Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 4 (24.1.1902)
- Date
- 1902-01-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 60 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sir. 4 Wien. (Landesgerichtsrath Dr. JacobKohn.) Mittwoch Vormittags um 11 Uhr hat unter zahlreicher Betheiligung von Gerichtsbeamten und Advocaten das Leichenbegängniß des Landesgerichtsrathes Dr. Jacob K o h n stattgefunden. Im Trauerhause in der Oberen Donaustraße 15 hatten sich vorher unter Anderen eingefunden: Vom k. k. Landesgericht in Wien die Vice-Präsidenten Freiherr v. Fellner, Richard Z a w i s ch und August D i t t m a n n. Regierungsrath Frankl, die Ober- Landesgerichtsräthe Edgar v. Ambrosz, Alois Freiherr von N a t o r p, Dr. Theodor M o t l o ch, Dr. Raimund Appel, Dr. Ritter v. Aschbach, Schneider und Dr. Vitorelli, die Landesgerichtsräthe Wenzel Moyzisck, Dr. P ü r i n g e r, Dr. M i t s ch e r l i n g, Adolph Kahn, Dr. A s p i s, Ritter v. Roth, Dr. v. Braulick, Dr. Traunwieser, Constantin Hackl, Edler v. Gernerth, Dr. Heinrich Goldmann, Ludwig Kautetzky, sowie zahlreiche Gerichtsbeamte, ferner der Präsident der Notariats-Kammer Dr. Franz Mayrhofer, namers der Advocatenkammer Präsident-Stellvertreter Dr. Zucker und Vorstandsmitglied Dr. Alois R u z i c k a, und viele Mitglieder des Advocatenstandes, der I. Vicepräsident der israelitischen Cultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit zahlzeichen Mitgliedern des israelitischen Cultusvorstandes. Die Vorstandsmitglieder und Beiräthe der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" mit dem Präsidenten Herrn Paul- Schiff an der Spitze, Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, Rabbiner F ü r st, Rector Schwarz, kaiserl. Rath Dr. Lieben, Landtagsabgeordneter Dr. Ofner. In der Ceremonienhalle des Centralfriedhofes executirte Herr Obercantor Guttmann die Trauergesänge und Herr Rabbiner Dr. S ch m i e d l widmete dem Verblichenen einen warmen Nachruf. JmNamen der „O sterreichisch- Jsraelitischen Union", deren Mitbegründer der Heimgegangene Landesgerichtsrath war, sprach Herr Cultusvorstrher und Bezirksschulrath Dr. Marcus Spitzer einige Worte rührenden Abschiedes für den verblichenen Mitstreiter. Im Namen des Anwallstandes sprach der Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Marcell H o f f m a n n und zeichnete insbesondere die Gesinnungstüchtigkeit, den edlen Chm rakter. die Glaubens- und Stammestreue des Heimgegangenen. Wien. Der israelitische Tempel-Verein des X. Bezirkes in Wien hat am 13. Jänner l. I. die 26. ordentliche Generalversammlung abgehalten. Es wurden nachstehende Herren in den Vorstand und Ausschuß wiedergewählt: Herr Carl Seligmann zum Obmann; Herr Sig. Eibusckitz zum Obmann-Stellvertretei; Herr I. S. Straßberg zum Obmann der Tempel-Section; die Herren Max Berger, Hermann Fischmann, Johann Lampel, Emanuel Polacek, Em. Schidrowitz, S. Salpeter, Em. Weiß und Salomon Polacek zu Ausschüssen. Wien- Der Vorstand des israelitischen Bethaus-Vereines am „Volkert" in Wien versendet die Einladung zu der Sonntag den 26. Jänner 1902. präcise 5 Uhr Abends, im Bethaus-Lvcale, U.. Fugbachgafse Nr. 7, stattfindenden XXV. ordentlichen Generalversammlung. Wien. Für den schwererkrankten Postenlosen Cantor sind nachstehende Spenden in Kronen eingegangen: Anonymus, Wien 5.—; Alice Ornstein. Wien 6.—; Jacob S. Straßberg,. Wien, X Bezirk 20.—; Julius Weiß, V.ien, III. Bezirk 8.—; Obercantor I. Weiß, Tobitschau 1.—; Cantor M. Rosenfeld, Pisek 2.—; l. Cantor M. Blatt, Wien 5.—; Obercantor M. Friedmann, Berlin 3.60; Obercantor M. Schorr, Wien 10.—; Obercantor B. Guttmann, Wien 10.—; I. Cantor I. Schillers Wien 5.—; Obercantor I. Bauer, Wien 4.—; Cantor S. Popper, Eger 1.—; Cantor Franz Teltsch. Wien 3.—; Canror Goldenberg, Marienbad 3.—; Cantor A. Freisinger, Pilsen 5.—; Cantor Rothwein, Wien 4.—; Cantor Klinkowstein, Straßnitz 2.—; Cantor Goldmann, Groß-Kanizsa 2.—; Cantor Goldmann, Bielitz 2 —; Cantor Löwensohn, Prag 4.—; Obercantor I. Singer, Wien 5.—; Cantor G. Samcho, Schüttenhofen 2.—; Cantor Rohmann. Wien. XX. 2.—; Dr. Treulich, k. u. k. Oberstabsarzt 4.—; Rudolf Fuchs, Schrifsteller. Wien 2.—; Sammlung durch Obercantor Menkes- Strakonitz 30.—; Obercantor Jellinek Ober-Hollabrunn 2 —; Obercantor Rabinowitsch, St. Pölten 2.—; Obercantor Bachmanu, Budapest 2.—. Zusammek K 156.—. I. Cantor Blatt.. Cafsier des österr.-ungar. Cantorenvereines. Inmitten der veranstalteten Sammlung ist Herr College Tiger leider mit Tod abgegangen und sein im Todeskampfe erwerbender Blick ruhte auf seiner mit vier unversorgten Kindern zurückbleibenden Frau. — Wir glauben, daß diese wenigen Worte keines weiteren Commentars bedürfen, um alle Collegen, wie auch alle übrigen mitleidsfähigen Menschen zu weiterer Hilfeleistung anzuregen. Der Vor st and des öfter r. -ungar. Cantorenvereines. Wien, 19. Jänner. (Leichenbegängniß des Obercantors Tiger.) Unter außerordentlicher Betheiligung aller Cantoren Wiens fand heute das Leichenbegängniß des im 47. Lebensjahre nach langer Krankheit verstorbenen früheren Karlsbader Obercantors Herrn Naftali Tiger statt. Der löbliche Vorstand der Wiener Cultusgemeinde, dem für das freundliche Entgegenkommen innigster Dank gebührt, hat nebst einer Ehrenclasse auch noch die nöthigen Wagen gratis bewilligt, um dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. Im Trauerhause, XX., Wolfsaugässe 10, waren außer den beiden Herren Collegen Singer und Guttmann noch Herr Vorsteher Straßberg und die Herren Collegen Blatt, Schiller, Bauer, Wittmann, Kläger, Jurberger,Löwit, Pekarnik, Serebrenik, Schlesinger, Schleifer, Seifert, Menkes, D. L. Rotter erschienen. Herr Mayer Schorr, Obercantor an der polnischen Synagoge, dem als Jugendfreund von den Leidtragenden die Function zugesprochen wurde, stimmte unter Chorbegleitung das Joschew besser an, und der Sarg wurde unter Absingen des Psalmes zumeist von Cantoren zum Leichenwagen getragen, worauf der imposante Zug sich nach der Ceremonienhalle des Centralfriedhofes verfügte. Hierselbst recitirte Herr Obercantor Schorr das Hazur tomim in alttraditioneller Weise warm und gefühlsinnig, und unter Chorgesängen wurde der Sarg zum Grabe geleitet. Nach Versenkung des Sarges nahm Obercantor Singer Gelegenheit, folgenden Nachruf zu halten: „Der Vorstand des österreichisch-ungarischen Cantorenvereines hat die traurige Pflicht, einen im besten Mannesalter Heimgegangenen, trefflichen Collegen einige Worte des Abschiedes ins offene Grab nachzurufen: „Wem von uns die Geschehnisse und Schicksalsschläge in den letzten Lebensjahren des verblichenen Collegen bekannt sind, dem zuckt das Herz in unsagbaren Schmerz zusammen; dem steigt die Röthe — ich will nicht sagen des Unmuthes — aber dock der tiefsten Erregung ins Antlitz, ob all' des Jammers und Unglückes, welches über Dich hereingebrochen, armer College Naftali Tiger. Du starbst an gebrochenem Herzen — — Es ziemt uns nicht, hier am offenen Grabe Anklagen und Berurtheilungen laut werden zu lassen; der allmächtige und allwissende Vater im Himmel, der ja die Geschicke aller Menschen so väterlich leitet, der weiß es am besten, wo hier die Schuld liegt und wird auch in dieser so unsagbar jammervollen Angelegenheit seine väterliche Milde und Gnaoe walten lassen. Doch einen Gedanken können und dürfen wir in diesem Augenblicke nicht zurückoräugen, das ist der Hinweis auf die Nothioendigkeit des Anschlusses aller Cantoreu an die Vereinigung zum' Schirm und Schutz gegen alle Anfechtungen von Innen und Außen. Bald wird ein Hügel über Dein Grab sich wölben und in absehbarer Zeit ein Stein die Stätte bezeicknen, wo Du ruhst, College Tiger. Du arnier Mäctyerer Deines Berufes; vielleicht wirst Du auch zum Märtyrer unserer ge-neinsamen Angelegenheit; denn aus diesem Grabeshügel wi.d eine Stimme mächtig und dröhnend hinaustönen in Die Häuser aller jüdischen Cantoren mit der eindringlichen Aufforderung, sich aneinander zu schließen und für unsere Rechte zu kämpfen. Da aber, Du frühvollendeter armer College, der Du ein ausgezeichneter Cantor und liebevoller Gatte und hingebender Vater gewesen, ruhe aus von all' den Mühseligkeiten des Daseins, und mögest Du nun endlich jene Ruhe finden, die Dir leider während Deiner irdischen Lebensbahn vom Schicksale versagt geblieben. Amen!" Mit einem trefflich, in altpolnischer Weise vorgetragenen LI mole rachamtm durch den Obercantor Schorr fand die erhebende Leichenfeier ihren Abschluß; eine Feier, die noch lange im Herzen der Anwesenden nachklingen wird. Sch. Wien. (Trauung.) Sonntag den 2. Februar 1902 um 3 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel, I., Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Jda F r ey b e r g, Tochter des Fabrikanten Herrn Wilhelm F r e y b e r g, mit Herrn Robert Politzer statt. ■ Wien. Der Losverein „der Ung.-Broder in Wien" hält Samstag den 25. Jänner d. I. in Hauswirth's Restaurant, II., Praterstraße 62 seine ordentliche Generalversammlung ab.