Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 8 (21.2.1902)
- Date
- 1902-02-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 116 Dr. Bloch's Wochrnfttzrrst. Nr. 8 gesperrten Lettern: „Bekanntlich hat diegesammte Judenpresse dieBerurtheilung des Professors in kategorischer Weise verlangt". Wenn ein Antisemit wegen einer ungesetzlichen Ausschreitung verurtheilt wird, ist es nur selbstverständlich, daß die schmutzige antisemitische Verdächtigung sich auch an die Justiz heranwagt. In unzweideutiger Weise wird da der erkennende Gerichtshof dem Verdachte preisgegeben, daß er bei seiner Urtheilsfällung nicht ausschließlich vom Gesetze und von seiner Ueberzeugung sich leiten läßt, sondern auch von dem .kategorischen Verlangen der Judenpresse". Das übertrifft noch an Verworfenheit jene Verdächtigung, die das Berganiblatt kürzlich einem Gerichtsarzte angedeihen ließ. Alle diese Dinge überraschen uns nicht im Geringsten. Wurde doch auch die Wiener Polizei deshalb in einem antisemitischen Schmutzblatte benörgelt, weil sie auf die Eruirung des Mörders am Neubau eine Belohnung von 500 Kronen ausschrieb. Ganz natürlich — der Ermordete war ein Jude, und da findet man den Eifer der Polizei sehr auffällig. Logischer Weise sollte man noch weiter gehen und als sinngemäßes Seitenstück zum Schußgeld bei Juden eine Schonzeit für Judenmörder fordern. I 8 e g r i m. Antisemitische Geschichtsfalschungen. Der prinzliche Agitator für den Antisemitismus in Oesterreich hat dieser Tage in seiner Rede, die infolge des Luegerscandals im Parlamente ohne Kritik vorüberging, auf das „Treiben des Judenthums in Frankreich" hingewiesen, welchem er die Schuld beimißt an „allen Convulsionen und Zuckungen des französischen Volkskörpers" im Laufe des letzten Jahrhunderts. Wir wollen nicht auf die geringe Anzahl der Mischen Bewohner Frankreichs verweisen, die allein schon ihnen irgend eine» uennenswerthen politischen Einfluß versagt, und auch nicht die Thatsache besonders hoch anschlagen, daß die „Zuckungen des französischen Mckionalkörpers" begonnen haben, ehe den Juden in Frankreich auch nur die bürgerlichen Rechte eingeräumt waren. Wir wollen lediglich die Quellen der prinzlichen Gelehrsamkeit enthüllen, die eine prächtige Illustration bietet zur Charakteristik der antisemitischen Geschichtsschreibung. Der fürstliche Redner schöpfte seine historische Gelehrsamkeit aus einer Schrift des bekannten Hermann von Scharff- Scharfenstein. Sie heißt: „Das geheime Treiben, der Einfluß und die Macht des Judenthums in Frankreich seit hundert Jahren (1771 bis 1671)". (2. Aufl. Stuttgart 1872 bei Heinrich Killinger.) Nach dieser Broschüre haben wir den Vater der ganzen antisemitischen Bewegung der letzten Jahrzehnte zu sehen in Herrn v. Scharffensteiudem Ahnherrn der Ahlwardt, Stöcker, Liechtenstein, Rohling und Genossen. Denn alle Ideen und Absurditäten, die der zeitgenössische Antisemitismus zeigt, sind von Herrn v. Scharffeustein vorgedacht und vorgemacht. Was die Welt an schlimmen Thaten historischer Art gesehen, immer waren die Juden die Uebelthäter. Scharffenstein „beweist" das an der Hand der französischen Geschichte. 1. Warum ließ der berüchtigte Herzog von Orleans, Philipp Egalite, Ludwig XVI. in Stich? Antwort (S. 2): Die Juden haben ihn „zum Hochverrath und zu allen nur denkbaren Scheußlichkeiten" angetrieben; »Der bekannte Falk-Scheck, oberster Rabbiner von England, machte dem Philippe Egalitä einen mit einem Talisman von Lapis- Lazuli versehenen Ring zum Geschenk. Es war also der Ring mit dem Talisman dem Herzoge unter dem Vorgeben geschenkt worden, daß derselbe die magische Kraft besäße, ihn auf den Thron von Frankreich zu führen. Einen solchen Ring, wie der Rabbiner Falk-Scheck dem Orleans gegeben, nannten die Juden Kamaoth, und es war eine ihrer Listen, denjenigen hohen Herren, welche sie für ihre Zwecke geeignet erkannten, solche Ringe zu geben, um dieselben durch diese vermeintlichen Talismane zum stärksten Vorgehen im Interesse Israels anzuspornen. Der Weissagung des Rabbiners vertrauend, beging Philippe Egalit« bald in Folge derselben alle jene Nichtswürdigkeiten, welche die Geschichte von ihm ausgezeichnet hat. Man erkennt aus dem Vorstehenden, daß es Judenkniffe und Ränke waren, welche ihn anfeuerten nach der Krone Ludwigs XVl. zu streben." 2. Wer schickte die unglückliche Königin Marie Antoinette auf das Schaffst? Scharffensteiu schreibt: „Das erste Libell, welches (schon im Jahre 1771) gegen diese edle Märtyrerin gerichtet wurde, hatte einen italienischen Juden mit Namen Angelucci zum Verfasser . .. Das Libell wurde durch die Juden in Paris eifrigst verbreitet . . . Später ließen die Juden das Buch in Amsterdam nochmals französisch und auch in holländischer Sprache Nachdrucken und verbreiteten es über ganz Europa." (S. 6.) „Die unglückliche Königin Marie Antoinette hatten die Juden aufs Schaffst gebracht". (S. 44.) 3. Warum war der berüchtigte Marät ein solcher Bluthund? Man drücke auf den antisemitischen Knopf und die Antwort ist da: „Auch der Blutmensch Marat war von Juden umgeben, welche ihm als Spioue dienten und ihn beständig zu neuen Mordthaten und Greueln antrieben." (S. 8.) 4. Wer hat Frankreich zum Kriege mit Deutschland veranlaßt? Scharffenstein weiß die einzig mögliche Antwort: „Die Juden trieben Napoleon III. mit aller Macht zu dem Kriege mit Deutschland, in der Hoffnung, dadurch entweder ihn und sich noch fester zu stellen, oder ihn zu stürzen und sich an die Stelle zu setzen." (S. 96.) 5. Wer war schuld an der Niederwerfung des Aufstandes des tapferen Freiherrn v. Dörnberg im Jahre 1809 gegen die Franzosen? Scharffensteiu weiß es genau: „Als Spion verrieth der Jude le Cerf die Conspiration des Baron Dörnberg, brachte umhin eine Menge braver deutscher Männer in das tiefste Unglück." (S. 126.) 6. Warum wurde der unglückliche Dauphin von Frankreich 1792 dem Schuster Simon übergeben, unter dessen Mißhandlungen der arme Knabe erlag? Scharffeustein weiß das auch: „Der scheußliche Schuster Simon, welcher den armen unglücklichen Ludwig XVII. zu Tode marterte, rühmte sich, jüdischer Abkunft zu sein." (S. 148.) Eine unmittelbare Folge dieser Judenriecherei ist es auch, in vielen großen Männern jüdisches Blut zu wittern. Herr von Scharffenstein übertrifft hierin Paasch und Genossen beiweitem. Juden sind: 1. Napoleon. „Von der Familie Napelon I. behauptet man in Ajaccio, daß sie jüdischen Ursprungs sei." (S. 13.) „Napoleon 1. war schon früher von den Juden in die in Frankreich schon seit den Achtziger-Jahren des vorigen Jahrhunderts das große Wort führenden Judenlogen eingeführt worden; seiner jüdischen Abkunft bewußt, fürchtete er die damals noch rein christlichen deutschen Logen, welche baldigst an einer Erhebung Deutschlands gegen ihn arbeiteten." (S. 16.) „In den französischen Logen, dem Groß-Orient und den von ihm abhängigen, arbeiteten die Juden zur Zeit der Restauration 1815 bis 1830 unablässig wieder an dem Sturz der Bourbonen und für die Familie Buonaparte." (S. 18). „Der Jude Eremieux arbeitete. . . eifrigst für die Judensproffen Buonaparte, deren Herkommen er genau kannte. Er wußte, daß dem Volke Israel in Frankreich unter einem zweiten Napoleon eine goldene Zeit erblühen werde." (S. 19.) „Ludwig Bonaparte, Präsident Frankreichs, aus jüdischem Geblüt" (S. 22) „der große Chochem ist gegangen pleite nach England"*) *) Napoleon III. verlebte seine letzten Lebensjahre bekanntlich in Ehiselhurst in England. D. Red.