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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-01-17 · 3 (17.1.1902) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
3 (17.1.1902)
Date
1902-01-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 42 Nr. 3 Dr. Bloch's Wochrnsttzrifk. Monarchen aus Anlaß Seines Jubiläums ausgesprochenen unvergeßlichen Wunsche, den glorreichen Gedenktag durch Werke der Mildthätigkeit gefeiert zu sehen, welchen edlen Intentionen die Stifter — wie dem Redner bekannt — nach mehrfachen Richtungen entsprochen habend Zum Schluffe brachte der Präsident ein dreifaches Hoch auf Se. Majestät den Kaiser aus, in welches die Versammlung begeistert einstimmte. Nun folgte in mehreren Gruppen unter Führung des Directors Oser. des Primarius Dr. Fleischmann, des Primarius Dr. Zuckerkand! und des Architekten Baurathes Stiaßny die Besichtigung des Gebäudes; die Disposition der einzelnen Räume, deren Dimensionen, das verwendete Baumaterial und die innere Einrichtung fanden allgemeinen Beifall, insbesondere die großen Krankensäle im ersten und zweiten Stock, die Operationssäle irn dritten Stocke und die große Centralküche im Souterrain. Das Gebäude wird gewiß von" Allen, die sich für Bau und Einrichtung moderner Spitäler intereffiren, besucht und studirt werden. Wie«. (Der Kaiser beim Maler Horovitz.) Der Kaiser hat vor einigen Tagen das Atelier des Malers Leopold Horovitz besucht, um dem Künstler zu einem Porträt zu sitzen. Der Monarch fubr ohne Begleitung in geschlossener Hof-Equipage beim Wohnhause des Malers in Mariahilf, Magdalenenstraße 36, vor und stieg, obwohl sich im Hause ein Lift befindet, durch das Mezzanin und die drei Etagen über die Wendeltreppe hinan. Maler Horovitz empfing den Kaiser im Frack. und der Monarch bemerkte in huldvoller Weise, daß der Künstler nicht so viel Umstände hätte machen müssen. Der Kaiser saß dann fünf Viertelstunden lang zu dem Porträt, das im Auftrag des Kaisers selbst bestellt ist. Maler Horovitz hat es schon begonnen, und die Satzungen des Monarchen gelten nur dem Zwecke, um die Gesichtszüqe nach der Natur festzuhalten. Das Porträt ist unter Lebensgröße. Der Kaiser war in bester Stimmung und conversirte während der Sitzung in leutseligster Weise mit dem von ihm hochgeschätzten Künstler. Um y,3 Uhr verließ der Kaiser das Atelier mit dem Versprechen, in den nächsten Tagen zu einer zweiten Sitzung zu kommen. Die Bestimmung des Gemäldes ist noch nicht bekannt. Wien. Der „Jüdische Volksverein" ersucht um Aufnahme nachstehenden Programmes: I. Die jüdische Volks- Partei steht auf dem Boden des jüdischen Volksthums. Die Juden sind nicht nur eine Confeffionsgemeinschaft, sondern durch ihre Abstammung, ihre tausendjährige Geschichte, ihre Cultur, die zur Culturquelle vieler Völker geworden ist. und vor Allem durch ihr eigenes Gefühl eins. Nation. Die jüdische Volkspari ei bekämpft die unter dem Schlagworte des Fortschrittes gepredigte Assimilation, in dem Bestreben, das geistige Erbe unserer Vorfahren, das sie unter unsäglichen Leiden uns überliefert haben, unverkümmert auf die Nachkommen übergehen zu laffen, zumal schon jetzt der Mißerfolg und die völlige Aussichtslosigkeit der Assimilations- Bestrebungen constatirt werden kann. Die jüdische Volkspartei erstrebt die Hebung der culturellen, politischen und wirthschaftlichen Lage der Juden, ll. Die jüdische Volkspartei erstrebt insbesonders die Verwirklichung, sowohl eines wirthschaftlichen als auch eines politischen Gegenwarts-Programmes in Oesterreich; sie läßt sich hiebei von dem Gesichtspunkte leiten, daß ohne politische Bethätigung eine Minoritätsnafton innerhalb eines gemischtsprachigen Staates von selbst zu einem nebensächlichen Factor wird. Der bisherige Kampf wurde um die Gleichberechtigung der Juden als Staatsbürger geführt, nicht aber um die Gleichberechtigung des jüdischen Volkes. Wir folgen hierin dem Beispiele anderer Völker in Oesterreich, die nicht nur von der Gleichberechtigung, sondern auch von der Gleichwerthigkeit ihrer Nation sprechen. Zur Erledigung ihrer gemeinsamen, über die Cultusintereffen hinausgehenden Angelegenheiten und' zu ihrem Schutze bedürfen die Juden einer gesetzlich anerkannten Organisation; diese wird von uns in der Durchführung der Forderung der nationalen Autonomie erblickt, wie sie die modernen nationalen Parteien in Oesterreich bereits anstreben. Diesen Forderungen muß sich das jüdische Volk anschließen und es wird den Organisationen der einzelnen Länder Oesterreichs überlassen werden müffen, welche Art und Form sie für die Erreichung ihres Zweckes geltend machen wollen. III. Die jüdische Volks Partei ist ihrem Wesen nach national-social. Sie tritt nicht ein für chauvinistische Volkserregungen, sondern für einen geläuterten, verfeinerten uckd gereifteren Nationalismus, der alle positiven Errungenschaften der europäischen Nationen dem eigenen Volksthume zugute kommen lassen will. Insbesondere in der socialen Wirksamkeit für die Hebung der leidenden unteren Volksschichten sieht die jüdische Volkspartei einen wesentlichen Bestandtheil ihres nationalen Programmes. IV. Bon diesen Grundsätzen ausgehend, stellt die jüdische Bolkspartei folgende Forderungen auf: 1. Pflege der culturell-nationalen Bestrebungen, Beeinflussung und Ausbau der Cultusgemeinden in dieser Richtung. 2. Moderne nationale Erziehung der Juden, Begründung und Propagirung nationaler jüdischer Schulvereine, Gründung von Volksbibliotheken, Lesehallen (Pflege der hebräischen Sprache) und Förderung aller auf Cultivirung eines „lebendigen" Judenthums gerichteten Bestrebungen. 3. Verwirklichung der Gleichberechtigung mit den anderen Völkern innerhalb Oesterreichs. 4. Allgemeines directes Wahlrecht mit Minoritätsoertretung. 5'. Unterstützung der genossenschaftlichen Bethätigung sowohl des jüdischen Mittelstandes, als auch des jüdischen Proletariates. 6. Errichtung eines Centralarbeitsamtes mit der Aufgabe: a) durch statistische Erhebungen diejenigen Erwerbszweige in denen Ueberfüllung herrscht, als auch diejenigen, in denen Mangel an Arbeitern besteht, in Evidenz zu halten und den jüdischen Arbeitsmarkt in dieser Richtung zu beeinflussen; b) Die Arbeitsvermittlung, die Versicherung der üdischen Arbeiter geaen Alter, Invalidität, sowie gegen Arbeitslosigkeit zu centralistren. Speciell für die jüdischen Gewerbetreibenden streben wir an: 1. Ausbildung und Vervollkommnung des Lehrlingswesen. 2. Größere «kaufmännische Ausbildung der jüdischen Handwerker. 3. Unterstützung der jüdischen Handwerker durch alle Claffen der jüdischen Bevölkerung 4» Gründung und Ausbildung von Genossenschaftsbanken und Creditinstituten nach dem Muster des in Wien gegründete" Creditinstitutes für jüdische Gewerbetreibende und Beamte. Speciell kür Galizien und Bukowina stellen wir folgendes Programm auf: Eine bleibende Verbesserung der materiellen Lage der Juden in Galizien und Bukowina kann nur durch eine gleichzeitige Hebung der wirthschaftlichen Lage des qesammten Landes erfolgen. Die früher erwähnten Bestrebungen genügen nicht, um das unter den Juden bestehende ungeheuere Elend zu bannen. Durch das fortwährende Nachrücken von Armen ans diesen Ländern werden anch alle Wohlfahrtsbestrebungen im Westen vereitelt. Die jüdische Volkspartei wird Haber eine Reichsaction zur Hebung der materiell»» Lage Galiziens und der Bukowina, die ia auch im Interesse des gesammten Oesterreichs liegt, allen Kreisen klar zu machen suchen. Die jüdische Volkspartei faßt zunächst die wirthschaftlichen und volitischen Interessen der Stammesgenossen Oesterreichs ins Auge, indem sie an der Erhaltung und Consolidirung dieser Monarchie d ns größte Interesse hat. Zugleich aber enthält ihr nation al-culturelles Programm Bestimmungen, die das qesammte Judenthum berühren. Bon diesem culturell-nationalen Standpunkte aus wird auch die tilgende Stellungnahme der Partei rur zionistischen Frage dictirt. Da die psychisch-n Gemeinsamkeits-Merkmale es in erster Linie sind, welche die verschiedensten Individualitäten desselben Blutes znsammeuketteu. da eine gewisse Gemeinsamkeit der Jnstincte und Wertbungen sich den zersetzenden Tendenzen klimatischer und materieller Natur geaenüber als das stärkste Bindealied racengleicher Menschengruppen erwiesen hat, so kann das Territorium nicht als die alleinige volksbildende Kraft angesehen werden. Die jüdische Volkspartei kann sich daher mit denjenigen Bestrebungen, welche in der Begründung einer palästinischen Heimstätte die ganze Bethätigung der Judenheit erschöpft wissen wollen, nicht identificiren. Sie tritt hingegen für die Hinüberleitung der Judenmassen, welche in verschiedenen Ländern als wirthschaftlich überschüssige Elemente gelten, in unser geliebtes altehrwürdiges Land ein, da eine Colonisation im großen Maßstabe ebenso dem Principe der historischen Continuität. wie dem Gesetze wirthschaftlicher Notbwendiakeit gerecht würde. Mit diesem Programm glaubt die jüdische Volkspartei eine Plattform geschaffen zu haben, auf der sich alle Schichten des jüdischen Volkes vereinigen können. Wien. (Jüdischer S ch u l v e r e i n für de n IX- Bezirk.) Sonntag den 12. d. M., Vorm. 11 Uhr. fand die feierliche Einweihung der durch diesen Verein ins Leben gerufenen jüdischen Religionsschule statt. Die Feier nahm einen sehr würdigen Verlauf. Unter den zahlreich erschienenen Gästen bemerkten wir unter Anderen die Herren: Richard Rappaport, Cultusvorstand Dr. Markus Spitzer, in Vertretung der Cultusqemeinde Herrn Broun, ferner Obmann des Tempelvereines im IX. Bezirk, Herrn Gottlieb Bettelbeim, in Vertretung des Talmud-Thora- Vereines für den XIV. und XV. Bezirk die Herren Herzog, Oberccmtor Bauer, die Bertteter der jüdischen Presse u. s. w. Entschuldigt hatten ihr Fernbleiben die Herren Oberrabbiner Doctor Güdemann, Gottlieb Taussig, Cultusvorstand

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