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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-02-21 · 8 (21.2.1902) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
8 (21.2.1902)
Date
1902-02-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 8 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 123 Collegiums in ihrer persönlichen Ehre in einer ganz unqualificirbaren Weise angegriffen worden. Die vollste Satisfaction ist ihnen in jener Körperschaft zutheil geworden, in welcher der Angriff erfolgte, sowie auch in anderen Körperschaften, denen sie angehören.! Wir als Cultusvorsteher erklären, daß wir selbstverständlich diese Herren in ihrer persönlichen Ehre auch nicht im allergeringsten beeinträchtigt sehen, daß im Gegentheile zu den weiten Kreisen der Oeffentlichkeit, in welchen sich dieselben der größten Hochachtung erfreuen, auch unser Collegium gehört, daß wir es uns zur hohen Ehre anrechnen, diese Herren zu unseren Collegen zu zählen. (Allseitige Zustimmung.) Ueber eine Zuschrift der „Chewra-Kadischa", in welcher der Ablauf der Mandatsdauer der Vorsteher Moriz Eißler und k. k. Baurath Wilh. Stiaßny bekanntgegeben wird, werden diese Herren in ihren Functionen für die statutengemäße Dauer von drei Jahren neuerlich bestätigt. Bicepräsident Dr. Gustav K o h n referirt namens des Vertreter-Collegiums über ein neues Normale für den Bethausvorstand der Gemeindebethäuser Stadt und Leopoldstadt. Die Vorlage bezwecke eine Präcisirung, Erweiterung und Ausgestaltung des Wirkungskreises des Bethausvorstandes und die Feststellung der Competenz desselben sowohl gegenüber den Bethaus- Functionären als auch gegenüber dem Cultusvorstande selbst. Nach eingehender Debatte, an welcher sich die Herren H o f f m a n n, Dr. Berger, E l t b o g e n, k. k. Baurath von Goldschmidt, Gewitsch, Doctor Steiner und Salo Cohn behelligten, wird die Vorlage über Antrag des Herrn Rudolf A u s p i tz en bloc angenommen. Hiezu bemerkt der Vorsitzende, daß das Normale für die Bethausvorstände in Fünfhaus, Ottakring und Währing demnächst in Berathung gezogen werden wird. Gemäß den Anträgen des Vertreter-Collegiums wird die Uebernahme nachfolgender neuer Widmungen in die Verwaltung der Cultusgemeinde beschlossen: Die Sigmund Ritter'sche Seelengebet-Widmung mit dem Capitale von Nom. K 800; die Moriz Blau'sche Seelengebet-Widmung mit dem Capitale von K 1200; die Theodor Winternitz'sche Seelengedächtniß- und Wohlthätigkeits-Widmung mit dem Capitale von K 1102; die Antonie Leditzky'sche Graberhaltungs-Widmung mit dem Capitale von K 1069; die Franziska und Therese Berger'schen Widmungen für die israelitische Versorgungsanstalt mit dem Capitale von K 1000, bezw. K 2000; die Maximilian Jellinek'sche Widmung für israelitische Wohlthätigkeits - Institute mit dem Capitale von K 1200; die Fanny Schick'sche Grabausschmückungs- und Kadifchgepet-Widmrrng mit dem Capitale van K 300, die Barbara Chajes'sche Jahrzeit-Widmung mit dem Capitale von K 1800. Aus der Abel Rappaport'schen Studenten-Stiftung wird ein Stiftplatz per K 1000 an einen Studirenden der Medicin auf die Dauer der gesetzlichen Studienzeit verliehen. Die erfolgte Betheilung an 16 Petenten zu je 50 Kronen aus der Antonie von Boschan'schen Armenstiftung wird zur Kenntniß genommen. Weiters werden über Antrag des Vertreter-Collegiums an drei humanitäre Institute Subventionen bewilligt. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um halb 1 Uhr Mittags geschloffen. Wiener Schulzustände. Geehrte Redaction! Mein Töchterchen besucht die Volksschule in der Werderthvrgasse und machte ich jüngst die sonderbare Wahrnehmung, daß selbes vor dem Schlafengehen das christliche „Vaterunser" betet. Auf meine Frage erhielt ich die verblüffende Antwort, daß alle Kinder dieses Gebet sagen müssen;es ist dies unglaublich aber wahr!! Ich sehe davon ab, daß dieses Gebet, welches die Gotteinheit der jüdischen Religion negirt, für ein Judenkind in Folge dessen eine directe.ist, sondern sage nur: „ist es statthaft, daß in der Schule eine solche directe Proselytenmacherei getrieben wird?" Zumindest sollte doch von der Lehrerin aufmerksam gemacht werden, daß die beim Gebet anwesenden Judenkinder selbes nicht mitzusagen hätten. Anton Freund, Beamter. Wien. Im Budgetausschuffe des Reichsrathes bemerkte der Unterrichtsminister v. Härtel: „Was den Unterricht in der israelitischen Religionslehre in Galizien anbelange, - so sei dem Minister bekannt, daß der Landesschulrath für Galizien die Initiative bezüglich einer Vereinheitlichung dieses Lehrplanes ergriffen habe. Die Systemifisung von Lehrstellen für israelitische Religionslehre sei in Aussicht genommen, wenn entsprechend sachlich und wissenschaftlich gebildete Candidaten vorhanden seien." Wien. (Die goldene Hochzeit des Erzherzogs Rainer.) Donnerstag den 12. Februar wurde vom Erzherzog eine Deputation des Tempeluno Synagogenbauvereines für den IV. und V. Wiener Bezirk empfangen. Die Deputation, geführt vom Obmanne des Tempelvereines Herrn Adolf Hofmann. bestehend aus dem Bereinsrabbiner Dr. Reich, dem Obmanne des Synagogenbauvereines Herrn Adolf Lichtblau und den Schriftführern der beiden Vereine Herrn Dr. Max Stransky und Herrn Franz Frankl, wurde um i/212 Uhr von Obersthofmeister Excellenz Grafen Rosenberg zu Sr. kais. Hoheit geleitet. Obmann H o f m a n n überreichte die reich ausgestattete und künstlerisch ausgesührte Adreffe mit der Bitte: Se. kaiserl. und königl. Hoheit wolle diese huldvoll entgegennehmen. Hierauf hielt Rabbiner Dr. Reich eine kurze, inhaltsreiche Ansprache, in welcher er betonte, daß die Adreffe auch in der heiligen Ursprache unseres Volkes geschrieben sei, welche aus tiefstem Herzensquell kommeund zuden Herzen der kaiserl. und königl. Hoheiten sprechen möge. Mit Herzenswünschen für das fernere Wohlergehen des fürstlichen Paares schloß die Rede, welche auf Se. kaiserl. und königl. Hoheit sichtbar tiefen Eindruck machte. Hierauf richtete Se. kaiserl. und königl. Hoheit an jedes einzelne der vorgestellten Mitglieder der Deputation huldvolle Fragen. Obmann Lichtblau betonte, daß in den beiden Bezirken sehr viele Glaubensgenossen als Industrielle und Handwerker thätig sind. Dr. Stransky, welcher die Militär-Jubiläumsmedaille trug, antwortete auf Befragen, daß er als k. k. Reservearzt der Armee angehöre, Herr Frankl, daß er als Industrieller und Exporteur im Bezirke ansässig sei. Die Deputation wurde dann von Sr. kaiserl. und königl. Hoheit mit den huldvollen Worten entlasten: „Ich danke Ihnen sehr, ich habe mich sehr gefreut, die Herren empfangen zu können und werde die schöne Adreffe als wertbvolle Erinnerung betrachten." Die Adreffe selbst besteht aus einem reich ornamentirten Titelblatte, der von Bereinsschriftführcr Herrn Franz Frankl verfaßten deutschen Adreffe und einen von Rabbiner Dr. Reich verfaßten Huldigungsgedichte in hebräischer Sprache, welchem eine in Versen verfaßte deutsche Uebersetzung deigegeben ist und von der hohen Begabung des Berfaffers zeugt. Der kalligraphische Theil wurde von unserem Glaubensgenoffen Herrn Marcus, die Enveloppe ein Meisterwerk an Schönheit, von Herrn B. Buchwald, dem bekannten, tüchtigen und begabten Industriellen, hergestellt. — Donnerstag den 20. d. M. y,6 Uhr Abends findet im Bereinstempel, V.. Margarethenstraße 73, ein Festgottesdienst statt, zu welchem Se. kaiserl. Hoheit von der Deputation ehrfurchtsvoll gebeten wurde und die Einladung dankbar entgegennahm. * * * Der Obmann des Israelitischen Krankenunterstützungsverein des 4. und 5. Bezirkes, Herr Simon Spitzer, überbrachte gestern dem Erzherzog Rainer und besten Gemalin anläßlich der goldenen Hochzeit im Namen des Vereines die Glückwünsche. — Frau David v. G u t m a n n hat dem Statthalter Grafen Kielmansegg anläßlich des fünfzigsten Gedenktages der Vermählung des Erzherzogs Rainer den Betrag von 1000 K zu patriotisch - humanitären Zwecken übergeben. Die Spende wurde unverweilt ihrer widmungsgemäßen Verwendung zugeführt. Die Lage in Ungarn. Törökbecse. In Nr. 7 Ihres geschätzten Blattes vom 14. Februar l. I. wird über das Vorgehen der Parlamentsmitglieder im ungarischen Abgeordnetenhause gegenüber dem demokratischen Abgeordneten Dr. Wilhelm Väzsonyi der Stab gebrochen. Ich will mich nicht in eine Kritik des Vorgehens einlasten und will an dieser Stelle nicht prüfen, ob es mit den Postulaten der parlamentarischen Redefreiheit übereinstimme, ein Mitglied der gesetzgebenden Körperschaft bei Ausübung seines parlamentarischen Berufes „todtzuschreien". Doch kann ich nicht umhin, die Bemerkung zu machen, daß unsere Abgeordneten bei der Stellungnahme gegen Vazsonyi keineswegs den „Juden" treffen wollten. Nahmen doch die Juden seit Wiederherstellung der ungarischen Constitution schon viele Jahre hindurch, und nehmen fie doch auch jetzt noch geachtete Stellungen im Parlamente ein. Moritz Wahrmann s. A. war lange Jahre hindurch Präsident des wichtigsten Parlamentsausschuffes, des Finanzausschusses, Franz Chorin als Präsident des Jmmunitätsausschosses

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