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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-02-14 · 7 (14.2.1902) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
7 (14.2.1902)
Date
1902-02-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 106 Dr. Bloch's Wochrnschrrfl. Nr. 7 idealen Zwecke dieses social-humanitären Vereines aufzurufen. Dr. Schmied! hob hervor, daß in der Jüdischen Toynbee-Halle, welche sich derzeit im eigenen Locale, XX., Karajangasse 20, befindet, allabendlich sich Glaubensgenossen aus allen Gesellschaftskreisen einfinden, um den Vorträgen zu lauschen, die von hervorragenden Gelehrten, anerkannten Künstlern u. s. w. über die interessantesten, literarischen und theologischen Themen gehalten werden, die zur Erweiterung des Wissens, zur Bildung des Herzens und Gemüthes und zur Weckung des Sinnes für das Judenthum im hohen und derzeit doppelt erwünschten Maße beitragen. Bei der jüngst abgehaltenen Generalversammlung wurden in die Vereinsleitung neugewählt die Herren: Rabbiner-Seminar- Rector Dr. Schwarz, kaiserl. Rath und Cultusvorsteher Moritz Hirsch, Cultus-Vicepräsident Dr. Gustav Kohn und Director Simon. Baden. (Ehrung.) In der am 12. v. M. erfolgten Generalversammlung der „Chewra-Kadischa" Baden wurde der Präses dieses Vereines Herr Moriz L e i t n e r, der gleichzeitig Vorsteher der Cullusgemeinde ist, zum Ehrenmitgliede der Chewra-Kadischa ernannt und ist ihm das in sehr schöner und eleganter Form ausgesührte Ehrenmitglieds- Diplom Sonntag den 9. d. M. von einer Deputation, bestehend aus den Herren Se. Ehrwürden Rabbiner Wilhelm Reich, Anton Schneider und Sigmund R a u s n i tz, Letztere Vorstandsmitglieder der Chewra-Kadischa, in feierlicher Weise überreicht worden. In den Ansprachen, welche Se. Ehrwürden Rabbiner Wilhelm Reich und die beiden anderen Herren der Deputation an den Gefeierten hielten, betonten sie mit Recht die vielen und unvergänglichen Verdienste, die sich Herr Moriz L e i t n e r als vieljähriger Leiter der Chewra-Kadischa durch sorgfältige Umsicht und gewissenhafte und eifervolle Hingabe für die gedeihliche Förderung dieses Vereines erworben und gleichzeitig die Cullusgemeinde zum herrlichen Aufblühen gebracht hat. Im Gleichnisse zu reden, kann man mit Recht behaupten: Herr Moriz Leitner ist das Herz beider Institutionen, denn in allen Ecken und Enden dieser segensreichen Körperschaften hört man seine unermüdete Thätigkeit zu jeder Zeit und in gleichmäßigem Tacte sich bewegen, welches immer entwickelndes Leben bedeutet. Möge dieses treue Herz der Chewra-Kadischa und der Cultusgemeinde in Baden noch ungezählte Jahre schlagen, es in das Glück und Heil beider. Arustetten. Die hiesige jüdischeGemeinde, welche erst vor wenigen Jahren zu einem die Ortschaften Ibbs, Waidhofen, Kemmelbach, Scheibs und noch einige Marktflecken umfassenden Cultusbezirk durch die politische Behörde organisirt wurde, hat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Am 3. d. M. ist nämlich unser verehrter Bezirksrabbiner Herr Adolf L ö w y nach kaum eintägigem kurzen Leiden im 74. Jahre aus dem Leben geschieden. Rabbiner Löwy hatte den Posten als Beznksrabbir.er erst seit ungefähr 12 Jahren inne und erfreute sich der Liebe und Hochachtung der ganzen, sowohl jüdischen als christlichen Bevölkerung, der er ein leuchtendes Beispiel von Menschenliebe, Bescheidenheit und Frömmigkeit war.. Ganz besonders zeichnete er sich durch die Herzensgüte aus, mit der er, so weit es in seinen Kräften lag, Armen und Bedrängten ohne Unterschied des Glaubens zur Seite stand, er wurde daher auch nebst unserem hochverehrten Herrn Pfarrer zum Armenrath der Gemeinde ernannt. Rabbiner Löwy wirkte früher in Wien, wo er in Fünf- und Sechshaus eine starkbesuchte Religionsschule gegründet hatte. In Wien genoß er auch in hohem Grade die Werthschätzung der Herren Dr. Güdemann, Dr. S ch m i e d l, Dr. I e l l i n e k und die ihn auch einstimmig und primc» loco für den neuorganistrten Bezirk Amstetten als Rabbiner empfohlen hatten. Löwy stammt aus Sassin in Ungarn, wo sein Vater der Rabbi Merori einer der angesehensten und gelehrtesten Rabbinats-Assessoren war. In literarischer Beziehung ist Rabbiner Adolf Löwy durch seinen 1882 erschienenen „Orientalischen Legendenschatz" bekannt worden, dem später das größere Buch „Die Tugend- und Sittenlehre des Talmuds" (1890) folgte. Beide Bücher enthalten die im „8eter Ma-assoth" des Rabbenu Niffim und im agadischen Theile des Talmud vorkommenden Erzählungen und Parabeln und sind in sehr anziehender Sprache geschrieben. Bei dem Leichenbegängniß, das unter großer Betheiligung stattfand, waren u. A. auch der k. k. Bezirkshauptmann, der Bürgermeister sowie die Spitzen der Behörden anwesend. Im Trauerhause hielt Herr Rabbiner Schön aus Steyer eine eindrucksvolle Rede, am Grabe sprach in ergreifender Welse Herr Dr. Leopold Schächter aus St. Pölten. Der Verblichene hinterläßt eine Frau und drei kleine Kinder; die Witwe ist eine Tochter des Rabbiners S. W. Freund. —S.— Budapest. (D i e israelitische Gemeinde eine Behörde.) Im Appellationssenat des Budapester Strafgerichtes (Vorsitzender B i z a g l ich)wurde eine interessante Entscheidung gefällt, welche insbesondere für die israelitischen Gemeinden wichtig ist, weil im betreffenden Gerichtsbeschluß ausgesprochen wird, daß eine Cultusgemeinde-Vorstehung als Behörde zu betrachten sei. Der Fall ist der folgende: Der hiesige Einwohner Julius Weiß miethete von der Pester israelitischen Fortschrittsgemeinde auf Grund einer schriftlichen Vereinbarung die Gabella (Schlachtrecht). Da er aber seinen contractlichen Verpflichtungen nicht nachkam, strengte die Gemeinde gegen ihn wegen Auflösung des Contracts und Delogirung aus dem gemietheten Local einen Proceß an. Als die Urtheilsverkündigung schon anberaumt war, erschien der Anwalt der Gemeinde mit einem Angestellten im Local des Julius Weiß, entfernte ihn gewaltsam aus dem Geschäfte und sperrte das Local. Auf Grund dieses Sachverhalts strengte Julius Weiß einen Proceß an. Bei der Verhandlung, die vor dem Strafbezirksgericht stattfand, vertheidigten sich die Beschuldigten damit, daß sie nicht ohne rechtliche Ursache so vorgegangen seien, denn laut dem Zeugniß des Rabbiners habe der Gabellapächter während des Schächtens Mißbräuche verübt. Auf dieser Basis hat das Strafbezirksgericht die Beschuldigten f r e i g e s P r o ch e n mit der Motivirung. die israelitische Gemeinde sei eine Behörde, deren Befehle die Beschuldigten respectiren mußten. Dieses Urtheil wurde vom Appellaiionssenat des Budapester Strafgerichtes b e st ä t i g t. Budapest. Der Präsident der Börse, Generaldirector Sigmund Kornfeld, war am 3. d. M. aus Anlaß seiner kürzlich erfolgten Ernennung zum Mitgliede des Magnatenhauses der Mittelpunkt einer Ovation daselbst. Die Mitglieder derselben hatten eine künstlerisch ausgestattete Adresse vorbereitet, welche im großen Börsensaale in feierlicher Weise übergeben wurde. Auf die Ansprache des Börsenrathes Csaszar erwiderte Präsident Kornfeld mit einer längeren Rede, in welcher er unter Anderem sagte, daß Arbeit, Wohlanständigkeit und Vaterlandsliebe die Karyatiden des Handels in Ungarn seien. Der Redner streifte auch die Anfechtungen, welchen der Handel ausgesetzt sei, und verwies auf die mannigfachen Anzeichen dafür, daß auch in bürgerlichen Kreisen nunmehr eine günstigere Beurtheilung platzgreife. Er (Redner) verdanke Alles der angesehenen Stellung, welche er an der Spitze der Börse einnimmt und seine Berufung in das Magnatenhaus sei ein neuer Beweis dafür, daß die Bestrebungen des Handels auch an Allerhöchster Stelle die vollste Würdigung finden. Stürmische Eljen-Rufe auf den Monarchen begleiteten diese Worte. Der Präsident der Börse war während des ganzen Actes fortdauernd Gegenstand von Ovationen der zahlreich erschienenen Börsenmitglieder, sowie der Directoren der Banken und Institute. Budapest. Der ehemalige Ministerpräsident Alexander Weckerle. der die zwölfhundert Namen umfassende „judenreine" Liste des Arrangirungscomitßs des Juristenballes mitunterfertigte, entschuldigt sein Vorgehen damit, daß er das Verzeichniß der Arrangeure erst auf der gedruckten Einladung gesehen (sie!), zu einer Zeit, als man den begangenen Fehler nicht mehr gut machen konnte (sie!). Nachdem das Reinerträgniß des Balles dem Szilagyi-Denkmal gewidmet ist, werde man bei Constituirung des Denkmalcomites sicherlich auch die Herren Juden berücksichtigen. Das heißt wohl mit anderen Worten: Nur nicht so empfindlich, geehrte Mitglieder! Es handelt sich ja hauptsächlich nur darum, dem Scböpfer der liberalen kirchenpolitischen Gesetze ein Denkmal zu widmen. Hierzu wird allenfalls viel Geld nöthig sein und da werden wir sicherlich jedes Mißverständnis beseitigen, und auch von unseren jüdischen Mitbürgern patriotische Opfer wohlgefällig aufnehmen. Dieser intransigent liberale Staatsmann ist in seinen freien Stunden auch Präsident der hauptstädtischen Demokratenpartei. — Gegen den jüdischen Abgeordneten Doctor Wilhelm Vaszonyi haben sich richtig die Jesuitenzöglinge der Universität und die reactionären Elemente des Parlaments verschworen. In einer der jüngsten Sitzungen des Abgeordnetenhauses kam es zu Lärmscenen, welchen der „jüdische" Abgeordnete in seiner „gänzlichen Jsolirtheit" nicht gewachsen sein konnte. Die Antisemiten aller politischen Parteien — auch der liberalen — wollten ihn gar nicht zu Worte kommen lassen und erstickten jeden Laut Vaszonyi's durch unarticnlirtes Geheul. Es war ein sehr trister Anblick: auf der einen Seite ein einzelner und

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