Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 6 (7.2.1902)
- Date
- 1902-02-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 6 Dr. Vlach's Wochenschrift. Sette 89 Unter „Sylvestergesellschaft Döbling" . . Bon A. K. , R. B. „ Herrn R. Brammer, Sammelspende „ Frau Sidi Michelstädter . . . . „ Frau Reg. Thenen. , I. D. „ Herrn Philipp Goldmann . . . . „ „ Dr. Em. Arnstein . . . . „ „ Adolf Friedländer . . . . „ „ Jacob Munk ...... „ „ Rudolf Winternitz . . . . „ „ Alois Löwy. „ „ Eduard Elbogen . . . . I. E. A. F. Herrn Nathan Weil . „ Rudolf Bondy M. Herrn K. Singer 20.— 20.- 18.- 17.— 12.24 10.- 10.- 10.— 10.- 6.— 5.— 5.- 5.— 4.- Den Spendern wird der Dank votirt. Der Vorsitzende bringt ein an ihn gerichtetes Schreiben des feit einigen Tagen fern von Wien auf einem Erholungsurlaub weilenden Präsidenten kais. Rath Kling er zur Verlesung, in welchem derselbe mittheilt, daß Gesundheitsrücksichten seine Absicht, den Antritt des Urlaubes bis nach Abhaltung einer Plenarsitzung des Cultusvorstandes zu verschieben, nicht zuließen, und nunmehr auf diesem Wege eine Bestätigung seines Urlaubes sich erbittet. (Zustimmung.) Aus dem Einlaufe gelangt zur Verlesung ein Erlaß der k. k. niederösterreichischen Statthalterei, mit welchem die am 6. Jänner l. I. erfolgten Wahlen der beiden Vice-Präsidenten und des Vertreter-Collegiums zur Kenntniß genommen werden. Weiters werden die Dankschreiben der Universitäts-Professoren Dr. David Heinrich Müller und Dr. Adam P ol i tz e r für die an dieselben anläßlich ihrer Ernennungen zu Hosräthen seitens des Cultusvorstandes gerichteten Beglückwünschungs-Kundgebungen verlesen. Herr k. k. Baurath Theodor Ritter von G o l d s ch m i d t erstattet namens des Vertreter-Collegiums einen eingehenden Bericht über ein neues Statut des Spitales der israelitischen Cultusgemeinde sammt Instructionen und Hausordnung. Die Nothwendigkeit neuer statutarischer Normen, welche den Primarius des israelitischen Spitales, Herrn k. k. Regierungsrath Professor Dr. Leopold O s e r zum Autor haben, ergab sich als unabweisbar gegenüber dem derzeit noch geltenden Spitals- Statute vom Jahre 1872 mit Rücksicht auf die im Laufe der Zeit eingetretenen Aenderungen, insbesondere im Hinblicke auf die Erweiterung des Spitales durch die demnächst zu eröffnenden neuen Krankeu-Abtheilungen für Chirurgie und Gynäkologie. Die Vorlage wurde in einer großen Anzahl von Commissions¬ und Vertreter-Sitzungen unter Zuziehung von Fachmännern für alle einschlägigen Fragen der eingehendsten Berathung unterzogen. Anschließend an diese Ausführungen gibt Herr Primarius k. k. Regierungsrath Profeffor Dr. Ö s e r eine übersichtliche erläuternde Darstellung der wesentlichen Bestimmungen des neuen Statutes, welche beifällig ausgenommen wird. Nach durchgeführter Debatte wird auf Antrag des Cultusvorstehers Dr. Adolf Stein das Spitalsstatut sammt Instructionen und Hausordnung en bloc angenommen und soll der k. k. Statthalterei zur Genehmigung vorgelegt werden. Sohin erklärt der Vorsitzende: „Es obliegt mir die Pflicht, dem Herrn Regierungsrath Professor Dr. O s e r, welcher das ihm anvertraute Krankenhaus der israelitischen Cultusgemeinde seit einer langen Reihe von Jahren in bewährter Weise und im Geiste wahrster Humanität leitet, für sein bei Schaffung des neuen Spitalsstatutes wiederholt bethätigtes, selbstloses und unermüdliches Wirken den wärmsten Dank der Versammlung auszusprechen. Ich danke weiters dem Obmann des Statutencomites Herrn Baurath von G o l d s ch m i d t und allen jenen Herren, welche seit Jahr und Tag mit diesem schwierigen Werke sich befaßt haben. (Lebhafte Zustimmung.) Endlich bemerkt der Vorsitzende, daß gemäß den Bestimmungen des neuen Statutes vor der Betriebseröffnung der neuen Krankenabtheilungen die Anträge wegen Ernennung des Directors und Bestellung der Primarärzte rechtzeitig eingebracht werden. Herr Baurath von G o l d s ch m i d t erstattet namens des Vertreter-Collegiums das Referat über die Bewilligung von periodischen Unterstützungen. Hiernach sollen im lausenden Jahre 265 Parteien, hochbetagte oder wegen körperlicher Gebrechen erwerbsunfähige und nothleidende Personen, mit Monats- und Quartalsgaben im Gesammtbetrage von 39.120 Kronen betheilt werden. Die Anträge werden angenommen. Herr Baurath S t i a ß n y referirt über die Verleihung der „Milden Stiftung des Herrn Michael Cohen da Silva" für israelitische Handwerker. Referent beantragt namens des Vertreter-Collegiums und conform dem Gutachten des Vereines zur Förderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten die Verleihung des Stiitungsgenuffes von 800 Kronen an den primo loco uominirten Bewerber. Der Antrag wird angenommen. Den vom Curatorium der M. L. Biedermann'schen Waisenstiftung vorgelegten Anträgen, betreffend die Persolvirung der Stiftungserträgniffe von 6200 Kronen im Jahre 1902, wird einhellig die Zustimmung ertheilt, und ist diesfalls auch die stiftungsbehördliche Genehmigung einzuholen. Nach Erledigung der Personalien wird die Sitzung um lYa Uhr Nachmittags geschloffen. Aufruf. Das „goldene jüdische Herz", das schon zu österenmalen sich bewährte, wenn es galt, armen, unglücklichen Wesen beizustehen und diese vor der größten Noth zu retten, wird auch diesesmal sich bewähren, zumal es sich ja um einen Fall handelt, der nicht nur die Bevölkerung Wiens mit gerechtem Abscheu erfüllt, sondern geeignet ist, dieselben Empfindungen allüberall zu wecken, wo noch nicht die Gefühle vollständig abhanden gekommen sind. Am 29. v. M. wurde der Trödler Israel Keßler in seinem eigenen Laden ermordet, ein Mann, der für sich, seine junge Gattin und drei unmündige Kinder im zartesten Alter zu sorgen hatte. Ein bereits dem Arme der Gerechtigkeit zugeführter Mordbube, ein Strolch, der sich der geringen Beute nur ganz kurze Zeit erfreuen konnte, hat durch seine unmenschliche, verabscheuungswürdige That ein Familienleben zerrissen, der Frau den Gatten, den armen unschuldigen Kindern den Vater und Ernährer genommen. Allein noch ist die Familie zu retten, noch das schrecklichste Unglück abzuwehren, wenn Alles, die gesammte Judenschaft, sich zusammenthut, lim hier durch Spenden hilfreich einzugreifen, der trostbedürftigen Frau die Mittel zu reichen, das Gewerbe ihres Mannes weiterzuführen. Wenn die Frau in die Lage versetzt wird, ehestens zu einer Summe zu gelangen, die ihr gestattet, das Trödlergeschäft, welches sich eines guten Rufes erfreute, fortzusetzen, dann ist nicht nur sie gerettet, auch die armen Kinder sind gerettet, und das ist der Zweck dieser Zeilen, deren Inhalt auf allgemeine Berücksichtigung wohl besonderen Anspruch hat. Möge Jedermann sein Scherflein beitragen, der herzinnige Dank der Witwe und ihrer Kinder wird die edlen Spender belohnen! Spenden werden entgegengenommen von der Sammelstelle Emil Jelinek, Wien 1.» Seitensteltengaffe 5, und in diesem Blatte a'usgewiesen. Um möglichste Weiterverbreitung wird im Hinblick auf die humanen Zwecke höstichst und dringendst von der Sammelstelle gebeten. Wien. Am 22. Jänner l. I. fand die Generalversammlung des Brigittenauer israelitischen Unterstützungsvereins statt, welche von zahlreichen Mitgliedern besucht war. Im Rechenschaftsberichte wurde die große Armuth hervorgehoben, die in diesem Bezirke herrscht und wie dieser Verein geradezu zur dringenden Nothwendigkeit geworden ist, um in Fällen großer Noth und bei Delogirungen den armen Glaubensgenossen hilfreich zur Seite zu stehen. So hat auch im vergangenen Jahre die Unterstützungssähi^keit dcs Vereines zugenommen und nahe an 2500 Kronen wurde an Hilfesuchende und würdige Arme vertheilt. Selbstverständlich reichen die bescheidenen Mittel des Vereines nicht hin, die große Armuth im Bezirke zu bewältigen und es ergeht ein Appell an die geehrten Mitglieder und Gönner des Vereines, die wohlthätigen Tendenzen desselben mit aller Möglichkeit fördern zu helfen. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl wurden die Herren: Leop. Beckmann, Ignaz Friedmann, Heinrich Glaser, Jacob Goldner, Ferd. Karoly, Ignaz Körner, Cafetier, Jgn. Körner II., S. Kerpen, David Pollatschek, Tb. Roubitschek, Bernh. Schick und Adolf Schreiber in den Vorstand gewählt.