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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-02-21 · 8 (21.2.1902) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
8 (21.2.1902)
Date
1902-02-21
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 126 Dr Bloch's Wochenschrift. Nr. 8 Schmitz recttirte das Ma tauwu, Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Abelesz aus Privigye (Ungarn), der Schwiegervater des jungen Rabbiners, hielt eine kurze, gediegene Ansprache an Gemeinde und Rabbiner. Nach Recitation des 130. Psalmes bestieg Herr Dr. Bauer die Kanzel zur Abhaltung seiner formvollendeten, glänzenden Programmrede. Herr Dr. Bauer wies darauf hin, daß nach fast ZOjähriger Wüstenwanderung der Mangel des belebenden Masters unserer Thora sich in unserer Gemeinde fühlbar gemacht habe, und er die Aufgabe habe, sie zu führen zum Leer wasiw cbajim. Ankuüpfend an das Bibelwort : we hiz-hartu eshem es hachukkim w’es hatoros rc. skizzirte Se. Ehrwürden die Pflichten, die er zu erfüllen habe in Gotteshaus, Schule und Gemeinde. Mit dem Minchagebete schloß die Tempelfeier. Um 6 Uhr Abends versammelten die Festtheilnehmer sich zu einem Bankette, bei dem Herr Dr. Bauer den Kaisertoast sprach. Das hieranschließende Militärconcert vereinigte wieder alle Gemeindemitglieder, wobei Herr Rabbiner Dr. Abelesz aus Wien, lll. zu wiederholten Malen gelungene Trinksprüche ausbrachte. Die erhebende Feier wird uns lange in angenehmer Erinnerung bleiben. Breslau. Rabbiner Dr. P. N e u st a d t, der greise und verdienstvolle Leiter der hiesigen hebräischen Unterrichts anstatt, hat den Kronenorden erster Elaste erhalten. Berlin. Herrn Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Senator ist der Rothe Adler-Orden dritter Casse mit der Schleife, Herrn Dr.HeinrichMeyerCohn der Kronen-Orden vierter Elaste verliehen worden. Rosenberg. Der 6 Monate lang vacant gewesene Posten eines Rabbiners in unserer Cultusgemeinde ist nun wieder besetzt, und zwar wurde Herr pbil. Dr. Moses Margel aus Przemysl zum Rabbiner gewählt. Prag. Am 21. Jänner starb hier Herr Leo S ekel es, ehemaliger Biceconsul der Vereinigten Staaten Nordamerikas, 73 Jahre alt. Ec war Lehrer der englischen Sprache und erfreute sich in seinen Schüler- und Bekanntenkreisen großer Werthschätzung. Feuilleton. Alt-Hemberg. Von Nathan Samuel y. (Fortsetzung.) Das trug sich in folgender Weise zu: In der Tire-sueboxv-Synagoge befanden sich schon damals die beiden katholischen Kirchen, die noch heute zu sehen sind und ringsum mehrere jüdische Häuser. Das erregte den Appetit der katholischen Geistlichkeit nach jüdischem Eigenthume. Einen Rechtsschein glaubten sie dafür zu haben: Synagoge und Häuser befinden sich im Sprengel der Kirche, folglich gehören sie ihr. Die Jury, damals unter clericalem Einflüsse, sagte dazu ohneweiters : Amen! Mit den Juden machte man nicht viel Federlesens. Man jagte sie einfach aus der Synagoge, delogirte sie aus ihren Häusern und die katholische Kirche legte über beide ihre breite Todtenhand, bis das sogenannte Recht entschieden wurde. Die Lage der armen Juden war eine verzweifelte, Häuserbesitzer sind aus einmal Bettler geworden. Mehr aber als darüber fühlten sie sich tief in der Seele verwundet, daß man ihnen das Gotteshaus geraubt hat. Sie flehten, processirten und protestirten, aber Alles verhallte in der Luft. Das Recht mußte der Macht weichen. Da fügte es sich, daß das Land auf einmal in große Gährung gerieth. Die Landbevölkerung empörte sich gegen ihren König, der, ein enragirter Clericaler, sie ganz in die .Hände der katholischen Geistlichkeit auslieferte. Jene Verschwörung ist unter dem Namen Confederation bekannt. Die allgemeine Erbitterung gegen die katholische Geistlichkeit machte sich die goldene Rose, die wackere Kämpferin für die Rechte ihrer Brüder zu Nutze und wirkte dahin, daß jener Rechtsstreit fortan von bewährten Männern des Rechtes geführt wurde. Richtig behauptete sich auch diesmal das Recht. Die Juden gewannen den Proceß. Entsetzt über diese unerwartete Wendung der Dinge, faßte die Geistlichkeit im Geheimen den Entschluß, die Synagoge, die bis jetzt geschloffen war, rasch in eine Kirche umzuwandeln, denn rst sie einmal Kirche, dann kann und darf keine Macht der Welt ihr dieselbe mehr entreißen. Das wäre auch so gekommen, aber die wachsame goldene Rose kam hinter ihr Geheimniß und handelte noch rascher als sie. Selbigen Tages noch verschaffte sie sich nämlich zu dem inzwischen neugewählten König Zutritt und empfing aus seiner Hand ein Schreiben an den Erzbischof des Inhaltes, die Juden sofort in die ihnen rechtlich zuerkannten Besitzungen wieder einzuführen .... Noch an demselben Tage zogen die Juden mit Siegesjubel in ihre wieder eroberte Synagoge ein und der Bruder der Tire-suhow, ein großer hebräischer Dichter, feierte diese Erlösung in einen von ihm verfaßten Lobliede ,8e1iier Geulu“ genannt, das noch bis heute jedes Jahr in dem Sabbath vor Purim in jeder Synagoge nach dem Lesen der Thora vom Rabbiner vorgetragen wird. Leider mußte die goldene Rose diesen Sieg mit ihrem Leben bezahlen denn die Geistlichkeit paßte.ihr seit jener Zeit auf und fand auch b>..ld einen rechtlichen Vorwand, sie ihre grausame Rache fühlen zu lassen. Allein, muthig, wie sie für ihre Glaubensgenossen im Leben gekämpft, ging sie für sie auch in den Tod und starb als Märtyrerin am 4. Tischri des Jahres 398 jüdischer, d. i. 1638 der gewöhnlichen Zeitrechnung. Für eine größere und heiligere Sache ihres Volkes starb ein Jahrhundert später — im Jahre 1710 — die zweite Frau, die im Pinkas Adel Hakvosche — Adele die Märtyrerin — genannt wird. Sie gab ihr Leben freiwillig als Sühnopfer für ihre Glaubensgenossen hin, die dem Tode geweiht waren. Das trug sich in folgender Weise zu: Adel Hakdosche, wie wir sie mit der Bezeichnung des Pinkas nennen wollen, war die klügste, reichste und vornehmste Frau des Judenviertels. Ihr Haus, das an Größe und Schönheit alle anderen jüdischen Häuser überragte, bildete einen Sammelpunkt für Reich und Arm. Die Reichen fanden dort immer Wohlwollen und Gastlichkeit und die Armen Hilfe und einen gedeckten Tisch. Das erregte den Neid und die Mißgunst der christlichen Nachbarn. Sie sannen daher auf Mittel, mit einem Schlage sie und die ganze Gemeinde tödtlich zu treffen. Solche Mittel waren nicht lange zu suchen, man muß in solchen Dingen nicht immer originell sein, zumal daß man mit dem alten Blutmärchen, das stets als sehr wirksam sich erwiesen hat, sich zu allen Zeiten sehr gut behelfen konnte. Es hieß nur die rechte Zeit auspassen, nämlich den Peffachmonat, dann mit dem Christenmädel, das bei dieser Adel bedienstet war, sich ins Einverständniß zu setzen, das auch in der Thal, wie es sich erwies, vorzügliche Handlangerdienste leistete. War man nun einmal mit diesen Vorbereitungen fertig, dann hieß es, die Hetze loslassen. So geschah es denn, daß eines Pessachabends das friedsame Haus dieser Adel, die frohen Muthes mitten in ihrem Familienkreise das schöne Fest feierte, von bewaffneten Soldaten umringt wurde, während mehrere Gerichtsbeamte sich in die inneren Räume hineinbegaben, um hier zur größten Bestürzung rer Inwohner eine strenge Hausdurchsuchung vorzunehmen. Wie es gar nicht anders zu erwarten war, fand man das, was man suchte — eine Kindesleiche mit durchschnittenem Halse. Die Lage der Gemeinde war eine höchst verzweifelte, denn jene Anzeige, die — wie erwähnt — von dem Christenmädel, das bei Adel bedienstet war, erstattet wurde, lautete, daß auf Geheiß der Gemeinde dieses Kind vom Ritualschlächter geschlachtet wurde, um sich dessen Blut zum Gebrauche der Osterbrode zu bedienen. Widerreden, Schwüre und Betheuerungen konnten den armen Juden gar nicht Helsen, da doch das Verbrechen offen zu Tage lag. Inzwischen drängte die Gefahr immer näher heran. Schon regte sich der Tumult in den Straßen, die blutdürstige Menge tobte wie Meeresbrausen, die armen Juden sahen sich mit Weib und Kind dem Henkerbeile ausgeliesert. Da faßte die beherzte Adel mitten in dieser gräßlichen Verzweiflung einen gar heroischen Entschluß, der auf einmal allen ihren Glaubensgenossen Hilfe und Rettung brachte. Sie stellte sich nämlich freiwillig dem Gerichte, indem sie sich offen dazu bekannte, den Mord an diesem Kinde begangen zu haben, mit der Betonung, daß außer ihr Niemand an diesem Verbrechen Theil habe. Durch dieses freie Geständniß wendete sie alle Gefahr von der Gemeinde ab, denn gegen diese lagen ja auch gar keine Verdachts gründe vor, da doch die Leiche des Kindes im Hause dieser Adel sich vorfand. Das Gericht mußte mit diesem einzigen Opfer vorlieb nehmen und verurttzeilte die Jüdin auf Grund ihrer eigenen Geständnisse zum Tode. Als nun aber das Todesurtheil verkündet wurde, fühlte sich jenes Dienstmädel, von dem die eigentliche Anzeige ausgegangen ist, derart von Gewistensbiffen gefoltert, daß es ihr

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