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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-01-17 · 3 (17.1.1902) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
3 (17.1.1902)
Date
1902-01-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3 Dr. Bloch's WochenschrM Seite 35 Juden haben den Tabaksbau in vielen Ländern eingeführt, so in Oesterreich Jsak Ester von Hönigsberg, in Brandenburg geschah es etwa gleichzeitig mit der Aufnahme der jüdischen Exulanten aus Wien durch den großen Kurfürsten. Das köaigl. preußische Staatsarchiv enthält das den Juden David Nathan und Hartwig Daniel erlyeilte Privilegium, den Täbaksbau in den brandeuburg'schen Landen einzusühren. Aehnliches gilt von Württemberg und Mecklenburg. Ja, der portugiesische Jude Lais oe Torres, ein G Myrte des Cqristoph Columbus, hat überhaupt die moderne Tavaksindustrie erfunden. Juden haben den Kaffee in England eingeführt, er war im 18. Jahrhundert in Egypten unter dem Namen „Judentrank" nptfö sagen rabbinische Responsa) bekannt. Portu-. g lest sch e Juden pflanzten 1548 zuerst das Zuckerrohr in Brasilien und Wiener Juden haben den Candiazucker nach dem Westen gebracht. Tuchsabrikanten waren die Juden in Spanien, England und bis 1316, wo auf Andrängen der Zünfte diese Industrie ihnen verboten wurde, in Oesterreich. Em Prager Jude, Joachim Gans, macht die Engländer unter Elisabeth mit der Kupferindustrie' bekannt. Wiener Juden haben in Ungarn und an der Militärgrenze mit glänzendem Erfolge mit der Sndencultur begonnen. Ern Leipziger Meßöeruyt von 1841 rühmt die österreichischen Lieferanten, daß sie „mehr als unsere Banquiers augenscheinlich eine wahre Stütze der sächsischen Tuch- und Wollzeugfabrikanten sind." Das war im Jahre 1841! Juoen haben gewisse Z veige des Kunsthandwerks geradezu monopolisirt. Sie waren die geschicktesten Sllderarbeiter ui Lucca und anderen Städten Italiens, in Amsterdam die gesuchtesten Optiker und Diamantschleifer. Holland verdankte ihnen Jahrhunderte lang in ganz Europa das Monopol für d:e besten optischen Instrumente, ein Gewerbe, welches die vertriebenen Juden aus Spanien und Portugal in ihre neue Heimat mitgebracht haben. In Hamburg' waren sie die besten und billigsten Slemmetze und Graveure. Wie trat der Jude damals als Kaufmann auf? Wir hören, Karl der Große zieht jüdische Händler m sein Reich, einen solchen jüdischen Kaufmann betraur er mit einer diplomatischen Botschaft an den Khalifen. Otto der Große statter bei der Gründung Magdeburgs die jümschen Kaufleute mit den weitgehendsten Privilegien aus. Ja, hier wie anderwärts werden sie stets vor den übrigen Kaufleuten aufgeführt als juäaei et eeteri mercatores, „die Juden und die anderen Kaufleute". Der Bischof Rüdiger von Sprier sagt im Jahre 1084: „Als ich Sperer groß machen wollte, da glaubte ich seine Ehre tausencfach zu heben, indem ich Juden darin ausnaym. Selbst der oen judenfemdlichen Schriftstellern dieser Geschichtsperiode findet man keine Anklage wegen Wuchers. Den Wucher betrieben nämlich nicht die Juden, sondern bis etwa u.u die Wende des Xk. Jahrhunderts die Geistlichen. Die Klöster vor Allem leiteten das Bankgeschäft und später Mit einer geradezu unglaublichen Weitherzigkett der Templecorden, jener Orden, der ja nicht nur die Blütye des MönchSlhums, sondern zugleich die Blüthe der Ritterschaft in sich vereint, und Mit dem nicht nur Könige Geschäfte machten, sondern der selbst die heiligen Reliquien als Pfänder entgegennahm. Und über die Geldgeschäfte der höchsten Stelle in der Christenheit, des päpstlichen Stuhles, sind jüngst zwei Monographien von christlillchen Forschern erschienen. Ich nenne die Titel: Gottlob, „Päpstliche Darlehensschulden des XUI. Jahrhunderts" und Schnewer, „Die fiuanclellen Beziehungen der Florentiner zur Kirche". So stand es damals um den Wucher. Und wer, glauben Sie wohl, hat damals den Schacher, den jüdischen Schacher, besorgt? Werfen wir einmal erneu Blick ln das Leben und Treiben der juoenreinen germanischen Völker, wie es sich wiederspiegelt in den alten Gesetzen, den Rechtsquellen der Scandinavier, Cambrier, Angelsachsen, Iren, Schotten, vom fränkischen Reiche zu geschweigen. Da sind wir erstaunt über dre Laster, gegen die da immer und immer wieder geeifert wird, Laster, die man so gern nur in Israel heimatsberechtigt glauben will, aber am wenigsten bei jenen Ur- und Kernteutonen. Wir hören da zunächst vom Wucher der Geistlichen. Und daß dieses Gewerbe nicht ihr ausschließlich geistliches Monopol war, bezeugt uns am Vesten der gute Gerhard, in dem uns Rudolf von Ems einen deutschen Kaufmann jener Zeit vorsüyrl. Der sagt ganz harmlos von sich selbst: Swanne ich wider kaeme, Daz ich zwivaltic naeme, Min silber wider und dann noch m«, d. h. auf gut hochdeutsch: 100 Percent und darüber war der gewöhnliche Verdienst, und dieser gute Gerhard bildet die Regel, nicht die Ausnahme. Aber weiter finden wir nun in jenen G - setzen das ganze Sündenregister, welches unsere Feinde dem jüdischen Schacher auf Rechnung setzen: da hören wir von Betrug in Maaß und Gewicht, von Betrug beim Pferdehandel, von Münzfälschung, von Ausstreuung falscher Kriegs Nachrichten im Dienste des Kornwuchers, von Veruntreuung der Depositen, ja von Betrug im Handel mit alten Kleidern. Aber mtt einem Mal ändert sich das Bild. Mancher von Ihnen hat vielleicht einmal vor dem Straßburger Münster gestanden. Da sieht man am Südportal zwei lebensgroße Fcauengestalten. Die eine zeigt die Haltung der Siegerin, die andere verliert Krone und Banner, ihre Augen sind verbunden. Sie stellt die besiegte Synagoge dar, jene die triumphirende Kirche. Dieses Motiv, der Streit der Kirche und Synagoge läßt sich bis in die Anfänge der christlichen Kunst zurückvrrfolgen, aber überall stehen die Gegnerinnen einander völlig ebenbürtig gegenüber. Eine Wandlung zu Ungunsten der Synagoge, des Judrnthnms, eine Wandlung, deren Höhepunkt jene Scene am Straßburger Münster darstellt, sie tritt erst ein genau mit dem Beginn der Kreuzzüge. Dreses Bild ist sozusagen ein Petrefact des erwachenden Judenhass.'s. Diese Wandlung hat man bisher durch das Erwachen des religiösen Fanatismus erklären wollen. Doch der wahre Grund liegt tiefer. Dce Kirche hatte dem Clerus das Geldgeschäft verboten, aber nicht etwa aus religiös!» Bedenken, sondern Aristoteles, der Abgott der Scholastik, harte sich gegen das G ldgeschäfr erklärt und die Kirchenlehrer folgten seinem Beispiel. Die Bischöfe, die Herren der Städte, suchten also, da sie selbst und ihre christlichen Bürger das Obrum des Wuchers meiden mußten, außerhalb der Christenheit nach einem, aus den sie den Borwurs des Wuchers abwälzen konnten, ohne darum in ihrem bisherigen Geschäft geschmälert zu werden, und sie fanden, d. h. sie zwangen sich, finden zu lassen — den Juden. Zur selbe» Z'it war nämlich durch die Kreuzzüqe ein einheimischer deutscher Handelsstand wachgeworden. Der Luxus hatte enorm zugenommeu. Es gab viel zu verdienen, und wo es leicht zu verdrenen gab, da hat man mit dem Jaden nicht theilen wollen. Man hatte auch genug von ihm gelernt, um ihn entbehren zu können. So wurden die lästigen Concurrenten mit einem Schlags beseitigt. Sie wurden einfach lodtgeschlagen, die Urberleoenden degradtrt. Das ist das wahre und wichtigste Motiv jener arisch-germanischen Giaubenshelden. So war das Eade des jüdischen Großhandels im deutschen Mittelalter gekommen. Die Synagoge verliert Krone und Banner. Diese Noih des Juden wußten nun die Bischöfe und Fürsten gründlich auszubeuten, sie machten ihn zur Steuerschraube wlver Willen. Ich sage wider Willen, denn der Jude war durchaus leibeigen, willenloser Sclave und ohne Sippe und Blutsverwandtschaft in einer fremden Umgebung einzig und allein auf den Schutz und die Gnade feiner Herren angewlesen. So kam es denn, wie es kommen mußte. Die Fürsten zwangen den Juden, Geld zu haben; das Volk, als es der Herren Joch zu sprengen begann, erschlug die Inden eben um des Geldes willen. Der schwarze Tod war der Vorwand, nicht die Ursache der grausigen Judengemetzel des 14. Jahrhunderts. Die haben den Juoen auf Jahrhunderte hinaus auf das niedrigste sociale Niveau hinuntergeschleudert. Und nun sehen wir uns einmal diesen jüoischen Wucher ein wenig näher an. In Basel, einer Stadt, in der die Juden eine höchst wichtige wirthschastUche Rolle spielten und die wie Nürnberg und andere Städte seit der Judenverlreibuug sich nicht mehr hat erholen können, in Basel hat Han» Holbein m der Kathedrale den Todtentanz gemalt. Er bringe einen jüdischen Kaufmann, aber der Wucherer, den er zeichnet, das ist ein Christ. Hans Holbein verschmäht es auch nicht, was bisher wohl wenig bekannt ist, zu einem Buch des Rabbiners Jakob Weil, einem Buch über das Schächten, die Ttteloignetten zu zeichnen. Sebaftia» Braut, der Verfasse des Narrenschiff:s, der beißendste Satynker seiner Zeit, er weiß den Juden nichts nachzusagen. Er schilt aber den christlichen Wucherer. Er sagt: „Denn Mönche, Mäuse, Motten, Maden, die schrioen selten ohne Schaden." Ja wie arg kann der Wucher der Juden gewesen sein, nmm dem Volksmunde damals geläufig wurde das Sprüchlein: „W'r sagt, daß Wucher Sünde sei, der hat kein Geld, das glaube frei." Aber kaum sind die Juden aus der Sradt vertrieben und an ihre Stelle christliche Getdverleiher, ja städtische Pfandleihinstitme getreten, da beginnt allerorten ein unaufhörtiches Klagen und Jammern über

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