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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-01-24 · 4 (24.1.1902) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
4 (24.1.1902)
Date
1902-01-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 62 Nr. 4 Vr. Bloch's Wochenschrift. Sassin. Die Cultusgemeinde zu Sassin veranstaltet am 26. Jänner a. c. zu Ehren der fünfzigjährigen Amtstätigkeit ihres vielgeliebten Herrn Rabbiners M. L. Engel eine Jubiläum sfeierlichkeit, verbunden mit einem F-stgottesdiei sie, bei welchem Anlässe mehrere Herren Rabbiner aus der Umgebung Sassin's in ungarischer und deutscher Sprache Festreden halten werden; dem Jubilar werden nach abgehaltenem Gottesdienste Ehrengeschenke seitens der Gemeinde, sowie von Privaten überreicht werden. Birovrliea (Slavonien). Am 15. d. M. wurde im politischen Gemeindehaus die diesjährige ordentliche Generalversammlung unserer israelitischen Cultusgemeinde c.bgehalten. Mehrere wichtige Borstandsbeschlüsse wurden ihr zur Genehmigung vorgelegt. Unter Anderem der Beschluß, den Tempel zu renoviren, beziehungsweise zu vergrößern, einen geeigneten Platz käuflich zu erwerben, um entsprechende Wohnungen für Cultusbeamte schaffen Mt können, und endlich eine Anleihe in der Betragshöhe von 24.000 Kronen aufzunehmen behufs ehemöglichster Realisirung oberwähnter Pläne. Auch wurde beschlossen, die Cantorstelle unserer Gemeinde mit 1. April zu besetzen. Mähr.-Schönberg. Am '28. December v. I. fand hier auf Einladung des Cultusvorstehers Herrn Jacob Stern ein Vortrags- Abend statt, bei welchem Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. M. E. Proßnitz über einen Beitrag zur Geschichte der Cultusgemeinde Mähr.- Auffee sprach, der sich hauptsächlich auf die Darlegung jener denkwürdigen Ereignisie in Mähr.-Auffee im 18. Jahrhundert bezog, die im Werke „Megilas Sedorim" erzählt worden sind. Der Vortragende schloß damit, indem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß durch die Kenntniß dieser denkwürdigen Ereignisse, welche die Gemeinde Aussee heimgesucht haben, das pietätvolle Interesse für die Erhaltung des Tempels bei sämmtlichen Mitgliedern auch außerhalb Aussee wieder neu geweckt und gestärkt werde. Nach Schluß des Vortrages, ergriff unserer hochgeschätzter Vorsteher Herr Stern das Wort und versprach, den vom Herrn Rabbiner ausgesprochenen Wunsch, der allgemein getheilt wurde, aufs Thatkräftigste zu unterstützen und womögtichst der Verwirklichung zuzuführen. Szabadka. (Jubiläum eines Frauenvereines.) Der hiesige israelitische Frauenverein feierte das Jubiläum seines fünfzigjährigen Bestandes. Es fand aus diesem Anlaffe eine Fest-Generalversammlung statt, an welcher die Koryphäen des öffentlichen Lebens, darunter Obergespan Schmauß, Bürgermeister Mamusich, der Abgeordnete Bojnics, der Borstand der israelitischen Gemeinde, ferner die Vertreter zahlreicher Vereine und Corporationen theilnahmen. Die Festrede hielt Dr. Geza Blau, worauf Secretär Dr. Hajnal die Geschichte des Vereines verlas. Der Frauenverein hat ein Festalbum'herausgegeben, zu welchem die namhaftesten Schriftsteller Beiträge geliefert haben. Abends fand ein Ball statt. Lemberg. Samstag Abends den 11. d. M. fand die Generalversammlung des politischen Vereines „Schomer Israel" statt. Zum Präsidenten wurde einstimmig Herr Dr. Rüben Vierer gewählt, zum Vicepräsidenten Herr Julius H v ch fe l d. Ferner wurde deschlo,,en, eine Creditgeuoffenschaft für Kleingewerbetreibende und Handwerker zu gründen. Pisek. Aus dem Briefkasten in Nummer 3 der „Oesterreichischen Wochenschrift" habe ich entnommen, daß Herr S. L. in GwoÄiec meine vor nicht langer Zeit erschienene Schrift „Das Talmudstudium in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts" sich anzuschaffen wünscht. Ich erlaube mir daher zur allgemeinen Kenntniß zu bringen, daß ich vor Kurzem die Restauflage dieser Schrift Herrn I. Kauffmann, Buchhändler in Frankfurt a M., verkauft habe. F r i e d l ä n d e r. Berlin. Herrn Commerzienrath Ferdinand Manheim er ist in seiner Eigenschaft als Mitglied der Jury der Weltausstellung vom Präsidenten der französischen Republik der Orden der Ehrenlegion verliehen, Herr Commerzienrath Emil Jacob zum Ritter desselben Ordens ernannt worden. Breslau. Herr Justizrath Dr. Freund ist einstimmig zum Stadtverordneten-Vorsteher wiedergewählt worden, welches Amt er seit nunmehr sechzehn Jahren inne hat. Posen. Die Israelitische Knaben - Waisenanstalt hat im letzten Jahre für 27 Zöglinge 15.760 Mk. verausgabt. Die Einnahmen betrugen 22.890-80 Mk. Grötz. Herrn Kreisarzt Medicinalrath Dr. R u b e n s o h n ist der Charatter als Geheimer Medicinalrath verliehen worden. London. Mr. Moses Abrahams, bisher Stadtverordneter von Grimsby, ist zum Lordmayor dieser Stadt gewählt worden. Geboren 1853 zu Hüll, kam er schon als 4jähriges Kind nach GrimSby, wo er sich als Kleiderhändler, Diamantenhändler, Hausbesitzer und Rheder mit Erfolg versuchte und sich bald als redlicher, unternehmungslustiger und hochintelligenter Mann die Zuneigung und das Vertrauen seiner Mitbürger zu gewinnen wußte. Die Wahl eines Juden zum höchsten Ehrenamte ist in Grimsby umso bemerkenswerther, als die Juden sich daselbst wegen des kürzlich stattgehabten Strikes keinesfalls besonderer Sympathien erfreuen. Feuilleton. Die Hamburger Iudeugemernde im Jahre 1730. Von Dr. M. Grunwald in Hamburg. (Aus den Mittheiluugen des Vereines für Hamburgische Geschichte, Band VII, Heft 3, Nr. 11/12.) Es war an einem Augustnachmittag des- Jahres 1730. Schon seit Tagen und Wochen ballte sich dunkles Gewölk über den Häuptern der Hamburger Judenheit zusammen. Die Einen, die Krämer und Kaufleute, hatten sich längst der jüdischen Concurrenz entledigen wollen und warteten nur auf einen günstigen Anlaß, ihrem Haß und Unwillen gegen die Juden Luft zu machen. Die Matrosen sprengten das Gerücht aus, die Juden hätten sich gegen die Hamburger Schiffer mit gefährlichen Feinden der Hamburger Seefahrer, mit den „Algiers", den nordafrikanischen Raubstaaten, verbunden. Der Geistlichkeit ' war die Milde, welche der Senat den Juden widerfahren ließ, ein Dorn im Auge. Am letzten Sonntag sollte auch einer der Pastoren in seiner Predigt von den Juden in Ausdrücken gesprochen haben, welche von vielen seiner Zuhörer in judengehäffigem Sinne gedeutet wurden. An jenem Nachmittag nun, man zählte den 24. August, rottete sich das Volk auf dem Großneumarkt gegen'die Juden zusammen. Es gelang jeooch der Wache, ohne große Mühe den Platz zu räumen. Am folgenden Tage kam es in der hauptsächlich von Juden bewohnten Elbstraße zu einem Auflauf. Eine Frauensperson war, sinnlos betrunken, und laut lärmend, auf offener Straße niedergestürzt. Eine Jüdin soll über sie gelacht und ein Judenknabe ihr den Hut weggenommen haben, und als dieser aus dem Judenhaus, in das er sich vor seinen Verfolgern geflüchtet, der Menge nicht ausgeliefert wurde, begann man es mit Steinen zu bombardiren. Seinen Höhepunkt erreichte der Tumult durch einen neuen Zwischenfall. Em Judenknabe, der mit dem Diener des Hauses vor der Thür stand, wurde von einem vorübergehenden Straßenbuben, der einen Topf mit Milch trug, geschlagen. Der Jude vertheidigte seinen Schützling und der Milchtops ging in Scherben. Nun schrie der Bengel, man müsse ihm Topf und Milch ersetzen. Auf sein Lärmen lief ein großer Haufe zusammen und bedrohte das Haus des Juden. Dieser holte den Straßenjungen herein und versprach ihm den doppelten Preis für Topf und Milch, wenn er chm den Anstifter des ganzen Aufruhrs nennen wolle. Der Bengel glaubte, es ginge ihm an sein Leben und sing jämmerlich zu schreien an. Der Jude warf ihn hinaus, und draußen erzählte er — so hatte man's ihm vorgesagt, — der Jude habe ihn schlachten wollen. Das war das Signal zum allgemeinen Angriff auf die Judenhäuser. Inzwischen waren die Sicherheitsbehörden nicht müssig geblieben. Sogleich ließ der Commandant, General Duchesne, die Dragoner aufsitzen. Die Infanterie folgte unmittelbar darauf und so gelang es in Kurzem, den Aufruhr zu bewältigen. Doch wurden von allen Seiten Drohungen laut, es solle am nächsten Tag der Hauptschlag gegen die Juden geführt werden. Daraufhin ließ der^Senat in allen Straßen unter Trommelwirbel bekannt machen, es werde jedes Vergehen gegen die öffentliche Ruhe und Sicherheit auf das Strengste geahndet werden. Für jede Anzeige von Rädelsführern stellte man Belohnungen in Aussicht. Gleichzeitig wurde an allen Straßenecken ein Eclaß des Senates angeschlagen, worin zur Rückkehr zur Ordnung ermahnt und auch den Juden die Vermeidung jedes öffentlichen Aufsehens dringend empfohlen wurde. In der That verlas man am Sabbathmorgen in allen Synagogen einen Aufruf an die Gemeindemitglieder, sich möglichst wenig auf der Straße blicken zu lassen, womöglich des Abends

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