Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 2 (10.1.1902)
- Date
- 1902-01-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 33 Der Unterzeichnete Verein erachtet es für seine Pflicht, in diesem Sinne seine Bitte Ihnen, Herr Präsident, zu unterbreiten, mit deren Inhalt wir unzweifelhast dem Empfinden und Wünschen des weitaus überwiegenden Theiles aller Gemeindemitglieder bescheidenen Ausdruck gegeben haben. In der beruhigenden Erwartung, Sie noch fernerhin als den allverehrten Präsidenten unserer Cultusgemeinde begrüßen zu können, bitten wir um freundliche Genehmigung der Versicherung unserer Hochachtung, in welcher wir zeichnen Wien, 3. Jänner 1902. Politischer Volksverein A. Marek m. p. Dr. Fialla m. p. Präsident Dr. Mareell Hoffmann m. p. Israelitischer Bethaus-Verein „Beth Hatfila“. Samstag den 4. d. M. fand im Ceremoniensaale des Tempels in der Müllnergasse die Generalversammlung des Bethausvereines im IX. Bezirke statt. Dieselbe erfreute sich eines zahlreichen Besuches. Wir bemerkten u. A. als Delegirten des Cnltusvorstandes Herrn Architekt Max Fleischer, Bicepräsidenten Dr. Gustav Kohn, Cultusvorsteher Docent Dr. Grünfeld, Gemeinderath Dr. Zifferer, Dr. I. - S. Bloch, Präsidenten des Vereines zur Hebung der Gewerbe S. B r o d. Der Obmann Herr G. Bettelheim begrüßt -die Erschienenen und eröffnet die Versammlung. Nach Verificirung des Protokolles der letzten Versammlung verliest der Vorsitzende den Rechenschaftsbericht. Derselbe constatirt, daß die Mitgliederzahl (305) fast gleich geblieben, im Urbrigen aber ein Rückgang constatirt werden müsse. Confirmationen von Knaben wurden 30 gegen 38, Trauungen 78 gegen 90 im Vorjahre vorgenommen. Während die Einnahmen durchwegs Ausfälle, z. B. Sitzmiethe 12.385 X gegen 13.088 X, Trauungstaxen X 8244 gegen K 11.063 zagten, konnte ein Anwachsen der Ausgaben nicht verhindert werden, so daß der Vorstand in diesem Jahre nicht in der Lage war, am Tempelgebäude eine Werthadschreibung vorzunehmen. Dagegen konnte der Verein eine Satzpost per 20.000 X, allerdings mit Zuhilfenahme einer Anleihe per 15.000 X, an den Pensionsfond und den Stiftungsfond des Vereines abstoßen. Der Bericht gedenkt der im Vorjahre Hingeschiedenen Vereinsmitglieder, insbesondere des verdienstvollen Ausschußmitgliedes Herrn Leopold Kann. Schließlich berichtet der Vorsitzende über aus Anlaß der Errichtung von Cultus-Bezirkscommissionen an den Cultusvorstand über dessen Aufforderung erstattete Vorschläge, welchen sich einige Bezirks-Tempelvereine angeschlossen haben, eine Einigung jedoch nicht zu erzielen war. Von der Verlesung des Gebahrungsausweises und der Bilanz wurde über Antrag des Vereinsmitgliedes Rosenzweig Umgang genommen und dem Vorstande das Absolutorium einstimmig ertheilt. Aer Gebahrungsausweis weist ein Revirement von 67.874 X aus und schließt mit einem Baarvorrath von 7471 X. Zur Neuwahl von 4 Vorstandsmitgliedern nimmt der Vorsitzende als Candidat das Wort. Er will, nachdem er nunmehr genau 20 Jahre dem Präsidium des Vereines angehöre, kein Programm entwickeln und keine neuen Versprechungen machen, und zur Frage der Bezirkscommiffionen seinen Standpunkt zu vertreten, fühle er sich angesichts der herrschenden Meinungsverschiedenheit verpflichtet. Seit jeher habe man von mancher Seite seine auf Ausgestaltung der Tempelvereine gerichteten Bestrebungen fälschlich dahin gedeutet, als ob er es auf eine Schwächung oder gar Zerreißung der Gemeinde abgesehen hätte. Mit Nichten. Er wollte nie etwas anderes als einen innigen Contact des Vorstandes mit den Gemeindemitgliedern, der oberen Zehntausend mit den breiten unteren Schichten Herstellen. Er möchte das Herz der Reichen und Gebildeten für die Leiden und Bedrängnisse der Armen und Schwachen erwärmen. Er ist z. B. der Ansicht, daß die besorgnißerregende Abfallbewegung in dem Moment aufhören werde, in welchem man dem Juden den Heroismus, seine Kinder wegen seines Glaubens hungern zu sehen, ersparen werde. Diese Hebung des Gemeinsinnes wollte Redner durch die Tempelvereine erzielen. Mit warmem Danke erfülle ihn, daß der Präsident der Cultusgemeinde demselben Ziele seine vollste Aufmerksamkeit zugewendet hat. Wenn derselbe nun glaube, sein Ziel durch die Bezirkscommissionen besser als durch die Tempelvereine zu erreichen, so wolle er sich gerne unterordnen, ja er glaube, daß vor diesem höchsten Zwecke alle Schlagworte von Centralismus und Autonomie, alle rituellen Sonderbestrebungen zurücktreten müßten. Wenn die Versammlung diesen Standpunkt theile, so bitte er um ihre Stimme. Vice-Präsident Dr. G. Kohn erwidert in seiner Eigenschaft als Bereinsmitglied, er werde den Vorredner ohne Rücksicht auf deffen Ausführungen nur wegen seiner Leistungen in der Leitung des Bethausvereines gerne wiederwählen. Nachdem noch Herr Architekt Fleischer dem Vorstande des Vereines namens des Cultusvorstandes den wärmsten Dank ausgesprochen, was mit allgemeinem Beifalle ausgenommen wurde, Obmann - Stellvertreter Regierungsrath Dr. S ch n e p p sich den Ansichten des Vorsitzenden, dieselben in beredten Worten erläuternd angeschlossen, das Mitglied Herr Rosenzweig an die Einigkeit der Gemeinde appellirte, wurde zum Scrutinium geschritten. Es erscheinen einstimmig gewählt zu Vorständen mit dreijähriger Mandatsdauer die Herren G. B e t t e l h e i m, Julius K o p st e i n und Heinrich Goldschmied, für eine einjährige Mandatsdauer Herr Adolf Moser. In den Ausschuß erscheinen ebenfalls einstimmig gewählt die Herren: Jacob Blau, Ad. Frankl, Emil Fürth, Dr. Alfred Glogau, Leopold Hendl, Wilhelm Pappenheim. Dr. Em. Q u i t t n e r und Isidor T r e b i t s ch. Nachdem sich Niemand mehr zum Worte meldet, schließt der Vorsitzende mit Dankesworten an die Erschienenen die Versammlung. Wien. (Ein gelungenes Wohlthätigkeitsf e st.) Die erste gesellschaftlich bedeutende Wohlthätigkeitsveranstaltung im neuen Jahre ist mit einem glänzenden Sucres in Scene gegangen. Wir sprechen von dem in jeder Richtung brillanten Wohlthätigkeitsconcert mit Ball, welches der Frauen- Wohlthätigkeits-Berein im achten Bezirke der Stadt Wien unter dem Protectorate der Gemalin des Statthalters Gräfin Anastasia Kielmansegg Samstag den 4. d. M. im großen Musikvereinssaale veranstaltete. Der Verlauf des Abends ist mit den Worten: Ueberfüllter Saal, glänzendes Publicum, künstlerische Darbietungen ersten Ranges, animirteste Stimmung und brillantes Erträgniß für die edlen Zwecke des Vereines genauest präcisirt. Das überreiche Programm des Concertes leitete der Pianist Herr Philipp Beran, der Sohn eines B^ümrer Großindustriellen, in vielversprechendster Weise ein. Der junge Mann, ein vollendeter Künstler auf seinem Instrumente, brachte Schumann's »Aufschwungs, Chopin's „Nocturne" und Schubert-Liszt's „Erlkönigs in so reizender Form zum Vortrag, daß er, dem stürmischen Beifalle Folge leistend, noch eine „Ungarische Rhapsodie" zugeben mußte. Als ein überaus sympathischer Sänger von reichen Mitteln und tadelloser Schulung brächte dann Alex. D'Jsraeli Papini's „Caro mio ben“ und Schumann's »Du bist wie eine Blume", von Herrn R. Pahlen vorzüglich begleitet, zu ausgezeichnetem Vortrage. Wie immer entzückte Gertrude Popper, von Leo Pavia begleitet, durch den Vortrag des Andante aus Wienawsky's v-rnolI-Concert und von Hubay's »Csardas-Scene". Den Glanzpunkt des Programmes bildete die meisterhafte Leistung der Hofopernsängerin Frau Elise Elizza, die, von Professor Ghisas auf der Flöte accompagnirt, die Wahnsinnsarie aus »Lucia" in entzückendster Weise zu Gehör brachte. Stürme von Beifall gingen durch den Saal, die nicht eher sich legten, bis sich die Künstlerin zu zwei weiteren Zugaben — ein italienisches Lied und das neckische »Rothhaarig ist mein Schätzlein" — entschloß. Im Bortrag der Arie aus »Lucia" zeigte uns Frau Elizza, wie sehr sie künstlerisch gewachsen, und es wurde vielfach das Bedauern laut, daß diese Prachtleistuug in der Oper nicht zu hören sei. Claire Wallentin vom Volkstheater entzückte das Publicum dann durch reizende Declamationen, und der reiche Beifall nöthigle. die Künstlerin ebenfalls zu vielfachen Daraufgaben. Dann kam Herr Kammersänger Schmedes an die Reihe, der das Liebeslied aus der »Walküre", Grieg's »Ein Traum" und Jensen's »Margareth am Thore" mit so vollendeter Schönheit sang, daß das Publicum nicht müde wurde, den Künstler solange zu acelamiren, bis er Niels Gade's reizendes Liedchen »Leb' wohl, Gretchen" daraufgab. Den heiteren Theil des Abends brachten zum Schluffe Frau Niese und Herr Leopold Natzler zur vollsten Geltung. Die unverwüstliche Niese entfeffelte durch die ihr ureigene Wiedergabe der humoristischen Borträge »Das goldene Wiener Herz", »Wie man marschirt" und »Der Seelenwanderer" wahre Lachstürme, die sich fortsetzten, als Natzler seine urdrolligen Couplets zum Besten gab. Beide Künstler ernteten überreichen Applaus. Gräfin Kielmansegg, welche dem Concerte bis zum Schluffe beiwohnte, gab der Bereinspräsidentin Frau Amalie Beck ihre besondere Befriedigung über den künstlerisch vornehmen und glänzenden Verlauf des Abends Ausdruck. Ein höchst animirtes Tanz-