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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-01-24 · 4 (24.1.1902) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
4 (24.1.1902)
Date
1902-01-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 61 Nach Schluß der Generalversammlung findet ein gemächlicher Uuterhalrungsabend mit Vorträgen und Tanz statt, dessen Reinerträguiß dem Schulbau-Comits der israelitischen Gemeinde in Ung.-Brod zufließt. Landsleute und Gäste willkommen. Wien. (Ball der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler.) Samstag den 18. d. M. wurde eine vom Präses des Vereines geführte Deputation des Ballcomites vom Unterrichtsminister Dc. v. Härtel empfangen. Der Minister erkunvigte sich eingehend nach den Zielen und Bestrebungen des Vereines und sprach die Hoffnung aus, daß es ihm möglich sein werde, persönlich auf diesem jüdisch-studentischen Ballseste zu erscheinen. Wien. Am 16. Jänner 1902 feierte der Verwalter der israelitischen Versorgungsanstalt Herr Rudolf K o d i t s ch e k sein 25jährigeS Dienstjubilänui als Beamter der israelitischen Cultusgemeinde Wien, aus welchem Anlasse ihn der Präsident der israelitischen (Lultusgemeinde kaiserl. Rath Heinrich K1 inger in einem warm gehaltenen Schreiben auf das Herzlichste beglückwünschte. Ebenso gingen ihm von Herrn Vicepräsidcnten Dr. Alfreo Stern und vielen Freunden Glückwunschschreiben zu. Namens der Beamtenschaft übergab Herr I. Secretär kaiserl. Rath Dr. Theodor Lieben dem Jubilar ein Ehrengeschenk. Anschließend an diese intime Feier fand Samstag den 18. d. M. über Veranstaltung des Obmannes der Versorgungsanstalt Salo Cohn im Vereine mit der Präsidentin des Damencomitss Frau Jda Diamant im Saale der Versorgungsanstalt eine officielle Feier statt, zu welcher die Vorsteher Salo Cohn, Baurath Sliaßny und Dr. Breuer, das gesanimte Damencomite, die Familie des Jubilars, Primarius Dr. Loebl mit den Anstaltsärzten Dr. Frisch und Dr. Gerber, der Ailstaltsbeamte B r ö S l e r und sämmtliche Insassen sich einfanden. Herr Vorsteher Salo Cohn sprach dem Jubilar in herzlichen Worten die Anerkennung des Vorstandes aus, ebenso Frau Präsidentin Diamant namens des Damencomitss, worauf ihm letztere ein kostbares Geschenk überreichte. Unter stürmischen Hochrufen schloß die Feier. Wien. Die rühmlichst bekannte Coucertsängerin Fräulein Grethe M o d l i n g e r, Tochter des verstorbenen hervorragenden Hebraisten und Kritikers Samuel Modlinger, veranstaltet, wie alljährlich, Dienstag den 11. Februar 1902 un Saale Ehrbar, IV., Mühlgasse 28, einen Liederabend unter gefälliger Mitwirkung des Vwloncellvlrtuosen Herrn Ca:l Klein und des Concerlpianisten Herrn Emerich K r i ß. Die Künstlerin fingt Lieder und Arien von Händel, P e r g o l e s e, Schubert, ch um a n n, Brahms, G r i e g, A m a d e i, T s ch a i k o w s k y und Thomas. Herr Carl Klein bringt zum Vortrage Kol- Nidrei von Bruch, ferner Stücke von Schütt, Sitt und eigene Compositionen. Herr Emerich Kriß spielt die XU. Rhapsodie von Liszt sowie eigene Compositionen und hat außerdem die Clovierbegleitung des Lieder-Adends übernommen. Wir'empfehlen auf's Wärmste den zahlreichen Besuch des PubUcums zu diesem interessanten Concert, zumal die junge Dame als mittellose Waise ganz allein auf ihre Kunst angewiesen ist. Karten sind zu haben bei der Concertgeberin, VH., Myrthengaffe 15. Wien. Der israelitische Wohlthätigkeitsverein im HI. Bezirke veranstaltete Dienstag den 14. Jänner im Ballsaale des „Hotel Continental" eine Akademie mit Tanzkränzchen. Die Räume erwiesen sich als viel zu klein, um die Gäste zu fassen, solcher Beliebtheit erfreuen sich die Veranstaltungen dieses humanitären Vereines. Die Akademie, bei der die Damen Frau Pohl-Meise.r, Frl. Mila Theren, die Herren Hans Lackner, Leopold Natzler, das Koschat-Quintett, Rudolf Carlo und Georg Meyer mitwirkten, war wirklich eine erstklassige. Kein Wunder, wenn Künstlerinnen und Künstler stürmisch applaudirt wurden. Den Ball eröffnete der Obmann des Herren-Comites Herr Hugo Ochs mit Frl. Lola Bing. Meister Singer konnte bei der ersten Quadrille 176 Paare zählen. Bei sehr animirter Stimmung wurde bis Früh getanzt. Besondere Berdienste um dieses schöne Fest hat sich Herr Max Ochs, der artistische Leiter dieser Akademie, erworben. Dem Vereinsfonde dürfte ein nettes Sümmchen zufließen. Wien. (Benjamin Lichtenstein.) Am 16. d. M. verschied hier der Privatgelehrte Herr Benjamin Lichtenstein im Patriarchenalter von 90 Jahren. Der Verstorbene, eine sowohl hier als in Baden, wo er Sommeraufenthalt nahm, in den weitesten Kreisen hochgeschätzte Persönlichkeit, hatte sich durch seine tiefe Talmudgelahrtheit, gepaart mit einer außerordentlichen Frömmigkeit die Achtung Aller erworben, die Gelegenheit hatten, ihm näher zu treten. Gottbegnadet, blieb er von jedem Gebreste des Alters verschont und behielt bis in seine letzten Lebenstage den vollen Glanz einer ehrwürdigen Erscheinung, die Jedermann für ihn einnahm. Die Liebe seiner Kinder und Angehörigen scheuchte jede Sorge von ihm und so konnte er sich ungestört dem Studium der heiligen Lehre widmen. Die Pietät der Seinigen hat auch seinen Wunsch erfüllt, indem sie den theuren Todten in Mattersdorf zum ewigen Schlafe betteten. Die Sympathien, deren sich der Verstorbene zu erfreuen hatte, kamen bei dem Leichenbegängnisse zum solennen Ausdrucke. Eine große Schaar von Freunden — und Alle, die Benjamin Lichtenstein kannten, waren seine Freunde — hatte sich nach Mattersdors begeben, unter ihnen auch der Obmann des Tempelvereines in der Fugbachgasse, Herr Adols Schrämet, ferner eine Deputation des Tempelvereines Marpe lanetesch, in dessen Synagoge der Verstorbene einen Ehrenplatz hatte, mit dem Rabbiner H. Friedmann an der Spitze und Mitglieder der Badener „Chewra - Kadischa". An dem Leichenbegängnisse betheiligte sich die ganze Gemeinde Mattersdorf und widmeten der Rabbiner von Matkersdors Herr B. Schreiber und der Rabbiner des Wiener Bethanses Marpe laastssed, Herr Friedman n, warm empfundene Nachrufe, die ihren Widerhall in den Herzen aller Anwesenden fanden. Ehre dem Andenken an Benjamin Lichtenstein! — f— Wr.-Neustadt. Am 17. d. M. wurde die hochachtbare Gattin des hiesigen Rabbiners, Frau Regina Weiß, geb. Schischa, unter außerordentlicher Betheiligung der hiesigen Cultusgemeinde zu Grabe getragen. Die „Chewra-Kadischa" veranstaltete der Verstorbenen ein ehrenvolles Leichenbegängniß. Ihr Gatte. Hcrr Rabbiner Benjamin Weiß, hielt der Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf. Kostet. Am 5. Jänner fanden hier die Cultnsmahlen statt. Zum Cultusvorsteher wurde einstimmig der Großgrundbesitzer Herr Baruch K o h n wiedergewählt, zum Stellvertreter Herr Adolf Weigl, als Beiräthe die Herren David Spitzer und Josef P e t e r s e l k a. Troppau. Samstag den 11. d. M. hielt im hiesigen jüdisch - literarlscheu Verein Herr Rabbinatscandidat Jacob Sonderling aus Breslau, ein Sohn des Herrn Wilhelm Sonderling, Brünn, einen Vortrag über „jüdische Festtage". Der jugendliche Redner verstand es, das anziehende Thema ebenso formvollendet als höchst anschaulich zu behandeln, wobei ihm seine wohlklingeude Stimme, verbunden mit sicherem Auftreten, sehr zu statlen kam. Es war ein Hochgenuß, der beredten Schilderung unserer Feiertage — sowohl vom Standpunkte der Religion, als des Volkslebens — beizuwohnen und ist die Annahme gestattet, daß die zu Herzen gehenden Ausführungen des begabten Redners selbst in sonst sich gleichgiltig gebenden Gemüthern einen starken Widerhall gewcckt haben dürften. Der Vortragende, welcher zu den schönsten Hoffnungen berechtigt, hat den ihm reichlich gespendeten Beifall in hohem Maße verdient und wird gewiß stets aufs Freudigste in unserer Mitte begrüßt werden. S. C. Tabor. Die Repräsentanz der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde hat einen neuen Beweis ihrer Fürsorge für die religiöse Erziehung der israelitischen Schuljugend dadurch gegegeben, daß sie über Antrag des hochverdienten Präses. Herrn I. U. Dr. Friedrich Guttmann, die Einführung von allwöchentlichen Exhorten für die israelitischen Kinder der hiesigen böhmischen Volks- und Bürgerschulen beschlossen hat. Zum Exhortator wurde Herr Adolf Fried, öffentlicher Religionslehrer und "Lehrer an der hiesigen zweiclasiigen Talmud-Thoraschule mit böhmischer Unterrichtssprache, ernannt. Die Exhorten werden in der rauhen Jahreszeit im Locale der Talmud-Thora-Schule abgehalten. Die erste Exhorte, welche am 18. Jänner stattfynd, beehrten: Ehrwürden Herr Dr. N. Weislovits; von der Cultus- Repräsentanz (von welcher der Präses Herr Dr. Guttmann verhindert war) die Herren Präses-Stellvertreter Bernard Guttmann, kaiserl. Rath Philipp Guttmann, Alois Freund, Karl Mendl, Moriz Penisrk, Josef Stern. Prag. Am 21. Jänner eröffnete der jüdisch-wissenschaftliche Verein „Atike Jehudah“ seine diesjährige Vortragssaison mit einem Bortrage des Rabbiners Dr. Rosenthal-Breslau über „Das geistige Leben der Juden nach der Zerstörung des zweiten Tempels". Der nächste Vortrag wird die profan-wissenschaftlichen Leistungen der Juden im Mittelalter zum Gegenstände haben, worauf ein dritter Vortrag über ein Thema aus der jüdischen Wissenschaft der Neuzeit folgen wird. Mährisch-Ostrau. Im hiesigen jüdischen literarischen Verein hielt vor einem zahlreichen Publicum Herr Dr. Siegmund Groß, Prediger aus Lundenburg, einen Vortrag über „Die Blüthezeit der jüdischen Literatur in Spanien unter maurischer Herrschaft". Der mehr als einstündige Bortrag brachte intereffante Mittheilungen über di? jüdischen Forscher und Dichter dieser Periode. Der Vortragende wurde durch lebhaften Beifall ausgezeichnet, worauf die Herren Dr. Beer und Dr. Lpira dem Redner im Namen des Bereinsvorstandes den Dank und die Anerkennung in schmeichelhaften Worten ausdrückten.

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