Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 9 (28.2.1902)
- Date
- 1902-02-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 138 Dr. BLoch's Wostxensttzrlst. Nr. 9 Emwohuern ausbreiieu: als eben in demjenigen, wann eine so zahlreiche und wohlbegüterte Judenschaft, wie die Prager ist, auf deren dortigen Handlung und Wechsel-Negotio, der Credit des Landes, und die Sicherheit der dahin irafiquirenden ausländischen Handels Leute, großen Theils beruhet, die Stadt und das König Reich zu verlassen und also ihr dortiges Gewerbe und Handlung gäntzlich aufzuheben, gezwungen werden sollte. Eure rc. sehen Selbsten allerhöchst erleuchtet ein: daß bey einer so langen, mit der Böhmischen, fürnehmlich der Prager Judenschaft geführten weitläuftigen Handlung die Einwohner hiesiger Stadt an deren Conservation nothwendig um so mehr sehr großes Antheil haben müssen, als die unsrigen gewöhnet sind, denen auswärtigen Kauf Leuten gar vieles auf deren bloßen Credit anzuvertrauen, und folglich der Ruin ihrer Debitoren auch ihren eigenen io viel größeren Schaden nothwendig nach sich ziehet. Und, wie überdem die Jüdische Nation aller Orten unter sich in einer besonderen genauen Connexion und Gemeinschaft stehet, so kan es fast nicht fehlen, daß nicht, wann deren allerälteste, und, seit so vielen Saeculis, in dem König Reich Böhmen und der Haupt-Stadt Prag, angesessen, und mit so herrlichen Privilegiis versehen gewesene erstere brauche, aus dem Lande verbannet, und allenthalben zerstreuet werden sollte, die übrige in Europa, folglich auch in Eurer rc. andern Königlichen Erblanden, und der Residentz Stadt Wien sich aufhaltendeu unschuldige Judenschaft in jener Verderben mit verwickelt, wo nicht gar allerhand Verfolgungen, und dem allgemeinen Haß mehr dann jemals bloßgestellt werden würden. Zu geschweigeu, daß, wann einmal die Böhmischen Commercia, durch Austreibung der Juden, in so große Verwirrung, zum größten Nachtheil und Verlust Eurer und eigenen Zölle und Mauthe», aerathen wären, es vielleicht iu vielen Jahren sehr schwer seyn mögte, selbige wieder in ihren vorigen gewohnten Gang und Flor zu bringen, indem dazu ein neues Vertrauen und neuer Credit, mithin eine vorhergehende lauge Bekanntschaft und Erfahrung nothwendig erfordert wird. Wir haben also uns nicht entlegen können, in Ansehung sowol unserer nach Böhmen hinhandeluden Christlichen Kaufmannschaft, als derer bey uns sich befindlichen Jüdischen Nation, Euren hiedurch allerdemüthigst zu ersuchen Jhro Geruhen allerguädigst, nach dero Großmuth, welche die gantze Welt in Eurer rc. mit größten Bewunderung verehret, auch dero Gnade und Erbarmung, bey Allerhöchst deroselber Prager und Böhmischen Judenschaft dem strengen Rechte und etwaigen Vergehen allermildest Vordringen, und sie denjenigen Aufenthalt und allerhöchsten Schutz und Schirm, auch die Freiheiten und Gnaden, in der Hauptstadt Prag und dem König Reiche Böhmen, fernerhin allerhuldreichst genießen zu lassen, deren von allerhöchst dero Kaiserlich- und Königlichen Allerglorwürdigsten Ahnherren und Vorfahren so viele Jahrhundert herdurch sie daselbst bis jetzo gewürdiget worden. Die von dem allerdurchlauchtigsten Oesterreichischen Hause uns und unserer Stadt so oft zugewandte hohe Huld und Güte läßet uns hoffen, Eure rc. werden nicht allein einen gnädigsten Blick dieser unserer aller submissesten Vorstellung und Jnterceffion gönnen, sondern auch die demütige Versicherung der allervollkomm ensten und tiefsten Verehrung in Gnaden aufnehmen, mit welcher wir unveränderlich verbleiben Eurer u. Au die Frau Gräfin Fuchs nach Wien, den 30. Januar 1745. Wenn wir uns schmeicheln dürfen, daß bey Euer Hochgräflichen Excellenz die Erinnerung des, von dero weyland Höchstseligsten Ihrem Gemahl, oI§ Kaiserlichen, hochansehnlichen Abgesandten, in hiesiger «Ltadt, ehedem mit vielem Ruhm beeideten Postens, auch in Ansehung unserer nach bishero ein so gnädiges Andenken erhallen haben, als gegen Jhro unsere respectueüse Verehrung und Hochachtung unveränderlich uns eingeprägec ist, und bleiben wird: so leben wir der Hoffnung, es werde die Freyheit, deren wir jetzo gebrauchen, gegenwärtiges Schreiben an Dieselben obgehen zu lassen, von Jhro nicht ungütig vermercket werden. Wir haben uemmlich nicht umhingehen können, bey der kundgewordenen allerhöchsten Ungnade Sr Königlichen Majestät gegen dero in dem Königreiche Böhmen und dessen Haupt Stadt Präge gesessene Judenschaft, im Betracht des, der Handlung halber, mit derselben sehr stark verknüpften allgemeinen Interesses unserer sowol Christlichen als Jüdischen Kaufmannschaft, bey Allerhöchst derselben in dem angebogeneu Schreiben eine allerdemüthigste Vorbitte einzulegen. Die Gnade und Milde dieser größten Königin und F r a u flößet allen denen einen Muth ein, sich mit dem allertiefsten Respeci Ihrem geheiligten Throne zu nahen, die nur dasjenige sich zum Zweck bey ihrem Suchen und Bitten vorausgesetzet haben, was mit allerhöchst deroselben weltkundigen Großmuth übereinstimmen und diese noch mehr verherrlichen kan. Und, da wir in allerunterthänigster Jnterceffion für oberwehnde Judenschaft uns bloß auf solche unvergleichliche königliche Gnade und Großmuth beworfen haben, so vermehret eben solches bey uns die Hofnung, daß Euer Hochgräflichen Excellenz, welche Sich es zum Vergnügen rechnen, unglücklichen zu helfen nach Dero eigenen aller edelsten hierin mit der größten Königin übereinstimmenden Gemüths-Neigung, Sich, wie wir darum gantz ergebenst ersuchen, hochgeneigt willig finden lassen werden, solche unsere allerdemüthigste Borbitte zu Jhro Königlichen Mayt. allerhöchsten eigenen Einsicht gütigst zu befördern, und Derselben durch ein gewogenes Vorwort, edelmüthigst mit zu statten zu kommen. Es wird solches, als ein ausnehmendes Merckmal Dero auch uns und hiesiger Stadt annoch beybehaltenen hohen Gewogenheit von uns jeder Zeit mit so vieler Verehrung hochgeschätzet werden, als wir mit tiefstem Respect unausgesetzt verbleiben, Eurer rc." (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen. Erzherzog Rainer-Jubiläum. Anläßlich dergoldenen Hochzeit Sr. kaiserl. und königl. Hoheit des Herrn Erzherzogs Rainer und dessen durchlauchtigsten Gemahlin Erzherzogin Marie wurde am Samstag den 22. d. M. in allen.Bethäusern der israelitischen Cultusgemeinde sowohl bei den allgemeinen als auch beim Jugend- Gottesdienste vor offener Bundeslade in das Gebet für den Landesvater der Segen für das hohe Jubelpaar eingeschaltet. Im israelitischen Tempel der Leopoldsgasse sprach Herr Rabbiner Mayersohn ein hebräisches und deutsches Gebet für das erlauchte Jubelpaar. Im Tempel des IX. Bezirkes fand ein festlicher Jugendgottesdienst statt; die Festpredigt hielt Herr Rabbiner Dr. Gelbhaus. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Wien, welcher anläßlich der goldenen Hochzeit Ihrer kaiserl. und königl. Hoheiten Herrn Erzherzog Rainer und der Frau Erzherzogin Maria eine H u l d i g u n g s- und Glückwunschadresse überreicht hatte, wurde von Seiner kaiserl. und königl. Hoheit dem Herrn Erzherzog deputativ in Audienz empfangen. Die' Deputation bestand aus den Herren: Oberrabbiner Dr. M. Güdemann und den beiden Bicepräsidenten Dr. Alfred Stern und Dr. Gustav K o h n. Bicepräsident Dr: Alfred Stern hielt die folgende Ansprache : »Euere kaiserl. und königl. Hoheit! Als I. Bicepräsident der israelitischen Cultusgemeinde Wien — unser Präsident wellt feit vielen Wochen krankheitshalber im fernen Süden -4-, erlaube ich mir im Vereine mit unserem Oberrabiner Herrn Dr. Güdemann und mit meinem Collegen impraesickio, dem Landesschulrate Dr. Gustav Kohn, die ehrfurchtsvollen, herzlichsten Glückwünsche unserer Gemeinde anläßlichdes Jubelfestes der goldenen Hochzeit Euerer kaiserl. und königl. Hoheit und Ihrer durchlauchtig-