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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-01-24 · 4 (24.1.1902) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
4 (24.1.1902)
Date
1902-01-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 4 Dr. BLoch's Wochenschrift. Sette 59 Lehrtätigkeit. Diese gilt dem Sanskrit und der vergleichenden Sprachforschung. In der wissenschaftlichen Arbeit Lefmann's tritt als besonderer Zug das Bestreben hervor, Leben und Entwicklung der führenden Männer der Wissenschaft zu zeichnen. Eine der ersten größeren Schriften hat Leben und Bedeutung August Schleicher's zum Gegenstände. Später unternahm es Lesmann, Leben und Wirksamkeit Franz Bopp's auf breiter Grundlage darzustellen. Er war dazu besonders dadurch in den Stand gesetzt, daß ihm der literarische Nachlaß Bopp's von dessen Erben überlassen worden war. Seiner Bopp-Biographie hat Lefmann eine größere Zahl von Briefen von und an Bopp beigegeben. An weitere Kreise wendet sich Lefmann mit seiner „Geschichte des alten Indien", die in Oncken's „Weltgeschichte in Einzeldarstellungen" erschien. Seine Fachgenosien verpflichtete sich Lefmann durch die Herausgabe des Werkes „Lalita vistara, Leben und Lehre Cakya Simha's" (1874); von kleineren Arbeiten Lefmann's sind zu nennen : „Ueber die deutsche Rechtschreibung", „Zur Geschichte der Sprachwissenschaft in neuerer Zeit". „Zum Gatha-Dialect" und „Beiträge zu den Heidelberger Jahrbüchern". London. (Protest gegen M r. Z a n g w i l l.) In der am 13. d. M. abgehaltenen Monatssitzung der „Anglo- Jewish-Association" ergriff Chacham Gaster die Gelegenheit, um gegen die von seinem zionistischen Gesinnungsgenossen Mr. Zangwill auf dem fünften Zionisten-Congreß in Basel gegen die „Jewish Colonisation Association" erhobenen Beschuldigungen in scharfen Worten zu protestiren. Dr. Gaster warf Mr. Zangwill Unwissenheit und Ungenauigkeit vor. Die Angelegenheit der Palästinensischen Colonien werden nicht von der „Jewish Colonisarion Association", sondern von einem unter dem überwiegenden Einflüsse des Baron Edmound Rothschild stehenden speciellen Somit« geleitet, und Mr. Zangwill hat daher seine Borwürfe an eine falsche Adresse gerichtet. Die „Jewish Cvlonisatiou Association", sagte Dr. Gaster, will ebenso wie der Zionisnus nur das Beste für das Judenthum, und ich wünsche ausdrücklich, mich von der durch Unwissenheit hervorgerufenen Anklage des Mr. Zangwill loszusagen. D?r Vorsitzende Mr. Claude Montesiore schloß sich seinerseits dem Proteste gegen Mr. Zangwill's Anklage, die er als „wild und ungenau" bezeichnete, an. Die „Jewish Colonisation Affociation", deren Thätigkeit durch ein Statut begrenzt wird, habe für Palästina mehr gethan, als sie eigentlich durfte. Leider hat Dr. Gaster es vergeffen. auch gegen Mr. Zangwill's Angriff auf Rabbi Jochanan ben Sakkai, den einzigen Träger der mündlichen Ueberlieferung. zu protestiren Und Dr. Gaster wäre als Rabbiner der berufene Mann dazu, eineu Angriff auf Rabbi Jochanan ben Sakkai, dem Vater der Mischnah und des Talmuds, energisch zurückzuweisen. London. (Berurtheilung von zehn russischen Juden.) Vor dem Polizeigericht der Themse erschienen zehn russische und polnische Juden, welche angeklagt waren, in ihren Wohnungen mehr Schlafburschen ausgenommen zu haben, als das Wohnungsgesetz zuläßt. Der Vertreter der Anklage forderte die Bestrafung, der Angeklagten. Diese Fremden, führte er zur Begründung seines Antrages aus, haben keine Vorstellung davon, warum und weshalb eine Wohnung nicht übervölkert sein darf. Durch ihre Bestrafung, muß ihnen nachdrücklich beigebracht werden, daß sie im Interesse Anderer die Vorschriften des Wohngesetzes zu befolgen und in ihren Wohnungen nicht allzuviel Schlafburschen aufzunehmen haben. Es wird jetzt öfter darüber geklagt, daß die Fremden die eingeborene englische Bevölkerung ausmiethen und dann, um die abnorm hohe Miethe bezahlen zu können, ihre Wohnungen mit Aftermiethern vollstopfen. Das einzige Mittel dagegen ist zunächst, die Uebertreter zu bestrafen, um dann im Wiederholungsfälle das betreffende Haus schließen zu dürfen. Durch diese letzte Maßnahme werden die eigentlichen Schuldigen, nämlich die wucherischen Hausbesitzer schwer getroffen werden; dies dürfte viel wirksamer sein, als diese armen Schlucker von Fremden zu bestrafen, die doch nur. pon der bitter» Noth getrieben, ihre Wohnungen überfüllen. Um aber die Schließung der Häuser bei der zweiten Uebertretung zu ermöglichen, müsse erst die erste Uebertretung vom Gerichte als solche anerkannt werden. Der Ankläger beantragt daher gegen die Angeklagten eine milde Geldstrafe von einen Shilling. Das Gericht entschied dem Anträge des Anklägers gemäß. Mit dieser ersten Verurtheilung betritt der Londoner Magistrat einen neuen Weg, um die wirklich große Uebervölkerung East-Londons wirksam zu bekämpfen und zugleich damit den einzig gangbaren Weg zur Lösung der sogenannten „Fremdenfrage" zu betreten. Diese Fremdenfrage ist nämlich im Wesentlichen eine simple Wohnungsfrage, welche jedoch von den englischen Antisemiten zu einer wichtigen nationalen Angelegenheit aufgebauscht worden ist. Daß die Wohnungsnot in East-London übrigens nicht blos durch den Zuzug der fremden Einwanderer allein entstanden ist. beweist nebst der Thatsache. daß die Miethen auch in völlig „jndenreinen" Städten fabelhaft gestiegen sind, noch die kürzlich von jüdischer Seite veröffentlichte Mittheilung, daß allein in den letzten 3 Jahren in East-London nicht weniger als 467 Wohnhäuser abgeriffen wurden, um öffentliche Gebäude oder große Kauf- und Waarenhäuser an ihrer Stelle zu errichten. Nicht die fremden Juden also, sondern die fortschreitende Cultur und der wachsende Handel haben den Wohnungsmangel im Osten Londons hervorgerufen. Statt über zuviel Juden hätten die Antialienisten über zu wenig Wohnungen klagen sollen. London. (20.000 Mark für einen getauften Juden) hat die „Jüdische Missionsgesellschaft der englischen Presbyterianerkirche" bezahlt. Dieses geht aus einem thränenreichen Aufruf hervor, den die Gesellschaft neulich verschickt hat und in welchem es u. A. heißt: „Unsere Arbeit zur Verbreitung des Evangelismus unter den Juden von Whitechapel und Aleppo wurde von unseren Agenten und ihren freiwilligen Helfershelfern mit allbekannter Hingebung betrieben. Obgleich die zu überwindenden Schwierigkeiten nicht vermindert waren und die „statistischen Resultate im Taufen" nicht gar zu groß waren, so war die Arbeit in diesem Jahre doch nicht ganz umsonst gewesen. Die „statistischen Resultate im Taufen" bestanden in der Taufe eines ganzen Juden in Aleppo. Was dieser Spaß gekostet haben muß, ist ebenfalls aus diesem Aufrufe zu ersehen. Unsere Einnahmen betrugen im letzten Jahre 1233 Pfd. St., heißt es in dem Aufrufe. Und diese 1233 sind für die Taufe des Juden in Aleppo ausgegeben worden. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien, I., Seitensterlengafse 4, für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Julius Brachfeld: Von Herrn E. Singer, I.. Creditanstalt, X 5.—; Dezsö Roth, I., Kärntnerstraße 30, X 10.—. Zusammen X 15.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Emanuel I e l e n k o : Von Herrn Karl Körmendi, VI., Gumpendorferstraße 16, X 30.—; Filipp Löwy. I., Hoher Markt 5, X 20.—; Simon Kornfeld. VI!.. Breitegaffe 17, X 20.—; M. Teschenbach. I. Bez., Graben 31. X 10.—; von Frau' Laura Waringer, I., Tuchlauben 6, X 10.—. Zusammen X 90.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Rosa Sem* berger: Bon Herrn Paul Lemberger, I., Rudolf-p'atz 13 a, X 50.—; Karl Lemberger, I., Hoher Markt 9, X 30.—; Dr. M. Steiner, 11., Hammerpurgstallgasse 5. X 20.—; Mcx Schweiger, I. Bez., Rudolfsplatz 13 a. X 15.—. Zusammen X 115.—. Anläßlich des Ablebens des seligen H rrn David Marie: Von Frau Carola Marle, Vl.. Stumpergaffe 42. X 10.—; von Herrn Bernhard Marle. VI.. Stumpergaffe 42, X 10.—; Richard Marle. VI., Stumpergaffe 42, X 10.—; Bernhard Goldschmied. VII., Dreilaufergasse 6. X 5.—. Zusammen X 35.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Hermann Goldenberg: Von Herrn David Pereles» l, Zelinkagaffe 4, X 40.—. Oesterreichisch-Jsracli tische Union. Samstag den 25. Jänner 1902, präcise halb 8 Uhr Abends, findet im Festsaale des „Niederösterreichischen Gewerbevereines". 1., Efchenbachgasse 11. eine Vercinsversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Trauerfeier für unser Ehrenmitglied Landesgerichtsrath Dr. Jacob Kohn. Gedenkrede, gehalten von U nv.-Prof. Dr. S. E h r m a n n. 2. Vortrag des Univ.-Doc. Dr. Josef Grünfeld: „Die Antiseptik im Judenthum". 3. Anträge und Interpellationen. — Durch Mitglieder eingeführte Gäste haben Zutritt. — Damen willkommen! Nach Schluß der Versammlung gesellige Zusammenkunft im Restaurant Khuner.

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