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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-02-07 · 6 (7.2.1902) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
6 (7.2.1902)
Date
1902-02-07
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 6 Dr. Bloch's Wochenschrift. ScUe 9» Nach verbürgten Urkunden der früheren Jahrhunderte, die noch heute in den hiesigen Archiven erhalten sind, war der Jude im buchstäblichen Sinne den Raubgelüsten des Pöbels ausgeliefert. Jeder durfte den Juden ungestraft berauben, mißhandeln, seine Familie schänden, ja, für das Töoten eines Juden brauchte man nur ein kleines Geldpönale zu erlegen, ganz wie für das eines Hundes. Schlug einer einen Juden todt, dann fertigte er sich mit der kleinen Geldstrafe ab und dem Gesetze war Genüge gethan. Gehörte .einer den höheren Ständen an, so durfte er sich zu jeder Zeit den Luxus gönnen, auf einmal einige Juden todtzuschlagen, ohne nur einen Kreuzer Sühnegeld zu zahlen, sie waren ja sein Eigenthum, über die er das freie Verfügungsrecht hatte. Nicht einmal einer leidenschaftlichen Aufwallung brauchte es. um einen Juden umzubringen, es genügte hiezu eine heitere Laune, ein spaßhafter Moment. Bei Gelegenheit eines großen Festes, das einmal ein hoher Adeliger für die Schaar seiner Getreuen veranstaltete, verfiel er auf d e köstliche Idee, seinen hohen Gästen einen seltsamen Svaß zu bereiten, der in der That viel Heiterkeit erregte. Er stasfirte nämlich einen Juden wie einen Vogel aus, indem er ihn grün und voll) anstrich, ihm zwei künstliche Flügel anhestete, die Sabbalhmütze auf den Kopf setzte und ihn auf einen Baum hinauskleltern ließ. Der arme Jude that dies mit großer Bereitwilligkeit, es macht ja dem gnädigen Herrn Spaß und dieser bezahlt ihm ja immer derlei Späße mit einigen Gulden, die Weib und Kind zu Hause brauchen können. Hätte er aber die kleine Unterredung belauscht, die inzwischen der gnädige Herr mit seinen Gästen führte, dann wäre er gewiß mit weniger Bereitwilligkeit auf den Baum gestiegen, wiewohl ihm sein Sträuben nicht viel genützt hätte, denn die Heiduken des gnädigen Herrn hätten ihm schon mit ihren Peitschen auf die Beine geholfen. „Mit dem Anbruch des morgigen Tages", sagte nämlich der hohe Gastg-ber zu seinen illustren Gästen, „werde ich Euch dort vom Baume einen seltsamen Vogel herunterschießen." Und dabei zeigte er in der Dunkelheit der Nacht auf einen Baum im Garten hin, auf dem tatsächlich ein Vogel von ungewöhnlicher Größe sich regte. Ein Edelmann hält natürlich Wort. Mit dem Morgenanbruche versammelte er um sich seine vor Ungeduld schon brennenden Gäste, öffnete das Fenster, legte das Gewehr an und zielte — und er zielte gut, denn im Nu fiel der seltsame Vogel todt vom Baume herunter. Dies gab Helles Lachen unter den Gästen. Der gnädige Herr zeigte sich aber nicht umso weniger großmüthig gegen Witwe und Waisen, er beließ sie nämlich gegen einen geringen Pachtschilling in der Dorfschenke. Natürlich das Jungwild muß geschont werden, die Söhne des gnädigen Herrn werden sich ja später einmal auch unterhalten wollen und werden ebenfalls derlei Vögel für ihre Flinte brauchen. Dies war aber nur so ein harmloser-Spaß, man nahm es später viel ernster mit den Juden — man schlachtete sie zu Hunderten hin. III. Wie wir so vor jenem Pinkas standen und in ihm blätterten, kam es uns vor, als spiele sich eine schreckliche Tragödie vor unseren Augen ab, in welcher die Scenerie ewig abwechfelt, immer schauriger, grausiger und nachtvoller. Da taucht vor unserem entsetzten Blicke ein Blutdrama auf, wie es die Geschichte aller Zeiten nicht schrecklicher zu verzeichnen weiß, und ein Held erscheint auf der Bühne, der an Grausamkeit alle übertrifft, die wir in der Geschichte der Menschheit begegnen. Es war im Jahre des Unheils 1648, als ein verheerender Sturm über die Lande zog — der Kosakenhetman Chmielinski mit seiner Räuberbande. Mit rasfinirter Grausamkeit fielen sie über die Landesbevölkerung her, brandschatzten, mordeten, würgten und thürmten die Leichen zu Bergen auf. Am meisten litten die Juden. Waren sie ja schon früher von jedem rohen Fuße getreten und wie ein Wild gehetzt. Mit seinen blutgierigen Gesellen brach der Kosakenhetman in die Synagoge ein und alle, die er dort getroffen, ohne Unterschied, Männer, Frauen, Greise, Kinder, alle schlachtete er wie die Lämmer hin, und zündete die heilige Stätte über sie an. In Niemerow lagen sechstausend jüdische Leichen in den Gassen. Frauen schlitzten sie die Bäuche auf und nähten ihnen lebendige Katzen in das Eingeweide ein. Vor den Augen der Eltern schlachteten sie die Kinder und verlangten mit kannibalischem Spotte, indem sie die Leichen ihnen hinhielten, daß sie darüber entscheiden, ob die Schlachtopfer koscher oder trefe sind. Sechzehn Jahre später, im Jahre 1664, fand wieder eine andere Schlächterei statt, die an Grausamkeit der ersten nicht nachstand. Auf dem hiesigen alten Friedhofe finden sich zahlreiche Grabsteine, die Einem die haarsträubendsten Geschichten zu erzählen wissen. An einem Sabbath, am 8. des Monates Jar, des Jahres 5424 wurden in der Synagoge einige hundert Juden hingeschlachtet, darunter Männer von Bedeutung und großen Namen, die durch ihre gelehrten Werke bis zum heutigen Tage in dem Munde unseres Voltes fortleben. Mehr als zweihundert solch leuchtender Namen könnten wir hier aufzählen, die an jenem Sabbath unter dem mörderischen Stahl der entmenschten Wütheriche den Tod gefunden haben. Und von welchen Grausamkeiten wissen nicht die Leichensteine zu erzählen! Dem Einen, einen großen Rabbiner, Vorsteher einer Jeschuba, gaben jene Ungethüme in Meuschengestalt alle in der Bibel aufgezählten vier Todesarten zu kosten, indem sie ihn steinigten, mit dem Schwerte zerfleischten, würgten und dann auf dem Scheiterhaufen verbrannten. Einem zweiten, ebenfalls einen Gottgelehrten, ließen sie in einem früher in Oel getränkten Sepher-Thora einrollen und darin langsam zu Asche verbrennen. Wieder ein anderer wurde lebendig ins Grab gelegt, das man nach und nach mit Erde füllte, so daß man lange Zeit an den entsetzlichen Hilferufen des Unglücklichen sich ergötzen konnte. Lemberg bildete damals zwei abgesonderte Theile, die Bor- und die Jnstadt. Jeder Tdeil hatte seinen eigenen Rabbiner, der je drei Jahre in einem anderen Stadttheile fungirte. Jeder Stadttheil hatte seine eigene Verwaltung, seine eigene Jeschuba, Synagoge, Spital und bildete überhaupt eine Gemeinde für sich. Abwechselnd brachen die Vandalen bald in den einen, bald in den anderen Stadttheil ein. An einem Sabbath äscherten sie mehrere jüdische Häuser und Synagogen ein. Nur die Tire-suhov Synagoge, dieselbe, der unser Besuch galt, blieb erhalten, denn sie widerstand all den wüthenden und heftigen Angriffen, wovon noch bis zum heutigen Tage viele arg hergenommene Stellen an den Stützsäulen Zeugniß ablegen. (Fortsetzung folgt.) Krieflmsten. L. in München. Der wüthende Judenhasser und noch wüthendere Preußenhasser, Dr. Sigl, ist im Jrrenhause gestorben. Zu seinem Testamentsvollstrecker hat er einen - jüdischen Rechtsanwalt bestellt! C. SB. in Berlin. Herr James Bleichröder ist zwar Semit, aber kein Jude. Seinen Namen haben wir zuletzt unter einem Aufruf für den Kirchenbau in Earlshagen bei Wolgast gesehen. Der verstorbene Herr von Schwabach war eifriger Katholik. Die Frau des Dreschgrafen Pückler, welche nach den Mrttbeilungen des Herrn von Gerlach die religiösen Jnstincte ihres Ehegatten angestachelt hat, ist eine Enkelin Slomann's, der, wie wir oft gehört haben, Semit war. Die 'Liste ließe sich entsprechend vergrößern. Wie Sie sehen, kommt „semitischer Reichthum" auf die Dauer fast immer in nichtjüdische, öfter selbst in judenfeindliche Kreise. &. Die Kolonien in Palästina bedürfen immerwährend ausgiebiger Unterstützung. R. Auf dem griechischen Dampfer „Georgias" wurde eine jüdische Frau Rosa Silberniann ans Braila entsetzlich mißhandelt. M. In den Kohlen- und Eisengruben von Cap Briton und Neusoundland arbeiten jetzt Hunderte von jüdischen Bergarbeitern aus Rumänien, die eine eigene Gemeinde bilden und einen Rabbiner erhalten. Zur gefälligen Beachtung! Wir ersuchen diejenigen unserer Abonnenten, welche noch mit der AbonnemrntsArbühr nn Rückstände find, die zur Einstellung derselben von uns versendeten Uoltaufträge gesälligst honoriren zu wollen. Die Administration.

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