Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 1 (3.1.1902)
- Date
- 1902-01-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 5 IsraeliMche,' Temprlverein fiir dir beide« Gemeindrbrsirlre Mariahilf,md Neubau in Wien. (General-Versammlung vom 11. November 1901.) Vorsitzender: Präsident Architekt Max F l e i s ch e r. Die diesjährige ordentliche General-Versammlung des israelitischen Tempelvereines für Mariahilf und Neubau fand am 30. December 1901, Abends 7 Uhr, im Saale des „Hotel Savoy" unter zahlreicher Betheiligung der Vereinsmitglieder und einer Anzahl Damen statt. Der Vereins - Präsident) Architekt Max Fleischer, leitete die Versammlung, welche allen Theilnehmern in dauernder Erinnerung bleiben wird. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung, constatirte die Beschlußfähigkeit, begrüßte in herzlichen Worten die Erschienenen, insbesondere den Delegirten der israelitischen Cultusgemeinde, Herrn Cultusvorsteher Salo Cohn, die in Verhinderung der Präsidentin erschienene Bicepräsidentin des israelitischen Frauenwohlthätiakeits Vereines für die westlichen Bezirke, Frau Dr. Engel, den Präsidenten des Vereines Nachlath Jeschurun, den Herausgeber dieser Wochenschrift, Dr. Josef Bloch, Herrn Dr. Carl L ö w y, Schriftsteller Herrn Adolf Gelber, den Vereins-Rabbiner Herrn Dr. T a g l i ch t sammt Frau Gemahlin, sowie die übrigen Gäste. Ihre Abwesenheit von der heutigen General-Versammlung haben schriftlich entschuldigt die Vereinsvorsteher Friedrich P o l l a k (Schmalzhofgaffe), Janowitzer und Eisen berge r. Der Schriftführer Herr Hermann Liebermann verliest das Protokoll der letzten General-Versammlung und nach Verificirung desselben ergreift der Vorsitzende Architekt Fleischer das Wort zur Erstattung nachstehenden Jahresberichtes: Geehrte Versammlung! Ich habe die Ehre, Ihnen im Namen des Vorstandes den Bericht über die Verhältnisse des Vereines und über die Gebahrung des Vorstandes zu erstatten. Aus dem Mitglieder-Verzeichniß entnehmen Sie einen Stand von 262 Mitgliedern; von den im Vorjahre vorhandenen 263 sind 8 ausgetreten, während 7 beigetreten sind, wodurch sich obige Ziffer ergibt. Jedermann ist nun wohl gefaßt, mein alljährliches Klagelied, das ich bei diesem Capitel anstimme, zu hören, und schunrzt es mich sehr, daß ich dasselbe ihnen wieder Vorsingen muß. Nicht so sehr der materielle Vortheil ist es, der durch einen Zuwachs der Mitglieder erlangt wird und der anzustreben im Interesse des Vereines_ ja auch gelegen wäre, als vielmehr der berechtigte Wunsch, in zwei so bedeutenden Bezirken mindestens einmal einen Stand von 300 Mitgliedern zu erreichen. Es ist beschämend, daß unsere beiden anderen Vereine jeder weit mehr als 300 Mitglieder aufweist, während wir, der ältere Verein, noch niemals diese Ziffer erreichen konnte. Unter Umständen wäre es auch von Werth, zu zeigen, daß der Tempel Vereins-Vorstand zum mindesten 300 Vereinsmitglieder hinter sich hat und diese vertritt. Wir bitten Sie also, dahin zu wirken; wenn aus dieser geehrten Versammlung nur jeder Ein Mitglied wirbt, ist unser Ziel erreicht. Wir sind Gott sei Dank in der glücklichen Lage, dieses Jahr keinen Nachruf widmen zu müssen, wir danken dem Allmächtigen für diese Gnade, möge er uns diese noch für lange zu Theil werden lassen. (Lebhafter Beifall.) Von den 262 Mitgliedern zahlten: 1 Mitglied 50 Kronen, 2 Mitglieder ä 40 Kronen, 5 Mitglieder ä HO Kronen, 3 Mitglieder ä 24 Kronen, 55 Mitglieder ä 20 Kronen, 7 Mitglieder ä 16 Kronen und der Nest — 189 — ä 12 Kronen an Jahresbeitrag. Bezüglich unserer Thätigkeit wäre zu berichten, daß wir in 12 Plenarsitzungen und einer größeren Anzahl von Sections- und Comitesitzungen die laufenden Geschäfte erledigt haben. Unser Exhibitenprotokoll weist die schriftliche Erledigung von 496 Geschäftsstücken aus. Von größeren Arbeiten, die im abgelaufenen Jahre zu Ende geführt wurden, erwähnen wir die durch die Tempelrenovirung nothwendig gewordene Neuaufnahme des gesammten Tempelinventars, sowie überhaupt unseres ganzen Besitzes und die Festlegung von Bestimmungen, nach welchen dieses Inventar von nun an verwaltet und controlirt werden solle. Unter Einem haben wir das gesammte Vermögen des Vereines gegen Einbruch versichern lassen. Aus der Chronik des Vereines erwähnen wir, daß am 12. Mai die Confirmation von 28 Mädchen in feierlicher Weise in unserem Tempel vollzogen wurde, und constatiren wir mit Genugtuung, daß die Zahl der Theilnehmerinnen von Jahr zu Jahr wächst, gewiß deshalb, weil der Act sich stets feierlich gestaltet, und drücken wir an dieser Stelle unserem verehrten Herrn Rabbiner Dr. Taglicht fiir seine besonderen Bemühungen beim Unterrichte und die erhebende Art der Durchführung der Confirmationsfeier unseren verbindlichsten Dank aus. Am 18. August haben wir den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers durch einen festlichen Gottesdienst in der herkömmlichen Weise gefeiert. Wir hatten im abgelaufenen Jahre 51 Trauungen, 26 Barmizwahs, zehn Namengebungen. Wir wollen hier nicht an der Thatsache vorübergehen, daß einige wohlhabendere Familien in unseren Bezirken, die das Glück hatten, ihre Kinder verheiraten zu können, unseren Tempel umgangen haben und die Trauung anderswo abhalten ließen. Es ist dies nach jeder Richtung hin bedauerlich, weil es einerseits böses Beispiel gibt, weiters unsere auf ein Nebeneinkommen angewiesenen Functionäre und Angestellten schädigt und sonst auch das Prestige des Tempels beeinträchtigt. (Lebhafter Beifall.) Jeder, der den Trauungen bei uns beigewohnt hat, wird bezeugen, wie würdig und feierlich diese Veranstaltungen vollzogen werden. Auch hier appelliren wir an Ihre Vereinstreue und Güte, in Freundeskreisen dahin zu wirken, daß der Verein nicht verkürzt und hintangesetzt werde. Wie wir Ihnen im Vorjahre berichtet haben, hat uns der Vorstand der Cultusgemeinde das Recht eingeräumt, in unserem Tempel die Aufgebote vorzunehmen, und hat weiters unseren Rabbiner mit der Führung der Trauungsmatriken betraut. Nun hat uns die Cultusgemeinde auch die Verfügung über die Aufgebots-Taxen überlassen und daran nur den Wunsch geknüpft, diese Taxen zur Verbesserung der Bezüge unserer Angestellten zu verwenden, was wir gerne und bereitwillig erfüllten. (Lebhafter Beifall.) Was die Betsitz-Vermiethungen anbelangt, haben wir Heuer zu lom-üipur sämmtliche verfügbaren Betsitze vermietet gehabt und hätten wir noch eine große Anzahl von mittleren und billigeren Betsitzen vermiethen können, wenn wir solche zur Verfügung gehabt hätten. Diese Thatsache spricht dafür, daß die in Aussicht genommene Vergrößerung des Tempels in absehbarer Zeit einem wirklichen Bedürfnisse entsprechen wird, andererseits konnten wir leider, mit Rücksicht auf die außerordentlich rege Nachfrage nach Betsitzen, sämmtlichen an uns gestellten Wünschen unserer gesch^ten Mitglieder nicht Nachkommen. Trotz der completen Vermietung des Tempels zeigen die Spenden an den Sabbathen und Feiertagen einen Ausfall; das ist leider eine betrübende Thatsache und kann deren Grund nur in den allgemein ungünstigen wirthschaftlichen Verhältnissen gesucht werden; hoffen wir, daß sich diese bald beffern, daun werden unsere alten erprobten Wohlthäter gewiß auch uns wieder ihre Munificenz im vollen Maße zuwenden. Im abgelaufenen Jahre hatten wir leider auch nur eine einzige Stiftungsspende zu verzeichnen, und zwar eine Fensterspende Ihres Präsidenten. Es ist damit zugleich der Versuch gemacht worden, die in der obersten Etage des Tempels befindlichen Fenster mit Inschriften zu versehen; wie sich Jeder überzeugen kann, ist der Versuch nachahmenswerth. Es gereicht uns zur Befriedigung, Ihnen mittheilen zu können, daß wir im nächsten Jahresberichte von größeren Stiftungsspenden Ihnen werden Nachricht geben können Es ist uns knapp vor unseren hohen Feiertagen ein anonymes Schreiben zugekommen, von dessen Inhalt und unserer diesbezüglichen Entscheidung wir Ihnen trotz der Anonymität des Schreibers doch hier Kenntniß geben wollen. In dem Schreiben wurde von uns Abhilfe gegen die Ueberfülluug des Tempels an Maskir-Tagen verlangt und uns nahegelegt, den Eintritt in den Tempel an solchen Tagen einzuschränken. Es handelt sich dabei um Pesfach, Schewuoth und Schemini- Azereth. Wir haben nach reiflicher Erwägung beschlossen, keinerlei Aenderung an dem bisherigen Modus des Einlasses vorzunehmen. Bekanntlich wird an jedem der drei bezeichneten Tage ein eigener Früh-Gottesdienst abgehalten, um eben möglichst Vielen die Theilnahme zu verschaffen; das genügt aber nicht, und wir constatiren mit Genugtuung, daß die Pietät gegen die Verstorbenen sich erfreulicherweise im Judenthum erhält. Wir wollen das gerne fördern, aber nicht dazu beitragen, daß eine Abnahme stattfinde. Würden unsere geehrten Mitglieder und Betsitzinhaber eine bestimmte Angabe machen, dann würden wir ihnen ihre Sitze reserviren. Das thun sie nicht und wir dürfen nicht die Sitze lieber leer laffen, als sie den Andachtsuchenden überlassen. Eine behördliche Vorschrift gegen Kirchen- und Tempelüberfüllung, worauf wir Hinweisen könnten, gibt es nicht, die Communicationen müssen ftei gehalten sein, das geschieht, und so wollen wir auch weiter den Andachtsuchenden kein Hinderniß entgegensetzen. Durch die Güte des Buchdruckereibesitzers Herrn Moriz Waitzner, der den Druck kostenlos übernahm, konnten wir unseren Mitgliedern und Betsitz-Miethern, die zu kommen verhindert waren, eine am vorletzten Festtage in unserem Tempel gehaltene treffliche Predigt im Druck zukommen lassen; durch die Lectüre dieser Predigt angeregt, spendete Herr Ernst Pollak, der Sohn unseres verdienstvollen Nestors im Vorstande, den Betrag von 200 L. (Lebhafter Beifall.) Von namhafteren Spenden anläßlich der Tempelrenovirung sind zu verzeichnen: 200 K von Herrn Emanuel Fischmann und 200 K von