Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 5 (31.1.1902)
- Date
- 1902-01-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021439-3021445--11499-3036040- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 5 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 73 Das antisemitische Treiben in Karlsbad. Man schreibt uns aus Karlsbad: Das Treiben der Karlsbader Antisemiten in der dortigen Gemeindestube sowohl, als auch die Hetzereien in den diversen Versammlungen erregen allgemeines Aussehen und sollten auch von den regelmäßigen Curgästen Karlsbads im Jn- und Auslande nicht unbeachtet bleiben. Das Karlsbader antisemitische „Badeblatt" verhöhnt die liberalen Journale, welche von den antisemitischen Hetzereien Nachtheile für die kommende Saison befürchten. Die Ausbreitung des Antisemitismus in Karlsbad hatte nicht gehindert, daß die letzte Saison nicht blos die best besuchteste war: „Es kamen auch viel mehr jüdische Curgäste hierher als in den früheren Jahren". Die jüdischen Curgäste „scheeren sich einen Teufel darum", was die Karlsbader Antisemiten treiben, ob sie die Juden boycottiren, gegen die Juden hetzen und das Judenthum beschimpfen. Umsomehr ist es eine Ehrenpflicht der jüdischen Journale im In- und Auslande,, auf diese Vorgänge aufmerksam zu machen. Leider kennen ja die auswärtigen Glaubensgenossen die jetzt hier herrschenden terroristischen antisemitischen Verhältnisse nicht, und das ist auch die Ursache, daß die bestsitnirten, höchst ehrenwerthen jüdischen Curgäste gerade in den Häusern der notorisch berüchtigten Antisemiten wohnen. Znm Beispiel: 1. Haus Grillparzer, (Besitzer ist der Antisemit Lehrer Hoffmann). 2. Sanssouci, (Besitzer Anger). 3. „Römischer Feldherr", (Besitzer der enragirte Antisemit Buchhändler Jacob). 4. Hotel Königsvilla, (Besitzer Emil Tetter). 5. Hotel Continental, (Besitzer Bernhart). 6. Hotel National, (Besitzer Wiesinger). 7. Residenz- Hotel, (Besitzer Wiesinger). 8. H o t e l R u s s i e und 9. H o t e l Morgenstern, (Besitzer Richter). Hotel Post, (Besitzer?). Hotel Schützenhaus. Privathäuser, die enragirten Antisemiten angehören, sind : Bernhartshaus in der Pärkstraße. Haus Schubert in der Parkstraße. Haus Portugal in der Parkstraße. HausBremen am Schloßberg. Haus Stadt Florenz am Schloßberg. Hotel Württemberger-Hof am Markt. Haus Europa, (Besitzer Bäcker Anger) am Schloßberg. Haus Herzog Jork am Schloßberg. Haus Villa Ritter (Besitzer der antisemitische Arzt Dr. Ritter!). Haus Bremen (Besitzer der antisemitische Arzt Dr. Herrmann). Stadt Florenz (Besitzer der antisemitische Arzt Dr. Bernhart!). Haus Wiedersehen (Besitzer der antisemitische Arzt Dr. Nagel). Haus Maltheserritter'(Besitzer der antisemitische Arzt Dr. Steidel). Haus Lessing (Besitzer der antisemitische Arzt Dr. Pfeiffer). Rudolfshof (Besitzer der Antisemit Dr. Rudolf Knoll, Jurist). Haus Asgard (Besitzer Jurist Dr. Frank). Haus Hygaea (Besitzer Arzt Dr. Bauer). So könnte man Ihnen noch Hunderte anführen. Die oben Erwähnten sind die notorisch Bekanntesten. Baden. (C h e w r a - K a d i s ch a.) Bei der am I2.b. M. stattgehabten Neuwahl des Vorstandes in die Chewra-Kadischa Baden ist die bisherige Repräsentanz dieses Vereines wiedergewählt worden. Es sind dies die Herren Moriz Leit ne r (Präses), David L e i t n e r, Anton Schneider und Sigmund Rausn i tz. Neugewählt als Ersatzmänner erscheinen die Herren August Edenburger und Max Löbl. Die Verwaltung der wiedergewählten Herren, welche sich ihrem heiligen Amte mit inniger Hingebung und vielen Zeitopfern weihen, hat diese Institution des Namens „Chewra-Kadischa" nach des Wortes edelster Bedeutung würdig gemacht, indem diese Funktionäre bei jeder sich darbietenden Gelegenheit helfend und unterstützend eingreifen und Humanitätsacte in großem Style ausüben. Möge ihr gutes Werk weiter von Erfolg gekrönt sein. Preßburg. Am 26. Jänner l. I. hat in der hiesigen orthodoxen israelitischen Cultusgemeinde unter recht lebhafter BetheiliguNg die Vorstands- und Repräsentanten-Wahl stattgefunden. Im Sinne der Gemeindestatuten hat der Oberrabbiner nach Schluß der Stimmenabgabe die Urnen zu öffnen. Dementsprechend erschien Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Sch reiber um 6 Uhr Abends im Wahllocale, woselbst er von den zahlreich Anwesenden, Wählern und Comitö-Mitgliedern, aufs Lebhafteste und Herzlichste begrüßt wurde. Dies galt gleichzeitig als spontane Ovationskundgebung für die hochgeachtete und geliebte Person des Oberrabbiners, der Gott sei Dank nach wiederhergestellter Gesundheit einen Act seiner Amtsagenden in Gemeinde-Angelegenheiten öffentlich vollzog. Wahlpräses Löwin so h n hielt eine kurze, herzliche Ansprache an den Gefeierten und übergab Sr. Ehrwürden die Schlüssel der Urnen. Se. Ehrwürden dankte in beredten Worten für die überaus herzliche Begrüßung und benützte diese Gelegenheit, um der Erwartung Ausdruck zu geben, daß, treu den Traditionen unserer altehrwürdigen Gemeinde, auch in Zukunft Gottesfurcht und Friede, Einigkeit und Brüderlichkeit der Leitstern ihrer Führer und Gemeindemikg'ieder bei allen ihren Handlungen und Unternehmungen fein werde. Seit jeher galt die orthodoxe Gemeinde Preßburgs im Bolksmund als Klein-Ieruscholajim, und getreu ihrem Vorbilde des Groß- Jerusalem, welchem dieser Name darum gegeben wurde, weil eben Gottesfurcht und Eintracht und ns*r gepaart unter dessen Bewohnern herrschte, wird unsere Gemeinde, welche vielen anderen Gemeinden als Musterbild gilt, auch diesbezüglich ihren Beinamen zu verdienen trachten. Im Verlause dieser mit vollem Beifalle aufgenommenen Rede richtet Se. Ehrwürden an alle jene Gemeiudemitglieder, in deren Macht es liegt und deren Einfluß es ermöglicht, die Mahnung, aller erlaubien, ihnen zu Gebote stehenden Mittel sich zu bedienen, um den Frieden und die Eintracht auch fürderhin anzustreben und jede etwaige Zerklüftung unter den Gemeindemitgliedern hintanzuhalten. Redner schließt seine Ausführungen mit einem Segensspruche für die Gemeinde. Nachdem das langjährige Repräsentantenmitglied David Naß für die herrlichen Worte, die Se. Ehrwürden eben gesprochen, namens der Anwesenden aufrichtig dankte und die Versicherung gab, daß diese aus Herzen kommende Mahnung ganz bestimmt auf fruchtbaren Boden fallen und goldene Früchte tragen werde, öffnete Se. Ehrwürden die Wahlurnen und nahm das Scrutinium seinen Anfang, welches um 10 Uhr nach anstrengender Arbeit beendet wurde. Das Resultat desselben ergab, daß die Herren: 1. Lazar Gestetner als Vorstandspräses, 2 Ignaz Herzfeld, Vicepräses, 3 Israel Rosen bäum, HL, 4. Samuel Löwi nsohn IV. und David Naß als V. Vorsteher gewählt erscheinen. Die weiteren 30 Herren der ihnen zur Seite stehenden, größtentheils wiedergewählteu Repräsentanten-Mitglieder, durchaus onsche schem, geben berechtigte Hoffnung, daß die Arbeiten, welche ihrer harren, gedeihlich und ersprießlich erledigt werden. Budapest. (Der Gottesdienst in den Budap e st e r israelitischen Tempeln) wurde kürzlich im Avgeordnetenhause zur Sprache gebracht. Der Führer der Volkspartei Abt Johann M o l n a r behauptete nämlich, daß in den Budapester israelitischen Tempeln der Gottesdienst in deutscher Sprache abgehalten werde. Nun ist es allgemein bekannt, daß in sämmtlichen israelitischen Gotteshäusern der Hauptstadt die Gebete in hebräischer Sprache gelesen und blos die Predigten in einer landesüblichen Sprache abgehalten werden. Was aber die Predigten anbelangt, so lieferte das consessionelle Wochenblatt „Egyenlöseg" jüngst den Nachweis, daß die Behauptung des Abgeordneten Molnar, als ob blos in einer einzigen Synagoge der Hauptstadt ungarisch gepredigt würde, nicht den Thatsachen entspricht. In den Tempeln in der Tabak-, Weffelenyigasse in Ofen und Altofen werden seit fünfzehn Jahren an Samstagen Jugendgottesdienste abgehalten, bei welchem noch niemals in deutscher Sprache gepredigt wurde. In den Synagogen in der Weffelenyi-, Epreskertgafse und in der Stadtwäldchenallee werden die Predigten auch bei den Gottesdiensten für Erwachsene ausschließlich in ungarischer Sprache gehalten. In den israelitischen Tempeln in der Tabak-, Rombach-, Konstantin Rökkgasse in Ofen, Neustift und Altosen wird zu zwei Dritteln ungarisch, zu einem Drittel deutsch gepredigt. Ausschließlich in deutscher Sprache werden Predigten blos im Goiteshause in der Basvary Palgasse und im Orthodoxentempel im Orczy'schen Haute gehalten. In den übrigen, israelitischen Gotteshäusern der Hauptstadt wird überhaupt nicht gepredigt. Demnach muß constatirt werden, daß von 11 Tempeln in dreien die Predigten ausschließlich ungarisch sind, während man sich in 6 Gotteshäusern auch der deutschen und blos in zweien ausschließlich dieser Sprache bedient. Budapest. (Der neue Leopold st ädter Tempel.) Der hauptstädtische Municipalausschuß beschloß in seiner am 4. October 1893 gehaltenen Generalversammlung, der Pester israelitischen Cultusgemeinde zwecks Errichtung eines monumentalen Tempels in der Leopoldstadt einen aus sechs Baustellen bestehenden Complex in der Szemeregafse, im Ausmaße von 2200 Quadratklaftern, zur Benützung für ewige Zeiten zu überlassen. An diese Schenkung knüpfte die Repräsentanz die Bedingung, daß das Tempel,bände binnen acht Jahren nach erfolgter Genehmigung des Generalveriammlungsbeschlusses zu errichten sei. Am 4. April 1896 kam zwischen der Stadtbehörde und der