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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-01-17 · 3 (17.1.1902) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
3 (17.1.1902)
Date
1902-01-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Bloch's Wochenschrift Sette 41 Vor Schluß des Blattes erfahren wir, daß K. H. Wolf richtig wiedergewählt ist. Er braucht sich also auch nicht zu erschießen. Ein Mandat unter solchen Umständen errungen, ist freilich auch keinen Schuß Pulver werth. 18 6 § r 1 m. Correspondenzen. Oesterreichisch-Jfraelitifche Union. Samstag den 11. Jänner fand im Saale des Niederösterreichischen Gewerbevereines, I., Eschenbachgasse 11, ein Vortrag des Herrn Dr. Max Grün Wald aus Hamburg über „Kaufmännische Ehre" statt. Der Zudrang des Publicums war ein derart großer, daß auch die beiden Nebensäle eröffnet werden mußten und dennoch viele Späterkommende keinen Platz mehr fanden. Unter den Anwesenden bemerkte man außer dem Präsidenten und den beiden Vicepräsidenten der israelitischen Cultusgemeinde nahezu sämmtliche Vorstandsmitglieder u. v. Ä. Der Vortragende erregte mit seinen Ausführungen den lebhaften und ungetheilten Beifall des Publicums, das Dr. Grunwald nicht nur am Schluffe stürmisch acclamirte, sondern ihn auch während des Vortrages oft mit begeisterten Kundgebungen unterbrach. Der Bortrag enthielt außer einer Fülle neuer Gedanken und Anregungen ein reiches historisches Thatsachenmaterial, das ein Resultat eingehender Studien des Redners darstellt. Nach dem Vortrag fand zu Ehren des Gastes in den Localitäten des Restaurants Khuner ein animirtes Bankett statt, dem außer dem Präsidenten und dem gesammten Vorstande der „Union" auch Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, Bezirksschulrath Doctor MarcusSpitzer und zahlreiche Andere beiwohnten und bei welchem die treffliche Leistung des Redners in geistvollen Tischreden immer wieder gewürdigt und anerkannt wurde. Die Vollendung des Rothschild-Pavillons. In feierlicher Weise hat Sonntag den 12. d. M., um */;12 Uhr Vormittags, die Uebergabe des eben vollendeten Rothschild-Pavillons an seine zukünftige Bestimmung stattgefunden. Der von den Freiherren Nathaniel, Ferdinand und Albert v. Rothschild gestiftete chirurgisch-gynäkologische Pavillon ist ein Erweiterungsbau des im Jahre 1873 vollendeten Spitales der israelitischen Cultusgemeinde. Aus diesem Anlässe hatten sich zu der einen privaten Charakter tragenden Feier, zu welcher die Einladungen von dem durch die Freiherren von Rothschild bestellt gewesenen Bau-Comit6 erfolgten, im neuen Pavillon eingefunden: Ihre Excellenzen der Statthalter Graf Kielmansegg und Freiherr v. Chlumecky, Freiherr Albert v. Rothschild. Sectionschef v. Kusy, der Präsident der Cultusgemeinde kais. Rath Klinger, Oberrabbiner Dr. Güdemann, Vicepräsident der Cultusgemeinde Mitglied des Landesschulrathes Dr. Gustav Koh n, Hofrath Prof. Dr. Chrobak, Hofrath Prof. Dr. Schauta, Hofrath Prof. Dr. Zuckerkandl, Prof. Dr. Benedikt, Statthaltereirath Roretz, die Regierungsräthe Dr. Gersuny, Dr. Os er und Dr. Witlacil, die Docenten Dr. Breuer, Dr. Grünfeld, Dr. Fleischmann und Dr. Spiegler, Stabsarzt Dr. Pick, zahlreiche Aerzte, ferner Reichsrathsabgeordneter Auspitz, die k. k. Bauräthe Ritter v. Goldschmidt und Stiaßny, Architekt Fleischer, k. k. Ober-Ingenieur v. Mises, k. k. Oberfinanzrath Dr. Rappaport, Präsident Ritter v. Taussig, Commercialrath Leopold Pollack und kais. Rath Wilhelm Pollak, Gemeinderath Zifferer und fast sämmtliche Mitglieder des Cultusvorstandes nebst einer großen Anzahl von Gästen. Der Obmann des Baucomites begrüßte die zahlreich erschienenen Festgäste. Er dankte dem Freiherrn Albert v. Rothschild, der im Verein mit seinen Brüdern, den Traditionen seines Hauses folgend, dieses Haus zum Andenken an seinen verewigten Vater Anselm gestiftet habe, gleichwie vor einem Menschenalter dieser Wohlthäter zur Erinnerung an seinen Vater S a l o m o n das alte Spital der israelitischen Cultusgemeinde gestiftet habe. „Sie werden", fuhr Redner fort, „ein vollkommen modernes Spital, sowohl was den Bau, als die hygienischen Vorkehrungen und die innere Einrichtung in demselben betrifft, vorfinden. Das Baucomitä kann mit berechtigtem Stolze sagen, daß das neuerbaute Haus den besten Anstalten dieser Art an die Seite gestellt werden kann und daß das Vollkommenste, was sich auf technischem Gebiete und aus der Asepsis leisten ließ, hier Anwendung fand. Dies zu erreichen, war nur ermöglicht durch die Munificenz der Stifter, sowie durch das harmonische Zusammenwirken der im Baucomitö wirkenden ärztlichen Capacitäten mit dem Architekten Baurath Stiaßny, der sein reiches Können und Wissen und seine Erfahrungen in den Dienst dieser Sache gestellt und bereits vor dreißig Jahren den Bau des alten Spitales ausgeführt habe. Alt ist auch bei dieser modernen Schöpfung die bewährte, ausgezeichnete Kraft des leitenden Arztes Prof. O s e r, der die Anstalt seit ihrem Bestände in mustergiltiger Weise leitet. Mögen auch die Traditionen der Pietät und Menschenliebe aufrecht bleiben, welche in der Familie Rothschild immer hochgehalten werden." Freiherr Albert v. Rothschild sprach dem Baucomitö, . insbesondere dessen Obmann für seine aufopfernde . Thätigkeit, dann dem Architekten Baurath Stiaßny und dem Spital-Director Prof. Os er den wärmsten Dank aus, richtete sodann das Wort an den Präsidenten der Cultusgemeinde kais. Rath Klinger, und übergab das Gebäude im eigenen, sowie im Namen seines Bruders Nathaniel in das Eigenthum der Gemeinde. Freiherr Albert v. Rothschild gab der Hoffnung Ausdruck, daß hier Wissenschaft und Humanität Hand in Hand gehen mögen zum Wohle der leidenden Menschheit. Beide Ansprachen wurden von der Versammlung mit langanhaltendem Beisalle ausgenommen. Sodann ergriff Se. Excellenz Statthalter Graf Kielmansegg das Wort, um seine Freude darüber auszusprechen, daß in Wien, wo noch viel zu wenig öffentliche Spitäler vorhanden seien, der privaten Wohlthätigkeit wieder ein neues, und nach den ihm gemachten Mittheilungen zu schließen, ein mustergiltiges Spital errichtet wurde. Er erinnerte daran, daß Freiherr Albert von Rothschild schon vor mehreren Jahren ein Frauenspital zur Erinnerung an seine unvergeßliche Gemahlin Baronin Bettina von Rothschild gestiftet habe und daß dieses neue Haus somit eine zweite Stiftung des hochherzigen Freiherrn sei. Er finde eine Gewähr für die zweckentsprechende Durchführung des Gebäudes in der Person des Architekten Baurathes Stiaßny, den er von seinem früheren Wirken im öffentlichen Leben und von seiner Thätigkeit auf humanitärem Gebiete genau kenne und schätze. Ebenso sei die Leitung dieses Spitals verbürgt durch die Persönlichkeit des Directors Professor Oser, dessen hervorragende Thätigkeit im Landes-Sanitätsrathe ihm seit vielen Jahren bekannt sei. Die Worte Sr. Excellenz des Statthalters wurden wiederholt durch lauten Beifall unterbrochen und am Schluffe stürmisch acclamirt. Der Präsident kaiserl. Rath Kliüger wendete sich nun in einer warm gehaltenen, beifälligst aufgenommenen Ansprache an den Freiherrn Albert v. Rothschild; er betonte, daß dieser Erweiterungsbau, welchen die Barone Rothschild heute der Gemeinde übergeben und für dessen Errichtung und Ausstattung dieselben die Mittel in munificenter Weise zur Verfügung gestellt haben, ein von hervorragenden Fachmännern geschaffenes Meisterwerk in der Conception und in hygienischer Hinsicht darstelle. Wenn es auch dem Redner aus seiner Amtsführung bekannt sei, daß Baron Rothschild Dankbezeugungen nicht liebe, so erscheine es doch für den Präsidenten der Cultusgemeinde als eine Pflicht, Baron Rothschild zu bitten, für sich und seinen Bruder Nathaniel Freiherrn v. Rothschild den herzinnigen Dank des Vorstandes, der Gemeinde und der leidenden Menschheit entgegenzunehmen. „Wir" — so fuhr der Präsident fort — „die Vertreter und Vorsteher der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, geloben in Erneuerung der bereits früher abgegebenen Erklärung hiemit für uns und unsere Nachfolger im Amte, diese dem Wohle der Menschheit gewidmete Anstalt in ihrer nunmehrigen Ausgestaltung nach den Intentionen der Stifter zu führen und derselben unsere Fürsorge zuzuwenden, getreu den Vorschriften des Gesetzes, getreu den Traditionen unseres Glaubens. Es sei für dieses Haus der Wohlthätigkeit der Schutz und der Segen des Allmächtigen erfleht!" Der Redner bemerkt weiters: „Des Wohlwollens der Vorgesetzten k. k. Behörden für die humanitären Stiftungen und Institutionen der Cultusgemeinde, welchen sie ja zu allen Zeiten die wärmste Förderung zutheil werden ließen, glauben mir auch nach wie vor versichert sein zu dürfen, und angesichts der auch fürdie Folge gesicherten, bewährten ärztlichen Leitung dieser Ailanstalt glaubt der Vorstand beruhigt in die Zukunft blicken zu können. Dieses Haus, ein Wahrzeichen der Erfüllung wahrer Menschenliebe, verdankt seine Erweiterung auch dem von unserem erhabenen

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