Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 1 (3.1.1902)
- Date
- 1902-01-03
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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KW Mb WHVdHIW Sette 14 Dr. Bloch's qnalificirbaren Antrages. Kirch mayer selbst ist kein Hiesiger, sondern wanderte vor circa vier Jahren aus Salzburg hier ein und brachte das Galanteriewaarcn- und Ladengeschäft des Alois Witting käuflich an sich, unter welcher Firma er das Geschäft weitcrführt. Glaubensgenoflen, merkt Euch diese antisemitische Firma' und meidet jeden Verkehr mit derselben! Zn wundern ist es, daß der Bürgermeister einer Stadt, welche bekanntermaßen auf den Fremdenverkehr angewiesen ist. einen solchen gegen eine vom Staate anerkannte Religionsgenoffenschaft gerichteten, feindseligen Antrag zur Abstimmung zuließ, und noch mehr zu verwundern ist es, daß unter allen Gemeinderäthen auch nicht Einer den Muth fand, gegen einen so ungeheuerlichen Antrag sein Veto einzulegcn. Und dies Paffirt im 20. Jahrhunderts Es wird leider noch immer ärger, und man will uns Juden nicht nur die politischen Rechte, sondern auch jeden ehrlichen Erwerb unmöglich machen. Lemberg. Der hiesige- Rabinatscandidat Herr Aron Le Win, Sohn des Rabbiners Herrn Nathan Lew in und Enkel des Oberrabbiners Herrn I. S ch m e l k e s, hat sich mit Frl. Dora Friedman n in Wieliczka verlobt. Gay«. Die diesjährige Chewra-Sude, die am 26. December in den Sälen des „Schwarzen Adler" abgehalten wurde, hat die bisherigen alljährlichen Veranstaltungen dieses edlen Vereines an Solennität übertroffen, weil wir zum ersten Male die Ehre hatten, unseren neugewählten Rabbiner Se. Ehrwürden Herrn Dr. Moritz Bauer aus Mchlitz in unserer Mitte als Gast zu haben. Nach dem vom Bereinsodmann Herrn Max Sax gesprochenen Kaisertoaste intonirte die ganze, über 130 Personen zählende Tafelrunde das Kaiserlied, worauf Herr Sax Se. Ehrwürden auf's Herzlichste begrüßte. Stürmisch acclamirt, ergriff hierauf unser Herr Rabbiner Dr. Bauer das Wort zu einer tiesdurchdachten Ansprache, die in ein Hoch aus den Verein ausllang. In den folgenden Trinksprüchen wurden Herrn Dr. Bauer stürmische Ovationen bereitet. Um Mitternacht schloß der Obmann den officiellen Theil der Feier, und als sich Se. Ehrwürden mit den Worten aus baldiges, freudiges Wiedersehen von der Versammlung verabschiedete, wollten die Hochrufe kein Ende nehmen. Ungarisch-Brod. Die Präsidentin Frau Ernestine Jung des israelitischen Wohlthätigkeits-Frauen- Vereines in Ung. - Brod erlaubt sich hiermit die P. T. Mitglieder dieses Vereines zu der am 5. Jänner 1902 für 2 Uhr Nachmittags in der israelitischen Volksschule anberaumten Generalversammlung behufs Neuwahl der Ausschußmilglieder höflichst einzuladen. Antwerpen. Vor einigen Tagen hielt die hiesige ^Talmud- Thora für arme Schulkinder" ihre diesjährige Generalversammlung im Diamant-Casino ab. Aus dem vom Präsidenten Marcuse erstatteten Bericht ging hervor, daß die Anstalt auch in diesem Jahre auf eine erfolgreiche pecuniäre Thätigkeit zurückblicken kann. Die Mitgliederzahl beträgt gegenwärtig 600. Allein zur Generalversammlung fand sich blos die geringe Zahl von 50 Personen ein. Ein Zeichen, wie sehr unsere hiesigen Brüder Sinn für eine solch wohlchätige Anstalt haben, wenn man noch dazu bedenkt, daß hier weder in den öffentlichen Schulen noch in unserer Gemeinde für Religionsunterricht Sorge getragen wird. In der l^/zstündigen Versammlung hörten wir blos eine Debatte, und zwar, ob der Vorstand jährlich zu wählen sei oder blos jedes zweite, dritte oder gar jedes vierte Jahr. Ueber die Hauptsache aber, also betreffs der Leistungen dieses Institutes, fand sich gar kein Wort übrig. Bei der vorgenommenen Neuwahl wurden Herr I. Marcuse als Präsident, Herr A. Talkowsky als Vicepräsivent, Herr I. Schloßberg als Schatzmeister, Herr E. Spira als Ehrensecretär, ferner die Vorstandsmitglieder H. Fischer, K. Mahler und I. Straschun wiedergewählt. An Stelle des ausgetretenen Vorstandsmitgliedes S. M. Neukorn wurde Herr H. Brodheim gewählt. Der Vorstand beantragte noch vor Schluß der Sitzung in Anerkennung der großen Verdienste des Gründers M. Silberblatt die Talmud-Thora mit dessen Namen zu benennen, was dieser in seiner Bescheidenheit ablehnte. So ging der wiedergewählte Vorstand auseinander mit dem guten Gewissen — einer heiligen Sache seine Kräfte gewidmet zu haben. Wir hegen die angenehme Hoffnung, daß diese der Oeffentlichkeit übergebenen Zeilen, die doch wahrscheinlich dem Talmud-Thora-Vvrstand nicht entgehen werden, dazu beitragen werden, daß die Herren das ihnen anvertraute Ehrenamt mit mehr Ernst ausfüllen werden, als es bis heute geschehen. Dr. L. Landau. Wochenschrift. 3lt- 1 Ludbreg (Croatien). Eine der angesehensten Familien unserer Cultusgemeinde ist in tiefe Trauer versetzt worden durch das Hinscheiden der Frau Elisabeth S ch e y e r, Mutter des mehrjährigen Präses unserer Cultusgemeinde und Sparcaffedirectors Herrn Bilim S ch e y e r. Unter außerordentlicher zahlreicher Betheiligung hat am 26. December v. I. die Beerdigung stattgefunden, zu der sich auch unser Bezirksvorstand mit der Beamtenschaft eingefunden hatte. Die Bahre der Dahingeschiedenen, die das 86. Lebensjahr erreichte, umstanden 4 Söhne, 4 Töchter, 23 Enkel und 4 Urenkel. Unser Rabbiner, Herr M. Tauber, hielt der Heimgangenen einen ergreifenden Nachruf, in welchem er auf die hervorragende Familie hinwies und auch die Tugenden, die die Entschlafene zierten, schilderte. Am Grabe sprach noch Ehrwürden Herr Bezirksrabbiner Hessel aus Kopreinitz warmempfundene Abschiedsworte, und mit diesen schloß die würdige Leichenfeier. Mailand. Hier steht die Aufführung eines neuen Oratorims von Perosi bevor; es behandelt die Geschichte Moses in drei Theilen: der feurige Busch, der Auszug der Kinder Israel und der Uebergang über das Rothe Meer. Feuilleton. Purim. Novelle von Babetle Fried. Erstes Capitel. Ein kleines Zimmerchen, ausgestattet mit dem nothdürftigsten Mobilar, dem man es auf den ersten Blick ansah, daß es nicht zusammenpaßte und etwa bei einem Trödler zusammengekauft sein mochte, nachdem es diversen armen Familien durch viele Generationen treu gedient hatte. Kein Bild verziert die kahlen weißgetünchten Wände und selbst der Spiegel, welcher der Eingangsthüre gegenüber hängt, ist klein, aus dem ordinärsten Glase hergestellt, nicht geschliffen und mit einem schmalen Holzrahmen umgeben. Ueber der Thüre, welche gegen Osten zulag, hängt ein ganz verräuchertes Stück Papier, auf dem man nur mit Aufgebot aller Phantasie das Wort Misrach entziffern kann. Trotz der Armseligkeit dieser Wohnstube, welche gleichzeitig als Schlafzimmer und Küche diente, schimmerte diese in musterhafter Reinlichkeit und Ordnung. Alles ist an seinem Platze, von den spärlichen Kuchengeräthen in dem Schranke neben dem Ofen an, bis zu den Schreibutensilien und den wenigen Büchern, welche auf dem primitiven Schreibtische geordnet sind. Dieses Zimmer ist von einer; Frau bewohnt, welche eben au dem Schrewlische saß, den Kopf auf die rechte Hand gestützt, das Gebetbuch aufgeschlagen mit der linken haltend. Ob sie betete? Kaum! Es gibt Situationen im menschlichen Leben, wo selbst der intensivste Wille es nicht vermag,, dem gepreßten Herzen ein Gebet zu entringen, ein Gebet, von welchem man Erleichterung von seiner Pein, Befreiung von niederdrückender Sorge erwartet. Ja, diejenigen Menschen, welche gedankenlos pflichtgemäß die vorgeschriebene Seitenzahl oder die für diesen Tag bestimmten Gebete herableiern, diese werden immer Muße zum Gebete finden. Doch ist ein solches das richtige Gebet? Das Wort Thefillu bedeutet sowohl Beten als auch Denken, und soll beides verbunden sein, dann darf keine solche Verbitterung in den Menschenherzen platzgreifen, wie sie in der Seele der Frau entstanden ist, entstanden ist durch das graue Gespenst, der niederdrückenden lähmenden Sorge, die von keinem noch so dürftigen Hoffnungsstrahle verscheucht wurde. In solchen Momenten kann selbst die frömmste, ergebenste Seele nicht die richtige Stimmung zum Gebete finden. Es ist dies kein Trotz gegen das Schicksal, kein Auflehnen gegen den Willen des Allerhöchsten, sondern ein rein menschlicher, darum auch zu entschuldigender Seelenvorgang. Die Frau mit dem offenen Buche in der Hand seufzte tief auf: „Den Jehudim ward Licht und Frende, Frohlocken und Herrlichkeit — bei mir aber? Kann ich nicht vielmehr sagen: „Sie weint in stiller Nacht, ihre Wange netzt die heiße Zähre, keiner tröste sie von allen ihren Freunden." Ich kann dies mit dem Propheten sagen, denn gleich ihm sitze ich einsam in dem fremden Lande, trauernd um die verlorenen Theueren, um meine verlorene Heimat, mein entschwundenes Jerusalem. Das Dankgebet will mir an dem heutigen . Purim nicht über die Lippen, wohl aber die Worte: O Ewiger, schaue herav