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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-01-10 · 2 (10.1.1902) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
2 (10.1.1902)
Date
1902-01-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 38 Nr. 2 Dr. Bloch's Wochrnsttzrifi< derselbe sogleich ein Werk, als ob er die ganze Zeit ein gedrucktes Jnstructionsbuch in der Tasche gehabt hätte. Und in gewissem Sinne hat er dies auch, denn der Bure schöpft seine Kriegskenntniß aus dem Alten Testament. Alles, was die Bibel über die Kampfmethoden der Philister, Asshrer, Amalekiter und Hebräer lehrt, weiß er, und zwar viel besser, als der berufsmäßige Soldat seine Thätigkeit. Er hat darüber schon als Knabe mit Graubärten, wenn sie beim Trekken um die Lagerfeuer gruppirt waren, argumentirt, er hat im Familienkreis auf der Farm darüber debattirt, er hat für sich selbst nachgedacht, während er Vieh in den Rinnen zwischen den Kopjes hütete. Alle seine verschmitzten Methoden hat er aus einer sorgfältigen Durchsicht der alten Schriftgeschichte gesammelt. Von jenen Schriftstellern wird nicht viel vom geradezu Fechten berichtet, die Strategie kommt von zehnmal neunmal vor die Tapferkeit, und dies nimmt den Buren ein, weil er ebenso ist. Er ist ein großer Bewunderer König Davids und er versucht, die Kämpfer, die der alten jüdischen Geschichte angehören, nachzuahmen. Für die Buren war Goliath von Gath einfach ein Narr, ein großer Bursche, der nicht mehr Mutterwitz als ein Ochse hatte. König Saul bewundern sie nicht sehr. Er wollte David, dem Hirtenknaben, eine kriegerische Rüstung anlegen und mit dem Riesen auf seine Art fechten lassen. Aber David gebrauchte nur eine einfache Schleuder und einige Kiesel aus dem Bach, um den grimmigen Kämpen ganz in seiner Gewalt zu haben, und nachdem er das, was er brauchte, erhalten hatte, gewann er. Das entspricht der Natur der Buren. Wenn ein Bur sein Gewehr nimmt und im Versteck auf eine britische Streifwache wartet, hält er sich für einen Helden, wenn er sein Gewehr visirt und den Drücker berührt, der ein Stück Blei zwischen die Augen des Briten da. draußen auf offenem Beldt senden wird. In seinen Augen ist er ein moderner David und fest davon überzeugt, daß Gottes Segen auf ihm und seinem Werke ruht. Wenn ein Burenführer Ruhm dadurch gewinnen wollte, daß er Wunder an Tapferkeit vollbrächte, würde er die Bewunderung seiner Landsleute nicht gewinnen, sie würden ihn für ungeeignet zur Führung in der Schlacht halten und ihn schnell wieder zu den gemeinen Soldaten zurückschicken. Sie glauben wohl, daß Simson einen ausgewachsenen Löwen nur mit seinen Händen tödtete, aber sie halten deshalb nicht viel von ihm. Wäre der hebräische Held heimgegangen, härte sich einen Bogen und ein Bündel Pfeile geholt, wäre er zurückgekehrt und hätte den Löwen aus einer günstigen Stellung erschossen, so stände er in ihrer Achtung viel höher. Die Prediger, die den Commandos predigen, nehmen selten ein Neues Testament oder predigen die Lehre von der Liebe und Gnade; sie ziehen etwas Kriegerisches vor und sie finden solche Texte reichlich im Alten Testament. Eine beliebte Methode, von einem Commando zum anderen Ordres mitzutheilen, ist bekanntlich der Gebrauch von Schrifttexten. Als Cronje wußte, daß Roberts ihn bei Paardeberg gehemmt hatte, sandte er folgende Botschaft an Krüger: „Lies Hiob, 16. Capitel, Vers 11 bis 14/ Die Bedeutung dieser Botschaft lehrt ein Blick auf das Buch Hiob: „Gott hat mich übergeben dem Ungerechten und hat mich in der Gottlosen Hände kommen lasten. Ich war in Frieden, aber er hat mich zunichte gemacht, er hat mich beim Hals genommen und zerstoßen, und hat mich ihm zum Ziel aufgerichtet. Er hat mich umgeben mit seinen Schützen; er hat meine Nieren gespalten, und nicht verschonet; er hat meine Galle auf die Erde geschüttet, er hat mir eine Wunde über die andere gemacht, er ist an mich gelaufen wie ein Gewaltiger/ Cronje, der Landmann, hatte die Beschreibung seiner Lage gedruckt und im Gedächtniß fertig, und Krüger wußte, daß sein Die.ner verurtheilt war. Es wird auch berichtet, daß, als die ersten britischen Gefangenen in die Hände der Buren fielen, Krüger Stein fragen ließ, was am besten zu thun sei, und die Antwort lautete: „2. Buch der Könige, 6. Capitel, Vers 21: „Du sollst sie nicht schlagen. Schlägst Du denn die, welche Du mit Deinem Schwert und Bogen gefangen hast? Setze ihnen Brod und Waster vor, daß sie essen und trinken und laß sie zu ihrem Herrn ziehen/ Zum Schluß noch ein Beispiel. An einem Tag. ehe Christian De Wet Lord Methuen aus einem wohlbefestigten Platz an der Eisenbahnlinie des Freistaates lockte, kam ein Bote Delarey's mit folgender Instruction in De Wet's Lager: „Josua, 7. Capitel, Vers 1—22/ Dieses Capitel ist werth, durchgelesen zu werden, da es die Taktik der Buren genau kennzeichnet; es handelt von der Eroberung der Stadt Ai, von Hinterhalten und Ueberraschungen. Vermischtes Wien» (O e st e r r e i ch i s ch-Js raelitische Unio n.) Samstag den 11. Jänner 1902, Uhr Abends, findet im Festsaale des „Niederösterreichischen Gewerbevereins", I. Escheubachgasse 11 ein Vortrag des Herrn Dr. Max G r u n w a l d aus Hamburg über „kaufmännische Ehre" statt. Nach dem Vortrage gesellige Zusammenkunft. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien, I., Seitenstertengaffe 4, für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Anna Hendl Von den Herren Leopold Hendl, IX., Währingerstraße 52' K 10.—; Berthold Hendl, IX., Nußdorferstraße 21, K 2.— » Otto Hendl, in Berlin, K 2.—; Rudolf Hendl, IX., Währingerstraße 52, K 2.—; Julius Behal, IX., Alserstraße 22, K 2.-; A. Gartenzaum, IX., Eisengasse 22, X 2.—. Zusammen K 20. — . Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Gisela Fuchs: Bon Herrn Laszlo Fuchs, VI., Mariahilferstraße 89 a, K 10.—; A. Grünwald VI., Mariahilferstraße 89 a, K 5.—; von Frau Rosalia Böhm, H.-M.-Vasarhely, L 10.—; von Herrn Samuel Böhm, H.-M.-Vasarhely, L 10.—. Zusammen L 35.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Albert Fleischmann: Von Frau Fanny Fleischmann, II., Kaiser Josefsstraße 29, X 6.—; von Herrn Moritz Fleischmann, II., Mühlfeldgaffe 15, X 5.—. Zusammen X 11.—. Wien. (Excursion des Vereines zur Hebung der Gewerbe.) Mit Bewilligung der k. k. Central-Direction wird der Verein unter Führung seines Präsidenten Brod am Mittwoch den 15. d. M. um 2 Uhr Nachmittags das neu erbaute k. k. Versatz-, Verwaltungs- und Versteigerungsamt, 1., Dorotheergasse 17, besuchen. Zusammenkunft halb 2 Uhr im Hause selbst. Nur Mitglieder und deren Damen, erstere mit Abzeichen versehen, können an der Excursion unter Vorweis der Einladung theilnehmen. Für die Vereinsleitung: der Schriftführer Alfred Kisch, der Präsident S. Brod. Wien. (N e u e H o f r ä t h e.) Se. Majestät der Kaiser hat die beiden Profefforen an der hiesigen Universität, Doctor Adam Politzer und Dr. David Heinrich Müller, zu Hofräthen ernannt. Wien. (Verlobung.) Hermine Zeckendorf, Tochter des Communallehrers und Religionslehrers der israelitischen Cultusgemeinde Moriz Zeckendorf, hat sich mit Herrn Leopold Kn öp fl er, Sohn des Herrn Moriz Knöpfler, verlobt. E. B. Wien. (Trauung.) Am 19. Jänner findet hier die Trauung des Großindustriellen Herrn Paul Mandl, in Firma M:^und I. Mandl, mit Fräulein .Elsa Glas statt. Das Brautpaar entstammt angesehenen hiesigen weitverzweigten Familien und wird das Hochzeitsfest, wenn es auch wegen eines tiefschmerzlichen Todesfalles — der Vater der Braut verschied vor wenigen Tagen — im engsten Familienkreise abgehalten werden wird, Veranlassung zu Sympathiekundgebungen der ganzen Gemeinde bieten. Wien. (S p e n d e n u n d S t i f t u n g e n.) Dem Kranken- Unterstützungs- und Humanitätsvereine „Gomle Chesed“ (Wohl^ thätigkeit aus Pietät), der seit 35 Jahren unter der thatkräftigen Leitung seines Präsidenten B. K a n i tz eine überaus segensreiche Wirksamkeit entfaltet, sind in jüngster Zeit folgende namhafte Spenden zugeflossen: Seitens der Frau Fanny Kann anläßlich des Ablebens ihres Gatten Leopold Kann, 200 X, seitens des Herrn Sigmund Werner, Börsebesucher, behufs Creirung einer Stiftung ein Betrag von 500 X und seitens des Herrn Leopold Löwy zur Erinnerung an seinen jüngst verstorbenen Sohn Alfred Löwy ein Betrag von 1000 X zwecks Schaffung einer Alfred Löwy'schen Stiftung. 1.. . £8Bicn. (Todesfall.) Am 7. d. M. verschied hier nach längerem Leiden Herr Hermann Goldenberg, Seniorchef der bekannten Exportfirma Fratelli Goldenberg, im Alter von 70 Jahren. Der Verblichene, ein zärtlicher Gatte, ein liebevoller aufopfernder Vater und humaner Principal, hat von kleinen Anfängen seine Firma zu einer der bekanntesten im Oriente, namentlich in Egypten, emporzuschwingen verstanden. Die Popu-

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