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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-02-14 · 7 (14.2.1902) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
7 (14.2.1902)
Date
1902-02-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Serie 98 Dr. Bloches Wochenschrift. Vir. 7 läufigen Werth der Actie baar bezahlt, aber was sie bezahlt, wandert mit Hilfe Dr. Lueger's zu den deutschen Brüdern. Dabei kommt auch der Antisemitismus Dr. Lueger's schlecht genug weg. Der boshafte Zufall oder die rächende Nemesis will es, daß unter den Verträgen der Commune mit der Deutschen Bank neben dem Namen des antisemitischen Doctor Lueger und jenem des christlichen Directors Gwinner auch der jüdische Name des Secretärs der Deutschen Bank „Elkan Heinemanu" steht. Was immer der liberalen Partei mit Recht oder Unrecht als Corruption vorgeworfen wird, es verschwindet gegen den ungeheuren Volksbetrug, gegen den Chimborasso von Corruption, der mit der Verstadtlichung der Tramway aufgchäust wurde. Das Kleinbürgerthum freilich braucht sinnfällige Beweise für diese Corruption. Nun denn, die Deutsche Bank hat auch die geliefert. Die „Sonn- und Montagszeitung" bringt die sensationelle, als authentisch bezeichnete Mittheiluug, die sie v o r G e r i ch t erweisen will, daß der Director der Deutschen Bank, Herr Gewinner, ani Tage nach der Generalversammlung einem der Unterzeichner des Protestes das Anerbieten stellte, zwanzigtausend Kronen sofort dafür bezahlen zu w o l l e n, d a ß d i e s er P r o t e st zurückgezogen w erde. Wie hoch muß das ziffernmäßig auszudrückende Interesse der Deutschen Bank an dem glatten Beschlüsse der Generalversammlung sein, wenn sie z w a n z i g t a u s e n d Kr v neu für die Nichtanfechtung desselben bezahlen will! Ist das nicht Corruption, Herr Dr. Lueger? Aus wessen Tasche geht der Riesengewinn, für den ein so riesiges Schweiggeld geboten wird? Und welche Rolle spielen Sie selbst bei all' dicstu Schweinereien? Sie haben neulich ein vertrauliches Circular der deutsch-fortschrittlichen Partei, in welchem zu Geldsammlungen zu den bevorstehenden Gemeinderaths- und Landtagswahlen aufgefordert wird, zum Anlaß genommen, um in einer immunen Interpellation hochachtbare, in Ehren grau gewordene Mäuucr in gemeinster Weise zu beschimpfen. Das thaten Sie, auf dem noch immer ungesühnt die Schmach sitzt, die Ihnen vor einigen Jahren die „Volksstimme" Ihres einstigen Parteigenossen Dr. Kronawetter äuget Han. Sie sprechen von Schwindel, Sie, der die Hand geboren hat zu dem unerhörtesten Finanzscandale, zu dem Tramway-Schwindel? Sie haben einen neuen Begriff von Corruption geschaffen, den Begriff der Wiener C o r r u pt i o u. Ihre Hände mögen rein sein, aber rings um Sie itarrt. es von Schmutz, dessen Anhäufung Sie stillschweigend duldeten, dulden mußten, Sie, der einstige Corruptionstödter! Das ist die Nemesis für die Felonie, die Sie an Ihrem Lehrnieister und Waffenbruder Dr. Mandl, die Sie an Tausenden ehrlicher und arbeitsamer Bürger nur deshalb begangen haben, weil die Judenhetze Sie rascher emporzubringen versprach als die wirkliche Bekämpfung der Corruption kraft Ihrer einstigen demokratischen Grundsätze. Die Zukunft wird über Sie ein furchtbares Uriheil fällen; sie wird Ihren Namen nicht nur mit jenem eines Heschelcs, sondern auch mit den Namen Reitzes, Gwinner und Elkan Heinemann zusammen nennen. Und all' das für nichts, denn Ihre kopflose Wuth beweist, daß Sie Ihren Untergang schon vorhersehen. Der Landtag ist Ihnen verloren und die Bürgerschaft Wiens wird die Zeit verfluchen, iu der Sie als Bürgermeister dieser Stadt Schulden auf Schulden gehäuft. Fruchte des Antisemitismus. Die „Arbeiter-Zeitung" widmete jüngst zwei Artikel den „Massenentlaffungen in der Mödlinger Schuhfabrik". Diese im Jahre 1884 gegründete Fabrik beschäftigt 26 Heimarbeiter und 419 Arbeiter — mit ihren Familienmitgliedern zusammen 1292 Personen; eine Reihe von dem Fabriksinhaber Herrn Fränkel errichtete Wohnhäuser bieten den Arbeitern ausreichende Wohnstätten. Nun werden die Arbeiter entlassen, weil die Unternehmung hier die Fabrikation aufzugeben und an deren Stelle in Temesvär eine solche einzurichten sich entschlossen hat. Die Arbeiter, darunter alte Männer, die kaum anderswo Arbeit finden dürften, werden brotlos und beklagen mit Recht ihr trauriges Geschick, welches wohl nur zum Geringsten dadurch gemildert wird, daß Herr Fränkel für die besonders mittellosen Arbeiter 6000 Kronen gewidmet und überdies angeordnet hat, daß die Arbeiterwohnungen den Arbeitern noch vier Wochen offen stehen und daß nachher die Uebersiedlungen der Arbeiter in ihre neuen freigewählten Wohnorte auf Kosten der Unternehmung besorgt werden sollen. Wir begreifen es und finden es höchst lobenswerth, daß die „Arbeiter-Zeitung" sich der unglücklichen Arbeiter annimmt; doch sind wir der Anschauung, daß dieser Gegenstand viel zu ernster Natur ist, als daß die Charakteristik desselben mit dem einseitigen Hinweise auf das der genannten Zeitung stets verfügbare Steckenpferd erschöpft sein könnte. „Herr Fränkel hat bei Temesvar in Ungarn eine Fabrik errichtet. Steuerfreiheit, Staatssubvention und billige Arbeitskräfte lockten zu diesem neuen Unternehmen .... Die ganze Jämmerlichkeit der capitalistischeu Production gehe daraus hervor, wie für die alten Arbeiter gesorgt werde..." — So der Klageruf der „Arbeiter-Zeitung". Dabei übersehen die Gelehrten dieses Blattes, daß, wenn auch Begünstigungen auf ungarischer Seite zur Errichtung industrieller Niederlassungen in Ungarn locken können, eine solche deshalb nicht zwingend zur Einstellung der bisherigen österreichischen Fabrikation führen müsse! Die Auflassung einer Fabrik und der mit derselben verbundenen Arbeitercolonie involvirt für den Fabriksherrn allenthalben einen zu großen materiellen Schaden, als daß angenommen werden dürfte, daß hiefür kein anderer Grund vorhanden sein könne, als die Errichtung einer gleichen Fabrik in Ungarn. Für den vorliegenden Fall gilt vielniehr der Satz, daß der Auslassung einer einem wohlhabenden Geschäftsmanne gehörenden und r e i ch l i ch e n G e w i n n abwerfenden Fabrik nurUrsachen localer Natur zu Grunde liegen können. Der Fall ist typisch. Ursache: Antisemitische Verhetzung Das Schicksal der armen Mödlinger Schuharbeiter hat durchaus nicht seinen Grund in der „Jämmerlichkeit der kapitalistischen Production"; das traurige Los der Armen ist vielmehr die zwingende Folge der antisemitischen Hetze, deren Zielscheibe der Eigenthümer der Mödlinger Schuhfabrik seit Jahr und Tag gewesen ist. Herr Fränkel ist nicht der erste Fabrikant, der aus Wien hinausgeekelt wurde! Ist es da nicht kindisch, wenn Herr Reumann in der Versammlung der Schuharbeiter in einer Resolution dem Bürgermeister und der Gemeindevertretung wegen ihres Verhaltens post kostum die schärfste Mißbilligung aussprechen läßt? Wo blieb denn der Ausdruck der Mißbilligung, als die antisemitischen „Netter des kleinen Gewerbemanms" den Bestand der Mödlinger Schuhfabrik anfeindeten und am helllichten Tage begehrten, daß 1500 Menschen brotlos gemacht werden sollen? Herr Fränkel that, was die a n r i s e m i t i s ch e Gemeindevertretung von ihm v e r l a n g t hat, er stellte die Fabrikation ein, und wenn er in Ungarn gastliche Aufnahme fand, so zeigt dies weniger für die „Jämmerlichkeit der capitalistischen Production" als für die gesunde Auffassung der Verhältnisse seitens der ungarischen Regierung, welche in dem Wiener Antisemitismus ein beachtenswerthes Hilfsmittel finden mag, um in Ungarn Arbeitsstätten für reichlichen Export gründen zu können. Es zeigt ferner die Folgen des i« Oesterreich herrschenden Systems der Maulwurfswühlerei, deren traurige Resultate durch die Fabrications-Einstellung in Mödling gleichsam ad ocnlos demonstrirt werden. Die Persönlichkeit des Herrn Fränkel ist uns Nebensache, es intereffirt uns hier, abgesehen von dem Schicksal

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