Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-02-07 · 6 (7.2.1902) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
6 (7.2.1902)
Date
1902-02-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021439-3021446--11520-3036062
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 6 Dr. BwchdS Wochenschrift, Seite 93 Wien (Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler.) Trotz des Balles der Lesehalle gestaltete sich das interne Vereinsleben besonders in der letzten Zeit zu einem äußerst regen. So hielt am 1. Februar Med. Otto Glogau einen Bortrag über die Gelber'sche Bearbeitung von Shakespeare's „Troilus und Cressida", der besonders dadurch interessant wurde, daß Adolf Gelber persönlich anwesend war und in emer glänzenden Erwiderung auf die Ausführungen des Referenten den Anwesenden ein Bild von Shakespeare's Wirken und Schaffen vor Augen zauberte. In einem schmeichelhaften Briefe an den Verein drückte Adolf Gelber seine Freude darüber aus, daß die jüdische Studentenschaft sich mit literarischen Tagesfragen befasse. Besonderes Interesse finden namentlich die Bestrebungen des Vereines, jüdische Kunst und Wissenschaft zum Gegenstände eifrigen Studiums zu machen. So hielt Med. Zollschan einen Vortragcyclus: „Dühring's Theorien über das Judenthum ", der die Nothwendigkeit einer gründlichen Revision der Theorien der Judenfrage vor Augen führte. — Am 5. Februar veranstaltete die' literarische Section des Vereines den ersten jung-jüdischen Autorenabend, bei welchem die Schriftsteller Braudes, Buber, Donath, Eisler, Zweig und Doctor Sofer eigene unveröffentlichte Werke vortrugen. Die Einrahmung dieser Vorträge bildeten jung - jüdische Gesangs- und Musikdarbietungen. — Montag am 10. Februar beginnt in der Halle ein Vortragscyclus des Dr. Arthur Bader mit dem Thema: „Hygiene des Judenthums". — Mittwoch den 12! Februar findet ein Discussionsabend mit dem Thema: „Nietzsche und Lombrofo in ihren Ansichten über den Verbrecher" statt. Schauspieler Zorn wird durch Recitation und Med. Glogau durch einen Vortrag den Abend einleiten. — Am 4. Februar hielt Mathias Ascher in der Universität einen groß angelegten Vortrag über „Entwicklungs- und Fortschrittsformen der Menschheit." Grulich. Fräulein Elsa G o t t l i e b, Tochter des Herrn Leopold Gottlieb, Vorstehers der israelitischen Cultusgemeinde Senftenberg und Mitglied der Repräsentanz der Landesjudenschaft des Königreichs Böhmen, hat sich mit Herrn MUDr. Josts Rosenbaum in Grulich verlobt. Leitmeritz. Bei der am 29. Jänner 1902 hier durchgeführten Wahl eines Ersatzmannes als Mitglied der Repräsentanz für die Landesjudenschaft in Böhmen wurde Herr R)vr. Heinrich Töpfer, Advocat in Leitmeritz, gewählt. Drohobyeze. Ueberaus erfreuend wirkte die bereits vor sieben Monaten erfolgte glückliche und allseits befriedigende Lösung der schwierigen Frage der Wiederbesetzung des hiesigen Oberrabbinates, umsomehr, als die mit Stimmeneinhelligkeit erfolgte Wahl auf den gelehrten und streng conservativen Rabbiner Dr. Jung in Ung.-Brod fiel, dessen Tüchtigkeit, Rührigkeit und Thatendrang uns die freudige Ueberzeugung aufdrängte, in Dr. Jung den rechten Mann acquirirt zu hoben, welchem es in seiner Amts Wirksamkeit gelingen werde, den sehr wahrnehmbar gewordenen Reformbestrebungen neue Bahnen zu eröffnen, indem er namentlich die Heranwachsende Jugend dem streng gesetzestreuen Judenthume zuführen werde, wozu die Errichtung eines jüdischen, vom Geiste unserer heiligen Glaubenslehre belebten Gymnasiums und anderer Bildungsanstalten nicht zum Geringsten beitragen und so Thora und Bildung harmonisch vereint werden sollten. Leider haben die mehrmonatlich geführten Verhandlungen zwischen dem gewählten Rabbiner und dem Cultusvorstande, welcher der von Herrn Dr. Jung geforderten sofortigen definitiven Anstellung mit Hinweis , auf das bestehende Gemeindestatut nicht willfahren zu können vorgab, das bedauerliche Resultat herbeigeführt, daß Dr. Jung die Annahme des hiesigen Oberrabbinates endgiltig refusirte. Rosenberg (Südböhmen). Am Samstag den 1. d. M. fand im hiesigen Tempel der Antritt Sr. Ehrwürden Herrn Dr. M. Marge! statt. Die Feier gestaltete sich auf sehr enthusiasmirende Weise. Besonders eroberte sich Se. Ehrwürden Dr. Marge! die Herzen aller Anwesenden durch seine tiefdurchdachte Predigt. Unsere Gemeinde kann sich also nur gratuliren, daß sie endlich einen Mann bekommen hat, der ein immenses jüdisches Wissen mit einer hervorragenden profanen Bildung vereinigt. Wir hoffen, daß von nun an ein neues Leben in unserem Gemeindewesen pulsiren wird. Freiwaldan. Samstag den 8. d. M. feiert Herr Julius Lichtwitz, Dampfbrauereibesitzer und langjähriges Vorstandsmitglied, in selten geistiger und körperlicher Frische den siebzigsten Geburtstag. Freiwaldau. (V e r l o b u n g.) Fräulein Gisela B r o l l, Tochter des Herrn Lazar B r o l l, Caffier der israelitischen Cultusgemeinde, hat sich mit Herrn Heinrich Himmelreich, Mitchef der Firma Himmelreich LCzech in Proßnitz, verlobt. Teltsch. Für den Tempelbau sind uns weitere Spenden zugekommen von: Josef Stastny, Deutschbrod K 50, Josef Hauser, Mißlitz 10, Max Braun, Wien 20, Leopold Mahler, Prag 50, L. Pollak, Bezdeöln 6, E. Sachsel, Neubidschov 20., Heinrich Franck Söhne 20. Josef Fuchs, Znaim 4, Jelinek's Söhne, Luhatschowitz 5, Bern. Alb. Piovaty, Brünn 10. Em. I. Hecht, Brünn 6, Brüder Klein, Brünn 5, Brüder Löffler, Brünn 10, Sig. Königsgarten. Brünn 10, Em. Lüfschütz, Klosterneuburg 20, Gottlieb Lustig. Brünn 10, Ludwig Ulmann, Brünn 10, Dr. Philipp Schreyer, Brünn 10, Sal. Strakosch Söhne, Brünn 5, Nathan Ryschawy, Brünn 5, Rudolf Eisenschimmel, Pilsen 10. Oser & Löwy. Wien 4, Filip Hachs, Bisenz 5, Samuel Zobel, Boskowitz 2, Moritz Lauser, Brünn 2, Adolf Ziffer, Brünn 3. Cultusgemeinden: HermanmeZtec 20, Pilgram 20, Wr.-Neustadt 10, Boskowitz 50, Karlsbad K 20. Temesvar. (E i n Act der Pietät.) In der jüngsten Ausschußsitzung des Temesvarer innerstädt. israelitischen Frauenvereines erstattete Frau Präfidentin Lina v. Eisenstädter den Bericht, daß den drei hiesigen israelitischen Frauenvereinen aus der Berlaffenschaft der Frau Johanna Hoch je K 1500 zugefallen sind und daß die drei Vereine beschlossen haben, aus dankbarer Pietät und zur Verewigung des Andenkens der hochherzigen Dahingeschiedenen alljährlich an derem Sterbetage in den,Synagogen der inneren Stadt, Fabrik- und Josefstadt für das Seelenheil der Verewigten das Seelenheilgebet verrichten zu lassen und seitens aller drei Frauenvereine eine würdige arme Familie mit einer ansehnlichen Geldunterfiützung zu bedenken. Budapest. Der vor 40 Jahren zum Präsidenten der Cultusgemeinde Nagy-Szt. - Miklos gewählte Sparcassedirector Jak. Popper ist in der diesjährigen Generalversammlung wieder einstimmig zum Präfidenten gewählt worden. Leipa. Die „Allgemeine Deutsch-Israelitische Zeitung" meldet: Vor Kurzem hat sich hier ein Liebespaar unter die Räder eines ausfahrenden Lastzuges geworfen und auch den Tod gefunden. Dieses Drama fand ein intereffantes Nachspiel. Der Bruder der Selbstmörderin, I. U. Dr. R. L a n g st e i n, hatte an den Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, I. U. Doctor Isidor O e st e r r e i ch e r, ein Schreiben gerichtet, in welchem er sich über das Verhalten des Rabbiners Ph. Dr. I. Wiesen bei der Beerdigung seiner Schwester, wegen des ihm angeblich gegebenen, aber nicht erfüllten Versprechens, ein Grabgebet zu verrichten, so wegen Nichterfüllung der priesterlichen Pflichten, und endlich wegen des Vorganges bei der Beerdigung, den Längstem als unmenschlich bezeichnet, beschwerte. Dr. Wiesen fand sich darauf veranlaßt, gegen Dr. Langstein die E b r e n b e l e i d igungsklage einzubringen. In der Verhandlung, in der den Angeklagten Dr. Ludwig Goldberger, Advocat in Prag, und den Kläger der Leipaer Advocat Dr. Ignaz Krause vertrat, erbot sich Dr. Goldberger, den Wahrheitsbeweis über alle in der vorerwähnten Beschwerde angeführten Umstände zu erbringen. Dies geschah, und der Richter, Gerichtssecretär Josef Wekzl. sprach den Angeklagten frei. Dr. Krause meldete gegen dieses Urtheil die Berufung an. Ung.-Hradisch. (Israelitischer Frauen-Wohlthätigkeits- und Fr ei t is ch-V e re i n.) Am 26. Jänner d. I. fand hier die Generalversammlung des Israelitischen Frauen-Wohlthätigkeits- und Freitisch-Vereines für Ung.-Hradisch und Umgebung statt. Der Verein, der im September 1900 auf Anregung und unter Mitwirkung Sr Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Josef Burstyn gegründet wurde, ist während der kurzen Zeit seines Bestandes zu einer Quelle des Segens für unsere Gemeinde geworden. Dank der seltenen Opferwilligkeit seiner Mitglieder, deren der Verein bereits 170 zählt, gewährt derselbe 17 armen Schülern des hiesigen k. k. Staats-Obergymnasiums täglich einen nahrhaften Freitisch eine wahre Wohlthat für die Studenten, die bisher darauf angewiesen waren, das Mittagessen, oft auf die demüthigendste Weise, täglich in einem anderen Hause zu empfangen. Selbstverständlich vergißt der Verein, der unter der umsichtigen Leitung der unermüdlichen Präsidentin Frau Brauereibesitzersgattin Flora Braun steht, auch der Armen, Kranken und Bedürftigen nicht, greift überall, wo es noth thut, geräuschlos wirkend ein, sorgt für die Heranbildung armer Mädchen zu einem selbstständigen Berufe und ist armen Bräuten zur Beschaffung der Aussteuer behilflich. Dem Rechenschaftsberichte über das abgelaufene Vereinsjahr, der bei der Generalversammlung von der Vicepräsidentin Frau Dr. Camilla Burstyn erstattet wurde, entnehmen wir folgende Daten;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.