Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 6 (7.2.1902)
- Date
- 1902-02-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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-Seite £4 Dr. Bloch's Wochenschrrfl. Nr. 6 An Ausgaben für den Freitisch 3011 X 54 h, Kostbeitrag für zwei andere Schulkinder 254 X, Unterstützungen an Arme und Kranke 354 X, Ausstattungsbeiträge an 2 Bräute 140 X, zur Heranbildung armer Mädchen 78 X rc.; dem gegenüber liehen nebst den Gründungsbeiträgen von 2390 X folgende Einnahmen: an Monatsbeiträgen 4486 X 60 h, an Jahresbeiträgen 424 X, an Spenden 728 X 20 h, Summen, die beredt für bte dem Vereine allseits entgegengebrachte Sympathie sprechen. Der Vereinsleitung gehören an, als Vorstandsmitglieder Frau Flora Braun, Präsidentin; Frau Dr. Camilla Burstyn und Frau Dr. Clotilde Winter, Vicepräsidentinnen; Frau Dr. Fanny Brauner, Schriftführerin; Frau Bertha Tauß, Cassieriu; als Ausschußmitglicder die Damen: Katharina Braun, Rosa Brunn, Laura Fürst, Je.>nette Gallia, Eva Halm, Eugenie Müller, Frieda Löwy, Marie Schön, Dr. Frieda Baß, Napagedl. und Katharina Katharina Kahn, Kunowitz; als Ersatzmitglieder die Damen: Marie Blum, Ernestine Ehrenzweig, Marie Grätzer, Rosalie Schindler und Rosa Sträußlcr. Als Beirath die Herren Rabbiner Dr. Josef Burstyn und Advocat Dr. Otto Winter. Als Revisorinnen wurden bei der Generalversammlung Frau Marie Gansel und Frau Therese Schindler gewählt. Die Vereinsleitung richtet an alle Mitglieder und Gönner, speciell aber an ehemalige Schüler des hiesigen Gymnasiums, die innige Bitte, den Verein durch Beitritt als Mitglied oder durch Spenden in seinen humanen Bestrebungen zu unterstützen Krauenberg bei Budweis, 3. Februar. Gestern wurden hier die sterblichen Ueberrestc der Realitätenbesitzers-Gattin Frau Marie Lederer zu Grabe geleitet. Welchen Ansehens sich die Verstorbene ihrer hervorragend guten Eigenschaften wegen erfreute, bezeugte die überaus rege Antheilnahme an dem Leichenbegängnisse. Der große Friedhof konnte nicht einmal alle Theilnehmer fasten. Vor dem Sterbehause widmete der Rabbiner Herr S. Kraus aus Wodnian der Verblichenen einen ergreifenden Nachruf in böhmischer Sprache. Beim offenen Grabe hielt der schier 90jährige Kreisrabbiner Adam Wunder aus Budweis, welcher die Verstorbene vor 39 Jahren getraut hatte, eine Grabrede, die kein Auge trocken ließ Die cantoralen Functionen vollzog der Ortscantor Herr Mai. Neun Kinder in angesehenen Lebensstellungen b.'weinen die Verstorbene. Wie eigenthümlich Leben und Tod ineinaudergreifen, beweist der Umstand, daß während der Trauerceremonien die im selben Hause wohnhafte Schwiegertochter der Dahingeschiedenen eines kräftigen Knäbleins genas. Aus Äaltowitz (Ober-Schlesien) wird uns unter dem 22. Jänner g, schrieben: Der Verein hiesiger junger Kaufleute veranstaltete gestern im Saale oes Stadthauses einen Lrliencion- Abend, bei welchem der gefeierte Dichter eine auserlesene Zahl seiner Geistesgaben in Poesie und Prosa vor einem in allen Räumen gefüllten Häuft zum Bortrage brachte. Der zweite Theil des Vortragsabends, gestaltete sich zu einer erhebenden ehttndcu Kundgebung für den Dichter, indem unser neuer Obercautor Herr Singer vier Liliencron'sche Gedichte „Zu spät", „Erwartung", „Glückes genug" und „Verbotene Liebe" in Musik gesetzt und die beiden ersten mit packendem Ausdruck und tiefer Empfindung selbst zum Vortrage brachte, während die letztgenannten unter Begleitung von Clavier und Violine von den Herren Paul Rapp aport und M. Wachsmann durch Frl. Jenny Freund sehr hübsch gesungen wurden. Die Compositionen schmiegen sich in glücklichster Weise den Dichtungen an und gaben ihren Empfindungsgehalt voll wieder. Namentlich „Zu spät" und die bald kriegerisch ernst dahinschreitende, bald tiefen Schmerz ausdrückende Vertonung der „Erwartung" machten großen Eindruck und erzielten für den Componisten wie für die Vortragenden spontanen Beifall. Der Dichter, Herr Detlef Freiherr von Liliencron, drückte Herrn Obercantor- Singer mündlich und schriftlich für die charakteristische, musikalische Bearbeitung seiner Gedichte seinen herzlichsten Dank aus. Leipzig, 2. Februar. Der gewandte und vielseitige Componfft Salomon Jadassohn starb im 71. Lebensjahre. Jadassohn wirkte als vorzüglicher Profefior des Leipziger Konservatoriums, als trefflicher Dirigent des Musikvereins „Euterpe" und componirte viele anerkannte Orchesterwerke, Trios, Solo- und Duo-Sonaten, Charakterstücke für Pianoforte, christliche Gesänge und Lieder. Trotz vieler Anfechtungen blieb Jadassohn bis an sein Lebensende Jude. Berlin. Aus Anlaß des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers ist Herrn James S i m o n, Berlin, der Rothe A dl er- Orden vierter Classe, Herrn Commerzienrath Emil Jacob, Charlottenburg, die Rothe Kreu z-Medaille zweiter C lasse, den Herren Commerzienrath Ferd. Man- Veimer, Geheimer Commerzienrath Ludw. M. Goldberger, Berlin, Dr. med. E. C o h n st ä d t, Erfurt, und Frau Franziska S.p e y e r, Frankfurt a. M., die Rothe Kreuz-Medaille dritter Classe verliehen worden. Jerusalem, 27. Jänner. Das Hospital Lebarrs Zedek wurde in Gegenwart des Gouverneurs, Consuls, Chachain baschis, ber Oberrabbinen und Behörden eröffnet. Feuilleton. Alt-Kemtierg. Von Nathan S a m u e l y. II. Angesichts solcher niederschmetternden Ereignisse müßte bei den Ju)en jener Zeit eine lähmende Verzweiflung platzgegrifftn haben, die doch bekanntlich sowohl bei Individuen, als bet ganzen Völkerschaften das erste Stadium von Fäulniß und Auflösung bedeutet. Zum Glücke aber ist dieses Volk seit seiner Kindheit mit einem Lebenselixir versehen, welches es gegen jede Fäulniß schützt und in ewiger Frische erhält. Es heißt „Optimismus". Der Optimismus ist unserem Volke schon als Kind mit der Muttermilch eingeflößt worden. Das große Bilderbuch, die Bibel, das ihm Gott Noch als Kind zum Geburtstag geschenkt hat, enthält Illustrationen und Sprüche, die ihn ewig daran mahnen, nie schwach zu werden, allen Stürmen zu trotzen und stets lebensfreudig in die Zukunft zu blicken. „Freue Dich vor Gott Deinem H?rrn!" heißt es hier. „Erfreue Dich all' des Guten, das Dir Dein Gott gegeben." „Aengstige Dich nicht, bleib' stark und muthig." „Frohlocke selbst im Zustande des Zitterns." „Die Berge werden wanken, die Hügel werden weichen, meine Gnade aber weicht nimmer von Dir." „Wenn Du durchs Feuer gehst, wirst Du nicht verzehrt und die Flamme kann Dir nichts anhaben." Und der Sprüche sind noch viele, die ihn ewig daran mahnen, stahlfest, ausdauernd zu bleiben und nie wankelmüthig zu werden.' Die späteren Weisen haben sogar in Bezug auf die Freudigkeit des Daseins jene Grenze aufgehoben, die das Diesseits vom Jenseits trennt, indem sie dieses Leben nur als eine Vorhalle bezeichneten. die den Eingang in jenen Saal bildet, wo Einen die ewigen Freuden erwarten. „Halte Dich daher ewig vorbereitet in jener Vorhalle, mustere gleichsam vor dem Spiegel Deines Gewissens Deine Toilette, damit Du tadellos in jenem lichtvollen Saale erscheinest, der die Ewigkeit bedeutet!" So verdichtete sich nach und nach jener Optimismus zu einem leuchtenden Körper, gleichsam zu einer ewig strahlenden Lumpe, die unserem Volke nicht allein alle Irrwege des Lebens erhellt, sondern auch in jenes dunkle Reich hinüberleuchtet, das noch kein sterbliches Auge durchdrungen hat. Der Optimismus, die über das Grab hinausdauernde Freudigkeit des Daseins waren es daher auch, die nach jenem entsetzlichen Schicksale des Märtyrerpaares dem Volke Kraft und Ausdauer verliehen hatten, nicht der Verzweiflung anheimzufallen. Anstatt sich von jenem Sturm verschlagen zu lassen, klammerte sich das Volk mit Löwenkrallen an die festen Säulen des Gottesvertrauens und ließ sich nicht um ein Haar von dem alten Standpunkte fortbrmgen. „Gewiß", sagten sich die Juden, sich gegenseitig Muth zusprechend — „gewiß wollte Gott in seiner Allgüte nur unser Heil und Wohl, gewiß haftete irgend ein Makel unserer Seele an, der durch Leiden geläutert werden mußte, damit wir dann geklärt und sündenrein vor seinen richterlichen Thron treten können." Ja, sie besahen gleichsam durch die Lupe das asketische und sündenreiche Leben jener beiden Märtyrer, um in demselben wenn auch nur ein kleines Fleckchen zu entdecken, was ihnen ja als Stützpunkt für ihren Glauben dienen könnte. Wer sucht, der findet. Sie fanden nämlich, daß jene beiden gottgeweihten Männer anläßlich eines gelehrten Streites mit einem großen Talmudisten der damaligen Zeit, Rabbi Leibisch Ettinger, es veranlaßt haben, daß dieser beschämt die Stadt verließ. Der Schuld mußte nothgedrungen die Sühne folgen. Gott will es nicht, daß ferne Frommen sündenbelastet vor seinen Thron treten, der kleinste Makel ihrer Seele muß früher durch einen Läuterungsproceß ausgemerzt werden. Gott ist also allgerecht und in ihm ist kein Fehl. So wuchs, wie die Schale mit der Schnecke, der Optimismus mit unserem Volke zusammen und mit der Zunahme der Leiden gewann er an Größe und Ausdehnung. Waren sie dem Ertrinken nahe, dann blickte ihnen jener ewige Leuchtthurm entgegen : der Messiasglaube. Dieser gab ihnen Kraft und Muth, allen Stürmen der Zeit zu tr otzen und auch zu siegen. Thatsächlich faßte auch nie der Messiasglaube in unserem Volke so tiefe Wurzel, wie gerade zu jener Zeit, in welcher sie Gott ganz den Händen ihrer Feinde ausgeliefert zu haben schien. Und sie hatten diesen Glauben nöthig, denn wä-e nicht dieser, wer weiß, ob noch heute auf dem weiten Erd> «runde nur ein einziger Jude zu finden wäre!