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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-01-10 · 2 (10.1.1902) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
2 (10.1.1902)
Date
1902-01-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 36 Dr Bloches Wochvnschrifk. Nr. 3 Lemberg angehörenden Genossenschaften, von hoher volkswirthschaftlicher Bedeutung ist. Es ist daher Sache aller jüdischen Genossenschaften Galiziens, stch obigem »Allgemeinen Verbände" anzuschließen und dadurch die Behauptung unserer Widersacher, daß die jüdischen Genossenschaften die Controle scheuen, Lügen zu strafen, und vereint zum Wohle und Segen unseres Landes ehrlich und redlich mit allen Kräften auf dem Gebiete der Selbsthilfe zu arbeiten. I o s e s W o l s. Lemberg. Die jüdische Gemeindeschule in der Stanislausgasse kann man trotz ihrer baulich-hygienischen Schattenseiten ein echt jüdisches Geistesasyl nennen. Dieses alte, unschöne Gebäude bietet mehreren für die jüdische Volkserziehung hochwichtigen Institutionen, u. zw.: der Bernstein-Stiftungsschule für jüdische Handwerker, der von uns jüngst erwähnten hebräischen Sprachschule „Chanoch ienaar“, der jüdischen Gemeindebibliothek und seit Kurzem auch der jüdischen Toynbshalle eine gastliche Heimstätte, abgesehen von der Knabenschule, die es seit Jahrzehnten beherbergt. Die jüdische Gemeindebibliothek verdankt ihre Gründung vor Allem den langjährigen Bemühungen des Gelehrten Salomon B u b e r, der hiebet von einigen für jüdische wissenschaftliche Zwecke interessirten Persönlichkeiten unserer Gemeinde unterstützt wurde. Die Cultusgemeinde hat im heurigen Jahre die bisher gewährte Subvention per 800 Kronen auf 1000 Kronen erhöht. Religionslehrer Bader versieht die Agenden des Bibliothekars in mustergiltiger Weise. Leider fehlt es an Mitteln zum Ankäufe der meist kostspieligen, neueren Werke, deren Vorhandensein das Interesse für die Bibliothek, hiemit auch die Besucherzahl steigern würde. Es ergeht hiemit an alle jüdischenAutoren die in ständig st eBitte. dieses junge, wichtige Institut durch Ueberlassung von Freiexemplaren fördern zu wollen und sflbe an i»ie Adresse des israelitischen Cultusvorstandes in Lemberg gelangen zu lassen. Eine lovensrverthe Neuerung ist es, daß nunmehr die besten jüdischen Zeitschriften dem Publicum zur Verfügung stehen. Anderseits nimmt es uns Wunder, warum bisnun mit der Activirung der ursprünglich projectirten jüdischen wissenschaftlichen Vorlesungen gezögert wurde. Das Curatorium sollte diesem Mangel baldigst abhelfen und die Bibliothek zu einer Pflegestätte jüdischer wissenschaftlicher Bestrebungen ausgestalten. Krakau. Am 28. December v. I. ist hier Herr Doctor JacobBlatteis im68.Lebensjahre verschieden. Der Verstorbene gehörte zu den renommirtesten und angesehensten hiesigen Aerzten und erfreute sich in allen Schichten der Bevölkerung, ohne Unterschied der Confessio», der größten Hochachtung und Sympathie. Er entstammte einer armen, sehr geachteten und frommen hiesigen Familie, kämpfte sich unter den schwierigsten Verhältnissen zu geachteter Stellung durch und sorgte zeitlebens mit rührender Liebe und Opferwilligkeit für seine zahlreiche mittellose Familie. Er gehörte noch der leider immer seltener werdenden Garde an,die ein reiches, modernes Wissen und wissenschaftliches Streben mit einem warmen Herzen für alle Interessen des Judenthums verband und sich stets öffentlich zum Judenthume bekannte. Er war seinerzeit der erste Schriftführer des hiesigen Tempelvereins und wurden zum erstenmal hauptsächlich durch seine Wirksamkeit Predigten in polnischer Sprache im hiesigen Tempel eingeführt. Der Verstorbene gehörte auch in früheren Jahren dem hiesigen Gemeinderathe an, wo er hauptsächlich an den Affanirungsmaßregeln eifrig Antheil nahm. Er war in erster Ehe mit einer Schwester des Wiener Advocaten D r. Sigmund Zins und der Frau Carolina Kohn, der Gattin des Wiener Landesgerichtsrath es Dr. Jacob Kohn, in zweiter Ehe mit einer verwitweten Lesser, geborenen Berson, einer durch hohe Bildung und Adel der Gesinnung ausgezeichneten und einer der angesehensten jüdischen Fam'lien Warschaus entstammenden Dame, vermählt. Das Begräbniß gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung der hiesigen Intelligenz ohne Unterschied des Glaubens, bei welcher die polnische, nach Form und Jnbalt ausgezeichnete Rede des hiesigen Rabbiners und Predigers Dr. Thon einen mächtigen Eindruck machte. Dem Verstorbenen bleibt ein ehrendes Andenken gesichert. Neutra. Die israelitische Cultusgemeinde hat in einer am I. Jänner abgehaltenen Repräsentantensitzung die Neuwahl ihrer Functionäre vollzogen. Bei dem Umstande, daß jüdische Ehrenstellen nicht Geld einbringen, — sondern Geld kosten, ist umso lobenswerther der Eifer Derjenigen, die sich um ein Mandat in die Repräsentanz bewerben und der Eifer Derjenigen, welche in den Vorstand zu gelangen suchen, um dort den Interessen ihrer Confession selbstlos zu dienen, für diese Opfer an Zeit und Geld zu bringen. Vor drei Jahren wurde Herr Josef Engel zum zweitenmale mittelst Acclamation zur Würde eines Gemeindepräsidenten berufen und er hat im verflossenen Triennium gezeigt, daß seine vermittelnde und versöhnende Persönlichkeit geeignet ist, die innerhalb der Parteien bestehenden Gegensätze zu ebnen, den Frieden in der Gemeinde zu erhalten, die Institution in traditionellem Geiste zu entwickeln und für einen ungestörten und vollkommen geordneten Haushalt zu sorgen. Ist es seinem Eifer vor drei Jahren gelungen, der Gemeinde zu einem imposanten Schulgebäude zu verhelfen und den alten Miseren mit energischer Hand ein Ende zu bereiten, so hat er im verflossenen Jahre die Gemeinde mit einer herrlichen Stiftung aus eigenen Mitteln beschenkt, indem er für die Talmud-Thora-Schule mit einem Kostenaufwande von 20.000 Kronen ein Anstaltsgebäude errichten ließ und derartig das Studium jüdischen Wissens förderte. Gaben nun die Gemeindemitglieder bei den allgemeinen Wahlen ein ehrendes Zeugniß ihrer Achtung und Anhänglichkeit für den Mann, der unter allen Verhältnissen ein jüdisches opferwilliges Herz zeigt, so gestaltete sich die am 1. Jänner vorgenommene engere Wahl zu einer herzinnigen Ovation für den Mann, der seinen höchsten Ehrgeiz darein setzt, als treuer Sohn seiner angestammten Gemeinde für deren religiöse, culturelle und humanitäre Institutionen Opfer zu bringen, und als der Wahlpräses, Herr Jakob Friedländer, der mit seltenem Takte und bewunderungswürdiger Ausdauer die gesammten Wahlen geleitet, die Repräsentanz aufforderte, an die Wahl des Gemeindepräses zu schreiten, erscholl ein einstimnliges „Eljen Engel Jözsef“, und der Wahlpräses hatte nichts Anderes zu thun, als zu enunciren, daß Herr Josef Engel neuerdings und einstimmig zum Gemeindepräses gewählt wurde, daß somit seine — des Wahlpräses — Functionen zu Ende sind und er noch beantragte, den Präses durch eine Deputation von seiner einhelligen Wiederwahl zu verständigen und in die Litzung abzuholen. Der Präses erschien bald darauf in der Sitzung und ganz gerührt von dem ihm gewordenen sympathischen Empfang, dankte er für das ihm entgegengebrachte Vertrauen, versprach, seine Thätigkeit wie bisher dem Wohle der Gemeinde zu widmen, und hat er vor Allem den Wunsch, den Tempelbau zu realisiren. Nachdem die hierauf laut gewordenen Eljcnrufe verklungen waren, schritt man an die Wahl der übrigen Functionäre. Gewählt wurden : Zum Vicepräses Dr. Kürth David, Cultnschef Frischer Lipot, Wohlthätigkeitschef Felsner Jonas, Cassachef Friedländer Jakob, Schnlpräses Dr. Munels Lajos, Cassier Neumann Jonas, Controlore Kramer Adolf und Morton Josef, Tempelcuratoren Hoff Zsigmond und Hirsch Mor. U ' IInnsbruck. Der „Tiroler W a st V, das mannesmuthige Organ des Tiroler Freisinns, schreibt Äber den famosen von uns bereits erwähnten Beschluß des Innsbrucker Gemeinderathes : (Gemeinderath, wo iß Dei Gerechtigkeit?) Han i mir denkt, wia i in den Tagesblättern die Nachricht g'les'n Han, daß die freisinnige Stadtvertretung den Beschluß g'faßt hat, der altrenommirten Firma Schwarz u. Comp, aus antisemitischen und volkswirthschaftlichen Gründen den Laden im goldenen Dachlgebäu zu kündigen. In Han meinen Augen völlig net 'traut, wia i das g'les'n Han, und drum Han i zur Vorsicht meine Augengläser putzt und mi no' amal vergewissert, aber es hat nix g'nutzt, es ist wirklich aso dag'stand'n. Ja ist denn im ganzen Gemeinderath wirklich koa Mensch, dem's aufdämmert ist, daß dear Beschluß ung'setzlich und drum ungiltig ist? Oder hat's der oane und andere wohl g'spürt, aber aus Angst vor der sogenannten schärferen Tonart sich nix z'sagen 'traut, und so Lueger's Grundsatz „liaber feig als dumm" zu dem seinigen g'macht. I kann's letztere völlig net glab'n, will's net glab'n, so lang's net klar erwiesen ist, aber, es wird mi auf die Dauer uix nutzen, i wear's glab'n müassen, denn es ist völlig net möglich, daß unter all den Gemeinderäthen net an oanziger ist, dear unser Staatsgrundgesetz mindestens so weit kennt, daß er woaß, daß vor dem Gesetze alle Staatsbürger gleich sein und vom allgemein geltenden Recht koaner ausg'schlossen werden kann. Es ist net möglich, daß net mindestens dem oanen oder andern klar ist, daß a Gemeindeangehöriger, dear pünktlich sei Steuer zahlt und sich wia die Firma Schwarz in koaner Weis was z'Schulden kemma laßt, von an Recht, das jedem Bürger zuakommt, net ausg'schlossen werden kann. Mögen manche unter den Gemeinderäthen a' in der Einbildung leben, daß sie für die Dauer ihres Mandates so quasi die Besitzer der Gemeindegüater sein, mit denen sie ganz nach Gusto und Laune schalten und walten können, muaß dechter mindestens der oane oder der andere über seine Stellung klar sein und wissen, daß er net der Besitze r, sondern nur der Mitverwalter der Gemeindegüater und es nur seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit ist, dö ihm anvertrauten Güater nach bestem Wessen und Gewissen ohne Ansehung der Person oder der Partei zu verwalten und alle Bürger ohne Ausnahme an der Wohlthat dear Güater theilnehmen z'lass'n. Das ist die eine rechtliche Seite der

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