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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-02-14 · 7 (14.2.1902) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
7 (14.2.1902)
Date
1902-02-14
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette HO Dr. Bloches Wochsnschrifi« Nr. 7 selben die Glückwünsche und den Dank der Gemeinde auszusprechen. Bei dem hieraus abgehaltenen Festgottesdienste gab Herr Rabbinatscandidat D. Spiegel in formvollendeter Rede ein treffliches Bild von dem Wesen und Wirken des Gefeierten. Herrn Lichtwitz zur Seite steht seine ausgezeichnete Gattin, die durch Wohlthätigkeit und seltene Bescheidenheit sich besondere Verehrung erworben. Sämmtliche Kinder und Enkelkinder hatten sich zum Ehrentage des Familienoberhauptes eingefunden. 8. B. Tysmieniea. Einen schweren Verlust hat unser verehrter Rabbiner Se. Ehrwürden Herr Saul H o r o w i tz durch den Tod seiner Gattin erlitten, die nach 54jähriger, glücklicher Ehe im 72. Lebensiahre verschieden ist. Die Verblichene war eine seltene Fl au von außerordentlichem Charakter, hoher Frömmigkeit und ungewöhnlicher Wohlthätigkeit, die Mutter der bekannten, hervorragenden Rabbinen CH. L. H o r o w i tz in Krakau und Pincas Horowi tzin Bohorodczany.Bei dem imposantenLeichenbegängniß, an dem sich fast sämmtliche Bewohner unserer Stadt betheiligten, wurden von unserem Herrn Rabbiner, sowie von den beiden Söhnen der Verstorbenen ergreifende Trauerreden gehalten, die tiefen und nachhaltigen Eindruck erzielten. Die allgemeinen Sympathien wenden sich der schwergebeugten Familie zu. Temesvar. Bei der Wahl der Lugoser Jsraeliten-Gemeinde wurde der Advocat Dr. Josef F e n y e s zum Präses gewählt. Stampfe». Der Talmud-Thora-Schulverein der israelitischen Cultusgemeinde zu Stampfen (Stomfa) versendet für das abgelaufene Jahr 1901 einen Jahresausweis, in welchem er den Spendern und Gönnern den Dank ausspricht, des Verlustes gedenkt, den der Verein durch das Hinscheiden eines seiner besten Mitglieder, des Freiherrn Carl Wilhelm von Rothschild, erlitten, und die Bitte ausspricht, den Verein durch Beitritt und eifrige Propaganda zu fördern. Ein Spendenausweis und ein Rechnungsabschluß folgen dem eindringlichen Appell. Effegg. Einer Anregung des Cultusvorstehers Doctor Spitzer folgend, unter deffen Leitung sich die israelitische Cultusgemeinde zu einer Hochburg werkthätiger Menschenliebe entfaltet hat, eröffneten die israelitischen Frauenvereius-Damen hier eine neue jüdische Volksküche. Das eigentliche Motiv, welches bei Errichtung dieser Volksküche bestimmend mitwirkte, war der Umstand, daß die jüdischen Armen mit besonderer Zähigkeit au dem für die Juden so wichtigen, rituellen Speisegesetze festhalten und der darbenden Schuljugend Gelegenheit geboten werden mußte, sich ohne Hintansetzung und Verletzung der specifisch religiösen Vorschriften mit Nahrung zu versehen. Dieselbe war schon am ersten Tage von 30 Armen besucht, die in liebenswürdigster und reichlichster Weise von den hiezu designirten Damen bedient wurden. Die große Anzahl der Armen, die die Volksküche besuchten, rst ein Beweis für die dringende Nothwendigkeit einer solchen Institution. Feuilleton. Alt-Hemberg. Von Nathan Samuel y. (Fortsetzung.) Mehr noch als die Denktafeln der Synagoge weiß das alte auf Pergament geschriebene Sidur, das noch von jener Zeit herrührt und hier zu sehen ist, von der Grausamkeit lener Mordgesellen zu erzählen. Das ganze Buch ist von einem scharfen Werkzeuge durchstochen, was an eine entsetzliche Gräuelthat erinnert. Jener Degen nämlich traf nicht blos das Sidur, sondern auch ein warmes Menschenherz. Es war in der Morgenstunde, als die Vandalen an jenem verhängnißvollen Sabbath in die Synagoge eingedrungen waren. Sie paßten so recht die Zeit ab, in welcher die Juden mit Weib und Kind zu treffen waren, und es ihnen möglich machte, ein recht ausgiebiges Blutbad zu beretten. Jenen Kannibalen schienen auch weibliche Furien sich angeschloffen zu haben. Ein Weib war es, das rücklings den Borbeter, während er vor dem Altäre stand, den mörderischen Stahl in den Leib stieß und ihn mitsammt dem Gebetbuche aufspießte. Die Aufschrift auf dem Grabsteine jenes Vorbeters, die auf dem hiesigen alten Friedhof zu lesen ist, erzählt jene Gräuelthat mtt folgenden Worten: „Und Samuel, der Vorbeter, stand mit zum Himmel gewendeten Herzen vor Gott, als eine „Verfluchte" von rücklings das gottgeweihte Herz durchbohrte und es mit dem heiligen Gebetbuche vereinigte, das ebenfalls von jenem mörderischen Stahl aufgespießt wurde. So verstummte plötzlich der Mund, dem heilige Gesänge entströmmten. am achten Tage des Monats Jar des Jahns 424. Gott verleihe ihm selige Ruhe und räche sein unschuldig vergossenes Blu^." Bemerkenswerth ist es, daß diese „Verfluchte" auf sechzehn Grabsteinen erwähnt wird, darunter auf dem Grabe des Bruderpaares Rabbi Mordechai und Rabbi Schloma, Söhne des Tire- Suhew, ferner aus dem Grabe eines hundertjährigen Greises, der Vorsteher in der Jeschuwa zu Kvlomea war, und endlich auf dem Grabe eines fünfzehnjährigen Jünglings, auf dessen Denkmal es heißt: „Die Verdammte brach em Reis von einer gewaltigen Ceder, sie blies aus eine Lebensflamme, die zum Himmel emporloderte und schloß einen Mund, dem der frische Quell der Thora entsprang. Kaum fünfzehn alt, sammelte er Wissensschätze, gleich einen von hundert Jahren." Wer war jene „Verdammte", jenes blutgierige Weib? Die Geschichte kennt sie nicht, aber die Juden kennen sie! ... Bezeichnend ist die Aufschrift eines Grabsteines, die in folgender Weise lautet: „Großer Gott der Vergeltung, räche das Blut Deines heiligen Dieners, das durch die Hand der Verfluchten vergossen wurde, Deines Dieners, der jung an Jahren und groß an Thaten war, der mit Löwenmulh Dein heiliges Gesetz vertheidigte, für Deinen heiliger« Namen den Tod erlitt, widerstehend der Versuchung und der Glattzüngigkeit der Schlange, Rabbi Jizchok Nachmisch ist sein ruhmreicher Name." Auf den anderen Gräbern hingegen heißt es nur blos: „Die durch die Hand der Mörder gefallen sind: Bei Vielen ist die Todesart beschrieben wie: durch Feuer, gesteinigt, lebendig begraben, geschlachtet u. s. w. u. s. w." Alle Grabsteine sind von demselben Tage datirt, nämlich von jenem furchtbaren Sabbath, dem 8. Jar des Jahres 424. Einem merkwürdigen Zufall verdankte einer der Gelehrten jener Zeit Rettung seines Lebens. Auch er gerieth in die Hände eines jener Mordgesellen. „Wirf Dich zu Boden", befahl ihm derselbe, „damit Du von meiner Hand den Todesstreich empfängst." Ohne Widerstand that dieser in stiller Gottergebenheit, wie ihm befohlen wurde, und legte sich zu Füßen des Mörders. Der Anblick dieses stillen gottergebenen Opfers jedoch weckte Mitleid auch in der entmenschten Brust des Wütherich. Er schlug ihn mit dem flachen Schwerte und sagte: „Lauf davon, junger Hund und erhalte Dein Leben von meiner Hand zum Geschenke!" Diesem merkwürdigen Zufalle verdanken wir eine große Reihe von jüdischen Gelehrten, die dem Erretteten später entstanden, unter welche sich auch der Chacham Zwi zählt, der sein Enkelkind war. Ein Gang durch den hiesigen altjüdischen Friedhof belehrt uns über die traurigen Zustände jener Zeit, von welchen die Grabmäler uns so Manches zu erzählen wissen. Wir lesen da auf einem Steine, daß der Verblichene ein Vorsteher der Gemeinde war, treu und hingebungsvoll für seine Glaubensgenossen oft im Kerker geschmachtet hat und mehr als einmal blutige Leibesstrafe erduldete. Auf einem anderen Grabe wieder wird erwähnt, daß der Todte Namens Jsack Mises, ebenfalls als Führer seiner Gemeinde für seine Brüder, unter mörderischen Ruthenstreichen im finsteren Kerker den Tod gefunden, aber durch die Hilfe Gottes und die Gnade der Regierung dazu gelangte, ein Grab zwischen seinen Glaubensgenossen zu finden". Diese schlichten Grabschriften entrollen das schauderhafte Bild jener fluchwürdigen Zustände. Der Vorsteher war der Regierung gegenüber für die Gemeinde verantwortlich. War ein solcher nicht grausam genug, der Gemeinde alle Steuern abzupressen, die die Regierung von derselben forderte, so mußte er für jene Weichherzigkeit unter dem Polizeistocke bluten und in den Kerker wandern. Fügte es sich, daß ein solcher Unglücklicher während seiner Haftstrafe verschied, so war es als eine sehr hohe Gnade angesehen, daß man seine Leiche der Familie auslieferte, denn in den meisten Fällen verscharrte man ihn in ein gemeinsames Grab mit Verbrechern. So zeichnete unser armes, zu Leiden erkorenes Volk, wie ein gehetztes angeschossenes Wild, den Weg, den es in der Geschichte der Menschheit zurückgelegt hat mit seinem Blute. Keinen Flecken Erde gibt es in der ganzen weiten Welt, der nicht mit dem Blute unserer Ahnen getränkt wäre. In Spanien, in Portugal, in Deutschland, in Polen, ja überall rauchen noch die Altäre, auf welchen jüdische Opfer geschlachtet wurden.

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