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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-02-07 · 6 (7.2.1902) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
6 (7.2.1902)
Date
1902-02-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 88 dr. Oloch's WochenjUrrtst. Sir 6 Fächern der Wissenschaften riesige Fortschritte. Kaum zum Manne herangereist, gehörte er zu den bedeutendsten und angesehensten jüdischen Gelehrten Italiens. Wie auf dem Gebiete der hebräischen und rabbinischen, war er auch auf dem der lateinischen und italienischen Literatur heimisch, betrieb fleißig philosophische und naturwissenschaftliche Studien, verstand treffliche hebräische und italienische Verse zu machen und zeichnete sich durch eine ungewöhnliche oratorische Begabung vortheilhaft aus. Trotz seiner eminenten Gelehrsamkeit und hohen Geistesgaben verdiente er doch nicht als Musterbild gerühmt zu werden, weil ihm die wichtigste Tugend eines Volkslehrers, nämlich die Charakterfestigkeit, mangelte. Während er die Spielsucht in Wort und Schrift auf das Entschiedenste Perhorrescirte, opferte er selbst einen großen Theil seiner Zeit und seines Vermögens der gräßlichen Leidenschaft. Die Unbeständigkeit seines Charakters verleugnete sich auch in religiösen Dingen nicht. Grätz charakterisirte ihn auf folgende Weise: Er (Modena nämlich) hatte so wie keinen rechten Ernst, so auch keine rechte Ueberzeugung oder vielmehr er hatte jeden Tag, je nach Launestimmung, eine andere, ohne darum ein Heuchler zu sein. Er konnte daher von sich sagen: „Ich gehöre nicht zu den Gefärbten, sondern mein äußeres. Verhalten entspricht stets meinem Innern". Leon Modena war in der That in jedem Augenblicke aufrichtig. Er konnte in einem Tage für den Talmud und das rabbinische Judenthum eine Lanze einlegen und an einem anderen den Stab darüber brechen. Er verdammte das Spiel und beklagte sich über sein Mißgeschick, daß die Sterne ihm diesen unglückseligen Hang zugetheilt haben — er glaubte nämlich auch an Astrologie — und arbeitete doch ein talmudisches Gutachten zu deffen Vertheidigung aus. Als das Benetianer Rabbinatscollegium den Bann über Karten und Würfel aussprach, wies er nach, daß das Spiel nach talmudischrabbinischen Principien gestattet sei und der Bann dagegen keine Berechtigung habe. Einst fragte ihn sein Jünger Josef Hamiz, Arzt und Mystiker, was er von der kabbalistischen Seelenwanderung halte, worauf Leon Modena erwiderte: Einem Andern gegenüber würde er mit dem Munde die Frage bejahend beantworten, wenn er auch vom Gegentheil überzeugt wäre — um nicht als Ketzer und Thor verschrieen zu werden: ihm gegenüber wolle er aber sein aufrichtiges Bekenntniß aussprechen, Darauf arbeitete Leon Modena eine Schrift aus, um das Lächerliche und Unjüdische an dem Seelenwanderungsglauben hervorzuheben. (Gesch. B. 10. S. 144.) Leon Modena kam häufig in christliche Kreise und unterhielt mit christlichen Gelehrten eine lebhafte Correspondenz. Der französische Bischof Jakob Plantaricius und der christliche Kabbalist Jakob Gafforelli gehörten zu seinen Schülern. In christlichen Kreisen, die Leon Modena besuchte, wurden oft jüdische Bräuche und Ceremonien in einer das Judenthum tief verletzenden Weise besprochen. Ec gab sich alle erdenkliche Mühe sein Bekenntniß zu vertheidigen und entschloß sich am Ende, dem sehnlichsten Wunsche christlicher Freunde zu entsprechen und den Religionscodex in italienischer Sprache dem großen Publicum mundgerecht zu machen. Eine That, die er füglich hätte Unterlasten mögen. . Bald darauf ist er als Apologet für den Talmud aufgetreten. Es hat nämlich ein Hamburger Skeptiker es versucht, gegen den Talmud wie überhaupt gegen das traditionelle Judenthum zu polemisiren. Diesem Zweifler, der jeder gründlichen talmudischen Kenntniß entbehrte, trat Leon Modena entschieden entgegen und suchte deffen Einwürfe in einer besonderen Schrift „Magen Wezina“ ad absurdum zu führen. Am wichtigsten ist seine von Reggio in Görz 1852 unter dem Titel Bechind ha-Kabbalah herausgebene Schrift, die er angeblich 1622 erhalten hätte. Dieselbe soll seiner Angabe gemäß 120 Jahre vorher von Rabbi Amitai b. Jedojah oben Ras aus Alealch verfaßt worden sein, daher er sie abgeschrieben habe, um sie zu widerlegen. Ein Theil führt den Titel „Kol Sachal“ (Thorenstimme), weil der Berfaffer in derselben gegen das rabbinische Judenthum zu Felde zieht, während der andere Theil, der die Widerlegung enthält, „Schaagat Arje“ (Löwengebrülle) genannt wird. Wenn man übrigens erwägt, daß Leon Modena sein Leben lang von harten Schicksalsschlägen schwer geprüft und heimgesucht wurde und daß er überhaupt stets mit Mangel und Roth mannigfacher Art zu kämpfen und zu ringen hatte*), so wird man ver¬ *) Seine geliebte Braut starb ihm, sein tüchtiger Sohn Mordechai starb 1617, der Raufbold Sebulun wurde 1622 ermordet, ein dritter Sohn ist verschollen, seine Töchter wurden Witwen und besucht. die Inkonsequenz seines Charakters als eine natürliche Folge seiner unglücklichen Lage und höchst unerquicklichen Verhältnisse zu betrachten. In seinem von Fürst 1840 edirten „Ari Noam“ kämpfte er mit einer Entschiedenheit sondergleichen gegen die Kabbala und ihre eifrigen Anhänger und Verehrer, die den „Sohar“, dieses antijüdische Grundsätze und Principien enthaltende Machwerk des Moses b. Schemtob aus Lion, der in der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts lebte, als ein Product des hervorragenden, der Mystik huldigenden Tanaiten Rabbi Simeon ben Jochai betrachteten und als eine heilige Bibel verehrten. Modena bezeichnet in der erwähnten Schrift den „Sohar“ als ein schädliches, Aberglauben und crasse Vorurtheile förderndes Buch, das nur geeignet ist, die Köpfe zu verwirren und heillosen Schaden anzurichten. Diese seine Ansichten fanden zuerst bei den der Kabbala huldigenden Zeitgenossen wenig Beachtung. — Trotz seiner freisinnigen Ansichten fanden einige von ihm verfaßte 8eIioot Aufnahme in die Liturgie. So z. B. das „Jaum se jehi Mischkal kol chatausai", das heute noch in fast allen Synagogen am Rüsttag des Neumonds beim Jaum Kippur Katon-Gebet gesungen wird. _ Correspondenzen. Aus der Plenarsitzung des Cultusvorstandes vom 2. Februar 1902, unter dem Vorsitze des I. Vieepr'afidenten Dr. Alfred Stern. Beginn der Sitzung 10 Uhr Vormittags. An Spenden sind eingelaufen Von Herrn Cultusvorsteher Isidor Gewitsch, anläßlich des Ablebens seiner Mutter, für die Armenanstalt K 50.— für die „Chewra-Kadifcha".. .30" für die Beköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau.. . „ 20.— für die Beköstigung armer israelitischer Schulkinder in Ottakring.. „ 10.— Zusammen K 110.— Von Herrn Josef Barber, aus Anlaß einer Familienfeier, zur Vertheilung an hungernde und frierende, eine Vereinsunterstützung entbehrende Arme . . . K 100.— und zur Vertheilung an arme Schulkinder in der Brigittenau...„ 100.— Von Herrn S. Kohnberge* .„ 100.— „ „ Michael Newikluf, anläßlich eines Gelübdes, für wohlthätige Zwecke.„ 70.— Von Herrn Heinrich Gutmann für human. Anstalten „ 30.— „ „ Max Quittner für die Beköstigung armer israelitischer Schulkinder in Ottakring.„ 20.— Von Frau Marie Stern, anläßlich deS Todestages ihres Gatten, des Herrn S.igmund Stern, für die „Chewra-Kadischa".„ 20.— Von Herrn Arnold Paskisz für den Erhaltungsfond der israelitischen Versorgungs anstatt.„20.— Von Herrn Goldstein für wohlthätige Zwecke . . . „ 20.— „ Frau Cilli Berger für hilfsbedürftige Waisenkinder „ 6.— „ Herrn Adelimar Sieber für den Armenfond der Cultusgemeinde. 2.— Von Herrn Moriz Adler, anläßlich der Bar Mizwahfeier seines Sohnes, eine silberne Jad. Von der Direction der Fango-Heilanstalt für das Altersversorgungshaus der israelitischen Cultusgemeinde 50 Kg. Fango-Schlamm. Von Herrn Dr. Josef M. Löbl ein galvanischer Elektrisirapparat zu Heilzwecken für die israelitische Bersorgungsanstalt. Von Herrn Siegfried Beer Rauchrequisiten für die Insassen der Bersorgungsanstalt. Für die Beköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau sind eingelaufen: Sammelspenden durch Herrn Dr. Alfred Berger . . K 434.45 Sammelspenden durch Herrn Heinrich Weiner . . . „ 140.— lasteten ihn mit Enkeln, endlich wurde seine Frau 1641 melancholisch und zuweilen tobsüchtig. Noth und Schulden quälten ihn, was aus seinem begleitenden Worte zu einem Gedichte erhellt. „Längst ist die Grabschrift abgeschickt, doch Hab' ich kein Geld erblickt. Und dennoch ist's gerecht Verlangen, den Lohn der Arbeit zu verlangen." (Geiger. Nachgel. Schriften, II. B. S. 194.)

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