch in Zukunft mit ihrem auszeichnenden Wohlwollen zu beehren." Se. Excellenz dankte zunächst und betonte dann, wie sehr er von der Patriotischen Gesinnung der Israeliten überzeugt sei und diese seines Wohlwollens versichern könne. Nach eingehenden Erkundigungen über die Verhältnisse der Gemeinde, die Thätigkeit des Rabbiners in dessen ausgedehntem Sprengel u. s. w. wurde die Deputation huldvoll entlassen. Berlin. Der neunte deutsch-israelitische Gemeindetag wurde im Vereinshause der Großloge, Wihlhelmstraße 118, abgehalten. Aus allen größeren Städten Deutschlands waren Drlegirte entsandt worden. Vertreten waren 252 jüdische Gemeinden. Den Vorsitz führte Professor Dr. Edmund L a ch m a n n-Berlin. Als wichtigster Punkt der Tagesordnung ge langte nach längerer Debatte folgender modificirter Antrag des Rabbinerverbandes in Deutschland zur Annahme: 1. Bei Verhandlungen über religiöse Angelegenheiten ist der Rabbiner zuzuziehen. 2. Die Anstellung der Rabbiner soll derart geregelt werden, daß dieselbe nach einem höchstens drei Jahre dauernden Provisorium eine definitive wird. 3. Zur Wahrung der religiösen Angelegenheiten und zur Hebung des Religionsunterrichtes sollen B?z'rksrabbinate gebildet werden. — Bezüglich der Errichtung von Bezirksrabbinaten hatten besonders die süddeutscheen Delegirten darauf hingewiesen, daß sich diese Einrichtung bei ihnen bestens bewährt habe. Eine Petition der Cultusbeamen, in der die Aufstellung eines Normalvertrages unter besonderer Berücksichtigung der Ausstellungs-. Kündigungs- und der Unfallrc. Versicherungsverhältnisse gefordert wird, wurde dem Ausschuß des Bundes zwecks näherer Berathung überwiesen. Die pecuniäre Lage des Bundes betreffend wurde beschlossen, die Bundesgemeinden aufzufordern, ihre Beiträge thunlichst auf 1 Percent ihres Steueraufkommens zu erhöhen. Zum Schluffe wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, in kürzerer Zeit als vier Jahren und möglichst an wechselnden Orten zu tagen. Nachdem durch Zuruf der bisherige Vorstand wiedergewählt war. wurde Vertagung beschlossen und die Sitzung mit einem Hoch auf den ersten Vorsitzenden Professor Dr. Philippson geschloffen. Gleiwitz. Der christliche Inhaber einer hochangesehenen Fabriksfirma in Schleswig-Holstein hat an Herrn Rabbiner Dr. Münz aus Anlaß von dessen offenem Briefe über „Ritualmord und Eid" ein Schreiben gerichtet, welches so ergreifend und überzeugungskräftig wirkt, daß xs von den weitesten Kreisen gelesen und beherzigt zu werden verdient. Das Schreiben lautet: „Welch' ein tiefer, erhabener Glauben spricht aus Ihrem offenen Briefe

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