Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 2 (10.1.1902)
- Date
- 1902-01-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 De. Blvch's Wochenschrift, Seite 29 larität in weiteren Geschäftskreisen, die der Dahingeschiedene zeitlebens besessen, kam in der zahlreichen Betheiligung bei dem Leichenbegängnisse und Condolenzbezeugungen zu lebhaftem Ausdrucke, die der tieftrauernden Familie aus den weitesten Bevölkerungskreisen zugekommen sind. Wien. Samstag den 18. Jänner 1902 veranstaltet der Leopolvstädter Kranken-Unterstützungsvereln „Nächstenliebe" im Prachtsaale des Hotel „Bairischer Hof" eine Wohlthätigkeits-Masken redoute". Der Reingewinn fließt dem „Außerordentlichen Unterstützungs-Witwen- und Waisenfonde" des Vereines zu. Wien. (Große Wohlthätigkeits-Akademie.) Der israelitische Wohlthätigkeitsverein für Witwen nnd Waisen im 111. Bezirke, der unzählige Wohlthaten armen erwerbsunfähigen Witwen und Waisen jüdischer Confession erwiesen hat, der diesen Unglücklichen monatliche Pensionen verabfolgt, veranstaltet am Dienstag den 14. Jänner d. I. im „Hotel Continental" eine große Akademie mit Tanzkränzchen. Die Damen Poht-Meiser, Mila Theren und die Herren Hans Lackner, Leopold Natzler, das Koschat-Quintett und Herr Carlo haben ihr sicheres Mitwirken freundlichst zugesagt. Nach den Vorbereitungen des Comites zu schließen, wird diese Akademie einen großartigen Verlauf nehmen, denn die Mitwirkenden sind durchwegs Künstler ersten Ranges. An die jüdischen Wohlthäter appelliren wir, gedenket der unglücklichen, erwerbsunfähigen Witwen und Waisen und unterstützet dieses humane Unternehmen. Geldsendungen bitten wir zu richten an den Comite-Obmann Max Markus. 3. Bezirk, Dißlergasse 8. Wien. Donnerstag den 16. Jänner veranstaltet im Prachtsaale des „Hotel Continental", Wien II., Taborstraße 6, der humanitäre Verein der Trebitscher in Wien einen Festabend, verbunden mit Vorträgen und Tanz. Eintrittskarten per Person fl. 1.—. Familienkarten fl. 3.—. Karten sind bei allen Vorstands¬ und Comitömitgliedern und Abends an der Cassa zu haben. Die Vereinsleitung: Obmann: Taußig Sigmund, k. k. Oberbaurath rc., IV., Schwindgasse 2. Obmann-Stellvertreter: Beer Salomon, Börsenrath rc.. XIII., Linzerstraße 20. Dürheim Emanuel, Dr., Secretär der k. k. niederösterreichischen Finanz - Prvcuratur, IV., Wiedener Gürtel 26. Schriftführer: Wertheimer Leopold, Beamter, II., Vereinsgasse 19. Schriftführer-Stellvertreter: Spitzer Siegfried, jur. vr. Hof- und Gerichts-Advocat, VII., Kirchengasse 33. Cassier: Schnürmacher.Leopold, Kaufmann, II., Czerningaffe 16. Cassier-Stellvertreter: Epstein Moritz, Beamter, IX., Sechsschimmelgasse 10. Wien. Bor Kurzem feierte Herr Commercialrath Hermann S t i a ß n y seinen 70. Geburtstag im engsten Familienkreise. Der Jubilar, der allgemein bekannt und beliebt ist, wird auch außerhalb der Gemeinde geschätzt und geehrt. Die Stadt Wien hat ihm als zweiten Juden — der erste war Moriz Ritter v. Goldschmidt — die goldene Salvatormedaille verliehen und Seine Majestät der Kaiser sprach ihm bei einer Audienz allerhöchst seine Anerkennung aus. Dabei ist Herr Commercialrath Stiaßny stets ein treuer und aufopferungsvoller Jude gewesen, der, als ihm 1852 ein Lehrerposten unter der Bedingung der Taufe angeboten wurde, die Berufung ablehnte. Später widmete sich der ausgezeichnete Student ganz dem Kaufmannsstande, wurde von den Baronen Rothschild und Moritz Ritter von Goldschmidt wärmstens gefördert und errang sich bald eine hervorragende Stellung in der Wiener Geschäftswelt. Nebst seinem außergewöhnlichen. kaufmännischen und wissenschaftlichen Können zeichnet Herrn Commercialrath Stiaßny ein besonderer Wohlthäligkeitssinn aus, den er ohne Unterschied der Confession auf das Schönste bethätigt. Seiner Anregung ist auch unter Anderem die Entstehung des israelitischen Bersorgungshaufes, die Stiftung für schwachsinnige Kinder und die Errichtung der Stefanie-Stiftung in Biedermannsdorf zu danken. Die öffentliche Anerkennung ist seinem verdienstvollen Wirken in reichem Maße zu Theil geworden, und wenn er auch in seinem bescheidenen Sinne sein 70. Geburtsfest ganz in der Stille beging, so sind ihm doch die allgemeinen Sympathien gewiß, und es ist zu hoffen, daß er noch lange Jahre seine segensreiche Thätigkeit fortsetzen wird. W. G. Wien. Vorigen Freitag ist hier einer der markantesten und besten Menschen, welche noch aus der guten, biedermännischen Zeit herrühren, aus dem Leben geschieden. Es ist dies der Private Herr Moses Neu mann, welcher in den Kreisen der Orthodoxie sowohl wegen seines lautern Charakters, als auch wegen seines großen jüdischen Wissens, welches mit weltlicher Bildung vereinigt war, eine allgemeine Verehrung und die ungetheiltesten Sympathien Jener genoß, welche diesen anspruchslosen und biederen Mann gekannt hatten. Herr Moses Neumann war früher Geschäftsmann, hörte aber nie auf, sich seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Studium der jüdischen Literatur, zu widnien und besaß eine große Kenntniß in der hebräischen Sprache und in den Werken der jüdischen Philosophie Er stammte aus Neutra in Ungarn und war als Schwiegersohn des Lakenbacher Rabbiners mit dem berühmten Rabbinerhause der U l l m a n n s enge verwandt. Einer seiner Söhne ist der hiesige Communal- und Religionslehrer der Cultusgemeinde Herr Wilhelm N e u m a n n und einer seiner Schwiegersöhne, Herr Benjamin Fuchs, ebenfalls Communal- und Religionslehrer an der Cultusgemeinde in Wien. Der würdige alte Herr war erst in der letzten Zeit seines Lebens erkrankt und erreichte das seltene Alter von beinahe 91 Jahren. Friede seiner Asche und Ehre seinem Andenken! — sa. Austerlitz. Bei der am 19. December v. I. vorgenommenen Cultus-Ausschußwahl wurden zu Ausschußmitgliedern die Herren Josef Strach. Josef Eisler. Moritz Huß, Jakob Strach, Ignatz Krampflitschek, Siegmund Bachrich, Eduard Koritschan. wieder-, und die Herren Heinrich Flesch und Michael Kapperl neugewählt. Bei der hierauf folgenden Borstandswahl, die am 29. December v. I. nach einem vorhergehenden Gottesdienste stattfand, wurde der bisherige, langjährige und verdienstvolle Cultusvorsteher Herr Josef Strach wiedergewählt, Herr Josef Eisler zum I. und Herr Moritz Huß zum II. Beirathe, die Herren Eduard Koritschan und Siegmund Bachrich zu Tempelvorstehern theils wieder-, theils neugewählt. Holleschau. Am 6. Jänner beging Herr Moses Kopp mit seiner Gattin Sara geborene Zwillinger das Fest der goldenen Hochzeit in voller Rüstigkeit und Geistesfrische. Aus diesem Anlasse hielt Se. Ehrwürden Herr Dr. Freimann Samstag im Tempel eine Ansprache an das Jubelpaar, welche auf alle Zuhörer einen tiefen Eindruck machte. An diesem Tage haben sich sämmtliche Kinder und zahlreiche Enkelkinder. Verwandte und Freunde bei dem Jubelpaar eingefunden und das Fest wurde in animirtester Weise gefeiert. Viele Geschenke und zahlreiche Gratulationen sind eingelangt. Krakau. Der hiesige Cultusrath hat sich nach den stattgefundenen Wahlen constituirt, wobei abermals zum Präsidenten Gemeinderath Dr. Leon Horowitz, zum I. Bice-Präsidenten Gemeinderath Hirsch Landau und zum II. Bice-Präfidenten Herr M. Ehrenpreis fast einstimmig gewählt wurden. Uaemi Novelle von Babette Fried. (Fortsetzung.) II. Beim Seder. Fanni hatte in ihrem Leben keinen so luxuriös hergerichteten Seder gesehen, wie in dem Hause, wo sie feit drei Wochen im Dienste stand. Das Tischzeug, ein feiner glänzender Damast; die Sederschüffel, alte Weinbecher und alle übrigen Geräthschaften von schwerem Silber, selbst die Hagudes waren alle im festen gleichmäßigen Einband. Alles war festlich, nur nicht die Stimmung der Festtheilnehmer. Der Hausherr leierte wohl ohne alle Betonung die Hagada ab, aber Niemand der Anwesenden nahm Tyeil daran, sondern Jeder führte wie in anderen Tagen ein Tischgespräch über höchst profane Dinge. Theater, Literatur, Musik, ja selbst Stadtklatsch bildeten den Gesprächsstoff während des Seders zwischen den Hausleuten und den Gästen, meist ledigen Herren, welche sonst in einer Restauration zu Nacht speisten, für den Sederabend aber in der gastfteien Familie, in der sie gesellschaftlich verkehrten, geladen waren. Fanni fühlte sich in dieser Gesellschaft ziemlich bedrückt. Sie war bisher noch nicht zu Tische gezogen worden, sondern hatte immer entweder allein auf ihrem Zimmerchen oder zusammen mit dem christlichen Stubenmädchen gespeist. Heute war sie aufgefordert worden, zum Seder, den sie sorgfältig nach altem Brauche hergerichtet hatte, zu kommen. Fanni machte eine einfache aber sehr kleidsame Toilette. Sie zog einen schwarzen Kaschmirrock an, nahm dazu eine lichte, modern genähte Blouse, das nach der Mode hoch hinauffrisirte Haar mit einer lichtblauen Schleife geziert, welche zu ihrem leichtgewellten kastanienbraunen Haare und ihren dunkelblauen Augen recht gut stand. Das bescheidene Mädchen schien es nicht zu bemerken, wie lieblich es in diesem einfachen Anzuge aussah und wie sie, ohne es zu wollen, die Blicke der anwesenden Herren auf sich lenkte. Die Gedanken Fanni's weilten daheim in ihrer Vaterstadt, wo der gebrechliche Vater mit der fremden blaffen Frau jetzt eben bei Seder weilte und mit Andacht betete. Sie hätte gerne alle Pracht, von der sie hier umgeben