Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 1 (3.1.1902)
- Date
- 1902-01-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021439-3021441--11428-3035965- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 1 unserem ehemaligen sehr verdienstvollen Vorstandsmitgliede Herrn Ignaz Großmann. Allen edelmüthigen Spendern sei auch an dieser Stelle für ihre gütigen Widmungen der herzlichste Dank des Vorstandes ausgedrückt. Wir hatten im abgclaufenen Jahre erfreulicherweise oft Gelegenheit gehabt, an freudigen Ereignissen auch unsererseits theilzuiiehmcn. Im abgelaufenen Jahre feierte der ehrwürdige Rabbiner der Gemeinde, Herr Dr. Adolf Schmied! seinen 80. Geburtstag. Sie wissen ja, wie viele Verdienste um unseren Verein sich dieser ehrwürdige Priester erworben hat, Sie haben ihn oft in unserem Tempel gehört und selbstlos bat er stets für uns gewirkt. Aus diesem »Grunde sowie wegen seiner Verdienste um die Gemeinde und das Judenthum haben nsir uns veranlaßt gefunden, ihn zu seinem Jubiläumsfeste zu beglückwünschen und ihm auch ein Angebinde in Form eines silbernen Pocals zu überreichen. Ihr Präsidium war auch bei der Feier im Leopoldstädter Tempel, der Stätte seines dermaligen Wirkens. Sie stimmen wohl mit uns in dem Wunsche überein, daß dieser Gottbegnadete noch lange als eine Zierde unserer Gemeinde uns erhalten bleibe. (Lebhafter Beifall.) Gerne wollte ich das, was jetzt zu sagen ist, vermeiden, allein geehrte Versammlung und geehrte Herren vom Vorstande, schon der Umstand, daß ich Gelegenheit erhalte, mein d.uikerfülltes Herz vor Ihnen ouszuschütten, fordert mich zur Mitthcilung auf. An meinem 60. Geburtstage haben Sic mich geehrt und ausgezeichnet, wie das wohl selten Jemand widerfährt. Die so erhebenden Beglückwünschungen durch die geehrten Eollegen, Ihre Adresse, der Festgottesbien st mit der auszcichnenden Ansprache unseres ehrwürdigen Rabbiners im Tempel, Alles, Alles tritt mir vor die Seele und sagt mir, danke den Herren allen aus dem Innersten des Herzens. Sie, geehrte Mitglieder, haben aber allem die Krone aufgesetzt durch die Stiftung, die Sie ins Leben gerufen, und die Auszeichnung, die Sie mir zu Thcil. werden ließen, indem Sie ihr meinen Namen gaben. Damit haben Sie mir nicht nur Ehre und Auszeichnung erwiesen, sondern mich beglückt, weil es meinem Innersten so entspricht und wohl thut, wenn Anderen genützt wird. Tie Absicht geht dahin, zum nächsten Geburtstage diese Stiftung bereits zu activiren. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Am 26. Juni war unseres Seniors und lieben Eollegen Friedrich P o l l a k 70. Geburtstag. Er war zu der Zeit nicht in Wien, so daß wir ihm nur schriftlich unsere Glückwünsche mit einem bescheidenen Erinnerungszeichen Vorbringen konnten. Wie bei jeder Gelegenheit, so auch diesesmal, bedachte er unseren Verein mit der namhaften Spende von 300 Kronen. Wir sagen darauf: bis 120 Jahre. Unser hochverehrter Cafsaverwaltcr, Herr kaiserl. Rath Friedrich P o l l a k, ist in diesem Jahre unter die Sechziger gegangen; auch er war in Wien zur Zeit nicht zu haben, weshalb wir ihm unsere Glückwünsche telegraphisch übermittelten. (Lebhafter Beifall.) Lange mußten wir warten, bis wir unsere Sympathien gegenüber unseren verehrten Vicepräsidenten, Herrn Dr. Jacob Enge l, zum Ausdruck bringen konnten; endlich aal 20. October war in seinem Hause Hochzeit. Daß auch wir mit unseren Wünschen nicht zurückhielten, werden Sie begreiflich finden für die aus diesem Anlasse erhaltene Spende von 400 Kronen wollen wir aber öffentlich danken. (Lebhafter Beifall.) Außer den internen brachten wir noch an außen stehende Personen, die in der Geine ude hervorragend wirken, unsere Wünsche dar So unserem ehemaligen Rabbiner D. Löwy znm 80. Geburtstage, dem 1. Vice-Präsidcnten der Eultusgemeinde Dr. Alfred Stern zum 70. Geburtstage, den Vorständen von dem Nachbartempel, Gottlieb Tausstk und Samuel Steiner, anläßlich ihres 25iährigcn Jubiläums als Tempelvorstände, endlich dem Präsidenten des Bethausvereines im III. Bezirke, Herrn Dr. Ludwig S t r a ß e r anläßlich seines Doppel- J'lbiläums. Leider haben wir auch zu condoliren nöthig gehabt. Es betraf dies unseren geschätzten und lieben Eollegen Josef Toffler, der den Verlust seiner Mutter zu beklagen hat, dem doch der beseligende Trost geblieben, daß sie auf Erden ein Alter, dos das Normale weit übersteigt, in voller Nüstigkeit erreicht hat und er ihr ihre Lebenstage verschönern konnte. Sie schließen sich auch unserem Beilcrd an. Noch sei erwähnt, daß wir unsere Reformbestrebungen auch auf die Generalversammlung ausgedehnt haben. Wir haben schon in der vorhergehenden einen das Judenthum betreffenden Vortrag durch eine fachkundige Persönlichkeit abhalten lasten, wir werden auch heute durch die Person des bewährten Schriftstellers Adolf Gelber einen solchen Vortrag hören und wollen auch in der Folge diese Vorträge nach der Generalversammlung abhalten lassen, sowie wir auch nach Schluß zum gemeinschaftlichen Mahle versammelt bleiben wollen. Wir legen Werth darauf, mit unseren allverehrtcn Mitgliedern wenigstens einmal im Jahre in nähere engere Berührung zu treten, und sollen Vortrag und Mahl dies vermitteln. Damit aber keinerlei Hinderniß dem entgegenstehe, laden wir dazu auch die geehrten Damen ein. (Lebhafter Beifall.) Geehrte Versammlung! Auch diesesmal lasten wir die Gelegenheit nicht vorüberziehen, um zunächst dem sehr geehrten Herrn Delegirten der Eultusgemeinde unseren besten Tank für seine liebenswürdige Vcrtrelung in unserer Generalversammlung abzustatten. Wir bitten ihn, auch der Dolmetsch unserer - Dankgefühle beim Vorstände der Eultusgemeinde sein zu wollen. Wenn wir auch Gott sei Dank es nicht nöthig haben, von der Gemeinde Subventionen zu verlangen, so verkennen wir dennoch nicht, daß wir seitens des verehrten Vorstandes Förderung und Wohlwollen finden, was für einen Verein, wie der unsere es ist, nicht gleickgilüg sein kann. Wir erachten es für unsere Pflicht , als treue Mitglieder dieser großen Gemeinde, dem Vorstande behilflich zu sein in allen seinen Unternehmungen und ihn insbesondere seine Aufgaben zur Erfüllung seiner cultuellen Pflichten zu erleichtern, endlich mitzuhelfen, die Würde und das Ansehen der Gemeinde auch nach Außen zu heben. Und so schließen wir den Bericht mit dem Glückwünsche auf das Heil und Gedeihen unseres Vereines und in erster Linie auch auf das unserer großen heiligen Eultusgemeinde Wien. (Lebhafter langanhaltender Beifall.) Cassaverwalter kais. Rath Friedrich Pollak (Myrthengasse), verliest den Rechnungsabschluß und die Bilanz pro 1901 und erläutert die Z'ffeen.mit einigen interessanten Ausführungen, indem er die frühere Bilanz zum Vergleiche heranzieht. Im Großen und Ganzen sind die Einnahmen constant geblieben, eine eingehende Prüfung zeigt aber, daß das Gebahrungsresultat des laufenden Jahres wesentlicher ungünstiger sich darstellt, als die Ergebnisse früherer Verwaltungsperioden. Der Ausfall von Stiftungen und außerordentlichen Spenden hat den Rechnungsabschluß ungünstig beeinflußt. In warmen Worten appellirt der Redner an die Vereinsmitglieder zur erhöhten Propaganda für die Ausbreitung des Vereines. Wir haben eine große Anzahl von Cultusinstituten geschaffen, welche mit Recht als mustergiltig gepriesen werden, unsere Functionäre sind vorzüglich, erfüllen ihre Pflicht mit Eifer und Gewissenhaftigkeit, vor Allem unser verehrter Prediger, der es verstanden hat, die Sympathien Aller sich zu erwerben. (Lebhafter Beifall.) Sache der Vereinsgenossen ist es, ihren Einfluß anzuwenden, dem Vereine erhöhte Einnahmen zu schaffen, die beste Verwendung können wir verbürgen. (Lebhafter Beifall.) Der Delegirte der Eultusgemeinde, Herr Cultusvorsteher Salo Cohn, erwähnt, wie gern der Vorstand die Berichte dieses Tempelvereines, welcher niemals um Subventionen ansucht, entgegennimmt, und er kann im Namen der Gemeinde den Dank für dieses ersprießliche Wirken nur durch einen Händedruck dem verehrten Präsidenten abstatten. Der diesjährige Berwaltungsbericht zeichnet sich aus durch den warmen familiären Ton, in welchem er abgesaßt ist. Vieljährige Theilnahme an der Thätigkeit dieses Vereines berechtigen den Redner, auch sich zur Familie zu zählen und den Wunsch auszusprechen, es möge das ehrwürdige Familienhaupt dieses Vereines, der vielgefeierte Künstler Architekt Max F l e i s ch e r uns noch lange Jahre erhalten bleiben zur Freude der Vereinsangehörigen, zum Stolz der Gemeinde und zum Wohle Aller. (Lebhafter Beifall.) Der Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift" Herr Dc. Bloch gibt die Anregung, den Jahresbericht allen wohlhabenden jüdischen Familien der westlichen Bezirke zuzusenden, und verspricht sich davon für den Verein einen erheblichen Zuwachs an Mitgliedern. Im Namen der Revisoren erstattet Herr Ignaz Reschovsky den Bericht und beantragt, dem Vorstand das Absolutorium zu ertheilen. (Einstimmig angenommen.) Zu Revisoren für das kommende Jahr wurden die Herren Jguaz Reschovsky und Leopold Sto Wasser bestellt, zu Ecsatzrevisoren Ignaz Klein und Dr. Carl Lo e w y. Beim 5. Punkt der Tagesordnung: Bestimmung des Jahresbeitrages, beantragt Vereinsmitglied Herr B a r k a n: die Generalversammlung möge in dankbarer Anerkennung der Verdienste des Vereinsvorstandes den Jahresbeitrag auf 15 K erhöhen. Er seinerseits ist bereit, einen Jahresbeitrags von 20 L zu zahlen. (Lebhafter Beifall.) Vorstandsmitglied kaiserl. Rath Adolf R u z i c k a dankt dem Vorredner für seine gute Gesinnung, befürchtet aber, durch Erhöhung des Jahresbeitrages in den Kreisen der Vereinsmitglieder Beunruhigung zu erregen. Es ist viel ersprießlicher, durch erhöhte Propaganda die Zahl der Vereinsmitglieder zu vermehren und den Verein derartstnanziell zu stärken. Herr B a r k a n ergreift nochmals das Wort, seinen Antrag zu befürworten. Cassaverwalter kaiserl. Rath.Friedrich Pollak erklärt, es stehe jedem Veceinsmitglied frei, seinen Jahresbeitrag zu erhöhen, für den Vereinsvorstandist es schwer, die Erhöhung zwangsweise durchzusühren. Herr Barkan ist ja mit dem Beispiel vorangegangen und Alle, welche seinen Antrag unterstützen, mögen hingehen und das Gleiche thun. Zum 6. Punkt in der Tagesordnung: Wahlen in den' Vorstand, bemerkt der Vorsitzende, daß gemäß •§ 13 der Statuten'