Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 8 (21.2.1902)
- Date
- 1902-02-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 1LL dx. Vlvüz's Wochenschrift. Nr 8 verdienen, sondern weil sie verdienen. — Was Ihr Menschenrechte nennt (die Ihr den Juden allenfalls einräumt), das sind nur Thierrechte. Das Recht, seine Nahrung aufzusuchen, sie zu essen, zu schlafen und sich fortzupflanzen, diese Rechte genießt auch das Wild auf dem Felde — bis ihr es erlegt, und diese wollt ihr auch den Juden angedeihen lassen. Ihr Herren von Frankfurt, Hamburg. Lübeck und Bremen antwortet mir! Ihr klagt, die Juden ergeben sich Alle dem Schacher, und dennoch verhindert Ihr die geistige Entwicklung derer, die sich vom Schacher losmachen! Ich lasse. mich nicht abweisen, ich will Antwort darauf haben. Ihr Herren von Frankfurt sagt mir: Warum sollen nur vier jüdische Aerzte, warum sollen gar keine Juden Advocaten werden? — Noch vor zwanzig Jahren habt ihr in der freien Stadt ebenso gegen Katholiken gewüthet, als Ihr jetzt gegen Juden wüthet . . . Glaubt Ihr nicht, daß ein Tag kommen wird, der Euch befiehlt, auch die Juden als Euere Gleichberechtigten anzusehen? Aber Ihr wollt gezwungen sein! Der Mensch ist taub. Freiwillig wollt Jbr nicht, das Berhängniß muß Euch bei der Brust packen und Euch hier und dorthin schleppen. Schämt Euch!" Nicht minder begeistert stand Heine für seine Stammesgenosien ein. „Ich sehe jetzt'", sagte er, „die Griechen waren nur schöne Jünglinge, die Juden waren immer Männer, gewaltige, unbeugsame Männer, nicht blos ehemals, sondern bis auf den hmtigen Tag, trotz achtzehn Jahrhunderten der Verfolgung und des Elends. Ich habe sie seitdem besier kennen und würdigen gelernt, und wenn nicht jeder Geburtsstolz ein närrischer Widerspruch wäre, so könnte ich stolz darauf sein, daß meine Ahnen dem edlen Hause Israel angehörten, daß ich ein Abkömmling jener Märtyrer bin, die der Welt einen Gott und eine Moral gegeben, und auf allen Schlachtfeldern des Gedankens gekämpft und gelitten haben". Ja, die civilisirten und cultivirten Völker der Erde haben ihre besieren Begriffe über Gott, Welt und Mensch einzig und allein dem Judenthum, respective der Thora, die so schöne, herrliche, menschenbeglückende und menschenfreundliche Lehren enthält, zu verdanken, allein mit welch schnödem Undank werden die Juden, besonders in unserer Zeit, gerade von Jenen, die als Vertreter der Religion der Liebe berufen sind. Nächstenliebe und Menschenverbrüderung zu predigen, belohnt. Man blicke nur auf Frankreich, auf jenes Land, in welchem bereits vor einem Jahrhundert die Sonne der Freiheit aufgegangen ist, und man wird die Ueberzeugung gewinnen, daß gerade jene Männer, deren Pflicht es wäre, die Humanität und Nächstenliebe zu lehren, es waren, die den Bolksgeist vergiftet und die Reaction herauf, beschworen haben. Doch „die Wahrheit spriest aus der Erde hervor", vernichtet die Fälscher, zerschmettert die Hetzer und Streber, entlarvt die Heuchler und Frömmler und vereitelt die gefährlichen Pläne der Verleumder. (Siehe Affaire Dreyfus.) Dr. M. H. Friedländer. Correspondensen. Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cuttusgemeinde Wien am 16. Februar 1902, unter dem Vorsitze des ersten Vice-Priisidenten Dr. Alfred Stern. Aus dem Einlaufe wurde zur Kenntniß gebracht an Spenden: Von Herrn Philipp Thorsch, aus Anlaß der Vermählung seines Neffen Dr. Alphons Thorsch. für den israel. Frauenwohlthätigkeitsverein, I. Seitenstettengaffe ..K für den Verein zur Unterstützung und Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israel. Cultusgemeinde „ föt den Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten.„ föt den Theresien-Kreuzer-Verein.„ für die Chewra-Kadischa.„ sör den Verein zur Erhaltung von Volksküchen nach israel. Ritus.„ föt den Mädchenunterstützungsverein, II., Kaiser Josefstraße 32 ............ für den Verein »Ferienheim" .„ für die israel. Kinderbewahranstalt.„ 2000.- 500 — 1000.— 1000.— 1000.- 500.— 500.- 500.- 500.— Uebertrag K 7500.— Uebertrag K 7500.— für die Armenanstalt der israel. Cultusgemeinde „ 1000.— für das Armenamt der israel. Cultusgemeinde . „ 500.— für das Siechenhaus.„ 1000.— für arme Bräute .* 100.— Zusammen IC 10100.— Von Frau Anna Thorsch, anläßlich der Vermählung ihres Sohnes Dr. Alphons Thorsch mit Frl. Marie Spitzer, für den israelitischen Frauenwohlthätigkeitsverein im I. Bezirke.„ 1000.— für den Verein zur Unterstützung und Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israel. Cultusgemeinde „ 1000.— für den Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten.„ 300.— für den Theresien-Kreuzer-Verein.* 500.— für den Verein zur Erhaltung von Volksküchen nach israel. Ritus.„ 500.— für den Mädchen-Unterstützungsverein, II., Kaiser Josefstraße 32 * 500.— für den Verein „Ferienheim" .„ 500.— für die israel. Kinderbewahranstalt . ... u 500.— für das Armenamt der isracl. Cultusgemeinde . „ 500.— Zusammen K 5300.— Von Herrn Dr. Alfred Stern, zur Ergänzung des zur Errichtung der „Julius und Dr. Alfred Stern'schen Jahrzeit- und Wohlthätigkeitsstiftung" bereits gewidmeten Betrages von IC 2400.—, noch weitere.. 6000.— in 4percentiger österr. Kronenrente (Zinsen vom 1. März 1901 ab) als Gründungsbeitrog für die israel. Allianz .„ 2000.— für den „Allgemeinen österreichisch-israelitischen Bund".. 2000.- Zusammen (in Kronenrente) L 10000.— Von Herrn Leopold Sachs zum Andenken an seine seligen Eltern Jakob und Anna Sachs, für das Siechenhaus.L 2000.— Von Herrn $utiu§ Hellmann zur Bertheilung an verschiedene Wohlthätigkeitsanflalten.. 500.— Von Herrn Alois Hofmann, zur Bertheilung an zwei Wohlthätigkeitsanstalten.. . „ 100.— Bon Herrn Dr. Moriz Adolf, für das israelitische Spital.. 50.— Bon v. M., für die israelitische Versorgungsanstalt „ 50.— Von Herrn Dr. Sigmund Ehrlich, für das israelitische Spital.. 20.— zur Verköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau.. 20.— Von Herrn Dr. Albert Rabl, für die israelitische Armenanstalt.. 20.— Von Herrn Otto Weiß, für wohlthätige Zwecke . „ 10.— Bon Herrn Johann Seelenfried, für das Siechenhaus der israelitischen Cultusgemeinde . „ 10.— und 2 Flaschen Cognac Für die Verköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau. Sammelspende durch Herrn Heinrich Weiner . . „ 120.— Den Spendern wird der Dank votirt. Im Präsidialberichte bringt der Vorsitzende zur Kenntniß, das Vertretercollegium habe aus Anlaß der goldenen Hochzeit Sr. kaiferl. und königl. Hoheit des Herrn Erzherzogs Rainer beschlossen, dem erzherzoglichen Paare die Huldigung des Cultusvorstandes durch eine künstlerisch ausgeführte Adresse darzubringen, deren Ueberreichung in einer Audienz deputativ durch das Präsidium und den Herrn Oberrabbiner in den nächsten Tagen erfolgen werde. (Wird mit lebhaftem Beifalle zur Kenntniß genommen.) Vor Uebergang zur Tagesordnung bemerkt der Vorsitzende, ein Vorkommniß, welches in den letzten Tagen die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gelenkt habe, veranlasse ihn, Folgendes zu erklären: Es sei selbstverständlich nicht Aufgabe der Cultusgemeinde, sich in politische Angelegenheiten zu mengen und Dasjenige in Erörterung zu ziehen, was andere öffentliche Körperschaften beschäftige. Eine Ausnahme wurde nur in jenen Fällen gemacht, wo wir selbst die Angegriffenen seien und die Pfl cht es gebiete, im Interesse der Glaubensgenossenschaft vorzugehen. Es sind nun in den letzten Tagen hochverehrte Mitglieder unseres