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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-01-10 · 2 (10.1.1902) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
2 (10.1.1902)
Date
1902-01-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 24 Dr. Bloch's Wochenfchrifk. Nr. 2 kränzchen unter Leitung des ewig jungen Professors Rabensteiner unter den lockenden Klängen der Capelle des 60. Infanterie- Regiments beschloß das schöne Fest, dessen Veranstaltern ein Separatlob nicht vorenthalten werden darf. Wien. (Nachträgliches zur Kanitz-Feier.) sEingesendet.j Mehr als ein Bierteljahrhundert ist verstrichen, seitdem an den allgemeinen Volks- und Bürgerschulen der Religionsunterricht in 1—2 Stunden wöchentlich ertheilt wird. Aber erst kurze Zeit ist es her, daß durch eine zweckmäßige Organisation diese so knapp zugemessene Zeit für den wichtigsten aller Lehrgegenstände erfolgreich ausgenützt werden kann. Das größte Verdienst um diese Organisation hat sich der im December v. I. gefeierte Religionsschul-Jnfpector Prof. M. Kanitz erworben. Alle Parteischattirungen bewiesen ihm ihre Huldigung; Vertreter der verschiedensten Schattirungen beglückwünschten ihn entweder persönlich oder in schmeichelhaften Zuschriften. Die Klagen über den Religionsunterricht, wie sie in früheren Jahren gar oft geführt wurden, sind jetzt seltene Ausnahmen. Die Lehrpläne, die gegenwärtig Geltung haben, sind gründlich vorbereitet worden. Zur Unterstützung des Leseunterrichtes wurden Leseclassen geschaffen; der Jugendgottesdienst wurde ausgestaltet; durch geh ends Errungenschaften der letzten Periode. In ganz Wien wird der Religionsunterricht einheitlich betrieben, etwa nothwendige Veränderungen und Ergänzungen in ersprießlichen Conferenzen berathen und das Ergebniß dem Cultusvorstande unterbreitet, der seinerseits anerkennt, mit welcher Rührigkeit und Emsigkeit, mit welchem Eifer und mit welcher Hingebung an der Verbesserung des Religionsunterrichtes gearbeitet wird. Auch ein Erfolg der letzten Jahre unter der Aera des Jnspectors Prof. Kanitz. Es darf daher nicht Wunder nehmen, wenn der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde, kais. Rath Herr Heinrich Klinger, beim Kanitz-Jubiläum sagt: „Es ist ein erhebender Anblick, den Lehrer geehrt zu sehen, wie es er verdient. Nehmen Sie die Versicherung, daß ich seit meiner frühesten Jugend erfüllt bin von der höchsten Ehrerbietung gegen die Lehrer, und es freut mich, mtt meinen Collegen im Vorstande in der Schulsection für die Lehrer wirken zu können. Was den Jubilar betrifft, so muß man ihn nach seinem Wirken beurtheilen, man muß seinen Schüler hören wie ich. In diesem Momente sagte ich mir, wenn es dem Lehrer gegeben, den religiösen Sinn der Schüler in solcher Weise zu wecken und zu erhalten, so muß dieser Lehrer eine außerordentliche Begabung besitzen." Nicht minder ehrend für den Jubilar und die Lehrer sprachen die beiden Vicepräsideuten, die Herren Dr. Alfred Stern und Dr. Gustav Kohn. Ersterer ist erfreut. Anerkennung zollen zu können, wo sie reichlich erworben ist. Dr. Gustav Kohn wies besonders auf die Harmonie hin, die zwischen den Lehrern und dem Jnspector herrschen, ein Einklang, der für die religiöse Erziehung der Jugend von größtem Nutzen sein müffe. Vorsteher Herr Dr. M. Spitzer bezeichnet die Schule als die Festung für die Zukunft, er weist auf jene schwere Zeit hin, in welche die politische Selbstständigkeit der Juden unterging, durch die Schulen aber wurde das Judenthum gerettet, „laluaud godaul mehamaasse“. Im Herzen müssen wir Begeisterung erwecken. Die Religionslehrer sind die wahren Wächter der Stadt und wir wollen auch dazu beitragen, daß ihre sociale Stellung gehoben werde. Auch Herr Director Simon anerkennt in warmen Worten das Wirken des Jnspectors. F. Wien. (E rst e r israelitischer Frauen-Wohlthätigkeits-Verein Brigittenau.) Samstag den 4. d. M. fand'im Festsaale des „Hotel Continental" das diesjährige Elite-Kränzchen dieses Vereines statt, dessen eminent wohlthätige Wirksamkeit wir schon wiederholt hervorzuheben Gelegenheit hatten. Noch vor der festgesetzten Stunde war der geräumige Saal von einem distinguirten.Publicum dichtgefüllt. Als die Ballmusik unter Leitung des Herrn Capellmeisters Bauer — eines jungen aufstrebenden Glaubensgenossen — die Eröffnungs-Polonaise intonirte, hielt das Comite seinen Einzug. An der Spitze Frau Präsidentin Therese Spitz, ihr folgten die Borstandsdamen Louise G allia, Dr. Weiß, AnnaGoldner, Katharina Kohn, Johanna Renner, Adele Stern, Rosa L ö w i t und circa 40 junge Damen. Nach dem schön durchgeführten Eröffnungstanze gab sich die zahlreich erschienene Jugend mit unermüdlichem Eifer dem Tanzvergnügen bis in die frühen Morgenstunden hin. Erwähnen möchten wir die Cvtillon-Quadrille, bei welcher Herr Tanzmeister I. Singer eine Gavotte mtt 16 schönen jungen Damen zur exacten Durchführung brachte, welche großen Beifall fand. Die schönen Damenspenden aus dem Atelier Hartmann in Wien bilden eine angenehme Erinnerung für die Theilnehmermnen dieses Abends. Konnte der ungetrübte Verlauf dieses schönen Festabends das rührige Comits, von denen namentlich den Herren Dr. S a x l, Geza Schwarz, Oskar Löwy und dem artistisch m^Leiter Herrn Isidor Palenberg besonderer Dank gebührt, befriedigen, so blieb der Hauptzweck ^dieser Veranstaltung nicht vergessen, indem der Abend zu Gunsten der Armen des Vereines ein beträchtliches Remerträgniß ergab. Wien. Der Synagogenverein „Beth Israel" hat Heuer wie alljährlich aus seiner Kaiser-Jubiläums-Stiftung einem Brautpaare eine Brautausstattungssubvention von K 400 verliehen. Diese Trauung gestaltete der Synagogenvereinsvorstand sehr feierlich. Dem im Ceremoniensaale stattfindenden Unterzeichnungsacte wohnte der Synagogenvorstand in eopore bei, wobei in Verhinderung des Obmannes, Herrn v. Mises, Obmannstellvertreter Herr S. Deiches eine Ansprache an das Brautpaar richtete, in welcher er ungefähr Folgendes ausführte: Als gelegentlich des Regierungsjubiläums Sr. Majestät, des Kaisers alle österreichischen Völker miteinander wetteiferten, um dem Monarchen ihre Liebe und Verehrung zum Ausdrucke zu bringen, erklärte der stets um das Volkswohl besorgte Monarch in edler Weise, daß er die Schaffung vvn Wohlthätigkeitsinstitutionen den projectirten Festlichkeiten vorziehe. Der Verein hat nun, dem Allerhöchsten Wunsche Rechnung tragend, die Kaiser-Jubiläumsstiftung errichtet, aus derem Fond die Subvention fließt. Der Vorstand freue sich, hiefür ein so würdiges Paar gefunden zu haben und habe ausdrücklich beschlossen, durch corporative Theilnahme an der Trauung das Paar zu ehren. Herr Deiches gibt dem Wunsche und der Hoffnung Ausdruck, daß das Brautpaar auf seinen ferneren Lebenswegen von Glück begleitet sein möge, und schließt feine Ansprache mit einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser, in welches die Anwesenden begeistert einstimmten. Hierauf fand in der Synagoge der feierliche Trauungsact statt, welcher durch die vortrefflichen gesanglichen Leistungen des Obercantors Herrn Mayer Schor und des ganzen Chores eine besondere Weihe erhielt. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Mayersohn hielt eine tiefempfundene Rede, in welcher er von dem Wochenabschnitte, der von der Geburt Moses handelt, ausging und beiläufig Folgendes sagte: „Wie bei Moses Geburt das Geburtshaus in himmlischem Lichte erstrahlte, wodurch die hohe Bestimmung des Neugeborenen zum Ausdrucke kam, so möge die im Aufträge des Vorstandes hell beleuchtete Synagoge ein gutes Omen sein, das auf Ihre weiteren Lebensschicksale bestimmend einwirke." Damit schloß der feierliche Act. Prag. (Vortrag.) Seitens des „Centralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten" wird alljährlich zu Gunsten seiner Handwerkersection ein Vortragsabend veranstaltet, an dem Gelegenheit geboten wird, Redner und Gelehrte von Ruf und Bedeutung kennen zu lernen. Für heuer ward Herr Professor Martin Philippson aus Berlin gewonnen, und hielt derselbe am 6. d. M. im Productenbörsepsaale einen Vortrag über: „Das Judenthum und die übrigen Culturreligionen." In großen Zügen entwarf der berühmte Historiker ein anschauliches Bild des Entwicklungsganges der jüdischen Lehre, bezeichnet als die drei Etappen den Mosaismus, den Prophetismus und den Talmudismus und führte in lichtvoller Weise aus, wie jede einzelne derselben in jeweils veränderter, der Zeit angepaßten Form dem Grundgedanken des Monotheismus und der Nächstenliebe zu dienen bestimmt war. In gleich interessanter Weise behandelte der Gelehrte die dem Judenthume entsprungenen Tochterreligionen, die christliche sowohl als den Islam, und wies nach, daß letzterer, wenn äußerlich auch der jüdischen Religion näher verwandt, derselben in idealer Richtung doch wett ferner stehe als das Christenthum, das das Fundament seiner Moral- und Sittenlehre aus dem Alten Testamente geschöpft habe, und an vielen Aussprüchen der namhaftesten Theologen, darunter insbesondere Harnack's wurde gezeigt, wie diese Erkenntniß sich in der neueren Forschung Bahn gebrochen habe. Den Schluß des mehr als einstündigen, freien Vortrages bildete ein schwungvoller, von Begeisterung für die Sache getragener Appell an die zahlreiche, den ersten jüdischen Gesellschaftskreisen angehörende Zuhörerschaft, das muthvolle, unentwegte Ausharren im Judenthume, und die stete Förderung seiner Institutionen als Ehrensache zu betrachten und sich der hohen Culturmission, die das Judenthum bereits erfüllt und die es für spätere Geschlechter noch zu erfüllen berufen ist, stets bewußt zu bleiben. An den Vortrag, dem stürmischer Beifall folgte, schloß sich ein Begrüßungsockend im Restaurant „zum

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