Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 7 (14.2.1902)
- Date
- 1902-02-14
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Dr. Blorh's WochenMrifk. Seite 111 VI. Wie aber lautete die Antwort der Juden auf alle diese grausamen Verfolgungen, die den Zweck hatten, sie von ihrem Gotte und ihrem Glauben loszureißen? Die Antwort lautete kurz und bestimmt*): 118 n«T batf n'S 11'lpi So klang diese Antwort aus dem Kerker, aus der Folterkammer, mitten aus den Feuerbränden und Wasserfluthen, aus allen jenen Orten, wo man sie ihres Glaubens willen quälte und marterte. Und diese Antwort wuchs mit der Größe der Leiden zu einem gewaltigen Sturme heran, zu einem wildtrotzigen, donnernden Protest. Ja, der Jude empfand eine Wollust, für sein heiliges Erbe zu bluten, er war gleichsam leidesfreudig, qualbedürftig. Wohl glaubten seine Widersacher, daß sie seinen Stolz gebrochen hätten, denn draußen krümmte er sich ja wie ein Wurm unter dem ihn tretenden Fuße, ohne es nur zu wagen, die Stimme zu erheben, aber in seiner Zufluchtsstätte, in seiner Synagoge, fand man ihn wieder in seiner ganzen Menschenwürde. Dort sprachen sie einander Muth zu und erzählten einander, wer sie seien und was ihre Ahnen waren, wie sie Gott unter allen Völkern auserkoren hat. Wie ein verzogenes Kind schmiegten sie sich an die Brust ihres Vaters, dem sie in rührenden Worten ihr Leid klagten und ihm erzählten, was sie zu Ehren seines Namens litten und welche Schmach sie erdulden mußten. Die Synagoge war ihr Schutzhaus, ihre Heimstätte, ihr Zerstreuungs-, ihr Belustigungsort. Aber auch bei den Todtcn fühlten sich die Juden heimisch. Da konnten sie auf den Leichensteinen ihrem tiefen Grolle Luft machen in Ausbrüchen der Verzweiflung und in stürmischen Gebeten, daß Gott sich ihrer erbarme, daß er seine Rache ausgieße über ihre Peiniger und Quäler und sie mit seinem Donner zerschmettere! Synagoge und Friedhof sind auch die einzigen Stätten, in welcher der Geschichtsforscher den verwitterten Spuren der früheren Jahrhunderte nachgehen kann. Die Synagoge mit ihren Denktafeln und alten Chroniken, und der Friedhof mit seinen zerfallenen Grabsteinen erzählen mit beredten Zungen, was unsere Eltern gelitten und wofür sie gekämpft haben. Der hiesige jüdische .Friedhof hat bereits ein Alter von mehr als sechshundert Jahren hinter sich. Es findet sich hier ein Grabstein, der auch vom Jahre 1332 datirt ist, also bereits 562 Jahre alt, ein Zeitsümmchen, in welchem unser Volk was durchgemacht, ja durch ein Meer von Blut und Thränen sich durchgearbeitet. Aber es gab kein Zeitalter, in welchem nicht kühne Männer sich fanden, die sich an die Spitze ihres Volkes gestellt und mit wahrem Löwenmuthe ihm im Kampf vorangeschritten sind. Nicht aber blos Männer waren es, die in gefahrvollen Momenten sich für ihr Volk eingesetzt, es fehlt uns auch nicht an heldenmüthigen Frauen, die dort, wo es sich handelte, die Ehre ihres Glaubens und ihres Volkes zu retten, freudig ihr Leben Hingaben. Das Judenthum kann sich einer großen Galerie solcher Frauen rühmen, solcher weiblichen Heldengestalten, die wie Perlen an einer Schnur sich in den Jahrhunderten aneinander reihen. Den Reigen eröffnet die Schwester des großen Bruderpaares Mirjam, ihr folgt die gottdurchflammte Prophetin Debora, darauf Jael, dann die holde Myrthe Esther, darauf Judith und noch eine große Schaar von Heldinnen, die wie Sterne über den Horizont unserer Geschichte ausgestreut sind. Auch aus dem schwarzen Gewölke des 17. und 18. Jahrhunderts blinkt uns ein solches Sternenpaar entgegen — zwei große heldenmüthige Frauengestalten. Die erstere von diesen Beiden hieß Rosa. Sie gehörte zu jenen entzückenden und berückenden Schönheiten, bei deren Anblick sogar Könige die Stirne beugen. Es ist zwar auf die Nachwelt kein einziges Conterfei von ihr überkommen, das uns nur annähernd ein Bild von dem Zauber dieser Frau verschaffen könnte, aber es genügt, daß sogar ihre zeitgenöffischen Glaubensgenossen, die durch den Druck der Leiden doch gewiß gegen die Romantik der Frauenreize abgestumpft waren, sie nie anders nennen, als mit dem poetischen Namen: „Die goldene Rose". Der alte ehrwürdige Pinkas, der ihrem Andenken mehrere Blätter widmet und der doch gewiß fern von jeder Sinnlichkeit ist, nennt sie nie anders als „kose-sukow" (goldene Rose). *) Und trotzdem hängen wir an unserem Gotte, und nur er ist unsere Zuversicht! Ihr Grabstein, ein für jene Zeit sehr reich und kunstvoll ausgeführtes Denkmal, das auf dem hiesigen altjüdischen Friedhofe noch in gutem Zustande erhalten ist. drückt fich über ihre phänomenale Schönheit mit folgenden Worten aus: „Sie war die reine Gottesleuchte, die Krone aller Zionstöchter, eine Frau, die an Schönheit des Geistes und des Körpers, nie ihres Gleichen gefunden. Fürsten und Könige beugten das Knie vor ihr". Sie war aber nicht blos durch ihre Schönheit, sondern auch durch ihre Klugheit ausgezeichnet, durch ihr großes edles Herz, durch den Glanz ihres Hauses und durch ihren für die damalige Zeit geradezu fabelhaften Reichthum. Ihr Mann Reb Nachmen war einer der bedeutendsten Aerzte seiner Zeit, hatte intime Beziehungen zum Hofe, war von mächtigem Einflüsse, und sein Haus bildete den Sammelpunkt aller Großen des Landes. Aus eigenen Mitteln erbaute er das Gotteshaus die lire-suellor-Synagoge und schaffte alle dort fich befindlichen Utensilien an, darunter den fiebenröhrigen Leuchter, von welchem oben die Rede war. Für seine Glaubens genoffen stand er immer mit dem ganzen Einfluffe seiner Persönlichkeit ein und vertheidigte sie gegen den Angriff. Auf seinem Grabsteine heißt es: »Hier der Stolz seiner Zeit, der edle und großmüthige Wvhlthäter, der Dolmetsch seiner Brüder vor Fürsten und Könige. Sein Mund war ein Quell der Weisheit und sein Vermögen unversiegbarer Born von Hilfe für Arme". Die jüdischen Damen unserer befferen Gesellschaft, von denen gar Viele es an Mühe nicht fehlen lasten, in sich jede Spur ihrer jüdischen Herkunft auszulöschen, werden es gewiß nicht begreifen, daß eine Dame von der Bedeutung einer »goldenen Rose" sich mit einer Lappalie, wie der jüdischen Gemeindeangelegenheit, befassen soll. Nun mögen sie sich sagen lassen, daß diese »goldene Rose" noch eins darüber that, sie starb für diese Lappalie als Märtyrerin. (Fortsetzung folgt.) Sriefkasten. R. Zum Decan der juristischen Facultät an der Universität in Jena ist Professor Dr. C. Rosenthal gewählt worden. L. Der Wiener Bürgermeister hält Jeden, der seine Ueberzeugung und seine Gesinnungen nicht chamäleonartig wechselt, für eine abnorme Erscheinung, kaum Werth, sein Zeitgenosse zu sein. Sein Haß und seine Beschimpfungen bilden deswegen für Jedermann ein Ehrenzeugniß. R. Daß der Arader Rabbiner Rosenberg gemischte Ehen nicht mehr einsegnet, dürste die Leser der „Qesterreichischen Wochenschrift" wenig interessiren. K. Am y. Adar (13. März 1601) starb der berühmte Mordche Meisel aus Prag. Er erbaute die sogenannte hohe Synagoge in Prag sowie Synagogen in Jerusalem und Polen. Er hat ein Lehrhaus in Prag errichtet und einen Garten zum Gottesacker augekauft und ließ die Judenstadt pflastern. An seinem Begräbnis nahmen die höchsten Hofbeamten theil und der Kaiser selbst ließ sich vertreten. L. A. von Kremer sagt: „Die Semiten waren es, die im Alterthum den Austausch der materiellen und geistigen Güter zwischen Asien, Europa und Afrika besorgten und die im großen Wettkampf der Völker sich von jeher (und gerade sie in ganz besonderem Maße) durch fleißige Verwerthung des Eigenen und des Erborgten hervorgethan."_ Fleischhauer äusserst tüchtig in seinem Fache, als Hacker und Vieheinkäufer, kantionsfähig, sucht Steile, eventuell lebensfähige Bank zn übernehmen. Adresse in der Expedition. Als Barmizwah-Geschank eignet sich vorzüglich das berühmte Prachtwrerk Professor Dr. Julius Fürst’s illostrirte fünf Bücher loses m. deutsch. Uehersetzung, erläuternd. Anmerkungen u. 223 Dlustr. Preis in Prachtband statt fl. 8.50 jetzt nur fl. 3.50. Zu haben in jeder grösseren Buchhandlung oder gegen Einsendung des Betrages direct zn beziehen von Samuel W. Pascheies, Prag, Zeitnergasse 4. ä