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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-01-24 · 4 (24.1.1902) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
4 (24.1.1902)
Date
1902-01-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette SO Dr. Bloch's Wochenfchrist. Nr. 4 Die Verweigerung der nothwendigen Mittel, um unsere Universitäten als Pflanzstätten der freien Forschung zu erhalten und mit den Hochschulen der Nachbarstaaten auf gleiche Stufe zu stellen, entspringt jenem bildungsfeiudlicheu Geiste, der dem Pöbel der Bierkneipen die politische Macht in die Hand spielte, der die Dummheit und Rohheit fördert und den alten Weibern eine Amazonenrolle zutheilt, weil er mit dieser knechtseligen Garde seine Machtansprüche am besten und leichtesten zu befriedigen hofft. Das Schicksal Spaniens, dessen Ruhm und Stolz einst seine Hochschulen waren und dessen geistige Verödung allmälig seine wirthschaftliche Vernichtung und zuletzt auch den Verlust seiner politischen Großmachtstellung nach sich zog, schreckt sie nicht — das Gegenstück Deutschland, dessen geistige Regsamkeit, dessen wissenschaftliche Errungenschaften seine großartigen politischen und wirthschaftlichen Erfolge vorbereiteten, reizt sie nicht. Mit blindem Fanatismus treiben sie den Staat seinem Verhängniß entgegen, und die johlende Menge zieht hinter ihnen her mit Heugabeln und Dreschflegeln und feiert Orgien der Gemeinheit. In der Sprache unserer Officiösen aber heißt das: patriotische Gesinnung. Es ist derselbe Patriotismus, der einst Oesterreich abschloß von der europäischen Cultur und in gerader Linie nach Solferino und Königgrätz führte. Hundertmal haben wir es gesagt, daß das Schicksal, das mau den Juden in diesem Staate zudachte, das Schicksal des Staates selber werden, daß der Antisemitismus d'en geistigen Fortschritt der Juden nicht aufhalten, Oesterreich aber tief ins Mittelalter zurückschleudern müsse. Noch sind wir nicht so weit, aber wir rücken dem Abgrund immer näher. Die Denkschrift der Wiener philosophischen Facultät gibt davon ein beredtes Zeugniß. Aber wir fürchten sehr, daß auch diese Warnung ungehört verhallen wird. Daß sich die Facultät an das Parlament statt an die Regierung wendet, stimmt zum Nachdenken. Da» «r«e Iudrnverfolgungsgesrtz in Unmänren. Wir haben in der vorletzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" die Einbringung einer Vorlage in der rumänischen Kammer augekündigt, die als ein neues Werkzeug zum Zwecke der Verfolgung der Juden angesehen werden müsse. Die „Agence Roumame“ telegraphirt nun in alle Welt hinaus, die Meldung sei unrichtig. Die Soldschreiber des rumänischen Ministeriums waren seit je die verlogensten Subjecte. Inzwischen hat der nunmehr vom Minister des Innern, Herrn Aurelian, wirklich vorgelegte Gesetzentwurf in vollem Umfange nicht nur unsere Ankündigung bestätigt, sondern leider auch die Auslegung, die wir demselben gegeben haben. Es war nicht Schwarzseherei, wenn wir vorhergesagt haben, das national-liberale Cabinet Sturdza werde sich mit einer neuen abscheulichen Judenverfolgung dem Laude gegenüber schön zu machen suchen, wir haben vielmehr nur die wahren Absichten dieser barbarischen Regierung vorhergesehen und uns in der richtigen Beurtheilung des Charakters derselben nicht getäuscht. Rumänien ist inficirt von dem Gifte des Judenhasses, eines Judenhasses, dem jede Begründung fehlt. Die rumänischen Juden sind fleißige, tüchtige, arbeitssame Staatsbürger, die ihr Gut und ihr Blut seit Jahrhunderten dem Staat geopfert haben; sie sind keine „Eingewanderten" — wie etwa die zahlreichen Slaven, Türken, Griechen, Armenier, Zigeuner und Bulgaren, von denen der „rumänische" Volksstamm so durchtränkt ist, daß von einer Raceureinheit desselben absolut keine Rede mehr sein kann; ffie widmen sich auch nicht etwa bloS sogenannten „liberalen Beschäftigungen" oder leichter Arbeit; kein Gewerbe, und wäre es noch so schwer, ist ihnen fremd, vor keiner Arbeit, — und wäre sie noch so wenig gewinnbringend, brächte sie nur das tägliche Brot — schrecken sie zurück. Trotz allrs Undankes, den sie geerntet, haben sie treu dem Lande und Volke gedient, dessen Lasten mitgetragen, ohne dessen Freuden mitzutheilen. Es ist also tatsächlich unerklärlich, weshalb nun seit fast einem halben Jahrhundert — seit dem Emportauchen der sogenannten natioualliberalen Partei — die Judenverfolgung mit solcher Wuih betrieben wird. Seit der letzte wahrhaft nationale Fürst den Thron verlassen hat, ist leiöer auch Duldsamkeit und Gerechtigkeit aus dem Lande gezogen, und das Volk, das tolerant war und keinen Judenhaß zeigte, weil so und so lange gute nationale Fürsten es lenkten, ist künstlich mit dem Gifte des Judenhasses imprägnirt worden, ohne daß ein Rumäne, wenn er ehrlich sein könnte und wollte, zu sagen vermöchte, warum die Juden hier verfolgt werden. Da aber Rumänien mit diesem Gifte verpestet ist, müßte es wie ein anderer Pestkranker behandelt werden. Soweit eine geistige, politische, commercielle und persönliche Jsolirung durchführbar ist, müßte dieses Land isolirt werden, sowohl von den Staaten selbst, als noch mehr von allen Factoren, deren Unterstützung es anspricht, und jedes sich selbst achtende Volk müßte sich von einem Verkehr mit Rumänien abschließen, welches Land in seinem Judenhaß noch tief unter Rußland steht und nur mit den ehemaligen Barbareskenstaaten, deren Christenhaß dem Judenhaß der Rumänen glich, auf eine Stufe gestellt werden kann. Aber die Barbareskenstaaten wußten wenigstens, warum sie die Christen haßten, die ihnen ihr Land zu rauben kamen, sowie die Chinesen wissen, was ihnen die Europäer anthun, während die Rumänen nicht den geringsten Grund haben, die Juden so unbarmherzig zu verfolgen, so daß sie also eigentlich noch unmenschlicher sind, als jene, die von der Geschichte „Barbaren" genannt werden. Das Ministerium Sturdza wird den traurigen „Ruhm" genießen, die Geschichte Rumäniens mit einem neuen blutigen Blatt der Judenverfolgung bereichert zu haben. Uebereinstimmend mit der von uns schon in der vorigen Nummer gegebenen Erklärung schickt unser rumänischer Correspondent dem Texte — den wir bereits mitgetheilt haben und dessen Wortlaut er uns neuerdings eiusendet — die Auslegung voraus, daß unter dem Worte „Fremder" nach parlamentarischer und gouvernementaler Gewohnheit nur „Jude" verstanden wird. Das weiß in Rumänien jedes Kind. Und nur weil man noch einen Rest von Schamgefühl hat und den Namen der „liberalen" Partei nicht offen verhöhnen will, gilt es als stiller Pact zwischen Allen, nicht „Jud" sondern „Fremder" zu sagen. In der Praxis wird der „Jud" geschlagen und nicht der Fremde. Ebenso weist unser rumänischer Berichterstatter darauf hin, daß man absichtlich ganz unbestimmte Ausdrücke gewählt hat, damit man umso leichter das Gesetz, sei es zu.wirklicher Austreibung der Juden aus den Dorf- und Marktgemeinden, sei es zu

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