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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-02-07 · 6 (7.2.1902) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
6 (7.2.1902)
Date
1902-02-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 6 Dr. Bloches Wochenschrifl« Teile 91 über bestell Grenzen hinaus bekannte Kunstdrechsler. Auch er ist.^F versucht hat, die auf die Hilfe, welche nur aus weiter, weiter Ferne wie so viele andere jüdische Handwerker, ein lebendiger Z-ugeW kommen konnte, ihre Augen richte», da ihnen in der Nähe Niemand gegen die haßsüchtizen Fabeleien von der .Abneigung der JudeM beizustehen vermag. , der wird sich einem Hilfswerke für die Greise, w,nY. „a Kranken, erwerbsunfähigen Witwen und Wallen der rumanlfchen Ge- 8. iÄJXÜ? S 5»meinten i» Palästina nicht »ziehen! Die Unterzeichneten haben ,S goldenen Bodens, den Vas Handwerk auch en unseren ^agech,^ gelIommeII( Färsvrecher dieser Dürftigen za sein; sie möchten erfahren. Durch Talent, Energie und Flerß^hat sich^ihnm eine dauernde Unterstützung sichern und bitten Sie, sehr ge- Meister Opfer einen sehr großen, angesehenen Kundenkreis er-L lvorben, selbst Erzbischöfe und Pfarrergehören zu seinen Kunden/' Der Jubilar, der am 19. Jänner 1814 geboren ist. jetzt also, ins 89. Lebensjahr eingetreten ist, ging 1827, also zu einer, Zeit, da selbst der Zutritt zum Handwerk noch sehr schwer zu erlangen war, nach Pleß in Oberschlesien in die Lehre, dort lernte er wacker und ging dann als Meister nach Loslau, Oberschlefien. woselbst er bis 1889 ansässig war. Seitdem übte er bis zum heutigen Tage noch in seltener körperlicher Frische sein Handwerk aus. Auch seiner Militärpflicht genügte der wackere Glaubensgenosse, er diente 1836 und 1837 bei der Infanterie in Neisse. Abraham Opfer ist noch heute, wie schon bemerkt, rüstig und gesund und arbeitet auch täglich noch in seiner Werkstatt, nicht weil ihn seine pecuniären Verhältnisse dazu nöthigen, sondern weil ihm die Arbeit zur zweiten Natur geworden ist. Es mag nicht uiierwähut bleiben, daß der altehrwürdige Meister u. Ä. auch für den Herzog von Ratibor eine Jagdpfeife geliefert hat. die dieser dem hochseligen Kaiser Friedrich schenkte, und erst kürzlich der Generalintendant der Königlichen Schauspiele, Herr Graf Hochberg, bei dem jüdischen Drechslermeister Opfer eine kurze Pfeife in Bestellung gegeben hat. Dabei ist dieser Handwerksveteran Opfer ein frommer Jude, täglich zwischen 4 und 5 Uhr steht er auf und sein erster Ausgang gilt dem Gotteshause. Abraham Opfer, dem auch wir zu seinem seltenen Ehrentage nachträglich unsere besten Glückwünsche aussprechen, dürfte zweifellos Deutschlands ältester jüdischer Handwerksmeister sein. Möge ihm Gottes Beistand auch fernerhin nicht fehlen und ihm »och ein langer, sorgenfreier Lebensabend beschieden sein. Auch der Berliner Verein selbstständiger Handwerker jüdischen Glaubens sandte dem Jubilar ein herzliches Glückwunschschreiben. Wir werden um die Veröffentlichung nachstehenden beherzigenswerten Aufrufes ersucht: „Von bitterster Noth, von unbeschreiblichen! Elend wird seit mehreren Monaten ein ansehnlicher Theil unserer Brüder im heiligen Lande heimgesucht. Von den 1725 Angehörigen der sogenannten rumänischen Gemeinde Palästina's (zumeist Nachkommen von in früheren Zeiten aus Rumänien dorthin Eingewauderten), die einzig und allein auf die ihnen aus ihrem Stammlande zustießenden Geldunterstützungen angewiesen sind, führen jetzt circa 700 Seelen, bestehend aus Greisen, Kranken, erwerbsunfähigen Witwen und Waisen, ein jammervolles, von Entbehrung, Hunger und Siechthum ausgefülltes Dasein. — Zum näheren Verständniß ihrer Nothlage mögen folgende Einzelheiten dienen: Die Gesammtziffcr der in Palästina wohnenden Juden deutscher Zunge beträgt 23.948. Von diesen sind nicht weniger als 15.575, das heißt vom Hundert 70, ans unmittelbare Unterstützungen angewiesen. Die aus sämmtlichen jüdischen Gemeinden des Abendlandes für diese einlaufenden Spenden gelangen an 25 Landsmannschaften zur Vcrtheilung. Die Höhe des auf die einzelne Familie konunenden Antheils ist je nach der Wohlhabenheit und Freigebigkeit der Juden des betreffenden Heimatlandes, sowie je nach der Anzahl der aus demselben stammenden Fanüli-n sehr verschieden. So werden die aus Ungarn einlaufenden 200.000 Francs jährlich nur unter 13'0 Personen vertheilt. Für die 190 Angehörigen der Landsmannschaft „Hand“ (Holland und Deutschland) laufen jährlich über -0.000 Francs ein. iDabei erhalten die Mitglieder dieser Landsmannschaften nur 55 vom . Hundert aller aus Holland-Deutschland eingehenden Beträge, während der Rest gleichmäßig unter alle Juden Palästina's zur Vertheilung gelangt.) Dagegen stellt sich schon in normalen Zeiten für die 350 Familien der Landsmannschaft „Rumänien" die Jahresquote nur auf 140—170 Francs für die Familie. Seitdem aber unsere Glanbensgenossen in Rumänien selbst in die bitterste Nothlage geratbcn sind, hat sich auch dieser Antheil bis ans ein Drittel seiner bisherigen Höhe reducirt. Während früher 50.000—60.060 Francs aus Rumänien jährlich einzulaufen pflegten, gehen jetzt nur circa 17.000 Francs ein. das heißt pro Kopf und Jahr circa 10 Francs! Der schwere Druck, der auf unseren Brüdern in diesem Lande lastet, beraubt sie der Möglichkeit, ihrer Schutzbefohlenen im heiligen Lande in gewohnter Weise zu gedenken. Diese Unglücklichen sind um so bedanernswerther, als sie den Augen derer weit entrückt sind, die ihnen Hilfe zu bringen in der Lage wären. Keiner sieht, keiner vernimmt hier, wie schwer dort die Armen mit der Noth ringen. Ihre Sprache ist den Meisten hier fremd, darum verhallt ihr Jammerruf, und ihr Flehen bleibt ungehört und unberücksichtigt. Wer aber einmal an Ort und Stelle war und die wahrhafte Frömmigkeit, Gottergebenheit und beispiellose Genügsamkeit der dortigen Armen zu bewundern Gelegenheit hatte, wer es mit angesehen, in welch' trostloser Weise sie ihr Leben fristen, oder wer sich nur einmal in den Seelenzustand solcher Nothleidenden zu versetzen ehrter Herr, sich an der edlen Sache zu betheiligen und Ihr Interesse für die bezeichneten Armen durch einen jährlichen Beitrag bekunden zu wollen, den entgegeuzunehmen unser Mitunterzeichneter Schatzmeister Herr Siegberl S e ck e l s o h n (Berlin NW., Kronprinzen- Ufer 7) mit Freuden bereit ist. Die einlaufenden Beträge sollen zur Gründung von Volksküchen, zur Vertheilung von Kleidungsstücken und, in nötbigen Fällen, zur Gewährung von baren Geldunterstützungen verwendet werden." Der Aufruf trägt nachstehende Unterschriften: Geh. Regierungsrath Professor Dr. Aron, Professor Dr. A. Baginsky, Schriftsteller W. Bambus, prakt. Arzt Dr. W. Becher, Geh. Medicinalrath Profepor Dr. Brieger. König!. Commercienrath I. Dannenbaum, Bergwerksbesitzer Moritz Dorn, Rabbiner Dr. Esckelbacher, Rechtsanwalt Dr. Earl Engel, Königl. Commercienrath Julius Marlin Friedländer, Rechtsanwalt Caspar Gutfeld, Alexander Herzfeld, Dr. Meier Hildesheimer, Fabriksbesitzer Aron Hirsch, Julius Kalmus, Tr. Gustav Karpeles. Redactenr M. A Klausner. Stadtverordneter, Prof. Dr. L. Landau. Chefredacteur I. Landau, Dr. Jon. Lehmann. Verleger der „Breslauer Zeitung", Willibald Loewenthal, Schriftsteller Hugo Lubliner, Hofjuwelier Eugen Marcus, Rechtsanwalt Mendelsohn. Rabbiner Dr. Munk, Geh. Regierungsrath Profeffor Dr. Pinner, Rabbiner Dr. Rosenzweig. Stadtverordneter Louis Sachs, Consnl Siegfried Sachs. Commercienrath Josef Schloßmann, Siegbert Seckelsohn. Dr. M. Sobernheim, Verlagsbuchhändler Hugo Steinitz. Rabbiner Tr. Winckler und Dr. med. Hans Zander. Posen. Ueber den Antisemitismus der Beamten in der Provinz Posen klagt die „Posener Zeitung": Die Juden seien ein wesentlicher Bruchtheil der deutschen Bevölkerung; „der gebildete wohlhabende Jude in der größeren Stadt hat manches Mittel an der Hand, um den gesellschaftlichen Antisemitismus von sich fern zu halten und ihm, wenn es notb thut, auch einmal die Zähne zu zeigen; der kleine Mann in der kleinen Stadt leidet unter der Misere Tag für Tag und Stunde für Stunde. Auf diesem Gebiete hat das Beamtenthmn Unendliches gesündigt; wollen die leitenden Männer im Osten mit ibrem jetzt offenbar vorhandenen Wunsche, hier Aenderung zu schaffen, durchdringen, so werden sie manchesmal fest zugreifen müssen. Ist aber einmal von dem Antisemitismus die Rede, so muß noch eines binzugefügt werden. Wie die Juden im preußischen Osten sich immer als Deutsche gefühlt haben, so werden sie es auch in Zukunft thun. Viele unter ihnen hegen dieses Gefühl mit befferem Recht, als mancher Antisemit, der gegen sie hetzt. Soll ihnen das Leben in kleinen Städten leichter gemacht werden, so ist es gewiß ganz richtig gehandelt, wenn vor Allem die Staatsbeamten sich etwas zugeknöpft zeigen und sich von dem Antisemitenpöbel fern halten. Will man aber die Juden, und namentlich Diejenigen unter ihnen, denen man eine gewiffe Bedeutung unter ihren Glaubensgenosfen oder im bürgerlichen Leben der Städte beimißt, wieder für die thätige Theilnahme am nationalen Leben gewinnen, die einst ihre Väter bewiesen haben, um schließlich die schmählichste Enttäuschung zu erleben; — will man das erreichen, so genügt es keineswegs, mit nicht ganz zwangloser Grazie eine zu Nichts verpflichtende gesellschaftliche Annäherung anzustreben. Wer es mit den Juden gut meint, der kann ihnen nur rathen, solches Entgegenkommen höflich zu acceptiren, im Uebrigen aber die Position, die die Selbstachtung seit Jahren ihnen anweist, nur dann zu verlassen, wenn ihnen in bündiger Weise dargethan wird, daß man sie nicht länger als Staatsbürger zweiter Clasie ansieht". Hagen i. W. Die hiesige Synagogengemeinde beantragte bei der Stadtverwaltung die Uebernahme der jüdischen Schule. Wie der Bürgermeister bei Berathung des Antrages ausführte, ist bei der letzten Etatsberathung bereits gewünscht worden, die Juden zur vollen Communalsteuer herauzuziehen. Die Schule mit 32 Kindern, jetzt von der jüdischen Gemeinde unterhalten, müßte sodann von der Stadt übernommen werden. Da nun der Lehrer zugleich Cultusbeamter sei und von der jüdischen Gemeinde gewählt werde, würde der Stadt bei Uebernahme der Schule das Recht der Anstellung entgehen. Die Finanzcommiffion erklärt sich deshalb gegen die Uebernahme der Schule und für Heranziehung der jüdischen Bürger zum vollen Betrage der Communalsteuer, dafür aber zur Zahlung des Betrages an die jüdische Gemeinde, welche für jedes Schulkind der anderen Confeffionen in den Volksschulen gezahlt wird. Die Stadtverordneten ' stimmten diesem Anträge zu.

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